Coppeneur – Cranberry Trüffelpralinés.

Endlich, eine Ersatzdroge ist gefunden! Ich hatte hier ja mal meine Leidensgeschichte beschrieben, was meine Lieblingsschokolade von Coppeneur und deren überraschende Abschaffung im Zuge einer Sortimentsüberarbeitung anging. Damals habe ich mich noch schnell großflächig eingedecken können und alle Reste, derer ich habhaft werden konnte, aus allen Webshops, die ich entdecken konnte, herausgepresst. Der Vorrat an Tafeln hat immerhin bis zum Frühjahr gereicht, doch parallel suchte ich natürlich eifrig nach Alternativen.

Besonders nett fand ich damals die Betreiberin des gut und originell sortierten Webshops Candy And More, in den ich mal zufällig hereingestolpert war, und bei dem ich inzwischen regelmäßig nicht nur Schokolade, sondern u.a. auch englische Leckereien ordere, die immer prompt verschickt werden. Die gute Frau Brune, mit der ich damals aufgeregt telefonierte und die sich viel Mühe gab, mich erstens zu trösten, mir zweitens fix die letzten Lieblingstafeln zusprach, riet mir drittens zu, vielleicht mal diese neue Sorte zu kosten (die zum Zeitpunkt noch gar nicht im Webshop aufgeführt war), so als eventuellen Ersatz…? Ich bestellte also gleich mal eine Tafel mit, fand sie auch wirklich sehrsehr lecker, aber sie passte nicht recht in die geschlagene Wunde.

Kurze Zeit später entdeckte ich dann jedoch die Cranberry Trüffelpralinés und testete sie ebenfalls. Und: Ohhhjaaa…! Sie sind schon sehr nah dran, wenn auch ohne den geliebten Lavendelhauch und in Milchschokolade gehüllt, statt in dunkle. Damit werde ich aber hervorragend leben können.

So sehen sie also aus, die neuen Freunde:

Hübsche Bollen, mit ganz ausgesprochen geschmeidiger Füllung. – Herrlich!

Sie sind in Cranberryflocken gerollt, das ergibt eine samtig-purpurne Außenhülle, die aber erstmal überraschend wenig fruchtig schmeckt. Darunter folgt eine zarte, fast zierliche, feine Milchschokoladenhülle, die endlich die überraschend und sehr sauer-frische Füllung freigibt. Und wenn ich hier schreibe: Sehr sauer-frisch, dann meine ich: Ganz schön sauer-frisch!

Aber genau das ist es: Cranberries sind eben sauer. Wer sie schon einmal pur versucht hat, weiß, wie sich der Mund vor herbfrischer Säure zusammenzieht. Natürlich ist hier auch ausgleichende Süße im Spiel, aber mir gefällt es nicht nur, dass man hier das Charakteristische der Beere nicht zu sehr ausgeglichen hat. – Nein, ich liebe es!

Wer Fruchtiges mag, dem seien sie somit ganz nah ans Herz gelegt. (Aber wehe, Ihr kauft mir alles weg!) Hier steht jetzt jedenfalls immer obiges Lackdöschen auf dem Nachtkasten, und abends beim Lesen verschwinden daraus immer mal 1-2-3… Bewohner.

Zutaten:
Zucker, Kakaobutter, Vollmilchpulver, Cranberrysaftkonzentrat (12,9%), Sahne, Glukosesirup, Feuchthaltemittel: Sorbit, Butter, Cranberryflocken, Kakaomasse, Sahnepulver, natürliches Cranberryaroma, Emulgator: Soja-Lecithin, natürliche Vanille

„Kawaaaiiiii!!!“*

Heute gibt’s mal was zum Fiepen und Piepen…

Denn wer -wie ich- in der glücklichen Lage ist, eine sehrsehrsehr liebe, japanische Freundin zu haben, der kriegt von ihr manchmal die dollsten Sachen aus dem Urlaub mitgebracht:

O.k., die Pfingstrosen nicht. Die sind wiederum von Freundin Tina.
Aber alles andere hat eine weite Reise von Tokyo bis nach Hannover-Linden gemacht.
Im Uhrzeigersinn, oben beginnend:

  • Süßkartoffelstäbchen
  • Silikonförmchen, um hasen-, bärchen-, sternchen-, kätzchenförmige Pralinen bzw. Lollies zu gießen.
  • Morinaga’s Kaubonbons mit Azuki-Bohnen- und Milch-Karamell-Geschmack. Diese Bonbons sind in Japan sehr bekannt und weitverbreitet. Ich vermute, so ähnlich wie unsere Storck-Riesen hier in Deutschland.
  • Erdbeerhütchen.
  • Fruchtjelly, das wie Sushi aussieht, man muss die Einzelteile selbst übereinanderschichten.
  • Darunter bunte Sticker mit witzigen Häschen, Blümchen und anderen Figuren.
  • Klappförmchen (Hase und Bär). – Dazu komme ich gleich…
  • Maskingtape mit Häschen, Cupcakes, Donuts…
  • Bunte Piekserchen, die an der Oberseite niedliche Gesichtchen haben.
  • Kleine Lunchbox mit Hase und der Aufschrift „Chocoholic“.
  • (Nicht mehr auf dem Bild: Erdnussbaisers und zarte Karamellkrispelwaffeln, ein bisschen ähnlich den geliebten „Crêpes Dentelle“, und doch wieder ganz anders, japanisch eben. Sie sind bereits selig verknuspert worden.)

Beim Auspacken dieses ganzen verrückten Zeugs jubelte ich ununterbrochen vor mich hin und kriegte rote Bäckchen, währen Mayumi sich still amüsierte und ihren Tee trank. Nun sollte wohl auch den Besuchern dieser Seite klar geworden sein, dass ich nicht nur schwer kakaoabhängig bin, sondern auch eine mittlerweile ausgereifte Hasenmacke habe und dazu gelegentlich eine ausgeprägte Affinität zu unnützem, aber sind-wir-doch-mal-ehrlich, superniedlichem Kitschkram. Der Ausruf *“Kawaii! bedeutet übrigens auch nichts andres als: „Oh, sooo niedlich!“.

