Ein italienischer Schokoladensonntag: Amedei – „Blanco de Criollo“ und Sabadi – „Darino“ & „Giovinezza“

Wie hier letzte Woche angekündigt, will ich mich heute endlich mal den Schokoladen widmen, die man mir vor zwei Wochen freundlicherweise am einladenden ISM-Stand des Feinkostimporteurs Viani mitgegeben hat. In den letzten Tagen habe ich sie schon mehrfach begehrlich umschlichen, doch heute finde ich erst die Zeit.

Bei der ersten Köstlichkeit handelt sich’s um die 70%ige Blanco de Criollo von Amedei. Ich hatte schon erwähnt, dass der Name „Blanco“ daher stammt, dass die Kakaobohnen im Innern weiß sind (statt dunkel, wie sonst). Ebenso, dass diese neue Sorte in limitierter Auflage von nur 20.000 Tafeln produziert wurde (meine Tafel trägt die Nummer 00.057). Der edle Criollo-Kakao stammt hier aus Peru, die Erträge sind naturgemäß gering. (Nur mal so nebenbei: Lediglich schätzungsweise 5% des weltweit angebauten Kakaos ist überhaupt Edelkakao, den Rest bildet der sog. Konsumkakao (meistens „Forastero“), den wir hauptsächlich zu bunt eingewickelten Tafeln, Riegeln und Figürchen verarbeitet in den Supermärkten finden.)

Die toskanische Firma Amedei wird von den Geschwistern Cecilia und Alessio Tessieri geführt, und Signora Cecilia scheint unermüdlich in der Welt unterwegs zu sein, um neue Geschmacksentdeckungen zu machen, ihre Ideen dazu umzusetzen und sie anschließend denen zu präsentieren, die der Kakaobohne schlichtweg verfallen sind… – So wie ich.

Was -wie immer- als erstes ins Auge fällt, ist natürlich die schöne Verpackung, auf der das quadratische, goldumrahmte Amedei-Logo prangt. Ein hübsches Etui aus strukturiertem, festem Papier umgibt die 50g-Tafel. Klappt man es auf, finden sich im Innern ein paar Infos auf italienisch und englisch, sowie natürlich die luftdicht verpackte Tafel.

Amedei_Blanco_di_cacao

Los geht’s also:

Gleich beim Öffnen der Umhüllung steigt ein warmer, sehr kakaoiger Duft auf. Fruchtig auch, und etwas nussig, wie ich finde. Die Tafel glänzt schön und hat einen glatten, angenehmen Bruch. Der Geschmack ist tatsächlich -genau wie angegeben- wildpilzig, waldig, fast ungewöhnlich herzhaft, dazu pflaumenfruchtig, mit angenehmer Säure. Das Mundgefühl ist sehr seidig mit wunderbarem Schmelz, der sich bereitwillig auf die Zunge legt. – Mir bleibt nur übrig, zu seufzen: Gefällt mir sehr!

Diese Sorte werde ich mir bei Verfügbarkeit vermutlich noch ab und zu leisten (Erste Forschungen haben ergeben, dass der Preis pro 50g-Tafel bei ca. 11-12 Euro liegt. Da knirscht’s vernehmbar im Portemonnaie. Muss man eben kurz weghören…)

Fazit: Höchste Qualität. Wie schön, dass es sowas gibt!

Zutaten:  Kakaomasse, Rohrzucker, Kakaobutter, Vanille.

 

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Nun zu den beiden Sabadi-Schokoladen!

Als da sind: Die Darino mit Mandarine, sowie die Giovinezza mit Acaibeere, Wildrosen-(Hagebutten-)samen, roter Orange, Traubenkern- und Grünem-Tee-Extrakt. Ich bin ordentlich gespannt! Bei der Amedei war ich das auch, hatte aber eine ungefähre Ahnung, was mich erwarten könnte. Die Sabadi-Schokoladen hingegen zählen zu den Rohschokoladen, was bedeutet, die Kakaobohnen sind zwar fermentiert, aber nicht geröstet. Der Grundgedanke stammt sicherlich aus der Rohkostbewegung, die ja darauf abzielt, möglichst viele Inhaltsstoffe ursprünglich zu erhalten. Auch bei der Weiterverarbeitung wird darauf geachtet, dass die Bohnen beim Mahlen und Walzen nicht zu warm werden. Durch das Rösten verliert der Kakao normalerweise einiges von seiner Säure, deshalb erwarte ich kräftige Aromen (… und ich werde sie bekommen, aber erstmal bekommt Ihr ein Bildchen).

