{"id":2636869,"date":"2007-07-15T05:25:52","date_gmt":"2007-07-15T05:25:52","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/07\/15\/kuchenbesuch_von_rieta_und_knut2636869\/"},"modified":"2007-07-15T05:25:52","modified_gmt":"2007-07-15T05:25:52","slug":"kuchenbesuch_von_rieta_und_knut2636869","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/07\/15\/kuchenbesuch_von_rieta_und_knut2636869\/","title":{"rendered":"Kuchenbesuch von Rieta und Knut"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><span>F\u00fcr gestern Nachmittag hatten sich ja nun <\/span><a href=\"#\">Rieta und Knut<\/a><span> angek\u00fcndigt, das mir innewohnende Ehepaar. Also habe ich sch\u00f6n den K\u00fcchentisch gedeckt, ein paar Bl\u00fcmchen drauf gestellt, das Sofa noch mal abgeklopft. Und p\u00fcnktlich um 15 Uhr fuhren die Beiden in ihrem Aud* vor. Vom Fenster aus konnte ich sehen, dass Rieta wie versprochen Kuchen dabei hatte. Prima! Nur hoffentlich keinen Frankfurter Kranz. Rietas Frankfurter Kranz ist ein ber\u00fcchtigt-monstr\u00f6ses Gebilde, das jeden Schachmatt setzt, der sich daran versucht. Au\u00dferdem macht sie die Buttercreme nicht mit Butter, sondern mit Margarine, weil es \u201eges\u00fcnder\u201c sei und man den Unterschied angeblich nicht schmecke. Sie glaubt da fest dran und ich bringe es nicht \u00fcbers Herz, ihr die Wahrheit zu sagen. Au\u00dfen rum sind die Kr\u00e4nze fingerdick mit Haselnusskrokant \u00fcberkrustet, der auch noch nach Tagen zwischen den Z\u00e4hnen zu knirschen scheint.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Ich setze noch schnell Wasser auf, da klopft es auch schon, sie haben es in den dritten Stock geschafft. Beide sind heftig aus der Puste, Knut wischt sich mit einem Stofftaschentuch den Schwei\u00df von der Stirn. Rieta legt sofort los, w\u00e4hrend sie zielstrebig die K\u00fcche ansteuert: \u201eNa, Lieb? Da sind wir! Freuste Dich? Nimm doch mal der Tante den Kuchen ab! Ist Bienenstich! Danke, Lieb. Ach, da haste sch\u00f6n gedeckt! Haste etwa schon Kaffee gekocht? Oh, neue Kissen? Schick!\u201c <br \/><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Solche Phonst\u00e4rken hat meine K\u00fcche lange nicht erlebt. Eigentlich, seit sie mich zuletzt besucht haben nicht mehr. Knut steht immer noch an der T\u00fcr und versucht, die Jacke auszuziehen, ohne seinem Baumwollbeutel abzustellen. Ich helfe ihm eben, er hat noch immer nichts gesagt, dr\u00fcckt aber kurz meinen Arm. Dann schiebt er sich an mir vorbei und klemmt sich direkt aufs Sofa. Rieta steht immer noch da und zeigt mir nun einen neuen Anh\u00e4nger an ihrem Bettelarmband. Ein Eiffelt\u00fcrmchen. \u201eGuck! Sch\u00f6n, ne?\u201c <br \/>Ich bewundere den Miniturm geb\u00fchrend und frage, ob sie den von Knut hat. Knut schnalzt nur mit der Zunge gegen die Backenz\u00e4hne und guckt zur Seite. Rieta erz\u00e4hlt: \u201eDen hat mir Marianne (ihre Schwester) mitgebracht. Die war n\u00e4mlich grad\u2019 in <em>Parriss<\/em> (Paris)! Mit ihrem Neuen! Der hat die zu so &#8217;ner Bustour eingeladen. Das muss herrlich gewesen sein!\u201c Seitenblick auf Knut. <br \/>Sie wolle ja auch schon immer mal nach <em>Parriss<\/em>, aber Knut sei das da alles zuviel, mit der ganzen Romantik und so. Und Champagner schmecke ihm auch nicht. Scheint ein Thema zwischen den beiden zu sein, da sag&#8216; ich mal lieber nichts.<br \/>Knut packt eine Schachtel Zigaretten aus der Baumwolltasche, fummelt sich eine heraus und knipst sie an. Ich frage: \u201eNanu, Knut. Du rauchst wieder?\u201c und stelle ihm schnell einen Ascher hin. Er kneift nur ein Auge zu, zuckt mit den Schultern und sagt: \u201eMeinetwegen kannse ja fahren. Und ich bleib sch\u00f6n zuhause.