Ich weiß nicht, ob es hinkriege, zu den Süßigkeiten mal einen eigenen Eintrag zu machen, ich will mal lieber nichts versprechen. Doch jetzt, wie versprochen, zu den Klappförmchen:

Etwas Ähnliches hatte ich mal als Kind aus einem YPS-Heft, nur dass es damals eine Würfelform hatte. Es handelt sich um Eierformer! In Japan ist es nämlich Sitte, den Kindern in den Kindergarten oder zur Schule liebevoll gefüllte, oft sehr phantasievoll ausgarnierte Lunchboxen mitzugeben. Es gibt sogar Hochglanzzeitschriften, die sich fast ausschließlich mit Garniturvorschlägen befassen! Warum überrascht uns das nicht? So lernen Kinder schon sehr früh, dass Essen etwas Schönes ist, das gute Laune macht und man mit der Mühe und Sorgfalt der Zubereitung auch seinen Respekt, seine  Zuneigung oder gar Liebe ausdrücken kann. Eier zu formen ist natürlich eher die putzige Variante, aber wer die gute japanische Küche kennt, weiß, wie sorgfältig dort mit Zutaten und Zubereitung verfahren wird, und dass nahezu alles eine Bedeutung hat, einen tieferen Sinn.

Wie funktioniert nun aber dieser Eiergag?

Also, man kocht ein Hühnerei hart, pellt es, solange es noch heiß ist, drückt es sanft ins Förmchen, verschließt das Ganze und wartet, bis es abgekühlt ist.
Das Ergebnis sieht dann so aus:

Mal ehrlich: Wer da nicht prompt gute Laune in der Mittagspause bekommt, dem ist wohl auch sonst kaum zu helfen, oder?

Dōmo, dōmo arigatō, liebe Mayumi!

Küchensofagedanken – Teil 3 – Vom möglicherweisen Mögen.

Seit Jahren versuche ich mich ein bisschen mit Lakritze anzufreunden, und es klappt zuweilen auch ganz gut. Der Geschmack von Süßholz & Salmiak wird es zwar nie auf die oberen Plätze meiner Geschmackshitliste schaffen, (schon allein, weil man hinterher erstmal eine Weile nix anderes mehr schmeckt), aber ich erkenne schon deutliche Unterschiede und stelle erste Neigungen fest. Mit schwelgerischer Liebe wird es bei uns Beiden wohl nie was, aber Freund- schaft könnte es schon werden, wenn wir uns ein bisschen bemühen. Allerdings bin ich ja nun vor langer Zeit eine feste Beziehung mit gefühlvoll conchierten Kakaoprodukten eingegangen und immer noch sehr verliebt.

Etwas, das man vorher immer abgelehnt hat, plötzlich allein durch Vorsatz zu mögen, ist schon interessant und mir auch schon öfter passiert. Der persönliche Geschmack ändert sich ja schließlich auch mit den Jahren. Wenn ich überlege, was ich als Kind alles nicht mochte… Spargel zum Beispiel. Paprika. Tomaten. Pilze.

Naja, Pilze mag ich noch immer nicht. Mir reicht die Konsistenz schon. Geh mir weck. Aber Paprika und Tomaten esse ich heutzutage, ohne mit der Wimper zu zucken. Spargel hingegen liebe ich inzwischen geradezu und fiebere momentan dem Wochenende entgegen, wenn’s bei uns den diesjährigen ersten gibt. – Immer her damit! Vielleicht sollte man sowieso alles, von dem man glaubt, es nicht zu mögen, alle paar Jahre mal neu probieren. Nachher mag man’s doch! Eventuell war es beim ersten Probieren auch nur lieblos oder schlecht zubereitet. Damit kann man schließlich noch jedes Lebensmittel versauen.

Oder man macht es so wie diese Restauranttester, die ans Schmecken ganz analytisch drangehen. Sie müssen ja gelegentlich Sachen probieren und bewerten, die sie persönlich eigentlich nicht mögen und trainieren sich dafür das Unvoreingenommene richtig an. (Es müssen ja nicht gleich frittierte Würmer oder karamellisierte Insekten sein. Da z.B. wäre meine Grenze auch längst erreicht.) Zunächst Fremdartiges kann sich jedoch durchaus zum Knüller entwickeln.

Ich probiere z.B. manchmal Merkwürdigkeiten der japanischen Küche, die meine Freundin M. mit aus der Heimat rübergeschickten Originalzutaten zubereitet. Sogar Nattō habe ich mal getestet. Das ist schon mächtig ungewohnt und hat es auch nicht in die Top 10 geschafft. Aber sehrsehr salzig eingelegte japanische Pflaumen –Umeboshi heißen die- die schmecken mir sehr gut. Von köstlichen, salzigen Knabbermischungen, die kleine getrocknete Fischlein enthalten, fange ich jetzt lieber gar nicht erst an. Ich mag sie ganz gern zum Bier, stehe damit aber relativ alleine da. Entdeckt habe ich diese Dinge nur, weil ich es inzwischen meistens hinkriege, meine Erwartungs- haltung und mein Misstrauen abzulegen und erstmal loszuschmecken.

Ich glaube, bei Lakritze war ich wohl auch deshalb etwas voreingenommen, weil ich beobachtet zu haben glaube, dass viele Menschen, die Lakritze heiß und innig lieben… na, wie sag‘ ich das jetzt… hm… allgemein und ansonsten eher nicht so anspruchsvoll sind in Essensdingen und den dazuge- hörigen Geschmacksfragen. Sie sind froh und zufrieden, wenn das Essen schmackhaft ist, reichlich und heiß. Gedrechselt Verfeinertes macht ihnen wenig Spaß, der ganze Aufwand ist ihnen völlig schleierhaft und auch zuviel. Sie fahren auch nicht unbedingt durch die halbe Stadt, weil es da diesen leckeren Balsamico gibt. Oder diese vorzüglichen, sahnigen Trüffelpralinchen.

Hoffentlich fühlt sich von dieser etwas gewagten These nun niemand abgefrühstückt; das würde mich durchaus betrüben. Ausnahmen bestätigen da sowieso mal wieder die Regel, dürfen sich hier gern empören, und auch der Umkehrschluss funktioniert übrigens nicht.