Sabadi_Mandarino_e_Giovinez

 Auch diese Tafeln sind wunderschön in feste Papier“umschläge“ verpackt, deren gut gelaunte Illustrationsmotive mich sehr ansprechen. Ein Blick auf die Rückseiten verrät zudem, dass Sabadi nicht nur biologisch angebaute, sondern auch fair gehandelte Zutaten verwendet und außerdem der Slow-Food-Schutzorganisation angehört. Ihre Schokoladen basieren auf Nacional-Kakao aus Equador. Diese Sorte ist ein bisschen speziell, da man noch immer nicht genau weiß, ob sie nun botanisch dem edlen Criollo oder doch eher dem robusten Forastero zuzuordnen ist. Geschmacklich steht er aber wegen seiner feinen Aromen schon auf der Edelkakaoseite.

Die erste Tafel, die „Darino“ mit 50% Kakaoanteil gehört zu den wohl typischen Modica-Schokoladen und ist mit Zeste (Schale) von reifen Ciaculli-Mandarinen aromatisiert. Der Geruch beim Öffnen ist erstmal deutlich pfeffrig-dunkel, fast ein kleines bisschen muffig, dabei aber orangig-zitrusschalig-ätherisch-bitter. Sie hat wenig Glanz (ein bisschen, auch wenn’s komisch klingt: speckig) und einen rauen, bröseligen Bruch, – aber das soll ja so…

Die Konsistenz im Mund ist dann wirklich ungewöhnlich: körnig-sandig, fein zerfallend. Ich stelle prompt fest, dass ich das richtig toll finde! Die Zuckerkristalle sind spürbar und sorgen für Knusper, die Kakaoaromen kommen deutlich würzig, und dann erwischt einen plötzlich die Mandarine mit ihren Schalenstückchen, samt ihrer Bitterstoffe, und hallt ein ganzes Weilchen nach.

Fazit: – Lecker und rund! Würde ich aber gern auch mal ohne Mandarine probieren. (Vielleicht besorge ich mir mal die Sorte „Lo Scuro“ mit Muscovadezucker, der hat nämlich üblicherweise was malzig-karamelliges, das ich mir auch sehr schön dazu denken kann.)

Zutaten:  Bitterkakaomasse, Brauner Rohrzucker, Schale von Ciaculli-Mandarinen. Alles BIO und Fairtrade.

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Die zweite Tafel entstammt der Reihe „La Qualita‘ della vita“ – „Lebensqualität“, trägt den Namen „Giovinezza“ – „Jugendlichkeit“ und soll diese wohl mithilfe der beigefügten Zutaten erhalten oder verlängern. Oder gar zurückbringen? Na, mal sehen… Der Geruch ist erstmal leicht fruchtig und sogar etwas harzig (meine ich), dunkel, erdig-warm und leicht pfeffrig. Aber ich muss auch an Getreideflocken denken. Der Bruch ist hier etwas glatter, aber immer noch rau. Die Konsistenz ist auch nicht ganz so krümelig wie bei der Mandarinenschokolade.

Im Geschmack ist sie sofort stark, obwohl der Kakaoanteil „nur“ 62% beträgt. Da zeigt sich offenbar das Rohe: Zunächst adstringierend-herb (so ähnlich, als wenn man überraschend auf Traubenkerne beißt), dazu säurig-duftig, ein bisschen tabakig. Kräftige Aromen, dazwischen lugt aber auch Zartes hervor, denn ich meine auch noch, eine Zitrusnote und etwas Florales wahrzunehmen. Fällt mir ein bisschen schwer, die Komplexität zu beschreiben, das gebe ich zu. Acaibeere ist ohnehin nicht jedermanns Sache, denn der Geschmack ist etwas eigen, aber sie soll ja irre gesund sein und ist hier schön eingebunden. Das hatte ich auch schon anders.

Besonders gut gefällt mir aber, wenn an einer Stelle auf der Zunge ein Zuckerkristall langsam „schmilzt“, während drumherum die säuerlichen und bitteren Aromen toben… Und, dass sich die Schokolade im Mund tatsächlich richtig auflöst (lediglich die Pflanzensamen und winzige Fruchtstückchen bleiben zurück). Ich hatte eher die Vorstellung, dass man womöglich so eine Art Kakaobohnen“sand“ zurückbehält, aber das ist nicht der Fall.

Fazit: Eine ungewöhnliche Schokolade für Liebhaber kräftigster Noten. Ich weiß nicht, ob ich mir diese Sorte selbst kaufen würde, auch wenn ich das Probieren natürlich spannend fand. Ohne Zweifel jedoch sind beide Tafeln liebevoll gemachte Produkte von hoher Qualität, die sich mal interessant von Normalschokoladen abheben. – Sabadi werd‘ ich jedenfalls unbedingt mal im Auge behalten…

Zutaten: Bitterkakaomasse, Rohrzucker, Acaibeere (2%), Hagebutten-(Wildrosen-)samen (2%), rote Orange (0,8%), natürliche Aromastoffe: Traubenkernextrakt (0,3%), Extrakt aus Grünem Tee (0,1%).

