{"id":20199616,"date":"2016-08-27T20:52:44","date_gmt":"2016-08-27T18:52:44","guid":{"rendered":"http:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/?p=20199616"},"modified":"2016-08-27T21:08:17","modified_gmt":"2016-08-27T19:08:17","slug":"verheiratet-mit-zwei-klingelschildern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theobromina.de\/100prozentig-selbst-erlebt\/2016\/08\/27\/verheiratet-mit-zwei-klingelschildern\/","title":{"rendered":"Verheiratet mit zwei Klingelschildern."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Gestern habe ich mich was getraut. Etwas, wovon ich bis vor einem Jahr nicht gedacht h\u00e4tte, dass es f\u00fcr mich mal was mit &#8222;sich trauen&#8220; zu tun haben k\u00f6nnte. Ich hab&#8216; n\u00e4mlich einigen Kollegen erz\u00e4hlt, dass ich bald schon wieder umziehen werde. Nicht, dass das nun was besonders Schlimmes w\u00e4re. (Mal abgesehen vom Umziehen an sich.) Allerdings bin ich ja gerade erst vor 3 Monaten nach Duisburg gezogen, zu meinem werten Herrn Ehegatten. Das hatte ich im B\u00fcro schon relativ freim\u00fctig erz\u00e4hlt, obwohl es ja eher ungew\u00f6hnlich ist, dass wir zwar verheiratet sind, jedoch vorher noch nie zusammen gewohnt haben. Aber dass wir jetzt nach bald sechs Jahren Fernbeziehung auch nur \u00fcbergangshalber zusammen wohnen, weil der Plan immer klar war, dass wir auch in der selben Stadt wieder getrennte Wohnungen haben m\u00f6chten, &#8211; das hatte ich bisher eher unter den Tisch fallen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte schlichtweg keine Lust, mich zu erkl\u00e4ren, wom\u00f6glich zu rechtfertigen. Keine Lust auf Reaktionen wie: <em>&#8222;Ahaaa&#8230; Das ist ja interessant&#8230; Naja, jeder wie er mag&#8230; Hm. &#8211; Aber ich k\u00f6nnte das nicht!&#8220;<\/em> Ich sollte vielleicht erw\u00e4hnen, dass ich mittlerweile in einem Unternehmen besch\u00e4ftigt bin, in dem man fast Beamtenstatus hat, also ist alles ziemlich konservativ. Ich wirke dort ja bereits ein wenig flippig, weil ich morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit komme und nicht mit dem regelm\u00e4\u00dfig frisch polierten Wagen. Und in der Pause esse ich Bio(!)joghurts oder auch schon mal Curry oder selbstgemachte thail\u00e4ndische Sommerrollen. Das ist fast hippiesk. Wenn die w\u00fcssten, das ich auch gar nicht CDU w\u00e4hle! Und nun bin ich zwar verheiratet, will aber gar nicht mit meinem Mann zusammen sein! Und davor blo\u00df Fernbeziehung, aber heiraten! Versteh&#8216; das einer! Was ist das denn f\u00fcr &#8217;ne Beziehung!? Und was das auch kostet, so mit zwei Wohnungen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine neuen Kollegen hier sind aber \u00fcbrigens alle sehr nett und manche sind sogar deutlich witzig. Einige von denen habe ich mittlerweile richtig gern. Vielleicht habe ich mich deswegen gesorgt, dass sie mich erst recht &#8222;komisch&#8220; finden, wenn ich ein anderes Lebensmodell habe als sie. Ich hatte es hier im Blog ja noch nicht richtig erz\u00e4hlt, aber in der letzten Stelle in Hannover (im selben Unternehmen *r\u00e4usper*) hatte ich zwei sehr garstige Kolleginnen, die \u00fcbel mit mir umgesprungen sind. Ich verwende in diesem Zusammenhang selbst nicht gern das Wort &#8222;Mobbing&#8220; (jedoch allerdings einige, die es direkt mitbekommen haben oder denen ich davon erz\u00e4hlt habe), aber eine deutliche Vorstufe war&#8217;s ganz sicher. Diese Kolleginnen waren sehr geh\u00e4ssig, gern schadenfroh und jederzeit auf lustige Macht- bzw, Erniedrigungsspielchen aus. Wer da ein bisschen anders war und es auch bleiben wollte, kriegte den ganzen Tag auf&#8217;s Fell. Leider war meines bald d\u00fcnn und an einigen Stellen sogar kahl. Hilfreich beigesprungen ist mir leider erstmal niemand, teils aus Angst, selbst zur Zielscheibe zu werden (Kollegen), teils wegen Nicht-mitgekriegt (Chefs). Da wird man nat\u00fcrlich ziemlich vorsichtig, traurig und w\u00fctend. Auch als Individuum m\u00f6chte man doch ganz gern einer Gruppe zugeh\u00f6rig sein oder wenigstens nicht dauernd beharkt werden. Vor allem, wo man doch im Job so viel Lebenszeit miteinander verbringt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reaktion auf meine Erz\u00e4hlung gestern war denn auch erstmal genau wie oben erw\u00e4hnt, erstaunt, verwundert und irritiert. Aber dann gl\u00fccklicherweise trotzdem nett. Nach kurzer Erkl\u00e4rung, wieso und warum, waren wir dann schnell schon wieder bei Mietvertr\u00e4gen, Quadratmetern, Wohnvierteln, Umzugsorganisation und schlimmen Tapetenmustern. Vermutlich wird man demn\u00e4chst trotzdem hinter meinem R\u00fccken so ein bisschen r\u00e4tseln, wie eine Beziehung denn \u00fcberhaupt so funktionieren kann, aber nuja&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber jetzt mal meine Frage: Wieso denn eigentlich nicht??? Verdorrinochmal!