Mir wäre es übrigens manchmal lieber, wenn mir der Essgenuss nicht so wichtig wäre, denn dann bräuchte ich mich nie zu grämen, wenn das Geld gerade wieder nicht für die Feinkostbude reichen will. Wo ich doch so gerne Entdeckungen mache! Auch beim Einkaufen im Urlaub gucke ich stundenlang in den Geschäften, was es dort an Leckerem oder Speziellem gibt. Ein toller, neuer Geschmack interessiert mich mehr, als beispielsweise schicke Schuhe es jemals könnten…

Dass auch simples Wasser je nach Quelle und Region unterschiedlich schmeckt, ist sicher jedem schon aufgefallen, mir natürlich auch. Allerdings niemals, auch nicht mit dickstem Konto, würde ich mir ein Wasser kaufen, dessen 0,7l-Flasche mit Glitzerkristallen beklebt ist. Das verschwurbelt, gefiltert und mit Sauerstoff beschossen wird, und dann tatsächlich 75,- Euro kostet. ‚Tschuldigung, da bin ich voreingenommen. Das kann noch so sensationell schmecken, aber von dem Geld kann man in einem Dürregebiet wahrscheinlich ’nen ganzen Brunnen bohren. Ich glaube übrigens nicht, dass so ein Wasser jemals allein im Kämmerchen getrunken wird, sondern vermutlich nur vor Publikum. Es wundert mich noch etwas, dass es das nicht in einer 0,2l-Miniflasche gibt, aus der man dann auf Parties mit Silberstrohhälmchen trinkt. Oder noch kleinere, die man dann gleich als Ohrringe tragen kann. Das passt doch auch viel besser zu den Klamotten als eine Dreiviertel- literpulle, hätte aber mit gutem Geschmack immer noch wenig zu tun.

Zum Glück müssen weder mein Essen noch meine Getränke zu meinem „Outfit“ oder dieser Küchen-„Lokäischn“ passen. Denn dann gäb’s hier womöglich nur noch Barfußkürbis und gestreifte Radieschen. Und letztere mag ich ja nun überhaupt nicht. – Obwohl, im Salat…

Nougats de Provence von Yves-Robert Tolleron

Am 6. März bekam ich sehr nette Post von Karsten Ebert, den ich kurz auf der ISM kennengelernt hatte, als wir an seinem Stand (Der süße Regenbogen) klebenblieben, weil es dort ulkiges isländisches Lakritz gab; – das sieht man nun wirklich nicht überall. Einer kleinen schwungvollen Unterhaltung über Island folgte das neugierige Eintüten von ebenjenen Lakritzpröbchen (dazu aber ein andermal, versprochen), sowie der Austausch von Visitenkarten. Und genau diese meine hatte er nun wiederentdeckt und schrieb mir, er würde mir gern mal seine Nougats de Provence vorstellen bzw. probehalber zukommen lassen, um mal zu gucken, wie ich die denn so fände.

Da die Mail erstens freundlich und lustig war und ich zweitens französischen Nougat liebe, freute ich mich und bekam schon zwei Tage später ein Päckchen ins Haus. Seither habe ich die Proben umschlichen und begehrlich betastet, kam aber zu nix. – Bis heute!

Zunächst muss aber mal ein bisschen erklärt werden, was französischer Nougat denn überhaupt ist. Hier in Deutschland wird unter Nougat ja eine braune Haselnusspaste mit Kakaoanteil verstanden. Durchaus lecker. In Frankreich jedoch bezeichnet man so eine mittelweiche, helle Masse aus Zucker, Honig und Eiweiß, in die geröstete Nüsse -hauptsächlich Mandeln- gebettet sind. In Spanien und Italien gibt es etwas Ähnliches, dort heißt es Turron/Turrone und ist oft sehr fest bis splitterig. Auch der türkische Honig ist ähnlich in der Machart.

Mir ist der französische Nougat schon von der Konsistenz her am liebsten, denn die ist zartschmelzend und zergeht wunderbar im Mund. Ihm werden alle möglichen Beigaben zugedacht wie eben Mandeln, Pistazien, Haselnüsse, jede Menge getrockneter oder kandierter Früchte, Gewürze und Kräuter wie Zimt, Minze oder Rosmarin… Die Sortenvielfalt ist immens, wer da nichts für sich findet, hat nicht richtig geguckt.

Am Wichtigsten aber ist: Richtig guter Nougat wird mit provencalischem Lavendelhonig gemacht, und den sollte man auch schmecken. Jede Zutat für sich sollte erlesen sein, damit sie sich im Ergebnis ebenbürtig sind. Alle miteinander werden schonend in traditionellen Verfahren verarbeitet, oft von Hand. Darum ist dieser Nougat kostbar, und das sieht man auch am Preis, natürlich.

Ich bekam nun also netterweise zugeschickt folgende drei Sorten: Schokolade/Minze, Kaffee/Schokolade, dunkle/weiße Schokolade . Einzeln als handschnittene Scheibe in gutes Wachspapier gewickelt (das ideal zur Aufbewahrung ist), dann mit einer hübschen Banderole versehen, die ein bisschen Auskunft gibt über den Nougatier, die Tradition und Herkunft der feinen Süßigkeit und seiner Zutaten. (In diesem Fall besonders angenehm: Nahezu alle Zutaten sind BIO und fair gehandelt.) Das Ganze steckt noch mal in einem Cellophantütchen, das handbeschriftet die Sorte verrät.

Alle Sorten bestehen grundsätzlich aus der Nougatmasse und den gerösteten Mandeln. Als erstes koste ich die Sorte mit Minze. Sie ist sehr zart, hat Schokostücke eingearbeitet und duftet deutlich nach der zarten Feldminze. Da ich keine Kräuterchen entdecken kann, vermute ich, dass hier ein gutes Minzöl Verwendung gefunden hat. Und zwar genau in der richtigen Menge, denn man schmeckt den Honig, die Mandeln, die richtig gute, vollmundige Schokolade (wenn man gerade ein Bröckchen davon erwischt hat), und die Minze begleitet sie alle. – Schön!

Dann folgt Kaffee-Schokolade. Ich bin keine große Kaffeefreundin und trinke nur selten selber welchen. Doch ich liebe den Duft, der sich ausbreitet, wenn ich für lieben Besuch eine Kanne aufsetze. Dieser Duft kommt mir auch hier entgegen, als ich das Wachspapier auffalte. Auch hier sind wieder dicke Schokostücke im hellen Nougat zu sehen, sowie das eingearbeitete Kaffeepulver. Ich probiere, und kann prompt sagen: Auch das ist wieder fein. Die Bitterstoffe und leichten Säuren des Kaffees gleichen die Süße des Honigs ein bisschen aus, wodurch diese Sorte ein wenig „herzhafter“ ist. Mir fallen sofort ein paar Leutchen aus dem Freundeskreis ein, denen das riesig gefallen dürfte und merke mir das mal zu Geschenkzwecken vor. Diese Stück aber nasche ich selbst zuende!