Coppeneur – Cranberry Trüffelpralinés.

Endlich, eine Ersatzdroge ist gefunden! Ich hatte hier ja mal meine Leidensgeschichte beschrieben, was meine Lieblingsschokolade von Coppeneur und deren überraschende Abschaffung im Zuge einer Sortimentsüberarbeitung anging. Damals habe ich mich noch schnell großflächig eingedecken können und alle Reste, derer ich habhaft werden konnte, aus allen Webshops, die ich entdecken konnte, herausgepresst. Der Vorrat an Tafeln hat immerhin bis zum Frühjahr gereicht, doch parallel suchte ich natürlich eifrig nach Alternativen.

Besonders nett fand ich damals die Betreiberin des gut und originell sortierten Webshops Candy And More, in den ich mal zufällig hereingestolpert war, und bei dem ich inzwischen regelmäßig nicht nur Schokolade, sondern u.a. auch englische Leckereien ordere, die immer prompt verschickt werden. Die gute Frau Brune, mit der ich damals aufgeregt telefonierte und die sich viel Mühe gab, mich erstens zu trösten, mir zweitens fix die letzten Lieblingstafeln zusprach, riet mir drittens zu, vielleicht mal diese neue Sorte zu kosten (die zum Zeitpunkt noch gar nicht im Webshop aufgeführt war), so als eventuellen Ersatz…? Ich bestellte also gleich mal eine Tafel mit, fand sie auch wirklich sehrsehr lecker, aber sie passte nicht recht in die geschlagene Wunde.

Kurze Zeit später entdeckte ich dann jedoch die Cranberry Trüffelpralinés und testete sie ebenfalls. Und: Ohhhjaaa…! Sie sind schon sehr nah dran, wenn auch ohne den geliebten Lavendelhauch und in Milchschokolade gehüllt, statt in dunkle. Damit werde ich aber hervorragend leben können.

So sehen sie also aus, die neuen Freunde:

Hübsche Bollen, mit ganz ausgesprochen geschmeidiger Füllung. – Herrlich!

Sie sind in Cranberryflocken gerollt, das ergibt eine samtig-purpurne Außenhülle, die aber erstmal überraschend wenig fruchtig schmeckt. Darunter folgt eine zarte, fast zierliche, feine Milchschokoladenhülle, die endlich die überraschend und sehr sauer-frische Füllung freigibt. Und wenn ich hier schreibe: Sehr sauer-frisch, dann meine ich: Ganz schön sauer-frisch!

Aber genau das ist es: Cranberries sind eben sauer. Wer sie schon einmal pur versucht hat, weiß, wie sich der Mund vor herbfrischer Säure zusammenzieht. Natürlich ist hier auch ausgleichende Süße im Spiel, aber mir gefällt es nicht nur, dass man hier das Charakteristische der Beere nicht zu sehr ausgeglichen hat. – Nein, ich liebe es!

Wer Fruchtiges mag, dem seien sie somit ganz nah ans Herz gelegt. (Aber wehe, Ihr kauft mir alles weg!) Hier steht jetzt jedenfalls immer obiges Lackdöschen auf dem Nachtkasten, und abends beim Lesen verschwinden daraus immer mal 1-2-3… Bewohner.

Zutaten:
Zucker, Kakaobutter, Vollmilchpulver, Cranberrysaftkonzentrat (12,9%), Sahne, Glukosesirup, Feuchthaltemittel: Sorbit, Butter, Cranberryflocken, Kakaomasse, Sahnepulver, natürliches Cranberryaroma, Emulgator: Soja-Lecithin, natürliche Vanille

Küchensofagedanken – Teil 3 – Vom möglicherweisen Mögen.

Seit Jahren versuche ich mich ein bisschen mit Lakritze anzufreunden, und es klappt zuweilen auch ganz gut. Der Geschmack von Süßholz & Salmiak wird es zwar nie auf die oberen Plätze meiner Geschmackshitliste schaffen, (schon allein, weil man hinterher erstmal eine Weile nix anderes mehr schmeckt), aber ich erkenne schon deutliche Unterschiede und stelle erste Neigungen fest. Mit schwelgerischer Liebe wird es bei uns Beiden wohl nie was, aber Freund- schaft könnte es schon werden, wenn wir uns ein bisschen bemühen. Allerdings bin ich ja nun vor langer Zeit eine feste Beziehung mit gefühlvoll conchierten Kakaoprodukten eingegangen und immer noch sehr verliebt.

