lovechock – wirklich „happyness inside“?

Heute will ich mich mal wieder ein bisschen mit roher Schokolade beschäftigen, also solcher, bei der die Kakaobohnen ungeröstet verarbeitet werden… Das ist ein bisschen speziell, kann aber ausgesprochen spannend sein.

Vor längerer Zeit sind mir im Biomarkt schon die holländischen lovechock-Riegel (100% RAW CHOCOLATE) optisch positiv aufgefallen. Die Verpackung ist ansprechend aztekisch herausgeputzt, wirkt ökologisch  durchdacht, und die Sorten hören sich auch ganz spannend an, finde ich. Sechs Variationen sind momentan erhältlich, fast alle haben exotische Gewürz- oder Fruchtzutaten, die aus biologischem Anbau stammen, sind vegan und mit getrocknetem Kokosblütennektar gesüßt. Das wirkt konsequent und gefällt mir. Dazu passt der Preis von ca. 2,49 €/40g.

Am spannendsten ist für mich aber, dass es sich bei dem Kakao um „Arriba Nacional“ handelt, eine besondere Sorte, die man nur in Ecuador findet. Nacional-Kakao ist ein besonders aromatischer Forastero (also eigentlich eher Konsumkakao für die Massenproduktion), der sich damit in die Riege der Edelkakaos geschmuggelt hat. Der Hersteller gibt an, durch die Rohverarbeitung enthalte der Kakao noch immer seine unverfälschten „Liebesstoffe“ und Flavonoide. Ich soll also offenbar aphrodisiert werden und erwarte nun ein bisschen was…

Ausgesucht habe ich mir mal Mandel/Feige und Maulbeere/Vanille.

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Die Außenhülle besteht aus naturbrauner Pappe, außen schlicht, innen bunt bedruckt, darin der Riegel, in eine kompostierbare Folie verpackt. Es liegt außerdem jeweils ein Zettelchen mit einer „Inspiration des Tages“ bei, ein kleiner Sinnspruch (Hier: „Täglich pflanze ich eine Rose in den Garten meines Herzens.“). Man kennt so etwas z.B. auch von Caffarel-Herzchen oder den Booja-Booja-Boxen. Ich mag solche Spielereien, es hat ein bisschen was von Glückskeksen, und die mag ich auch.

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Der Riegel selbst kommt ziemlich dunkel daher und glänzt ein bisschen – na, ich will mal sagen- speckig, aber das ist bei Rohschokolade oft so. Der Feige/Mandel-Riegel riecht ordentlich weihnachtlich nach Zimt und Lebkuchen. Der Bruch ist typisch bröselig, das hat hier natürlich auch was mit dem kompakten Riegelformat zu tun. Im Mund ist die Konsistenz streuselig-zerfallend, die Zutaten zerlegen sich quasi wieder, typischen Schokoladenschmelz sollte man hier aber auch nicht erwarten.

Tja, und der Geschmack..? Recht süß, etwas fettig wirkend, es bleibt weihnachtlich-trockenobstig, erstaunlich wenig kakaoig, – eher unspannend, ehrlich gesagt. Von den Mandeln schmecke ich wenig, aber sie geben einen ganz angenehmen Crunch, ebenso wie die Feigenkerne. Zum Schluss kommt noch Anis durch, aber insgesamt ist mir das alles zu schnell wieder weg und wenig vollmundig.

Nun zur zweiten Sorte: Maulbeere/Vanille. Der Duft nussig-erdig, etwas säuerlich, muskatähnlich. Der Geschmack wieder sehr süß, zudem meine ich was leicht Pfeffriges wahrzunehmen, auch was Holziges. Mir fehlt (bei beiden Sorten) fast völlig die Fruchtsäure, sowohl aus dem Kakao als auch aus den getrockneten Maulbeeren, auch Bitterstoffe bzw. Tannine sind fast keine da. Und da sollen 80% Kakaobestandteile drin sein? Im Ganzen bleiben etwas eher Seifiges im Mund und ein Fragezeichen über dem Kopf zurück. Lediglich die Konsistenz finde ich ganz gut, man hat was zu kauen, erinnert an etwas drüsch (trocken) gewordenes Vollkornbrot, aber ehrlich gesagt, wäre mir das jetzt auch fast lieber…

– Schade, wirklich schade!

Schön gedacht, das Ganze, aber geschmacklich leider „nicht ihm und nicht ihr“. Wer bei Rohschokolade mal richtig was schmecken möchte, sollte beispielsweise lieber zu Sabadi oder Pacari greifen, – da passiert richtig was im Mund!