\u201c Rieta guckt verstimmt und wechselt das Thema. Offenbar habe sie da tats\u00e4chlich schon \u00f6fter dr\u00fcber gesprochen. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Sie mustert mich: \u201eH\u00f6r mal, du bist ja so d\u00fcnn! Haste etwa abgenommen? Pass blo\u00df auf, sonst kannste dich noch hinter &#8217;ner Birke verstecken! Sach, haste eigentlich kein Lik\u00f6rchen da? Wo wir uns so lange nicht gesehen haben!\u201c <br \/>Doch, habe ich: da ist noch die Flasche von dem Minze-Schokozeug, das gar nicht nach Schoko schmeckt. Laut Freundin T. aber auch nicht nach Minze. Das ist Rieta aber egal und mir jetzt auch und deswegen prosten wir erstmal sch\u00f6n. Knut streicht mit der flachen linken Hand \u00fcber den Tisch und dreht mit der anderen Hand die Asche seiner Zigarette vorsichtig am Rand des Aschenbechers ab. <br \/><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Das Wasser kocht. Rieta steht ja noch und \u00fcbernimmt sofort die F\u00fchrung. Sie wei\u00df, dass mein Kaffee lausig ist und hat vorsichtshalber eine Portion Kr*nung mitgebracht, so wie fr\u00fcher Karin Sommer. Knut kramt eine Frischhaltedose aus dem Beutel. Ich hatte mal eine Freundin, die erz\u00e4hlte immer Geschichten, in denen kam ganz oft der Satz vor: \u201eUnd dann steh\u2019 ich da wie Karin Sommer!\u201c In ihrem Fall bedeutete das allerdings, dass sie wieder mal ratlos gewesen war und erstmal \u00fcberlegen musste. Was ja eher auf die Karin Sommer-Umgebenden gepasst h\u00e4tte. Vielleicht war es ihr aber nicht einpr\u00e4gsam genug, zu sagen: \u201eUnd dann steh\u2019 ich da, wie diese Leute da immer in der Werbung, bevor Karin Sommer endlich die Kr*nung auspackt!\u201c <br \/>Egal, jetzt.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Inzwischen hat Rieta den Kaffee fast fertig und fl\u00f6tet: \u201eDer Kaffee ist fertig!\u201c Knut seufzt. Ich schiebe die Tassen noch mal zurecht und stelle den pr\u00e4chtigen Bienenstich auf den Tisch. <br \/>\u201eUnd Knut, wie isset?\u201c, frage ich. <br \/>\u201eJoh, muss ja, n\u00e4!\u201c<br \/>Sagt er immer, und mehr wird er heute wahrscheinlich auch nicht mehr sagen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Rieta beginnt, den Kuchen aufzuteilen. Ich liebe ihren Bienenstich, der ist noch mit richtigem Pudding und Mandelauflage der Extraklasse. Mit vollem Mund sage ich: \u201eRiepa, deim Biehmspich iff immer efftraklaffe! Gib\u2019 mir endlich daf Repfept!\u201c <br \/>\u201eNee\u201c, lacht Rieta, \u201edas kannste erben, h\u00f6chstens!\u201c <br \/>\u201eAber nich\u2019 vergessen, ins Testament zu machen!\u201c <br \/>\u201eMach ich, Lieb. Gleich morgen gehe ich zum Notar!\u201c<br \/>Wir zwinkern uns zu. Knut arbeitet gewissenhaft seinen Kuchen weg, w\u00e4hrend die Kippe noch zwischen seinen Fingern klemmt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Rieta will wissen: \u201eUnd? Was haste so gemacht zuletzt?\u201c<br \/>\u201eOch, ich hab mal wieder\u2019n bisschen gearbeitet. Zwei Wochen, mit richtig Schmackes.\u201c<br \/>\u201eArbeit ist gut.\u201c,sagt Knut und nickt dabei seinen Kuchenteller an. Obwohl er das gr\u00f6\u00dfte St\u00fcck bekommen hat, ist er schon wieder damit fertig und raucht grade den letzten Zug seiner Zigarette. Rieta und ich haben grade mal zwei G\u00e4belchen geschafft. Wir warten, ob noch mehr kommt, aber Knut schweigt wieder.<br \/>\u201eJa, war auch gut\u201c, sage ich, \u201c stressig und so, aber dann komm\u2019 ich wenigstens nicht aus der \u00dcbung.\u201c <br \/>\u201eGibt\u2019s Geld auch?