Etwas, das man vorher immer abgelehnt hat, plötzlich allein durch Vorsatz zu mögen, ist schon interessant und mir auch schon öfter passiert. Der persönliche Geschmack ändert sich ja schließlich auch mit den Jahren. Wenn ich überlege, was ich als Kind alles nicht mochte… Spargel zum Beispiel. Paprika. Tomaten. Pilze.

Naja, Pilze mag ich noch immer nicht. Mir reicht die Konsistenz schon. Geh mir weck. Aber Paprika und Tomaten esse ich heutzutage, ohne mit der Wimper zu zucken. Spargel hingegen liebe ich inzwischen geradezu und fiebere momentan dem Wochenende entgegen, wenn’s bei uns den diesjährigen ersten gibt. – Immer her damit! Vielleicht sollte man sowieso alles, von dem man glaubt, es nicht zu mögen, alle paar Jahre mal neu probieren. Nachher mag man’s doch! Eventuell war es beim ersten Probieren auch nur lieblos oder schlecht zubereitet. Damit kann man schließlich noch jedes Lebensmittel versauen.

Oder man macht es so wie diese Restauranttester, die ans Schmecken ganz analytisch drangehen. Sie müssen ja gelegentlich Sachen probieren und bewerten, die sie persönlich eigentlich nicht mögen und trainieren sich dafür das Unvoreingenommene richtig an. (Es müssen ja nicht gleich frittierte Würmer oder karamellisierte Insekten sein. Da z.B. wäre meine Grenze auch längst erreicht.) Zunächst Fremdartiges kann sich jedoch durchaus zum Knüller entwickeln.

Ich probiere z.B. manchmal Merkwürdigkeiten der japanischen Küche, die meine Freundin M. mit aus der Heimat rübergeschickten Originalzutaten zubereitet. Sogar Nattō habe ich mal getestet. Das ist schon mächtig ungewohnt und hat es auch nicht in die Top 10 geschafft. Aber sehrsehr salzig eingelegte japanische Pflaumen –Umeboshi heißen die- die schmecken mir sehr gut. Von köstlichen, salzigen Knabbermischungen, die kleine getrocknete Fischlein enthalten, fange ich jetzt lieber gar nicht erst an. Ich mag sie ganz gern zum Bier, stehe damit aber relativ alleine da. Entdeckt habe ich diese Dinge nur, weil ich es inzwischen meistens hinkriege, meine Erwartungs- haltung und mein Misstrauen abzulegen und erstmal loszuschmecken.

Ich glaube, bei Lakritze war ich wohl auch deshalb etwas voreingenommen, weil ich beobachtet zu haben glaube, dass viele Menschen, die Lakritze heiß und innig lieben… na, wie sag‘ ich das jetzt… hm… allgemein und ansonsten eher nicht so anspruchsvoll sind in Essensdingen und den dazuge- hörigen Geschmacksfragen. Sie sind froh und zufrieden, wenn das Essen schmackhaft ist, reichlich und heiß. Gedrechselt Verfeinertes macht ihnen wenig Spaß, der ganze Aufwand ist ihnen völlig schleierhaft und auch zuviel. Sie fahren auch nicht unbedingt durch die halbe Stadt, weil es da diesen leckeren Balsamico gibt. Oder diese vorzüglichen, sahnigen Trüffelpralinchen.

Hoffentlich fühlt sich von dieser etwas gewagten These nun niemand abgefrühstückt; das würde mich durchaus betrüben. Ausnahmen bestätigen da sowieso mal wieder die Regel, dürfen sich hier gern empören, und auch der Umkehrschluss funktioniert übrigens nicht.

Mir wäre es übrigens manchmal lieber, wenn mir der Essgenuss nicht so wichtig wäre, denn dann bräuchte ich mich nie zu grämen, wenn das Geld gerade wieder nicht für die Feinkostbude reichen will. Wo ich doch so gerne Entdeckungen mache! Auch beim Einkaufen im Urlaub gucke ich stundenlang in den Geschäften, was es dort an Leckerem oder Speziellem gibt. Ein toller, neuer Geschmack interessiert mich mehr, als beispielsweise schicke Schuhe es jemals könnten…

