{"id":2194384,"date":"2007-05-02T06:04:47","date_gmt":"2007-05-02T06:04:47","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/05\/02\/parallelwelt_neulich_im_sanitatshaus2194384\/"},"modified":"2007-05-02T06:04:47","modified_gmt":"2007-05-02T06:04:47","slug":"parallelwelt_neulich_im_sanitatshaus2194384","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2007\/05\/02\/parallelwelt_neulich_im_sanitatshaus2194384\/","title":{"rendered":"Parallelwelt\/Neulich im Sanit\u00e4tshaus"},"content":{"rendered":"<p>Alles voll gestopft mit Schachteln und T\u00fctchen, bis unter die Decke. Bin umgeben von &#8222;Tena Lady&#8220;, Pedik\u00fcre-Zubeh\u00f6r und Angora-Hemdchen.<br \/>\nAlle 3 dort besch\u00e4ftigten Personen (Mutter, Vater, Sohn) bewegen sich mit affenartiger Langsamkeit. Besonders der Sohn, der ungef\u00e4hr 50 ist und eine G\u00fcnther Netzer-Frisur tr\u00e4gt. Er sieht v\u00f6llig verraucht aus. Alle sehen so aus, als w\u00e4ren sie seit 20 Jahren nicht mehr vor die T\u00fcr getreten, wo das Leben brummt.<br \/>\nHinterm Tresen die Mutter, davor eine mollige Omi. Auf dem Tresen liegen ziemlich benutzte hautgr\u00e4ulichfarbene Kompressionsstr\u00fcmpfe. Sie haben Laufmaschen und sollen repariert werden.<\/p>\n<p>Das Telefon klingelt. Keiner der drei reagiert. Es klingelt lange.<br \/>\nDann geht der Sohn unsicher darauf zu, als w\u00e4re es ein P\u00e4ckchen mit unbekanntem Inhalt. Er hebt langsam den H\u00f6rer ab, sagt mit unsicherem Gesichtsausdruck ein langes: &#8222;Sssss&#8230;&#8220;, horcht gleichzeitig dabei, stellt fest, dass niemand mehr dran ist und legt genauso langsam wieder auf. Nicht auszudenken, wie lange es wohl gedauert h\u00e4tte, bis er gesagt h\u00e4tte: &#8222;Sanit\u00e4tshaus Brandes + Gieseking; Gieseking Junior am Apparat&#8230;?&#8220;<br \/>\nDa h\u00e4tte ich auch rechtzeitig aufgelegt, schon wegen der Telefonrechnung.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend hat das Telefon nie geklingelt.<br \/>\nIch stehe nun schon seit 5 Minuten da und jetzt sieht er mich. Er fragt, was ich m\u00f6chte. Ich sage, ich brauche so ein Teil, um meinen Sitzball aufzupumpen. Er sieht mich an, als h\u00e4tte ich einen merkw\u00fcrdigen Dialekt drauf. Sein Gesichtausdruck schwankt zwischen Misstrauen und Unverst\u00e4ndnis. Ich erkl\u00e4re genauer und kann zusehen, wie dabei der Groschen f\u00e4llt, langsam f\u00e4llt.<br \/>\nEr f\u00e4ngt an zu kramen, Schubladen aufzuziehen, verschwindet in Katakomben, findet nichts. Er will seine Mutter fragen: &#8222;Muddi, diese Kundin m\u00f6chte so einen Aufsatz, um Petzi-B\u00e4lle aufzupumpen.&#8220;<br \/>\nDa quatscht die Kundin mit den Str\u00fcmpfen wieder dazwischen und Muttern hat ihre kurze Aufmerksamkeitsphase \u00fcberwunden, redet weiter mit der Strumpfoma. Sohn steht eingefroren daneben. Sekundenlang.<\/p>\n<p>Dann dreht er sich zu mir. Ich bin noch da. Er erschreckt sich.<br \/>\nIch kann jetzt auch nicht gehen. Ich will das hier zu Ende gucken.<br \/>\nIrgendwann schafft er es, Muddi abzuwerben. Sie sieht mich kurz an, geht zu einer der Schubladen, die ihr Sohn schon 2x durchgeguckt hat, greift ein T\u00fctchen heraus, schnappt: &#8222;Kostet 1 Euro!&#8220;<br \/>\nIch bezahle, gehe fr\u00f6hlich gr\u00fc\u00dfend hinaus und stelle fest, dass sie mir ein Ventil verkauft hat, das ich nicht wollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles voll gestopft mit Schachteln und T\u00fctchen, bis unter die Decke. 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