Zuletzt geht es an die weiße/dunkle Schokolade.  Dieser Nougat ist dunkler, offenbar hat man dort bereits in die weiche Teigmasse Schokolade eingearbeitet und dann noch zusätzlich helle und dunkle, sehr aromatische Bruchstücke bester Schokolade zugegeben. Die Kakaoaromen sind deutlich spürbar. Ebenfalls eine tolle Sorte. Schlichtweg.

Alle drei sind wunderbar, mit hohem Suchtpotenzial, und von Monsieur Tolleron mit Liebe und Erfahrung gemacht, das vermittelt sich. Sie sind ausgewogen, duften herrlich und schmecken deutlich erkennbar nach ihren guten Zutaten. Am besten hat mir jedoch die Minzsorte gefallen, zumindest von den Dreien, die ich nun kenne. Und wie ich mich kenne, bleibt es nicht bei diesen Dreien, denn die weitere Auswahl ist spannend, und sobald ich hier wieder etwas Luft habe und meine Vorräte (hier stapelt sich noch Einiges!) wieder überschaubar werden, werde ich mir mal auf eigene Faust ein paar Sorten mit Früchten und Kräutern ordern. Und ich bin jetzt schon sicher, dass ich die genauso himmlisch finden werde. Wer nun neugierig geworden ist, wer sich jetzt die Lippen leckt, wessen Hand sich suchend um die Maus krallt, der kann hier ja mal selbst stöbern gehen…

Edit: Leider sind beim“ Süssen Regenbogen“ inzwischen keine Nougats von Monsieur Tolleron mehr im Sortiment, was ich furchtbar schade finde! Und bisher habe ich auch noch keinen anderen Online-Shop gefunden, der sie führt. Tipps sind also hochwillkommen!

Zutaten:
Nougat Schokolade/Minze: Rohrohrzucker aus biologischem Anbau und fairem Handel, 100% naturreiner Lavendelhonig, Mandeln, Eiweiß, Butterkaramell, Glukosesirup, Puderzucker, Meersalz aus Isigny.

Nougat Kaffee/Schokolade: Rohrohrzucker aus biologischem Anbau und fairem Handel, 100% naturreiner Lavendelhonig, Guayaquil-Schokolade 64%, Mandeln, Eiweiß, Glukosesirup, Kakaopulver, Kaffeepulver, Pistazien, Puderzucker.

Nougat dunkle/weiße Schokolade: Rohrohrzucker aus biologischem Anbau und fairem Handel, 100% naturreiner Lavendelhonig, Mandeln, Eiweiß, Butterkaramell, Glukosesirup, Puderzucker und … (hier endet leider die Angabe auf der Webseite. Ich vermute, da fehlen noch die beiden Schokoladensorten.)

Küchensofagedanken – Teil 2 – Süße Erinnerung.

Hm. Angeregt durch diesen Kommentar von Schauzeit, hab‘ ich auch mal ein bisschen über- legt, was ich eigentlich in der Kindheit gern geschnökert habe, und wie meine persönliche Schokohistorie eigentlich verlaufen ist.

Geschnökert, ja genau. So hieß das nämlich bei uns. „Krieg‘ ich was zu schnökern?“ war die ewige, sehnsuchtsvolle Frage, die dem vorausging. Bei Schauzeit hieß es offenbar schnuppen.  – Und bei Euch?

Als ich klein war, in den 70ern -ähem-, gab es noch lange nicht diese Wahnsinnsvielfalt an Schnökerzeug, die Einen heute überall freundlich anbellt. Und vor allem gab’s auch nicht in jeder Saison was Neues, noch Sensationelleres. Man kann sicher trotzdem unheimlich viel auflisten (macht doch mal!). Hier mal, woran ich mich gern erinnere: Caramac (normal und mit Nüssen, letzteres kennt scheinbar niemand mehr…), Carrera-Schokoriegel, Rolo (Karamell und Mint),
3 Musketiere, Treets und Co., Duplo und Hanuta (klar), Bazooka-Joe-Kaugummi, Kaugummi- zigaretten und -zigarren (letztere von meiner Freundin T. bis heute schmerzlich vermisst wegen ihrer überragenden Pappsüße und der Konsistenz), Waffelbruch in knallgrünen Tüten, Dolomiti– und das kleine rosa Berry-Eis.

Schokoladentafeln kamen bei uns von Sprengel, was eventuell schon allein daran lag, dass die Firma hier in Hannover produzierte und überall präsent war. Drei Lieblingssorten hatte ich: Marzipan, Orange und Krokant. Krokant war am besten. Meine Mutter teilte die Tafel, indem sie das Papier entlang der Mittelrippe mit dem Daumennagel einritzte, dann die Tafel durchbrach und die zwei Teile auseinanderriss. Meine Hälfte war wertvoll, wurde sauber in drei Rippen á vier Stückchen geteilt. Diese Stäbchen umwickelte ich dann an einem Ende mit der dünnen Alufolie zum Anfassen und lutschte die Schokolade dann von oben weg. Meistens dauerte das ein Weilchen, sodass der „Griff“ sich unaufhaltsam auflöste und ich die warme Schokolade aus der Folie lecken musste, aber das fand ich gerade toll. So war ich dann immer ziemlich lange beschäftigt. Und glücklich.

Zu ganz besonderen Gelegenheiten gab es manchmal Goldnusspärchen von Novesia, danach lechzte ich. Sie waren in einer schicken, grünen Schachtel untergebracht, die man nach meiner Erinnerung zu den Seiten aufklappen konnte. Darin fanden sich dann kleine goldenen Tütchen mit grünem Henkel, in die jeweils ein Pärchen Haselnüsse in Schokohülle gebettet war. -Herrlich puppenstubig und tolles Spielzeug!

Bei der Oma gab’s natürlich Kinderschokolade, deren Riegelchen ja damals noch anders -also flacher- aussahen Manchmal gab’s auch Yogurette, die mochte ich erst richtig gern, wenn sie etwas angeschmolzen war, weshalb ich sie mir oft erstmal für ein Weilchen auf den Bauch legte, zum Vorwärmen (aber mit dem Papierchen drum!), um die warme Matsche dann vorsichtig hervorzupulen. Die saftigen, kleinen Niederegger Marzipanbarren gab’s auch bei der Oma, die aber knausrig damit war, mir manchmal bloß einen für meine Freundin und mich zusammen gab: „Aber schön teilen!“ Naja.

