Küchensofagedanken – Teil 2 – Süße Erinnerung.

Hm. Angeregt durch diesen Kommentar von Schauzeit, hab‘ ich auch mal ein bisschen über- legt, was ich eigentlich in der Kindheit gern geschnökert habe, und wie meine persönliche Schokohistorie eigentlich verlaufen ist.

Geschnökert, ja genau. So hieß das nämlich bei uns. „Krieg‘ ich was zu schnökern?“ war die ewige, sehnsuchtsvolle Frage, die dem vorausging. Bei Schauzeit hieß es offenbar schnuppen.  – Und bei Euch?

Als ich klein war, in den 70ern -ähem-, gab es noch lange nicht diese Wahnsinnsvielfalt an Schnökerzeug, die Einen heute überall freundlich anbellt. Und vor allem gab’s auch nicht in jeder Saison was Neues, noch Sensationelleres. Man kann sicher trotzdem unheimlich viel auflisten (macht doch mal!). Hier mal, woran ich mich gern erinnere: Caramac (normal und mit Nüssen, letzteres kennt scheinbar niemand mehr…), Carrera-Schokoriegel, Rolo (Karamell und Mint),
3 Musketiere, Treets und Co., Duplo und Hanuta (klar), Bazooka-Joe-Kaugummi, Kaugummi- zigaretten und -zigarren (letztere von meiner Freundin T. bis heute schmerzlich vermisst wegen ihrer überragenden Pappsüße und der Konsistenz), Waffelbruch in knallgrünen Tüten, Dolomiti– und das kleine rosa Berry-Eis.

Schokoladentafeln kamen bei uns von Sprengel, was eventuell schon allein daran lag, dass die Firma hier in Hannover produzierte und überall präsent war. Drei Lieblingssorten hatte ich: Marzipan, Orange und Krokant. Krokant war am besten. Meine Mutter teilte die Tafel, indem sie das Papier entlang der Mittelrippe mit dem Daumennagel einritzte, dann die Tafel durchbrach und die zwei Teile auseinanderriss. Meine Hälfte war wertvoll, wurde sauber in drei Rippen á vier Stückchen geteilt. Diese Stäbchen umwickelte ich dann an einem Ende mit der dünnen Alufolie zum Anfassen und lutschte die Schokolade dann von oben weg. Meistens dauerte das ein Weilchen, sodass der „Griff“ sich unaufhaltsam auflöste und ich die warme Schokolade aus der Folie lecken musste, aber das fand ich gerade toll. So war ich dann immer ziemlich lange beschäftigt. Und glücklich.

Zu ganz besonderen Gelegenheiten gab es manchmal Goldnusspärchen von Novesia, danach lechzte ich. Sie waren in einer schicken, grünen Schachtel untergebracht, die man nach meiner Erinnerung zu den Seiten aufklappen konnte. Darin fanden sich dann kleine goldenen Tütchen mit grünem Henkel, in die jeweils ein Pärchen Haselnüsse in Schokohülle gebettet war. -Herrlich puppenstubig und tolles Spielzeug!

Bei der Oma gab’s natürlich Kinderschokolade, deren Riegelchen ja damals noch anders -also flacher- aussahen Manchmal gab’s auch Yogurette, die mochte ich erst richtig gern, wenn sie etwas angeschmolzen war, weshalb ich sie mir oft erstmal für ein Weilchen auf den Bauch legte, zum Vorwärmen (aber mit dem Papierchen drum!), um die warme Matsche dann vorsichtig hervorzupulen. Die saftigen, kleinen Niederegger Marzipanbarren gab’s auch bei der Oma, die aber knausrig damit war, mir manchmal bloß einen für meine Freundin und mich zusammen gab: „Aber schön teilen!“ Naja.

Ansonsten erinnere ich mich gerade nicht, besondere Favoriten gehabt zu haben, aber neugierig war ich immer. Ich aß alle möglichen Sorten, u.a. Aero-Luftschokolade, Milka oder Lindt (Blätterkrokant!), Cote d‘ Or, Marabou und so. Dunkle Schokolade war eher was für Erwachsene, die war mir meist zu herb.

Bis ich 1992 begann, französische Feinkost zu verkaufen. Mein Chef war ein Windhund, aber auch ein Connaisseur. Einmal im Jahr fuhr er nach Paris, kaufte mindestens ein Kilo feinster Schokoladen und Trüffelpralinen, lud sich seine besten Freunde aufs Haus und verkostete die Beute. Runtergespült wurde stilvoll mit Champagner. Und weil er mal bemerkt hatte, welche Affinität ich zu unserem Süßwarensortiment aufgebaut hatte, lud er mich zwar nicht zur Verkostung ein, brachte mir aber ein paar Pröbchen mit. Unter anderem war darunter eine kleine, edel verpackte Tafel* aus 100%iger Kakaomasse. Sehr viel Säure, sehr bitter, sehr fremd, aber irgendwie köstlich! Spätestens da war ich geweckt.

Tja, so war’s bei mir… – Und bei Euch?

Edit: Hier des KaterMurrs ausführliche Erinnerung.

 

* Übrigens stolperte ich später selbst bei einem Parisbesuch zufällig in eine kleine Seitenstraße, wo über einer Ladentür genau das Wappen hing, das ich noch von der schicken Verpackung kannte. Oder hatte mich mein Näschen geführt? Wer weiß, wer weiiiß…