{"id":2336181,"date":"2007-05-26T07:25:32","date_gmt":"2007-05-26T07:25:32","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/05\/26\/unausgeschlafen2336181\/"},"modified":"2007-05-26T07:25:32","modified_gmt":"2007-05-26T07:25:32","slug":"unausgeschlafen2336181","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/05\/26\/unausgeschlafen2336181\/","title":{"rendered":"Unausgeschlafen"},"content":{"rendered":"<p>Gestern wieder ewiges Bettkastenkonzert.<br \/>\nQuietschen &#038; Rappeln, Pause, Quietschen &#038; Rappeln, Pause, Quietschen &#038; Rappeln,&#8230;<br \/>\nEine Etage drunter: Ich mit O*ropax, denkend: Oh n\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6&#8230; (es war n\u00e4mlich schon halb einse, und um elfe war ich &#8222;schlafen&#8220; gegangen. Die Beede aber oooch.).<\/p>\n<p>Irgendwann, ehe ich&#8217;s mich selbst versah, klopfte ich doch an die Wand und war fast erschrocken deswegen. Es liegt mir nicht, in das Liebesleben Anderer regulierend einzugreifen.<br \/>\nErschrocken waren auch die da oben. Pl\u00f6tzliche Stille. Verdutzung wahrscheinlich.<br \/>\nUnd es blieb still. Wir horchten alle drei; die da oben, ich da unten.<br \/>\nBis ich dann einschlief&#8230;<\/p>\n<p>Heute Morgen dachte ich dann: Vielleicht waren die Beiden ganz froh, dass sie endlich aufh\u00f6ren konnten. Das ist ein junges Paar und dem Alter verwechselt man solcherlei Bet\u00e4tigung noch ab und an mit Leistungssport. Und dann traut sich vielleicht keiner aufzuh\u00f6ren. Oder so.<br \/>\nJedenfalls &#8222;freue&#8220; ich mich schon auf die n\u00e4chste Begegnung im Treppenhaus, bei der ich dann eine gutm\u00fctige Erkl\u00e4rung abzugeben gedenke. Ich k\u00f6nnte ja auch z.B. Hilfe beim Bettkastenreparieren anbieten. Neenee, immer sch\u00f6n diplomatisch bleiben&#8230;<\/p>\n<p>Ich hab&#8216; aber auch echt Gl\u00fcck mit meinen Obermietern. Bevor die flei\u00dfige Dame da einzog, wohnte dort ein spanischer Junggeselle, der einen schweren Schritt hatte und vor Allem sehr laut sprach.<\/p>\n<p>Und so bollerte und br\u00fcllte er, dass es nur so eine Art hatte. Das merkte er selber aber gar nicht. Das Bollern vernahm ich vor Allem abends, es h\u00f6rte sich an, als w\u00fcrde man einen schweren Sessel oder meinetwegen auch ein Klavier herum schieben oder auch mal ein St\u00fcckchen tragen, bevor es einem dann aber doch aus der Hand rutscht. Der Herr Spanier telefonierte auch immer sehr laut. Ich kann kein spanisch, aber &#8222;Hola!&#8220;, &#8222;Por favor&#8220;, &#8222;Manana&#8220; und &#8222;Okeh, okeh&#8230;&#8220; verstand ich einwandfrei. Auch dem Rest h\u00e4tte ich sonst ganz sicher verstanden, deshalb war ich ausnahmsweise mal ganz froh \u00fcber meine mangelnde Bildung.<\/p>\n<p>Irgendwann war es mit der Junggesellerei vorbei und es zog eine Dame bei ihm mit ein, die auch noch einen ca. 15-j\u00e4hrigen Sohn mitgebrachte. Dass die Dame &#8222;Flores&#8220; hie\u00df, brauchte ich gar nicht gro\u00dfartig zu recherchieren, das h\u00f6rte ich ja bald und fand es ganz putzig, weil das ja in etwa dem fr\u00fcheren K\u00fcnstlernamen von Jasmin Wagner entspricht, nur eben auf Spanisch. Das Putzige daran war, dass die neue Nachbarin keineswegs einer zarten Pflanze \u00e4hnelte, sondern eher einem Baumstamm.<br \/>\nDer Sohn hie\u00df Pablo und hatte nix als Unsinn im Kopf. So klebte er beispielsweise seine Kaugummis an die arme Pflanze, die ich ins Treppenhaus gestellt hatte. Nachdem ich das arme Gesch\u00f6pf (die Pflanze) wieder in meine Wohnung zur\u00fcckgeholt hatte, begann er, seine Jackentaschen vor meiner Wohnungst\u00fcr auszuleeren, weshalb da nun immer Zigarettenschachtelpapierchen, Tempos und Bonbonf\u00e4hnchen lagen, die mir von der Nachbarschaft scheele Blicke einbrachten. Das war mir aber egal. Ich mache die Treppe sowieso nie und irgendwann wandert das von ganz alleine bis ins Erdgescho\u00df und verschwindet dann da.