{"id":2425782,"date":"2007-06-10T09:08:04","date_gmt":"2007-06-10T09:08:04","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/06\/10\/mittenmang2425782\/"},"modified":"2007-06-10T09:08:04","modified_gmt":"2007-06-10T09:08:04","slug":"mittenmang2425782","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/06\/10\/mittenmang2425782\/","title":{"rendered":"Mittenmang"},"content":{"rendered":"<p>Gestern habe ich etwas getan, was ich eigentlich nie tue:<br \/>\nIch war auf dem Lister Meilen-Fest (Lister Meile ist hier so eine Schlender- und Geldloswerdstra\u00dfe, die sich einmal j\u00e4hrlich selbst feiert). Anlass meines Hingehens war aber ein Auftritt, den die gute V. dort hatte. Das wollte ich doch gerne sehen.<br \/>\nOhne diesen Anlass w\u00e4re ich mal sch\u00f6n zuhause geblieben.<\/p>\n<p>Ich wurde aber von Freundin T. abgeholt, die sich einen lateinischen Hupfdohlenmeister angucken wollte und war eigentlich ganz froh, ein bisschen vor die T\u00fcr zu kommen.<br \/>\nWom\u00f6glich erlebt man da was!<\/p>\n<p>Haupts\u00e4chlich erlebte meine Nase, wie sch\u00f6n Bratwurstgeruch, mit k\u00fcnstlichen Duftstoffen betr\u00e4ufelte (ach was: getr\u00e4nkte) Holzkugeln, Bierdunst, Pipiecken, R\u00e4ucherst\u00e4bchen, verschwitze Leiber und gegrillter Schafsk\u00e4se nicht zusammenpassen.<br \/>\nDie ganze Meile war quasi geruchsgestreift.<br \/>\nIch aber hatte zuhause (mal wieder) Spargel, Schinken und Erdbeeren, die meiner geduldig harrten und war daher nicht zu locken.<\/p>\n<p>Ich staune ja immer wieder, was man da f\u00fcr Leute sieht!<br \/>\nEine Art Keith Richards-Double (total verlebtes Schmalgesicht, getigerte Klamotten, Stirnband, gesch\u00e4tzte 60 Jahre, 50 kg, Federohrring, Sonnenblende) stakste orientierungslos durch die schiebende Menge. Traute mich nicht, ein Foto zu machen.<br \/>\nWom\u00f6glich h\u00e4tte er mir verwirrendes Gespr\u00e4ch und Autogramm aufgezwungen.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich kommen wir an einem K\u00e4fig vorbei, in dem sich eine richtig arme Wurst v\u00f6llig durchn\u00e4sst und ersch\u00f6pft festklammert.<br \/>\nJunggesellenabschied. W\u00e4re er mal in den Urlaub abgehauen!<\/p>\n<p><a href=\"#\" title=\"Wasserbomben\"><img src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2007\/06\/1675150_af6c99f02f_m.jpeg\" alt=\"Wasserbomben\" vspace=\"5\" hspace=\"5\"><\/a><\/p>\n<p>Passanten d\u00fcrfen ihn mit Wasserbomben bewerfen. Das Merkw\u00fcrdige (au\u00dfer f\u00fcr mich): Keiner scheint richtig Spa\u00df an der Sache zu haben. Der Eingesperrte ist mit den Nerven wohl schon l\u00e4nger kurz vor knapp, seine Freunde versuchen, sich aufzuregen, schaffen es irgendwie aber auch nicht.<\/p>\n<p>Als wir an einem Kinderkarussell vorbei gehen, fragen wir uns, warum dort immer so furchtbare Schlager gespielt werden. Als elektrische Kinderkarussells sich (nach dem Kriege&#8230;?) \u00fcberall verbreiteten, mag das ja die angesagte Musik dazu gewesen sein, aber seitdem hat sich ja wohl ein bisschen was getan.<br \/>\nAlso, es gibt doch inzwischen mehr als zwei Musiksparten oder wie. Wir vermuten spontan, dass die Karussells schon mit eingebauten Platten ausgeliefert wurden und deswegen.<br \/>\nUnd dass die Karussells von ehemaligen Schlagers\u00e4ngern gebaut werden und sie mit diesem perfiden Trick an ihre Tantiemen kommen.<br \/>\nUnd andere m\u00fcssens ausbaden!<\/p>\n<p>Ein paar Schritte weiter: Eine dufte kleine Schnabuliertheke.<\/p>\n<p><a href=\"#\" title=\"Lakritze\"><img src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2007\/06\/1675155_7b50c2c8b3_m.jpeg\" alt=\"Lakritze\" vspace=\"5\" hspace=\"5\"><\/a><\/p>\n<p>Was f\u00fcr &#8222;echte Rohstoffe&#8220; uns dort dargeboten werden, ist unklar.<br \/>\nWir vermuten, es handelt sich um so wertvolle Sachen wie Roh\u00f6l, Mangan, Kupfer oder sogar Holz.