Dass auch simples Wasser je nach Quelle und Region unterschiedlich schmeckt, ist sicher jedem schon aufgefallen, mir natürlich auch. Allerdings niemals, auch nicht mit dickstem Konto, würde ich mir ein Wasser kaufen, dessen 0,7l-Flasche mit Glitzerkristallen beklebt ist. Das verschwurbelt, gefiltert und mit Sauerstoff beschossen wird, und dann tatsächlich 75,- Euro kostet. ‚Tschuldigung, da bin ich voreingenommen. Das kann noch so sensationell schmecken, aber von dem Geld kann man in einem Dürregebiet wahrscheinlich ’nen ganzen Brunnen bohren. Ich glaube übrigens nicht, dass so ein Wasser jemals allein im Kämmerchen getrunken wird, sondern vermutlich nur vor Publikum. Es wundert mich noch etwas, dass es das nicht in einer 0,2l-Miniflasche gibt, aus der man dann auf Parties mit Silberstrohhälmchen trinkt. Oder noch kleinere, die man dann gleich als Ohrringe tragen kann. Das passt doch auch viel besser zu den Klamotten als eine Dreiviertel- literpulle, hätte aber mit gutem Geschmack immer noch wenig zu tun.

Zum Glück müssen weder mein Essen noch meine Getränke zu meinem „Outfit“ oder dieser Küchen-„Lokäischn“ passen. Denn dann gäb’s hier womöglich nur noch Barfußkürbis und gestreifte Radieschen. Und letztere mag ich ja nun überhaupt nicht. – Obwohl, im Salat…

Nougats de Provence von Yves-Robert Tolleron

Am 6. März bekam ich sehr nette Post von Karsten Ebert, den ich kurz auf der ISM kennengelernt hatte, als wir an seinem Stand (Der süße Regenbogen) klebenblieben, weil es dort ulkiges isländisches Lakritz gab; – das sieht man nun wirklich nicht überall. Einer kleinen schwungvollen Unterhaltung über Island folgte das neugierige Eintüten von ebenjenen Lakritzpröbchen (dazu aber ein andermal, versprochen), sowie der Austausch von Visitenkarten. Und genau diese meine hatte er nun wiederentdeckt und schrieb mir, er würde mir gern mal seine Nougats de Provence vorstellen bzw. probehalber zukommen lassen, um mal zu gucken, wie ich die denn so fände.

Da die Mail erstens freundlich und lustig war und ich zweitens französischen Nougat liebe, freute ich mich und bekam schon zwei Tage später ein Päckchen ins Haus. Seither habe ich die Proben umschlichen und begehrlich betastet, kam aber zu nix. – Bis heute!

Zunächst muss aber mal ein bisschen erklärt werden, was französischer Nougat denn überhaupt ist. Hier in Deutschland wird unter Nougat ja eine braune Haselnusspaste mit Kakaoanteil verstanden. Durchaus lecker. In Frankreich jedoch bezeichnet man so eine mittelweiche, helle Masse aus Zucker, Honig und Eiweiß, in die geröstete Nüsse -hauptsächlich Mandeln- gebettet sind. In Spanien und Italien gibt es etwas Ähnliches, dort heißt es Turron/Turrone und ist oft sehr fest bis splitterig. Auch der türkische Honig ist ähnlich in der Machart.

Mir ist der französische Nougat schon von der Konsistenz her am liebsten, denn die ist zartschmelzend und zergeht wunderbar im Mund. Ihm werden alle möglichen Beigaben zugedacht wie eben Mandeln, Pistazien, Haselnüsse, jede Menge getrockneter oder kandierter Früchte, Gewürze und Kräuter wie Zimt, Minze oder Rosmarin… Die Sortenvielfalt ist immens, wer da nichts für sich findet, hat nicht richtig geguckt.

Am Wichtigsten aber ist: Richtig guter Nougat wird mit provencalischem Lavendelhonig gemacht, und den sollte man auch schmecken. Jede Zutat für sich sollte erlesen sein, damit sie sich im Ergebnis ebenbürtig sind. Alle miteinander werden schonend in traditionellen Verfahren verarbeitet, oft von Hand. Darum ist dieser Nougat kostbar, und das sieht man auch am Preis, natürlich.

Ich bekam nun also netterweise zugeschickt folgende drei Sorten: Schokolade/Minze, Kaffee/Schokolade, dunkle/weiße Schokolade . Einzeln als handschnittene Scheibe in gutes Wachspapier gewickelt (das ideal zur Aufbewahrung ist), dann mit einer hübschen Banderole versehen, die ein bisschen Auskunft gibt über den Nougatier, die Tradition und Herkunft der feinen Süßigkeit und seiner Zutaten. (In diesem Fall besonders angenehm: Nahezu alle Zutaten sind BIO und fair gehandelt.) Das Ganze steckt noch mal in einem Cellophantütchen, das handbeschriftet die Sorte verrät.

