{"id":20199691,"date":"2016-12-18T15:47:48","date_gmt":"2016-12-18T14:47:48","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/?p=20199691"},"modified":"2016-12-18T21:43:18","modified_gmt":"2016-12-18T20:43:18","slug":"kleine-geste-grosse-wirkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2016\/12\/18\/kleine-geste-grosse-wirkung\/","title":{"rendered":"Kleine Geste, gro\u00dfe Wirkung."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In einem seiner B\u00fccher (&#8222;Guten Tach. Auf Wiedersehn&#8220;) hat Helge Schneider mal eine kleine Szene beschrieben, in der er w\u00e4hrend eines Auftritts quasi in Zeitlupe ziemlich lustig zu Boden geht. Ich wei\u00df eigentlich gar nicht, wie ich da jetzt drauf komme, eigentlich wollte ich nur mal eben erz\u00e4hlen, wie bei mir dieses Jahr die Vorweihnachtszeit so l\u00e4uft. Gestern z.B. wollte ich blo\u00df ein bisschen Weihnachtspost erledigen. Schon die Voraussetzungen waren aber irgendwie ung\u00fcnstig: Mich dr\u00fcckte die Zeit. Seit einigen Jahren schicke ich sp\u00e4testens eine Woche vor Weihnachten ein paar P\u00e4ckchen mit kleinen &#8222;Ich denk&#8216; an Dich&#8220;s an ein paar Leute, die fern von mir sind, sich aber nicht so anf\u00fchlen. Mein V\u00e4terchen bekommt eins, ein paar liebe Blogfreunde bekommen eins und die zauberhafte Freundin T. sollte diesmal ebenfalls was kriegen, denn durch meinen Umzug sehen wir uns leider nur noch sehr selten. Freundlichweise bekomme auch ich zu Weihnachten immer wieder sehr liebe Post und wei\u00df daher, wie herzerw\u00e4rmend das ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Hauptzutat meiner P\u00e4ckchen ist immer ein bisschen selbstgemachtes Genasche: Gebackenes, Marmeladiges und\/oder Schokoliertes. Normalerweise kriege ich es auch in der ersten Dezemberh\u00e4lfte hin, dass sich nach 2-3 mal Backen und Werkeln die Blechdosen allm\u00e4hlich f\u00fcllen mit Kipferln, Zitronen-Marzipan-Pl\u00e4tzchen, Mandelbergen, &#8222;Karierten&#8220; Keksen, Pralinchen, oder Toffees. Mir macht das ja auch total Spa\u00df, aber es braucht eben Zeit. Und die hatte ich in diesem Jahr nicht. Im Job ist seit drei Wochen Land unter, weil die halbe Belegschaft krank ist und die andere H\u00e4lfte sich als Notbesetzung so durchschnorchelt. Ratet mal kurz, zu welcher H\u00e4lfte ich geh\u00f6re&#8230; Aber nicht schummeln! Der Liebste ist ebenfalls gerade m\u00e4chtig ausgelastet mit bockiger Technik, \u00fcberbordendem Auftragsaufkommen und sonstigen Katastophen. Abends schleppen wir uns also mal mehr, mal weniger gemeinsam vom Esstisch zur Couch zum Bett zur Arbeit. Da m\u00fcssen wir durch. Das hei\u00dft aber u.a.: F\u00fcr die Freunde des Hauses gibt&#8217;s in diesem Jahr leider keine selbstgestaltete Weihnachtskarte von uns! (Dabei hatten wir sogar ein-zwei ganz gute Ideen, die nun eben bis zur n\u00e4chsten Gelegenheit warten m\u00fcssen.) Ham&#8217;wa nich&#8216; geschafft&#8230; Wir sind betr\u00fcbt, aber gefasst. &#8211; N\u00e4chstes Jahr wieder!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wenigstens die P\u00e4ckchen <em>m\u00fcssen<\/em> sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also habe ich Freitag extra etwas fr\u00fcher Schluss gemacht, bin in die Stadt gejagt, Kleinigkeiten und noch ein paar Zutaten besorgen, und habe dann bei der Post einen Schlag bekommen, als ich die Warteschlange sah: Also, wenn man bis auf die Stra\u00dfe und fast bis gegen\u00fcber ins <em>Caf\u00e9 Dobbelstein<\/em> steht, nur um ein paar mittelkleine Packsets zu bezahlen, dann ist das vielleicht ganz toll, weil man sich gleich noch ein leckeres St\u00fcck Torte dazubestellen kann, aber ich hatte es ja eilig. &#8222;Bestimmt haste zuhause noch ausreichend Kartonage, das wird schon.