\u201c <br \/>\u201eKaum. Darf\u2019s ja nicht behalten. Aber darum geht\u2019s ja auch nicht.\u201c<br \/>\u201eWo denn dann drum?\u201c<br \/>\u201eNa, mal raus aus der Bude und so.\u201c <br \/>\u201eUnd jetzt?\u201c <br \/>\u201eOch, wei\u00df nicht. Jetzt ist erst mal wieder Ruhe, wohl. Und bei euch?\u201c<br \/>\u201eAch, Das Wetter war ja immer so mumpelich, wir haben viel im Garten gemacht. Knut hat die ganzen Thujen ausgegraben. Die mochten wir nicht mehr leiden. Der Frank will mal gucken, ob sie bei ihm angehen. Jetzt kommt da erstmal ein neuer Zaun hin und denn gucken wir mal. Der Thorsten hat wieder nach dir gefragt, \u00fcbrigens.\u201c<br \/>Ich stelle mich doof: \u201eThorsten?\u201c <br \/>\u201eNa, der von der Po-host! Tu doch nicht so ahnungslos! Der fragt ja \u00f6fter nach dir&#8230; Geh\u2019 doch mal raus mit dem! Der ist wirklich nett. Und ein neues Auto hatter sich auch schon wieder bestellt!\u201c <br \/>Als ob mich das interessiert.<br \/>\u201e<em>Ihr <\/em>geht gleich raus, wenn nicht mal endlich Ruhe ist mit Thorsten! Schlie\u00dflich habe ich mir euch ausgedacht und muss mich nicht mit Thorstens nerven lassen. Ich kann euch n\u00e4mlich auch jederzeit wieder vergessen&#8230;\u201c<br \/>\u201eMachste ja doch nicht.\u201c, sagt Rieta gutm\u00fctig und steckt sich jetzt auch eine an. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Seit Monaten schon preist sie mir Thorsten an, den heiratswilligen Junggesellen. Wir haben uns mal auf einer Gartenparty sehr langweilige 15 Minuten lang unterhalten. Haupts\u00e4chlich hat er mir von seiner irre wichtigen und verantwortungsvollen T\u00e4tigkeit als Schalterheini bei der Post erz\u00e4hlt. Rieta meint seitdem, wir seien wie f\u00fcreinander gemacht und will uns unbedingt verkuppeln. Ich kann mich grade noch beherrschen. An der Seite so eines Schalterheinis, der die Posthemden sogar am Wochenende tr\u00e4gt, kann ich mir nun mal keine Zukunft vorstellen. <br \/>Knut zumindest wei\u00df das und bestellt schnell noch ein St\u00fcck Kuchen bei seiner Frau, damit die das Thema fallen l\u00e4sst. Und ich schenke noch Lik\u00f6r nach, de<br \/>\nr muss eh\u2019 weg, damit neuer her kann&#8230; Sicherheitshalber frage ich sie noch, wo sie das Halstuch her hat, das sie da tr\u00e4gt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">So vergeht dann der Nachmittag mit Geschichten und gutm\u00fctigem Spott und irgendwann ist der Kuchen alle, in den Tassen kann man die B\u00f6den sehen und ich wei\u00df wieder das Neueste aus der Nachbarschaft und der Gartenkolonie. Rieta ist leer-, meine Ohren sind vollgequatscht und Knut ist wie immer. Der kennt das nat\u00fcrlich und kann das ab.<br \/>Es wird langsam Zeit, wir verabschieden uns herzlich voneinander, versprechen uns, dass wir uns ganz bald wieder sehen. Ich ermahne sie, vorsichtig zu fahren, wir dr\u00fccken uns noch mal und die Beiden verschwinden wieder in ihr St\u00fcbchen in meinem Hinterkopf. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Und ich sitze noch eine kleine Weile in der K\u00fcche und genie\u00dfe wieder die himmlische Ruhe.<br \/><!--[if !supportLineBreakNewLine]--><br \/><!--[endif]--><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Verdana\"><!--[if !supportLineBreakNewLine]--><br \/><!--[endif]--><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr gestern Nachmittag hatten sich ja nun Rieta und Knut angek\u00fcndigt, das mir innewohnende Ehepaar. Also habe ich sch\u00f6n den K\u00fcchentisch gedeckt, ein paar Bl\u00fcmchen drauf gestellt, das Sofa noch mal abgeklopft. Und p\u00fcnktlich um 15 Uhr fuhren die Beiden in ihrem Aud* vor. 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