Alle Sorten bestehen grundsätzlich aus der Nougatmasse und den gerösteten Mandeln. Als erstes koste ich die Sorte mit Minze. Sie ist sehr zart, hat Schokostücke eingearbeitet und duftet deutlich nach der zarten Feldminze. Da ich keine Kräuterchen entdecken kann, vermute ich, dass hier ein gutes Minzöl Verwendung gefunden hat. Und zwar genau in der richtigen Menge, denn man schmeckt den Honig, die Mandeln, die richtig gute, vollmundige Schokolade (wenn man gerade ein Bröckchen davon erwischt hat), und die Minze begleitet sie alle. – Schön!

Dann folgt Kaffee-Schokolade. Ich bin keine große Kaffeefreundin und trinke nur selten selber welchen. Doch ich liebe den Duft, der sich ausbreitet, wenn ich für lieben Besuch eine Kanne aufsetze. Dieser Duft kommt mir auch hier entgegen, als ich das Wachspapier auffalte. Auch hier sind wieder dicke Schokostücke im hellen Nougat zu sehen, sowie das eingearbeitete Kaffeepulver. Ich probiere, und kann prompt sagen: Auch das ist wieder fein. Die Bitterstoffe und leichten Säuren des Kaffees gleichen die Süße des Honigs ein bisschen aus, wodurch diese Sorte ein wenig „herzhafter“ ist. Mir fallen sofort ein paar Leutchen aus dem Freundeskreis ein, denen das riesig gefallen dürfte und merke mir das mal zu Geschenkzwecken vor. Diese Stück aber nasche ich selbst zuende!

Zuletzt geht es an die weiße/dunkle Schokolade.  Dieser Nougat ist dunkler, offenbar hat man dort bereits in die weiche Teigmasse Schokolade eingearbeitet und dann noch zusätzlich helle und dunkle, sehr aromatische Bruchstücke bester Schokolade zugegeben. Die Kakaoaromen sind deutlich spürbar. Ebenfalls eine tolle Sorte. Schlichtweg.

Alle drei sind wunderbar, mit hohem Suchtpotenzial, und von Monsieur Tolleron mit Liebe und Erfahrung gemacht, das vermittelt sich. Sie sind ausgewogen, duften herrlich und schmecken deutlich erkennbar nach ihren guten Zutaten. Am besten hat mir jedoch die Minzsorte gefallen, zumindest von den Dreien, die ich nun kenne. Und wie ich mich kenne, bleibt es nicht bei diesen Dreien, denn die weitere Auswahl ist spannend, und sobald ich hier wieder etwas Luft habe und meine Vorräte (hier stapelt sich noch Einiges!) wieder überschaubar werden, werde ich mir mal auf eigene Faust ein paar Sorten mit Früchten und Kräutern ordern. Und ich bin jetzt schon sicher, dass ich die genauso himmlisch finden werde. Wer nun neugierig geworden ist, wer sich jetzt die Lippen leckt, wessen Hand sich suchend um die Maus krallt, der kann hier ja mal selbst stöbern gehen…

Edit: Leider sind beim“ Süssen Regenbogen“ inzwischen keine Nougats von Monsieur Tolleron mehr im Sortiment, was ich furchtbar schade finde! Und bisher habe ich auch noch keinen anderen Online-Shop gefunden, der sie führt. Tipps sind also hochwillkommen!

Zutaten:
Nougat Schokolade/Minze: Rohrohrzucker aus biologischem Anbau und fairem Handel, 100% naturreiner Lavendelhonig, Mandeln, Eiweiß, Butterkaramell, Glukosesirup, Puderzucker, Meersalz aus Isigny.

Nougat Kaffee/Schokolade: Rohrohrzucker aus biologischem Anbau und fairem Handel, 100% naturreiner Lavendelhonig, Guayaquil-Schokolade 64%, Mandeln, Eiweiß, Glukosesirup, Kakaopulver, Kaffeepulver, Pistazien, Puderzucker.

Nougat dunkle/weiße Schokolade: Rohrohrzucker aus biologischem Anbau und fairem Handel, 100% naturreiner Lavendelhonig, Mandeln, Eiweiß, Butterkaramell, Glukosesirup, Puderzucker und … (hier endet leider die Angabe auf der Webseite. Ich vermute, da fehlen noch die beiden Schokoladensorten.)