&#8220;, dachte ich und drehte bei. Leider dachte ich nicht daran, dass ich diesmal ja gar auch keine Weihnachtskarten hatte (s.o.). Das sollte mir erst sp\u00e4ter wieder einfallen&#8230; Zuhause angekommen, suchte ich erstmal geeignete Kartons zusammen. Dass ich den jeweiligen Inhalt erstmal daf\u00fcr im Arbeitszimmer ausleeren musste, machte ja nix. Wozu hat so ein Zimmer schlie\u00dflich blickdichte T\u00fcren? Bald darauf gl\u00fchte jedenfalls in der K\u00fcche der Backofen, r\u00f6steten obendr\u00fcber Mandelbl\u00e4ttchen und schmolz Schokolade&#8230; -Wusstet Ihr \u00fcbrigens, dass Hagelzucker auf dem Boden fast genauso sch\u00f6n knirscht wie verharschter Schnee, wenn man so dr\u00fcber l\u00e4uft? Also, falls jemand gr\u00f6\u00dfere Mengen Puderzucker braucht&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am sp\u00e4ten Abend hatte ich dann ein bisschen was gebacken, eingewickelt, vert\u00fctet, foliert, erst in Gr\u00fcppchen auf dem Teppich ausgebreitet und danach in den teilweise etwas \u00fcbergro\u00dfen Kartons arrangiert, mithilfe von reichlich F\u00fcllpapier. Von der Anmutung wirkte das irgendwie ungewollt sparsamer als sonst, aber der Gedanke z\u00e4hlt. (Das Wohnzimmer sah vielleicht aus! Passte aber sehr gut zur K\u00fcche. Durchg\u00e4ngige Gestaltung.) Tja, aber jetzt kam: Und wo schreibe ich nun die Weihnachtsgr\u00fc\u00dfe rein? \u00c4h. Hmpf. Uff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach, erstmal schlafen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gestern morgen stand ich schon wieder gegen halb sieben vorm Schreibtisch. Ich wollte so kleine Weihnachtsbriefe am Rechner gestalten und schreiben. Die Idee! Schnell ausgedruckt und fertig! (Man ahnt schon: Von wegen. Aus meiner Zeit in der Grafik wei\u00df ich n\u00e4mlich noch: Schnell-mal-eben-Ausdrucken dauert mindestens zwei Stunden!) Und was was soll ich sagen? Ich hatte rasch ein sch\u00f6nes Motiv f\u00fcr einen Brief, schrieb den ersten f\u00fcr meinen Vater (was dann ein bisschen dauerte, weil der Arme schon wieder l\u00e4nger nichts von mir geh\u00f6rt hat), wollte ihn drucken, und&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;ping!&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Drucker legt sich hin und will nicht mehr. Er kann mittenmal nur noch Photoschwarz, die anderen vier Patronen\u00a0 sind mal eben Milch holen. Meine Nerven liegen blank. Schwarz-wei\u00dfe Weihnachtsbriefe aus dem Drucker erf\u00fcllen gleich mal <em>alle<\/em> Qualit\u00e4tskriterien nicht! Es ist schon acht Uhr durch, ich bin ungeduscht, habe noch mindestens drei Briefe zu schreiben, um zehn machen die Postschalter auf, und ich will nicht die sein, die weit weg davon vorm Kuchentresen stehen muss! Da sind doch noch diese Auff\u00fclldinger und Spritzen&#8230; Wo hab&#8216; ich die hin&#8230;? Ach, da&#8230; &#8211; Keine halbe Stunde sp\u00e4ter bin ich von oben bis unten mit schwarzer Tinte vollgesaut, fluche wie ein Buntspecht, bebe vor Wut und ziehe meterweise K\u00fcchenkrepp hinter mir her. Die Tischplatte und alles, was darauf ist, verschwindet fast unter Sprenkeln. &#8211; Wenn mich heute jemand fragt sollte, ob ich Punkte sammel&#8216;, raste ich aber aus! Ich bei\u00dfe in meinen Unteram, um nicht einfach loszubr\u00fcllen, denn ich wohne hier erst sieben Wochen, und was sollen schlie\u00dflich die Nachbarn denken, wen sie sich da ins Haus geholt haben? (Immerhin habe ich selbst auf einem &#8222;ruhigen Haus&#8220; als