{"id":2668597,"date":"2007-07-20T08:33:45","date_gmt":"2007-07-20T08:33:45","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/07\/20\/fuhrerschein_teil2668597\/"},"modified":"2007-07-20T08:33:45","modified_gmt":"2007-07-20T08:33:45","slug":"fuhrerschein_teil2668597","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/07\/20\/fuhrerschein_teil2668597\/","title":{"rendered":"F\u00fchrerschein (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><span>Im Oktober suchte ich mir eine Fahrschule aus. Ich werde lieber nicht andeuten, welche. <br \/>Zuerst musste ich den 1. Hilfe-Kurs machen, in dem uns eine angehende Rettungs\u00e4rztin eigentlich st\u00e4ndig versuchte, weiszumachen, dass wir das, was sie uns zeigt, bestimmt sowieso nie brauchen werden. Inwieweit das p\u00e4dagogisch wertvoll war, m\u00f6chte ich jetzt hier nicht bestimmen. Ich h\u00f6rte trotzdem aufmerksam zu und empfehle Jedem, sich im Notfall lieber von <em>mir<\/em> retten zu lassen als von den anderen Kursteilnehmern.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Am 23. Oktober ging es dann mit der Theorie los. Mit mir waren da jede Menge junge Menschen t\u00fcrkischer Abstammung, die sich redlich m\u00fchten, s\u00e4mtliche Klischees darzustellen, die einem zu t\u00fcrkischen Jugendlichen so einfallen wollen. Ein Jungitaliener war aber auch noch dabei, der war sogar noch wilder. Alle konnten prima sehr laut sprechen und Klingelt\u00f6ne tauschen. Die M\u00e4dchen waren nur etwas dezenter als die Jungs, die angeblich schon lange mit Papas oder Bruders Auto herum fuhren. Nat\u00fcrlich hatten sie sich schon eigene BM*s bestellt und brauchten den Lappen nur noch der Form halber. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Das kann ja lustig werden, hoffte ich, und setzte mich trotzdem streberm\u00e4\u00dfig nach vorne. Schlie\u00dflich wollte ich die Sache so schnell wie m\u00f6glich durchziehen und noch vor Weihnachten in trockenen T\u00fcchern haben.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Der Fahrlehrer, der uns die erste Theorie-Stunde erteilte, war so Anfang 30, trug schlimm ausgelatschte Schuhe und schien mir ein richtiger Weiberk\u00f6nig zu sein. Er kam erstmal eine Viertelstunde zu sp\u00e4t und legte daf\u00fcr aber gleich richtig los. Volle 10 Minuten lang sprach er \u00fcber Sinn und Zweck des Fahrenlernens, die Eignung dazu und das n\u00f6tige Verantwortungsbewusstsein. Dann schweifte er ab, lie\u00df sich mit den Jungs auf lustiges Gepl\u00e4nkel ein und erz\u00e4hlte anschlie\u00dfend eine Stunde lang wildes Zeug aus der Zeit seines eigenen F\u00fchrerscheinerwerbs und andere Heldengeschichten. Wie man Frauen klar macht, z.B. Vielleicht kann ich das ja noch mal brauchen&#8230; Zum Schluss gings noch mal kurz um Verantwortungsbewusstsein. Schien ihm ein wichtiges Thema.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Der andere Fahrlehrer (H.), der sich mit ihm f\u00fcr den Unterricht abwechselte, war dagegen ein b\u00e4riger Papatyp mit Bart und Strickpullover, der keine M\u00e4tzchen duldete. Ich wusste sofort: bei dem f\u00e4hrste! Au\u00dferdem hatte sein Handy \u201eTake five\u201c als Klingelton, das kriegte ich zuf\u00e4llig mal mit, und das untermauerte die Entscheidung noch.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Nach zwei Wochen traute ich mich und hatte meine erst Fahrstunde.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Das Tolle, wenn man den F\u00fchrerschein macht, ist ja, dass man pl\u00f6tzlich von allen Seiten die dollsten Geschichten dazu erz\u00e4hlt bekommt, inklusive denen \u00fcber erste Unf\u00e4lle. In diesem Fall waren diese Geschichten \u00fcberwiegend mindestens 20 Jahre im Verkl\u00e4rungstank gewesen, da meine Freunde ja alle so in meinem Alter sind und ihre F\u00fchrerscheine in den 80ern gemacht haben.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>In der ersten Stunde wurde ich erstmal gefahren. Und zwar in ungef\u00e4hrliches Gel\u00e4nde, wo man als Anf\u00e4nger nicht viel kaputt machen kann. Da musste ich dann hinter\u2019s Steuer und kriegte erst mal die ganzen Klamotten da erkl\u00e4rt. Das gefiel mir gut. Dann sollte ich anlassen. Das gefiel mir nicht mehr so gut. Und schon rollte die Kiste und ich fuhr tats\u00e4chlich die Stra\u00dfe runter. \u201eIsch fasset nit!\u201c und \u201eWas mache ich hier eigentlich? Bin ich total durchgeknallt oder was!\u201c, kriegte der arme H. zu h\u00f6ren. Wahrscheinlich auch seit 20 Jahren wieder und wieder. Daran musste ich immer denken: Wie oft der Mann dieses Kommen und Gehen und diesen Angstschwei\u00df seiner Sch\u00fcler schon erlebt hat.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Nach einer guten Stunde, in der eigentlich nicht viel passierte, als um-dem-Block-Fahren, ersehnte ich das Ende der Fahrstunde (Dauer: 90 Min.), weil ich meine Konzentration kaum noch aufrechterhalten konnte. Spa\u00df hatte es mir irgendwie auch nicht gemacht.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Das hatte ich mir anders vorgestellt. Ich war immer der Meinung gewesen, dass ich bestimmt eine gute, l\u00e4ssige Fahrerin w\u00e4re, so theoretisch. Nun merkte ich, wie anstrengend ich das fand und ahnte, dass das kein Spaziergang w\u00fcrde. H\u00e4tte ich das Mistding doch schon mit 20 gemacht! Da hatte ich einfach noch nicht die Lebenserfahrung gehabt, die mir jetzt die Lockerheit verbaute. Auch in der zweiten Stunde wurde ich nicht lockerer, weil mir pl\u00f6tzlich auffiel, dass es eigentlich das reinste Wunder ist, dass nicht st\u00e4ndig alle Verkehrsteilnehmer in einem gro\u00dfen Klumpen zusammengekn\u00fcllt werden. <br \/><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Auch H. merkte, dass ich wom\u00f6glich ein schwieriger Fall werden k\u00f6nnte, weil ich nicht aufh\u00f6rte, beim Fahren zu denken.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Oktober suchte ich mir eine Fahrschule aus. Ich werde lieber nicht andeuten, welche. Zuerst musste ich den 1. Hilfe-Kurs machen, in dem uns eine angehende Rettungs\u00e4rztin eigentlich st\u00e4ndig versuchte, weiszumachen, dass wir das, was sie uns zeigt, bestimmt sowieso nie brauchen werden. Inwieweit das p\u00e4dagogisch wertvoll war, m\u00f6chte ich jetzt hier nicht bestimmen. 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