Ansonsten erinnere ich mich gerade nicht, besondere Favoriten gehabt zu haben, aber neugierig war ich immer. Ich aß alle möglichen Sorten, u.a. Aero-Luftschokolade, Milka oder Lindt (Blätterkrokant!), Cote d‘ Or, Marabou und so. Dunkle Schokolade war eher was für Erwachsene, die war mir meist zu herb.

Bis ich 1992 begann, französische Feinkost zu verkaufen. Mein Chef war ein Windhund, aber auch ein Connaisseur. Einmal im Jahr fuhr er nach Paris, kaufte mindestens ein Kilo feinster Schokoladen und Trüffelpralinen, lud sich seine besten Freunde aufs Haus und verkostete die Beute. Runtergespült wurde stilvoll mit Champagner. Und weil er mal bemerkt hatte, welche Affinität ich zu unserem Süßwarensortiment aufgebaut hatte, lud er mich zwar nicht zur Verkostung ein, brachte mir aber ein paar Pröbchen mit. Unter anderem war darunter eine kleine, edel verpackte Tafel* aus 100%iger Kakaomasse. Sehr viel Säure, sehr bitter, sehr fremd, aber irgendwie köstlich! Spätestens da war ich geweckt.

Tja, so war’s bei mir… – Und bei Euch?

Edit: Hier des KaterMurrs ausführliche Erinnerung.

 

* Übrigens stolperte ich später selbst bei einem Parisbesuch zufällig in eine kleine Seitenstraße, wo über einer Ladentür genau das Wappen hing, das ich noch von der schicken Verpackung kannte. Oder hatte mich mein Näschen geführt? Wer weiß, wer weiiiß…

Dolfin – Noir – Aux poires et amandes grillées

Also, Zartbitterschokolade mit Birne und gerösteten Mandeln. So sieht sie aus:

Vorab ein bisschen Info zu Dolfin:

Diese belgische Firma ist bekannt für ihre Schokoladen in vielen Geschmacksrichtungen und zugleich für ihre originelle, überaus praktische Art, diese zu verpacken.

Die Vollmilch- oder Zartbitterschokolade wird jeweils mit Zugaben von z.B. Anis, Zimt, Masala-Mischung, rosa Pfeffer, gesalzenem Karamell, gerösteten Mandeln oder auch Kräutern wie Minze oder Lavendel komponiert, auch Tees (Sencha oder Earl Grey) oder Kaffee werden zum Aromatisieren verwendet. Außerdem finden sich natürlich auch die klassischen Varianten mit kandierten Fruchtstückchen von Orange, Ingwer (ich weiß, das ist eigentlich eine Wurzel…) oder hier eben auch mal Birne. Insgesamt umfasst die Palette ca. 20 Grundsorten, zeitweise ergänzt durch saisonale Editionen (Winter-/Sommersorten).

Hübsch finde ich übrigens auch die Minitafeln á 4,5g, die man in unterschiedlicher Zusammenstellung jeweils als buntes Sortiment bekommt. Wenn man es über Herz bringt, sie zu verschenken, sind sie ein feines Mitbringsel zum Kaffee, ansonsten kann man sich selbst durch mehrere Sorten schmecken, ohne hinterher gleich fünf angeknabberte Tafeln herumliegen zu haben. (Bei mir ist das allerdings trotzdem meistens der Fall, ich habe fast immer mehrere Sorten zugleich „in der Mache“.) Obwohl gerade das bei den normalen 70g-Tafeln von Dolfin auch kein Problem ist. Die Verpackung ist gewitzt gemacht, sie ähnelt den Folienpäckchen von Drehtabak, d.h. man kann die Tafel jederzeit sicher wieder einpacken, die Umhüllung per Haftstreifen zukleben und das Ganze in die Tasche stecken, ohne dass irgendwas herumkrümelt (oder selbst von Taschenflusen angegriffen wird). – Patent, patent!

Das alles erstmal so zur Einführung. Einige Sorten von Dolfin kenne ich bereits, grundsätzlich mag ich an ihnen, dass sie etwas weniger süß sind als Produkte anderer Hersteller. Neulich war ich dann also mal neugierig, wie sich diese Zartbitter (52%) mit Birne und Mandeln (was ich beides liebe) so macht.

Der Test ergibt: Die Konsistenz ist fest, löst sich auch im Mund nicht so schnell auf. Als erstes nehme ich deutlich den angenehm fruchtig-säuerlichen Birnenduft war, die Schokolade selbst hat auch eher leichte Säure denn Bitteres, m. E. nicht viel Tiefe. (Man könnte vielleicht sagen: Es ist eine „leichte“ Bitterschokolade.) Nachdem der Bissen im Mund etwas angeschmolzen ist, kommen die Birnenstückchen und die Mandelsplitter zum Vorschein. Ehrlich gesagt, hatte ich mir da etwas mehr erhofft: mehr Birne, mehr Mandelaroma. Aber so ist das eben, wenn nicht noch reichlich mittels Pipette „draufaromatisiert“ wird, hier hat man sich zurückgehalten, was ich grundsätzlich ja immer gut finde. Aber vielleicht hätte man hier ruhig etwas mehr Fruchtstückchen spendieren sollen. Irritiert bin ich dann allerdings durch eine deutlich pfeffrige Note, die ich mir nicht recht erklären kann. Insgesamt finde ich die Komposition jedenfalls irgendwie zu „glatt und kühl“, um eine meiner zukünftigen Favoritinnen zu werden. Ist zwar mal was Anderes, löst aber keine Begeisterungsstürme in mir aus.

Zutaten: Kakaomasse, Zucker, Mandeln (7%), Birne (3%), Kakaobutter, natürliches Aroma von Birne, natürliche Vanille, Emulgator: Sojalecithin.

ISM 2012

Da ist er: Einer der wichtigsten Tage des Jahres und lange herbeigewünscht. Schnell wird in aller Früh noch ein Lachsbrötchen verdrückt, schon geht es los nach Köln. – Schließlich warten dort alle! Wir sind zu Dritt, Mike fotografiert, Frollein S. ist aufgeregt und ich…, naja, ich eben.