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Blo\u00df, weil es eben allgemeiner Standard ist, dass Paare auch zusammen wohnen? (Erst recht verheiratete?) Die Zimmer teilen, Tisch und Bett und Unterbuxe? Das hatte ich \u00fcbrigens schon zweimal, beide Male \u00fcber Jahre (bis auf die Sache mit der Unterbuxe). Und war beide Male froh, als ich hinterher wieder meine eigene Bleibe hatte. Erstens bin ich einfach unheimlich gern alleine in meiner Wohnung, mache die T\u00fcr von innen zu und bin &#8222;f\u00fcr mich&#8220;. Punkt. Das kennt vermutlich fast jeder. Zweitens ist es so, dass sobald da noch mehr Leute sind, ganz viel von mir eben &#8222;f\u00fcr Andere&#8220; ist. Meine Aufmerksamkeit richtet sich offenbar rasch nach au\u00dfen. Wenn n\u00e4mlich au\u00dfer mir noch jemand da ist, bekomme ich auch immer nebenbei mit, was er gerade tut, sebst wenn wir grad&#8216; gar nichts zusammen machen. Ich sitze vielleicht einfach im Wohnzimmer und kriege mit: Aha, er geht in die K\u00fcche und trinkt ein Glas Wasser. Jetzt geht er ins Bad. Er sucht im Flur in seiner Tasche herum&#8230; &#8211; Ich habe also quasi immer meine Antennen drau\u00dfen. Ich wei\u00df, dass viele Menschen es total beruhigend finden, wenn da jemand in der N\u00e4he ist. Mich macht das irgendwann unruhig, es kann mich sogar stressen (daf\u00fcr gibt&#8217;s allerdings auch handfeste, uralte Gr\u00fcnde). Ich komme nicht richtig in die Ruhe, die ich brauche, um mich vom &#8222;Drau\u00dfen&#8220; und den Anforderungen des Alltags zu erholen. Auch nicht, wenn mir der Mensch sehr, sehr lieb und vertraut ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also nehme ich mir die Freiheit, den Liebsten dann um mich zu haben, wenn wir beide das gern wollen und uns danach ist. &#8211; Erfreulicherweise ist das erstaunlich oft der Fall! Und ebenso erfreulicherweise braucht und genie\u00dft er sein Alleinsein dazwischen ebenso wie ich. Es wurde nat\u00fcrlich auch von au\u00dfen mal kritisch gemutma\u00dft, wir kennten so ja nur die Sonnenseiten miteinander; &#8211; zur Beruhigung kann ich aber versichern, dass dem nicht so ist. Auch wir haben ab und zu hohe Wellen und m\u00fcssen uns dann wieder einkriegen. \u00dcbrigens: Nicht etwa, dass ich ein Fan von J\u00fcrgen von der Lippe w\u00e4re. Echt nicht. Aber er wurde in einem Interview mal gefragt, wie das denn k\u00e4me, dass er nun schon soundso viele Jahre mit seiner Ehefrau gl\u00fccklich sei. Das w\u00e4re doch gerade im Showbiz ziemlich selten&#8230; Seine gut gelaunte Antwort: <em>&#8222;Getrennte Wohnungen.&#8220;<\/em> Und ich wei\u00df genau, was er meint. Der Liebste sieht mich normalerweise nicht mit Lockenwicklern und halbleergefutterter Pralinenschachtel in einem Zeitschriftenhaufen liegen, und ich rege mich nicht \u00fcber schlecht zugeschraubte Zahnpastatuben auf, \u00fcber nicht runtergebrachten M\u00fcll, oder dar\u00fcber, wer mit was &#8222;dran&#8220; ist. Sind wir bei mir, ist er ein bisschen mein Gast, bin ich bei ihm, ist es andersherum. Der Gastgeber kauft jeweils ein und kocht und hat meistens sogar sauber gemacht. Man geht auch irgendwie anders miteinander um. Das ist sch\u00f6n (weniger kompliziert, als man meint) und f\u00fcr uns ganz normal. Au\u00dferdem hat jeder gleich zwei Zuhause. Und dazu teilen wir die gemeinsame Zukunftsidee, eines Tages wohl auch mal ein gemeinsames H\u00e4uschen zu bewohnen: Einer unten, einer oben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wisst Ihr, was auch ganz witzig ist? Manche sind erst mal verwundert wegen unseres Wohnmodells, besonders Paare, aber oft kommt nach einer Weile einer von Beiden (h\u00e4ufiger die Frau&#8230;) und raunt: <em>&#8222;K\u00f6nnt&#8216; ich mir, ehrlich gesagt, auch mal ganz gut vorstellen, sowas.&#8220;, <\/em>gern mit verstohlenem Augenrollen zum Partner hin.<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern habe ich mich was getraut. Etwas, wovon ich bis vor einem Jahr nicht gedacht h\u00e4tte, dass es f\u00fcr mich mal was mit &#8222;sich trauen&#8220; zu tun haben k\u00f6nnte. Ich hab&#8216; n\u00e4mlich einigen Kollegen erz\u00e4hlt, dass ich bald schon wieder umziehen werde. Nicht, dass das nun was besonders Schlimmes w\u00e4re. 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