Coppeneur Lavendel & Cranberries

Gleich zu Beginn: Ich liebe und verehre diese Sorte und bin daher schrecklich parteiisch und quasi unzurechnungsfähig! Leider ist sie jedoch letztes Jahr im Zuge einer Sortimentsumstellung eingestellt worden, was mich hier tagelang 1. klagen und 2. rotieren liess. Dazu gleich etwas mehr…

Dennoch will ich sie hier noch mal vorstellen, als Abgesang quasi. (Vielleicht bilden wir ja auch spontan eine schöne Bürgerbewegung, die Coppeneur dazu bringt, diese Sorte doch wieder zu produzieren?) Ich entdeckte Coppeneur damals über ihre ungefüllten Tafeln, die ich schon großartig fand, und tastete mich dann an die gefüllten Praliné-Sorten heran. Die erste (ich glaube, es war eine mit Schwarzbier) fand ich noch nicht so toll, aber ich meine, die zweite wäre dann schon die Lavendel & Cranberries gewesen. Ich war sofort infiziert! Rettungslos verfallen. Auch weitere fand ich dann lecker, aber keine so sehr wie diese. Das muss vor ca. 2-3 Jahren gewesen sein.

Noch das alte Verpackungsdesign und die saftige Füllung…

Die Umhüllung aus dunkler,  70%iger, eleganter Schokolade gibt eine fein säuerlich-fruchtige Füllung aus Cranberry-Ganache mit einem leichten Hauch von Lavendel frei. Viele denken bei Lavendel ja erstmal an Seife oder Wäschesäckchen. Doch wenn man Lavendel etwas zügelt und mit etwas anderem vermählt, kann er sich oft noch einmal ganz anders entfalten. (Mit Rosen beispielsweise ergibt er eine feine Kombination, die in der Kosmetik gern verwendet wird, aber das ist nun wirklich eine andere Geschichte.) Dieser Fruchtganache ist jedenfalls tatsächlich nur ein zarter, dennoch deutlich wahrnehmbarer Lavendelduft hinzugefügt, der sich perfekt mit der Säure der Cranberries verbindet und sie wärmend ergänzt. Die Konsistenz ist saftig und zugleich samtig-schmelzig, beziehungsweise: umwerfend. Warum groß drumherum reden? Alle, denen ich diese Sorte vorgestellt habe, waren zunächst skeptisch wegen des Lavendels. Nach dem Kosten waren sie jedoch restlos überzeugt und sogar begeistert! Besonders die Damen.

Ich bekam meine Lieblingsschokolade nur selten in den beiden Läden, in denen ich hier in Hannover regelmäßig stöbere, also bestellte ich sie meist über’s Internet. Immer gleich 5-10 Stück, denn ich verschnökerte fast jeden Abend eine halbe Tafel beim Lesen. So treu war ich bisher noch keiner Sorte gewesen.

Im letzten Juli dann der Schock: Mein Lieferant schrieb mir, die Sorte sei eingestellt, Coppeneur habe das Sortiment überarbeitet, stattdessen neue Sorten vorgestellt und gleich noch die Verpackungen redesignt.

Ich handelte schnell: Zuerst schrieb ich selbst eine Anfrage an Coppeneur, wohl in der Hoffnung, dass sich das Ganze als Ente entpuppen könnte. Dann ruderte ich tagelang durch’s Internet, machte alle Shops aus, die noch Restbestände anboten, telefonierte mir das Ohr heiß und bestellte alles, was ich kriegen konnte.

Kurze Zeit später schrieb mir Nadine Kaschewski, zuständig für PR und Werbung bei Coppeneur, tatsächlich sehr nett zurück, was mich angehm überraschte und erstmal sehr freute. Leider bewahrheitete sich jedoch das Traurige… Eine Begründung lieferte sie mir zwar nicht, aber damit hatte ich auch nicht wirklich gerechnet. Ich vermutete, die Sorte verkaufte sich nicht so stark wie andere. Vielleicht lag das ein bisschen mit daran, dass der Lavendel auf der Verpackung als erstes genannt wurde? Andersherum (Cranberries & Lavendel)  hätte sie vielleicht mehr Käufer gefunden, doch wer weiß das schon. Frau Kaschewski bot aber an, mir gern eine kleine Auswahl der neuen Sorten zuzusenden, vielleicht sei da ja eine neue Lieblingssorte dabei…? Das fand ich natürlich hochanständig, freute mich schon wieder, und bekam dann auch bald Post mit einem persönlichen, von ihr handgeschriebenen Brief, sowie einigen Proben. Eine Sorte mochte ich besonders (Früchte Weichkrokant & Cranberry), darüber berichte ich dann aber ein Andermal.

Inzwischen bekam ich meine ganzen Bestellungen aus allen Himmelsrichtungen (ein grandios hilfsbereiter Holländer war u.a. dabei, der hatte sogar noch 18 Tafeln in seinem Gourmetshop) und hatte schließlich 43 Tafeln hier versammelt. – Das war eine Pracht! Meine vorsichtige Schätzung ergab, dass das wohl knapp bis in den November hinein reichen würde. Doch ich war sogar sparsamer als gedacht und habe nun noch immer 3 Stück übrig, die ich kaum anfassen mag. (Ich bewahre sie für Notfälle!) Allerdings läuft das MHD dieser Tage ab, sodass ich sie wohl doch bald feierlich genießen werde, solange sie noch so gut schmecken.