Der Fahrer kennt den Weg, befährt ihn sogar, und so erreichen wir gerade rechtzeitig die Pressekonferenz. Ich kann noch eben schnell meine Spezialmessebrille aus der Handtasche friemeln, da muss ich auch schon ans Pult: Wo sind denn meine Aufzeichnungen? Ach, ich hatte ja gar keine… Doch aufkommende Nervosität ist jetzt fehl am Platz, die Leute gucken schon.

In einer launigen Stegreifrede schwärme ich vom Zustand vollkommenen Glücks, den eine gepflegte Kakaoüberdosis mit sich bringt, rate zu kluger Vorratshaltung, um abendliche bzw. sonntägliche Frustrationen gar nicht erst aufkommen zu lassen, warne im Gegenzug vor den schweren gesundheitlichen Gefahren knausriger Enthaltsamkeit oder gar den überbordenden psychologischen Risiken beim Gedanken an „Sünde“ in solchem Zusammenhang, ermuntere zum Teilen und Verschenken, erkläre Kalorien endgültig zu den harmlosesten aller Kreaturen, beschwöre eine friedlichere Welt durch die möglichst zeitnahe Umsetzung ausgeklügelter Kakaomassengrundversorgungsmodelle, sorge damit für verträumt-ausgelassene Stimmung, gewinne sämtliche Herzen des heran- und dann doch vorüberströmenden Publikums, und erkläre abschließend die ISM jetzt aber mal für sowas von eröffnet, bevor wir selbst endlich den Schritt in Richtung der lockenden Stände lenken.
Welche Überraschung, als wir dann die erste Messehalle betreten: Bereits alles voller Menschen. Haben die doch einfach ohne uns angefangen. Tse.

Dann mal nix wie ins Getümmel.

Da ich, wie in jedem Jahr, gut vorbereitet und komplett durchinformiert bin, steuern wir zielsicher einen Stand an, an dem es u.a. folgende Neuigkeit geben soll: Eine weiße Schokolade mit Steckrübe und Karotte. Auf die bin ich neugierig, doch als ich freundlich danach frage, ob eine Verkostung der Sorte möglich sei, wird mir der Wunsch abgeschlagen mit der Begründung, die Tafel sei noch eingewickelt. – Interessanter Grund. Bisher hat mich das allerdings noch nie von irgendwas abgehalten. Man halte sich fest: Ich hab‘ die dann nämlich einfach ausgewickelt!

Sie liegt also im Tresen, der nette Herr zeigt auch drauf, und als ich weiterhin interessiert frage, ob die Gemüse denn gefriergetrocknet seien oder kandiert, erklärt er: Nein, ihnen sein unter Zugabe von Zucker und mittels Einkochen das Wasser entzogen worden. „Also kandiert, quasi.“ – „Ja.“
Wir empfehlen uns, bevor wir uns dazu hinreißen lassen, zu empfehlen, dann zur nächsten Messe eventuell mal lieber zwei Tafeln mitzubringen. Doch unserer guten Laune tut das natürlich keinen Abbruch, es gibt ansonsten ja überall Süßes und Feines zu kosten. Zunächst nehmen wir uns die „bunteren“ Hallen vor und heben uns die Edelchocolatiers erstmal für später auf.

 

Bald treffen wir auf einen alten Bekannten, offenbar mittelschwer gebeugt ob seiner Verantwortung: Über 18 Millionen Kindergeburtstage! Pro Jahr! Da bleibt wahrscheinlich kaum Zeit für eine Mittagspause…

Und sicherlich begegnet er fast überall Hello Kitty oder Wilden Kerlen und muss immer den gleichen Satz sagen.

Den mit dem Vater, Ihr wisst schon.

Das kann den mächtigsten Lord ganz schön mürbe machen. Da wir nicht wissen, wie wir Trost spenden sollen, gehen wir einfach leise weg.

 

 

 

Jetzt aber mal zu den Trends 2012/2013!
Schwimmlernringe aus Schokolade:

Gigantische Ostern:

Und totale Melanie:

Als Zückerchen obendrauf:
Kleider mit unauffälliger, teils eingetüteter, Wegzehrung, die deshalb so wertvoll sind,
dass gleich noch schlecht getarnte Security dazu geliefert wird.


Nicht auszudenken schließlich, jemand pflückte einem in der Straßenbahn heimlich einen Pfefferkuchen vom Rückenteil!

Die meisten Artikel hier sind jedoch für Kinder und deren Schnuten gemacht, obwohl man sich schon gelegentlich fragt, ob das der kindlichen Psyche wirklich förderlich ist, wenn man womöglich tagelang so (siehe links) angeschaut wird.

Wir sind nun ein paar Stunden unterwegs, brauchen jetzt mal eine kleine Pause, suchen uns ein ruhiges Plätzchen und verzehren Wurstbrote, die wir in unseren klitzekleinen Damenhandtäschchen heimlich auf’s Gelände geschmuggelt haben. Wenn man nämlich auf der ISM eins bekommt, dann Appetit auf ein ganz normales, belegtes Brot. Ehrlich wahr! (Übrigens ist es auch unmöglich, alles wiederzugeben, was man dort zu sehen bekommt. Ich kann hier wirklich nur einen ganz subjektiven Abriss geben.) Nach der Pause machen wir endlich Ernst und gehen in Halle 4, wo die wahren Schmankerl versammelt sind, sich zum Beispiel das diesjährige Partnerland Belgien präsentiert.

Dort sehen wir gleich deutlich weniger Knallfarben, dafür aber viel Schönes und sorgfältig Gestaltetes. Zunächst treffen wir auf die Passauer Firma Simon’s und deren Trinkschokoladen aus Edelkakaos.

Wir bekommen eine Kostprobe, die sofort überzeugt. Und zwar derart, dass ich darüber demnächst einen extra Beitrag schreiben möchte. Für dieses Vorhaben lasse ich mir gleich mal alle sechs Sorten einpacken, um sie zuhause in Ruhe einer gemütlichen Verkostung zuzuführen. Sicher wird das auch nicht mehr lang auf sich warten lassen, denn hier schmeckt’s bereits verlockend schokoladig-aromatisch. Ein bisschen süß, aber das liegt sicher daran, dass es sich hier um die Variante „Nougat“ handelt. Die Zutatenliste sieht gut aus, wir sind angetan.

Als nächstes zieht es mich zu meinem Lieblingschocolatier aus Belgien: Frederic Blondeel.