<br \/>\nDie feilgebotene &#8222;Lakritze&#8220; sieht aus wie mehradrige Kabel und ich kann mich grade noch zur\u00fcckhalten, sie zu probieren. Im Gegensatz zu T., die findet, der Geschmack sei (\u00fcberraschenderweise!) &#8222;hm, irgendwie komisch&#8220;.<br \/>\nDie bebrillte Kundin scheint bereits einem Schw\u00e4cheanfall zu erliegen.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass beide Auftritte fast zeitgleich auf verschiedenen B\u00fchnen stattfinden, bringt uns ein wenig in die Bredouille und f\u00fchrt zu vor\u00fcbergehender, aber zeitlich begrenzter Trennung (jede darf sich innerhalb dieser Zeit auch mal mit anderen verabreden und ausgehen).<\/p>\n<p>Ich guck mir also V.s prima Kurzauftritt an, bei dem getrommelt wird und galoppierende Sofas eine Rolle zu spielen scheinen, und T. arbeitet sich wieder zur\u00fcck zur anderen B\u00fchne, um sich mit Merengue und Tango vollhudeln zu lassen.<br \/>\nAls V. ihren Auftritt gl\u00fccklich \u00fcberstanden hat, begl\u00fcckw\u00fcnsche ich sie, bevor sie sich ihr verdientes Bier schnappt und folge T. zur anderen B\u00fchne.<\/p>\n<p>Dort isses grade losgegangen und T. hat sich nat\u00fcrlich mittig direkt vor der B\u00fchne aufgebaut und wippt und schlenkert auch schon munter gutgelaunt vor sich hin.<br \/>\nIch mag ja nicht gerne so exponiert stehen, \u00fcberwinde mich dann aber und stelle mich dazu. Die Musik ist jetzt nicht sooo mein Fall, aber es gibt viel zu sehen und von hier hat man einen guten Rundumblick. Mir f\u00e4llt auf, dass das hier die Trinkerecke zu sein scheint, denn es tauchen immer mehr total vertrunkene Visagen auf, die sich aber alle zu kennen scheinen.<br \/>\nOhne R\u00fccksicht auf Umstehende werden Bierflaschen in Gestikulation einbezogen und qualmende Zigaretten und Zigarillos unter fremde Nasen gehalten. Auch angerempelt wird. Allein von den Alkoholfahnen kann man sich ordentlich Promille einfangen.<\/p>\n<p>Auch die \u00fcblichen &#8222;befreiten T\u00e4nzer&#8220; fehlen nicht, werden aber durch einige entz\u00fcckende Kleinkinder ausgeglichen, die mit teilweise ernstem Eifer ihre Kniegelenke ausprobieren.<br \/>\nT. und mir tun die Musiker leid, die ein sch\u00f6neres Publikum verdient h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Irgendwann f\u00e4llt mir auf, dass T. sehr konzentriert auf den Bongospieler schaut und pl\u00f6tzlich am Grinsen f\u00e4ngt. Auf meinen fragenden Blick erkl\u00e4rt sie, sie habe sich nun minutenlang fasziniert gefragt, wie der die ganzen T\u00f6ne denn da raushole, man sehe das ja gar nicht in der Bewegung.<br \/>\nBis ihr endlich aufgegangen sei, dass die andere H\u00e4lfte des Handgetrommels ja vom Kongaspieler k\u00e4me, der im \u00dcbrigen direkt daneben steht. (Eine ganz typische T.-Bemerkung, wennichdasmalbemerkendarf.:wave:)<\/p>\n<p>Ein St\u00fcckchen von mir weg steht ein Typ, der mich immer mal geheimnisvoll anl\u00e4chelt, so dass ich beginne, mich zu fragen, ob ich ihn vielleicht kenne (aber aufgrund seiner Sonnenbrille nicht er-), oder ob ihm meine verhaltenen Wippbewegungen am\u00fcsieren.<br \/>\nDann ist die M\u00fcsike alle und T. und ich sausen in der Bahn nach hause.<\/p>\n<p>Vor meiner T\u00fcr steht dann dieses Auto:<\/p>\n<p><a href=\"#\" title=\"Ohrfrei\"><img src=\"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/wp-content\/uploads\/2007\/06\/1675162_786a3313c8_m.jpeg\" alt=\"Ohrfrei\" vspace=\"5\" hspace=\"5\"><\/a><\/p>\n<p>Bedarf, jemand?<\/p>\n<p>(Und heute bleibe ich dann wahrscheinlich zuhause.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern habe ich etwas getan, was ich eigentlich nie tue: Ich war auf dem Lister Meilen-Fest (Lister Meile ist hier so eine Schlender- und Geldloswerdstra\u00dfe, die sich einmal j\u00e4hrlich selbst feiert). 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