Danach wird’s aber erstmal traurig, fürchte ich…

Zutaten: Zucker, Kakaomasse, Kakaobutter, Vollmilchpulver, Cranberrysaftkonzentrat (8%), Glukosesirup, Sahne, Feuchthaltemittel: Sorbit,  Butter, natürliches Cranberryaroma mit anderen natürlichen Aromen, Emulgator: Soajlecithin, natürliches Vanillearoma, Lavendelöl (0,01%).

Gavottes – Crêpe Dentelle

Diesen zarten Klassiker lernte ich in meiner Zeit als Verkäuferin von französischen Spezialitäten kennen, das ist nun so ca. zwanzig Jahre ein paar Jährchen her…

Das zarte Gebäck ist bei uns leider selten zu bekommen, und wenn ich es irgendwo entdecke, dann stehe ich kurz danach begeistert mit einem handlichen Stapelchen der federleichten Schachteln an der Kasse. Es lohnt sich, danach Ausschau zu halten, z.B. in gut sortierten Kaufhoffilialen und in liebevoll geführten Süßwarenläden. Oder eben beim Franzosen, der was auf sich hält. Und zum Glück gibt’s ja auch noch das Internet…

Die Schachtel enthält dann zwei einzeln in Folie verpackte Schälchen, mit jeweils sechs, adrett golden eingewickelten Päckchen, die wiederum von 2 zarten Crêpes bewohnt werden.

Hach, und gleich splittert und knuspert es aufs allerfreundlichste im Mund, man verfällt den erlesenen, hauchzarten Crêpewäffelchen sofort. Sie sind nicht zu süß, haben ein schönes, buttriges Karamellaroma und eine kleine Spur Salz. Zum Eis, Tee oder Kaffee sind sie ideal. Wer es tatsächlich schafft, das zweite Schälchen erstmal nicht anzurühren, beweist übermenschliche Willenskraft und verdient einen Keksorden ersten Rangs!

Zutaten: Weizenmehl, Zucker, Butterschmalz, Pflanzenfette, Laktose und Milcheiweiß, Salz, Darrstaub, Backtriebmittel: Natriumhydrogenkarbonat, Sojalecithin.

Mazet – Lait Caramel Salé

Diese Schokolade ist inzwischen schon wie eine gute Freundin für mich. Entdeckt habe ich sie vor vielleicht zweieinhalb Jahren in diesem kleinen Muckelladen, in dem ich oft nach Neuigkeiten stöbere. Ich kannte schon einige Schokoladen mit Salz, und ich kannte Karamell mit Salz, beides mag ich sehr. Milchschokolade mit Caramel und Salz kannte ich hingegen noch nicht. Und genau darauf hatte ich gerade Appetit, beschloss ich fix. Und weil ich jetzt wirklich neugierig war, probierte ich, sobald ich aus dem Laden war.

Was soll ich sagen: Die Tafel hat nicht bis zuhause gehalten. Sie ist „Mmmmhhh..!“


(Mazet hat eine wunderschön gestaltete Verpackung, wie ich finde. Die Winteredition hat sogar Flöckchen…)

Die Milchschokolade ist sehr zart und milchig, hat einen feinen Schmelz. Man schmeckt auch die karamellige Note sofort deutlich. Wenn man sie nun auf der Zunge zergehen lässt (was himmlisch ist!), dann bleiben Karamellsplitter und Salzkristalle (Fleur des sel de Guérande) übrig. So schmeckt man das feine Salz natürlich sehr intensiv. Natürlich kann man sie Schokolade auch langsam kauen, dann hat sie einen leichten Crunch. In Frankreich, besonders in der Bretagne, ist es übrigens gar nicht unüblich, Karamell mit Salz zu kombinieren. Oft passiert das von selbst, wenn man es mit der guten, gesalzenen bretonischen Butter herstellt.

Ich verschenke diese Mazet oft und gern an Leutchen, die mal was Ungewöhnliches probieren möchten, wenn es nicht zu ungewöhnlich ist. Und an solche, denen dunkle Schokolade „zu bitter“ ist. Die meisten Beschenkten lieben sie! So wie ich.

Zutaten: Zucker, Kakaobutter, Vollmilchpulver, Kakaomasse, Magermilchpulver, Butter, Rahm, Traubenzucker-Fruchtzucker, Sojalecithin, Fleur de sel de Guérande