(Maître Blondeel auf dem Foto links, rechts lächelt Charles-Eric Vilain XIIII)

Seine unglaublich feinen Pralinen kenne ich bereits aus Zeiten, in denen ich ab und an nach Aachen fuhr, wo sie zu dieser Zeit noch zu bekommen waren. Sein Atelier befindet sich in Beauvoorde, nahe der französischen Grenze. In Brüssel, der Schokoladenstadt schlechthin, betreibt er ein geschmackvoll eingerichtetes Ladencafé, das ich unbedingt bald mal besuchen möchte. Blondeel komponiert gern wunderbar ausgewogene Ganaches mit feinen Gewürzen wie Koriander, seltenen Salzen und Tees, Nelke, Basilikum… Und das so, das sich die Aromen nicht etwa frech überlagern, sondern aufs Schönste verbinden. Diesmal ist er in Kooperation mit Alex & Alex auf der ISM. Wenn ich das richtig verstehe, ist Alex & Alex eine ebenfalls feine Adresse in Brüssel für Schokoladen und Champagner.

Als ich ein bisschen herummaule, dass wir im Norden völlig auf dem Trockenen sitzen, was seine Kostbarkeiten angeht, bietet er mir gleich an, mich gern nach Hannover zu beliefern, sollte ich einen Shop dort eröffnen. Frollein S. bekommt schon wieder dieses Glimmen im Blick, und ich lasse mal eine Karte da. – Man weiß ja nie! Innerlich beschließe ich, mir bald mal wieder ein ordentliches Päckchen Glück bei ihm zu bestellen und dann einen ausführlichen Extra-Sonder-Beitrag hier zu verfassen.

Bevor wir uns wieder verabschieden, dürfen wir zarte Schokotäfelchen kosten: Meines ist mit Cassis und Koriander und schlichtweg himmlisch. Frollein S. hat noch eine Stunde nach ihrem Orange-Caramel-Plättchen glasige Augen und behauptet, da sei sicher „was drin“ gewesen, sie sei so glücklich und sähe überall Farben und so. Dabei ist der nächste Stand, den wir ansteuern, eher in Weiß gehalten. Merkwürdig.

Bei Viani fühlen wir uns sofort heimisch. Das ist unser neues Zuhause, beschließen wir. Während ich noch überlege, wo ich denn hier mal mein Klingelschild anbringen könnte, quengelt Frollein S. schon wieder, wann wir denn endlich ein Schokogeschäft aufmachen, in M. sei doch so ein hübscher Laden frei geworden! Grundsätzlich hat sie natürlich vollkommen Recht, man kann da schon ins Träumen geraten. Doch momentan bin ich etwas abgelenkt, findet sich hier doch fast alles, was Rang und Namen hat: Amatller, Caffarel, Amedei…

Dolfin…

All‘ diese hübschen Namen werden hier noch häufiger auftauchen, denn die hätte ich ebenfalls im Sortiment, wenn… Dazu natürlich noch Coppeneur, Bonnat, Mazet. Und selbstverständlich Blondeel.

Und Prestat, schon allein wegen der auffällig luxuriösen Verpackung:

Die üppig-poppig designten Schatullen beherbergen köstliche Trüffelpralinés oder dünn ausgestrichene Schokoladentropfen. Netterweise wird mir auch gleich was zum Probieren angeboten. Ich entscheide mich für die dunklen Schokoplättchen mit Minze, die wolle ich nämlich schon länger gern mal kosten. Und als ich dazu gesagt bekomme, dass das „The Queen’s favourite“ seien, möchte ich diese am liebsten ab sofort regelmäßig besuchen und ihr ihre Vorräte wegschnökern. (Na, wenn sie das jetzt liest, wird sie mich vermutlich nicht so schnell einladen.) Sie zergehen auf der entzückten Zunge und bilden den würdigen Abschluss unseres Genießertages, wie ich finde. Mit Kinderaugen stehen wir noch ein Weilchen herum, dann lösen wir uns schweren Herzens und treten so langsam die Heimreise an.

Nun heißt’s erstmal wieder ein Jahr warten…

(Fotos: Bis auf wenige Ausnahmen von Mike R., die anderen drei sind von mir.)

Theo im Wunderland.

Belgische Lieblingschocolatiers, arabische Brausekaugummis, englisches Teegebäck, italienische Schokomeister, französische Patisserie, deutsches Weingummi, asiatisches Geknabber, Barbie-Spielzeug-Candy, Steckrüben-Möhren-Schokolade, Stevia-Drops, allergieresistentes Reismilcheis, österreichisches Waffelgeknusper, Hello-Kitty-Kekse, …

Rundgestaunte Augen, müde gelaufene Füße, volles Notizbuch, bilderstrotzender Kameraspeicher.

ISM – Ich komme!

Coppeneur Lavendel & Cranberries

Gleich zu Beginn: Ich liebe und verehre diese Sorte und bin daher schrecklich parteiisch und quasi unzurechnungsfähig! Leider ist sie jedoch letztes Jahr im Zuge einer Sortimentsumstellung eingestellt worden, was mich hier tagelang 1. klagen und 2. rotieren liess. Dazu gleich etwas mehr…

Dennoch will ich sie hier noch mal vorstellen, als Abgesang quasi. (Vielleicht bilden wir ja auch spontan eine schöne Bürgerbewegung, die Coppeneur dazu bringt, diese Sorte doch wieder zu produzieren?) Ich entdeckte Coppeneur damals über ihre ungefüllten Tafeln, die ich schon großartig fand, und tastete mich dann an die gefüllten Praliné-Sorten heran. Die erste (ich glaube, es war eine mit Schwarzbier) fand ich noch nicht so toll, aber ich meine, die zweite wäre dann schon die Lavendel & Cranberries gewesen. Ich war sofort infiziert! Rettungslos verfallen. Auch weitere fand ich dann lecker, aber keine so sehr wie diese. Das muss vor ca. 2-3 Jahren gewesen sein.