Grundbedingung bestanden.) Statt jetzt den Drucker und alles Umstehende aus dem Fenster zu werfen, versuche ich, ruhig zu bleiben und die aufgef\u00fcllten Patronen wieder einzusetzen. Drucktest. Drucktest. Langsam wird auch das Papier knapp. Der Drucker druckt jetzt immerhin nicht mehr schwarz. Er druckt gar nichts mehr. Die 14. Intensivreinigung aktiviert irgendwann cyan und gelb, aber das reicht mir nicht. Ich bin ein verw\u00f6hntes Biest und m\u00f6chte anst\u00e4ndige Weihnachtsgr\u00fc\u00dfe oder gar keine! Es ist kurz vor zehn. Eine Entscheidung muss her. Mit letzter Kraft und kilometerweise Klebeband versiegele ich die P\u00e4ckchen, schreibe zitternd darauf &#8222;Weihnachtskarte kommt separat!&#8220;, packe sie in gro\u00dfe Tragetaschen und rufe meinen Mann an. Eigentlich wollten wir uns gleich entspannt in der Stadt treffen, jetzt muss er mich erstmal beruhigen und tr\u00f6sten, ich f\u00fchle mich nahezu reif f\u00fcr die Station. Wir beschlie\u00dfen, dass ich jetzt erstmal hei\u00df duschen gehe, dann sp\u00e4ter beim Losgehen eine Nachricht schicke, und er mir bei der Post beisteht. Wir treffen uns dort. Nicht, dass ich noch aus Versehen zur Axtm\u00f6rderin werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Dusche funktioniert immerhin, doch die Tintenflecken wollen nicht ganz abgehen. Wenigstens hat das Gesicht nix abgekriegt. Echt Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck, haha. Ich ziehe mich an, ignoriere das\u00a0 Chaos um mich herum, packe mein Zeug und marschiere zur Post. Und die Post ist voll. Sehr voll. Vor mir in der Schlange ein junger Mann in Lederblouson und Jogginghose, dazwischen jede Menge blo\u00dfer, haariger unterer R\u00fccken. Ich konzentriere mich auf seine Schultern. Hinter mir ein \u00e4lterer Herr, der erstaunlich viele Knietschger\u00e4usche aus seinem Kaugummi rauszuholen versteht. Ich schaff&#8216; das. Mein Mann kommt gleich. Ich schaff&#8216; das. Mein Mann kommt gleich. Die Schalterjungs sind zu Plauereien aufgelegt. Meine Taschen schiebe ich mit dem Fu\u00df zentimeterweise voran. Schon 20 Minuten. Der Blouson vor mir ist dran und beugt sich zutraulich \u00fcber den Tresen. Gleich werde ich erblinden. Auch schon egal. Ich schaff&#8216; das. Mein Mann&#8230; Der Kaugummimann wird immer nerv\u00f6ser, schiebt sich n\u00e4her an mich, neben mein Ohr. Ich m\u00f6chte jetzt gern eine Ohnmacht vort\u00e4uschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Ach, bin ich dran? Der Schaltermann fragt, ob der Inhalt meiner P\u00e4ckchenlawine denn wertvoll sei. Grimmig antworte ich: <em>&#8222;Sie k\u00f6nnen nicht ermessen, wie!&#8220; &#8211; &#8222;Dann behalte ich die lieber gleich hier, h\u00f6h\u00f6!&#8220;<\/em> Er zwinkert mich voll, donnert gut gelaunt alle m\u00f6glichen Sticker drauf, nimmt mir eine Menge Geld ab und schenkt mir daf\u00fcr einen sch\u00e4bigen Zettel. Das wars.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pl\u00f6tzlich bin ich frei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich mit halb zugekniffenen Augen wieder an die s\u00fc\u00dfe, frische Luft trete, kommt da gerade mein besorgt blickender Mann angelaufen.<br \/>\nWir gehen fr\u00fchst\u00fccken. Im Dobbelstein.<br \/>\nUnd sp\u00e4ter auch noch Weihnachtskarten kaufen. Die kommen separat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem seiner B\u00fccher (&#8222;Guten Tach. Auf Wiedersehn&#8220;) hat Helge Schneider mal eine kleine Szene beschrieben, in der er w\u00e4hrend eines Auftritts quasi in Zeitlupe ziemlich lustig zu Boden geht. 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