{"id":2359422,"date":"2007-05-30T08:24:15","date_gmt":"2007-05-30T08:24:15","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/05\/30\/zartbitter2359422\/"},"modified":"2007-05-30T08:24:15","modified_gmt":"2007-05-30T08:24:15","slug":"zartbitter2359422","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/05\/30\/zartbitter2359422\/","title":{"rendered":"Zartbitter"},"content":{"rendered":"<p>Aus noch unbest\u00e4tigten Quellen wissen wir, dass Frau Theobromina gestern Geburtstag hatte. Und das war so:<\/p>\n<p>Als ich aus unruhigem Schlaf aufwachte (weil ich nat\u00fcrlich dachte, <em>irgendwer<\/em> wird mich bestimmt wieder um Mitternacht wecken und mich fr\u00f6hlich ankieksen: &#8222;Hey! Alles Gute!!! Herzlichen Gl\u00fcckwunsch und so, &#8211; wiiie: Du hast schon geschlafen!?&#8220;) und aus dem Fenster guckte, sah ich sofort, dass es schon ewig geregnet hatte und auch noch ewig weiterregnen w\u00fcrde. Na Prost!<\/p>\n<p>Also ging ich ausnahmsweise zu Fu\u00df und mit Schirm Einkaufen, statt wie sonst mit dem Rad. Leider ist der Laden eine Ecke weit weg, die Verk\u00e4uferin an der K\u00e4setheke hatte &#8222;B\u00f6se-T\u00fcrsteher-Laune&#8220; und h\u00e4tte mir meinen Morbier wohl am liebsten gleich quer und am St\u00fcck reingeschoben, und als ich zur\u00fcckkam, war ich nicht nur nass von den F\u00fc\u00dfen bis zu den Knien, sondern auch total hungrig und der Postbote war dagewesen und hatte ein P\u00e4ckchen bei der Nachbarin abgegeben.<br \/>\nUnd dann war die Nachbarin nat\u00fcrlich nach Diktat verreist.<\/p>\n<p>Grade als ich den Tisch gedeckt hatte, rief Freundin T. an, um zu sagen, dass sie sp\u00e4ter kommt, weil ihr Dach undicht ist und es regnet rein und sie sucht das ganze Haus nach Auffangsch\u00fcsseln ab und sie braucht was Eckiges, findet aber nur Rundes, dabei muss sie es doch ganz nah an die Wand stellen und sie kommt erst um halb 12.<br \/>\nMagenknurr.<\/p>\n<p>Also noch mal bei der Nachbarin klingeln. Nachbarin abwesend.<br \/>\nDaf\u00fcr total durchweichter Brief vom V\u00e4terchen, grade noch lesbar. Immerhin.<\/p>\n<p>Um halb 12 kommt Freundin T., hat 2 tolle CDs und Blumen (&#8222;Irgendwas mit A und drei Silben, hab&#8217;s vergessen&#8230;&#8220;), wir st\u00fcrzen uns auf Br\u00f6tchen, Wurst, Lachs, Tee, Sekt, Erdbeeren, Kuchen, alles gleichzeitig.<br \/>\nGef\u00fchlte 15 Minuten sp\u00e4ter: &#8222;Ich kannich mehr!&#8220;<\/p>\n<p>Also ab ins Sprengel-Museum. Auf dem Weg nach unten noch mal Nachbarins Klingel dr\u00fccken.<br \/>\nLangsam mache ich mir vielleicht Sorgen&#8230;<br \/>\nNeee, quatsch; &#8211; ich will mein P\u00e4ckchen, menno!<\/p>\n<p>Im Museum schlagen T. und ich supergute Rabattleistungen an der Kasse heraus, laufen daf\u00fcr aber in der Taschenaufbewahrung beide fast gegen den <em>zu<\/em> gut geputzten Spiegel.<br \/>\nDie Ausstellung an sich beginnt schon total deprimierend. Das erste Bild kann man sich kaum angucken, ohne sich entsetzt abzuwenden.<br \/>\nUnd so \u00e4hnlich setzt sich das auch fort. Die zeitgen\u00f6ssischen K\u00fcnstler sind offensichtlich alle sehr deprimiert, haben Zahnschmerzen, keine Illusionen mehr, aber daf\u00fcr gute Fotoapparate.<\/p>\n<p>Eins der Exponate ist ein Keilrahmen, der mit schwarzem Stoff bespannt ist. An einer Ecke ist der Stoff eingerissen. Das St\u00fcck hei\u00dft: &#8222;Kathedrale in Flammen.&#8220;<br \/>\nAlso, da h\u00e4tte ich beinahe sogar selber einen der 3 schlimmen S\u00e4tze (s. gestrigen Eintrag) gesagt!<br \/>\n(T. hat sich \u00fcbrigens die S\u00e4tze selbst verkniffen und mir nur gesagt, wo ich den jeweiligen Strich hinmachen soll.)<br \/>\nZum Gl\u00fcck gab&#8217;s aber auch doch noch 1-2 sch\u00f6ne Dinger, die uns dann wieder etwas aufgep\u00e4ppelt haben. F\u00fcr die anderen beiden Museen fehlte uns dann aber die Energie.<\/p>\n<p>Also geht&#8217;s wieder nach Hause. Nachbarin liegt bestimmt tot hinter der T\u00fcr, verkrallt in mein P\u00e4ckchen. Jedenfalls macht sie nicht auf.<\/p>\n<p>Der beste Exfreund M. kommt, bringt duftes Buch mit. Darf bleiben.<br \/>\nKuchenm\u00fcmmeln. Telefon. Heftig und bekannterma\u00dfen unerw\u00fcnschte Person, schnell wieder auflegen. &#8222;Wo war ich stehen geblieben&#8230;?&#8220;<br \/>\nT. hat inzwischen ganz b\u00f6ses Bauchaua und ist ganz m\u00fcde, kriegt W\u00e4rmekissen und h\u00e4lt sich ansonsten tapfer.<br \/>\nIrgendwann sind beide aber wieder weg.<br \/>\nTelefon. V\u00e4terchen.<br \/>\n&#8222;Wat is&#8216; denn bei <em>dir<\/em> los, det is ja so stille! Ick dachte, bei dir is&#8216; Party! Haste denn keene Freunde, sachma!?&#8220;<br \/>\nDas zieht mich jetzt schon ein bisschen runter, das sage ich ihm aber nicht&#8230;<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich ist mir alles zu still. Werde traurig. Zum Gl\u00fcck in kurzer Zeit 3x Telefon hintereinander. Freundin S. droht Familienbesuch f\u00fcr Freitag an. Mit Kuchen!<br \/>\nFange mich wieder. Muss ja.<br \/>\nFreundin M. will noch r\u00fcberkommen, hat Sushi gemacht.<\/p>\n<p>Und dann wird doch noch alles wieder ganz gut. Und der Sekt noch alle. Und der Lik\u00f6r auch. Und dann der andere Lik\u00f6r. Halb 12 liege ich im Bettchen und denke: &#8222;Geschafft.&#8220;<\/p>\n<p>(Eben bei Nachbarin gewesen: Geburtstagsp\u00e4ckchen ist ein DSL-Kasten und soll dann bald mal auf Sendung gehen&#8230;)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus noch unbest\u00e4tigten Quellen wissen wir, dass Frau Theobromina gestern Geburtstag hatte. Und das war so: Als ich aus unruhigem Schlaf aufwachte (weil ich nat\u00fcrlich dachte, irgendwer wird mich bestimmt wieder um Mitternacht wecken und mich fr\u00f6hlich ankieksen: &#8222;Hey! Alles Gute!!! 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