Noch das alte Verpackungsdesign und die saftige Füllung…

Die Umhüllung aus dunkler,  70%iger, eleganter Schokolade gibt eine fein säuerlich-fruchtige Füllung aus Cranberry-Ganache mit einem leichten Hauch von Lavendel frei. Viele denken bei Lavendel ja erstmal an Seife oder Wäschesäckchen. Doch wenn man Lavendel etwas zügelt und mit etwas anderem vermählt, kann er sich oft noch einmal ganz anders entfalten. (Mit Rosen beispielsweise ergibt er eine feine Kombination, die in der Kosmetik gern verwendet wird, aber das ist nun wirklich eine andere Geschichte.) Dieser Fruchtganache ist jedenfalls tatsächlich nur ein zarter, dennoch deutlich wahrnehmbarer Lavendelduft hinzugefügt, der sich perfekt mit der Säure der Cranberries verbindet und sie wärmend ergänzt. Die Konsistenz ist saftig und zugleich samtig-schmelzig, beziehungsweise: umwerfend. Warum groß drumherum reden? Alle, denen ich diese Sorte vorgestellt habe, waren zunächst skeptisch wegen des Lavendels. Nach dem Kosten waren sie jedoch restlos überzeugt und sogar begeistert! Besonders die Damen.

Ich bekam meine Lieblingsschokolade nur selten in den beiden Läden, in denen ich hier in Hannover regelmäßig stöbere, also bestellte ich sie meist über’s Internet. Immer gleich 5-10 Stück, denn ich verschnökerte fast jeden Abend eine halbe Tafel beim Lesen. So treu war ich bisher noch keiner Sorte gewesen.

Im letzten Juli dann der Schock: Mein Lieferant schrieb mir, die Sorte sei eingestellt, Coppeneur habe das Sortiment überarbeitet, stattdessen neue Sorten vorgestellt und gleich noch die Verpackungen redesignt.

Ich handelte schnell: Zuerst schrieb ich selbst eine Anfrage an Coppeneur, wohl in der Hoffnung, dass sich das Ganze als Ente entpuppen könnte. Dann ruderte ich tagelang durch’s Internet, machte alle Shops aus, die noch Restbestände anboten, telefonierte mir das Ohr heiß und bestellte alles, was ich kriegen konnte.

Kurze Zeit später schrieb mir Nadine Kaschewski, zuständig für PR und Werbung bei Coppeneur, tatsächlich sehr nett zurück, was mich angehm überraschte und erstmal sehr freute. Leider bewahrheitete sich jedoch das Traurige… Eine Begründung lieferte sie mir zwar nicht, aber damit hatte ich auch nicht wirklich gerechnet. Ich vermutete, die Sorte verkaufte sich nicht so stark wie andere. Vielleicht lag das ein bisschen mit daran, dass der Lavendel auf der Verpackung als erstes genannt wurde? Andersherum (Cranberries & Lavendel)  hätte sie vielleicht mehr Käufer gefunden, doch wer weiß das schon. Frau Kaschewski bot aber an, mir gern eine kleine Auswahl der neuen Sorten zuzusenden, vielleicht sei da ja eine neue Lieblingssorte dabei…? Das fand ich natürlich hochanständig, freute mich schon wieder, und bekam dann auch bald Post mit einem persönlichen, von ihr handgeschriebenen Brief, sowie einigen Proben. Eine Sorte mochte ich besonders (Früchte Weichkrokant & Cranberry), darüber berichte ich dann aber ein Andermal.

Inzwischen bekam ich meine ganzen Bestellungen aus allen Himmelsrichtungen (ein grandios hilfsbereiter Holländer war u.a. dabei, der hatte sogar noch 18 Tafeln in seinem Gourmetshop) und hatte schließlich 43 Tafeln hier versammelt. – Das war eine Pracht! Meine vorsichtige Schätzung ergab, dass das wohl knapp bis in den November hinein reichen würde. Doch ich war sogar sparsamer als gedacht und habe nun noch immer 3 Stück übrig, die ich kaum anfassen mag. (Ich bewahre sie für Notfälle!) Allerdings läuft das MHD dieser Tage ab, sodass ich sie wohl doch bald feierlich genießen werde, solange sie noch so gut schmecken.

Danach wird’s aber erstmal traurig, fürchte ich…

Zutaten: Zucker, Kakaomasse, Kakaobutter, Vollmilchpulver, Cranberrysaftkonzentrat (8%), Glukosesirup, Sahne, Feuchthaltemittel: Sorbit,  Butter, natürliches Cranberryaroma mit anderen natürlichen Aromen, Emulgator: Soajlecithin, natürliches Vanillearoma, Lavendelöl (0,01%).

Venchi – Cuor di cacao 75%

Diese Schokolade hat wahrlich ein Herz aus Kakao; – ich wünschte, das könnte ich von mir auch sagen. *seufz* Ich lernte sie im Spätsommer bei einem sehr schönen und interessanten Schokoseminar in Düsseldorf kennen, wo sie gegen Ende noch mal „außer der Reihe“ herumgereicht wurde.

Ein bisschen schwierig auf’s Foto zu bannen: Das Herz aus kompakter Kakaomasse…

Nachdem wir einige wunderbare Sorten von Bonnat und Domori ausführlich verkostet und miteinander verglichen hatten, kam die sympatische Gastgeberin Frau Hürten noch einmal mit dieser Venchi auf uns zu: Wenn sie mal Lust auf puren Kakaogeschmack ohne Schnickschnack habe, würde sie gern zu dieser Tafel greifen. Quasi ein Geheimtipp der Expertin.

Das erste, was mir dazu einfiel, war: „Die ist irgendwie ganz schmusig!“, denn die Schokolade hat etwas sehr Matt-Sanftes, Warmes und Einhüllendes, obwohl das Aroma durchaus kräftig ist. Dafür hat sie nicht so viel Säure und ist auch von der Konsistenz her (nach etwas Kauen und Lutschen) eher samtig als cremig.

Sowohl Umhüllung als auch das Herz aus fester Kakaopaste haben 75%. Vermutlich ist sie nicht jedermanns Geschmack, und ich kann nicht viel auf einmal davon essen, vielleicht eine Rippe, dann lege ich sie wieder beseite für später. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, daraus auch mal eine schöne Trinkschokolade zu bereiten, hab‘ das bisher jedoch noch nicht ausprobiert. (Unter anderem, weil ich noch so viel andere gute Trinkschokolade habe…)

Von Venchi, die schon seit über 130 Jahren feinste Schokoladen bei Turin herstellen, hatte ich bisher noch nicht so viel gekostet, aber nun bin ich wirklich neugierig geworden.

Diese Tafel jedenfalls gehört ab jetzt unbedingt in meine ständige Hausapotheke!

Zutaten:  Kakaopulver, Kakaobutter, Kakaomasse, Zucker, Emulgator: Sojalecithin, Aroma: Natürlich Vanille, Butterfett.