<\/p>\n<p>Jedenfalls, seit das &#8222;Pfl\u00e4nzchen&#8220; mit dem Rabauken eingezogen war, stieg der Ger\u00e4uschpegel in ungeahnte H\u00f6hen. Jetzt wurde jeden Tag mehrmals gezankt, wobei Senora unglaubliche Frequenzen erreichte und nie Luft holte. Zwischendrin wurden Schrankw\u00e4nde geworfen und Ringk\u00e4mpfe ausgetragen.<\/p>\n<p>Nach einer ganzen Weile kam ein neues Ger\u00e4usch hinzu: Einer der beiden &#8222;Jungs&#8220; wollte nun wohl das Schlagzeugspiel erlernen. Ich hatte jetzt erstmal sofort angenommen, dass es sich dabei nur um den Jungen handeln konnte, aber das noch relativ unrhythmische Getacker fand jedes Mal zu einem alten Phil Collins-St\u00fcck statt und da wurde ich dann doch unsicher.<br \/>\nDas \u00dcben ging so: Man wartet, bis es mindestens 22\u00b0\u00b0 Uhr ist und spielt dann das Phil Collins-St\u00fcck auf der Minianlage volle Pulle laut immer so halb bis dreiviertel, um dann abzubrechen und wieder neu anzufangen. Dazu wird ramentert. In dem Zimmer, das sich direkt \u00fcber meinem Schlafzimmer befand.<\/p>\n<p>Irgendwann hatte ich mal Besuch, w\u00e4hrend oben eine schwere Diskussion im Gange war. Da der Besucher \u00fcber ausgezeichnete Spanischkenntnisse verf\u00fcgte, konnte er mir simultan \u00fcbersetzen: Der Junge hatte irgendwas kaputt gemacht und das ging nicht mehr heile und wer das denn jetzt bezahlen sollte! Er von seinem Taschengeld ja wohl nicht, aber er k\u00f6nnte sich ja mal einen Job suchen! Und \u00fcberhaupt!<br \/>\nIch hoffte dann sofort, dass das Kaputte vielleicht das Schlagzeug w\u00e4re oder wenigstens die Phil Collins-CD.<br \/>\nWar aber nicht so.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck zog die lustige Kleinfamilie irgendwann zwei H\u00e4user weiter und kurzfristig zog ein Zwielichtiger ein. Man sah ihn nie, aber ich h\u00f6rte ihn und seine gesch\u00e4tzten 40 Freunde, die wohl mit eingezogen waren. Zu dieser Zeit war unsere Hausfassade einger\u00fcstet wg. Versch\u00f6nerung. Ich kriegte manchmal mit, wie der Hausbesitzer oben klingelte und an die T\u00fcr wummerte, aber es \u00f6ffnete Niemand, obwohl (zumindest mir) klar war, dass da jemand zuhause war.<br \/>\nEines Abends pl\u00f6tzlich: Hausbesitzer mit Pullezei! Und die auch mit zwei Bullis gleich. Und zwei Hunde. Und Schl\u00fcsseldienst. Und grade, als ich mich aus dem Fenster h\u00e4ngen wollte, um mal zu gucken, was denn da&#8230;, wurde die Fassade per Strahler erhellt, damit da keiner heimlich \u00fcbers Ger\u00fcst abhaut. Gottogott!<br \/>\nUnd dann das ber\u00fchmte: &#8222;Aufmachen! Pullezei!&#8220;<br \/>\nAls das keine Wirkung zeigte, wurde die T\u00fcr aufgebohrt. Und gezetert. Und gebellt (Hunde). Und abgef\u00fchrt sogar.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter erfuhr ich vom Hausbesitzer, dass der Zwielichtige urspr\u00fcnglich eigentlich nur ein paar Wochen bleiben sollte, weil er irgendwie in Not gewesen war. Er hatte dann aber nie den kleinsten cent bezahlt und stattdessen ein halbes Dutzend seiner Kumpels mitgebracht, die die ganze Bude mit Matratzen ausgelegt hatten und sich ihr Essen auf Campingkochern zubreitet hatten.<br \/>\nNaja, und da war dem Hausbesitzer irgendwann der Kragen geplatzt.<\/p>\n<p>Dann stand die Bude erstmal ein Vierteljahr leer und das war nat\u00fcrlich himmlisch ruuuuhiiig.<\/p>\n<p>Bis das Bettkastenfrollein einzog&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern wieder ewiges Bettkastenkonzert. Quietschen &#038; Rappeln, Pause, Quietschen &#038; Rappeln, Pause, Quietschen &#038; Rappeln,&#8230; Eine Etage drunter: Ich mit O*ropax, denkend: Oh n\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6&#8230; (es war n\u00e4mlich schon halb einse, und um elfe war ich &#8222;schlafen&#8220; gegangen. Die Beede aber oooch.). 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