Und jetzt warte ich mal ab, ob wenigstens die versprochene Wirkung noch einsetzt…

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Zutaten – Mandel/Feige: Kakaomasse*, Kakaobutter*, getrockneter Kokosblütennektar*, getrocknete Feigen* (12%), Mandeln* (11%),  Rosinen*, Lucuma-Pulver*, Maca-Pulver*, Anissamen*, Bourbon Vanille*, Zimt-Pulver*, Meersalz. Schokoladenanteil enthält: mindestens 81% Kakaobestandteile

Zutaten – Maulbeere/Vanille: Kakaomasse*, Kakaobutter*, getrocknete Maulbeeren* (20%), getrockneter Kokosblütennektar*, Quinoa*, Lucuma-Pulver*, Bourbon Vanille* (1%), Meersalz. Schokoladenanteil enthält: mindestens 81% Kakaobestandteile

* aus biologischem Anbau.

Küchensofagedanken – Teil 3 – Vom möglicherweisen Mögen.

Seit Jahren versuche ich mich ein bisschen mit Lakritze anzufreunden, und es klappt zuweilen auch ganz gut. Der Geschmack von Süßholz & Salmiak wird es zwar nie auf die oberen Plätze meiner Geschmackshitliste schaffen, (schon allein, weil man hinterher erstmal eine Weile nix anderes mehr schmeckt), aber ich erkenne schon deutliche Unterschiede und stelle erste Neigungen fest. Mit schwelgerischer Liebe wird es bei uns Beiden wohl nie was, aber Freund- schaft könnte es schon werden, wenn wir uns ein bisschen bemühen. Allerdings bin ich ja nun vor langer Zeit eine feste Beziehung mit gefühlvoll conchierten Kakaoprodukten eingegangen und immer noch sehr verliebt.

Etwas, das man vorher immer abgelehnt hat, plötzlich allein durch Vorsatz zu mögen, ist schon interessant und mir auch schon öfter passiert. Der persönliche Geschmack ändert sich ja schließlich auch mit den Jahren. Wenn ich überlege, was ich als Kind alles nicht mochte… Spargel zum Beispiel. Paprika. Tomaten. Pilze.

Naja, Pilze mag ich noch immer nicht. Mir reicht die Konsistenz schon. Geh mir weck. Aber Paprika und Tomaten esse ich heutzutage, ohne mit der Wimper zu zucken. Spargel hingegen liebe ich inzwischen geradezu und fiebere momentan dem Wochenende entgegen, wenn’s bei uns den diesjährigen ersten gibt. – Immer her damit! Vielleicht sollte man sowieso alles, von dem man glaubt, es nicht zu mögen, alle paar Jahre mal neu probieren. Nachher mag man’s doch! Eventuell war es beim ersten Probieren auch nur lieblos oder schlecht zubereitet. Damit kann man schließlich noch jedes Lebensmittel versauen.

Oder man macht es so wie diese Restauranttester, die ans Schmecken ganz analytisch drangehen. Sie müssen ja gelegentlich Sachen probieren und bewerten, die sie persönlich eigentlich nicht mögen und trainieren sich dafür das Unvoreingenommene richtig an. (Es müssen ja nicht gleich frittierte Würmer oder karamellisierte Insekten sein. Da z.B. wäre meine Grenze auch längst erreicht.) Zunächst Fremdartiges kann sich jedoch durchaus zum Knüller entwickeln.

Ich probiere z.B. manchmal Merkwürdigkeiten der japanischen Küche, die meine Freundin M. mit aus der Heimat rübergeschickten Originalzutaten zubereitet. Sogar Nattō habe ich mal getestet. Das ist schon mächtig ungewohnt und hat es auch nicht in die Top 10 geschafft. Aber sehrsehr salzig eingelegte japanische Pflaumen –Umeboshi heißen die- die schmecken mir sehr gut. Von köstlichen, salzigen Knabbermischungen, die kleine getrocknete Fischlein enthalten, fange ich jetzt lieber gar nicht erst an. Ich mag sie ganz gern zum Bier, stehe damit aber relativ alleine da. Entdeckt habe ich diese Dinge nur, weil ich es inzwischen meistens hinkriege, meine Erwartungs- haltung und mein Misstrauen abzulegen und erstmal loszuschmecken.

Ich glaube, bei Lakritze war ich wohl auch deshalb etwas voreingenommen, weil ich beobachtet zu haben glaube, dass viele Menschen, die Lakritze heiß und innig lieben… na, wie sag‘ ich das jetzt… hm… allgemein und ansonsten eher nicht so anspruchsvoll sind in Essensdingen und den dazuge- hörigen Geschmacksfragen. Sie sind froh und zufrieden, wenn das Essen schmackhaft ist, reichlich und heiß. Gedrechselt Verfeinertes macht ihnen wenig Spaß, der ganze Aufwand ist ihnen völlig schleierhaft und auch zuviel. Sie fahren auch nicht unbedingt durch die halbe Stadt, weil es da diesen leckeren Balsamico gibt. Oder diese vorzüglichen, sahnigen Trüffelpralinchen.

Hoffentlich fühlt sich von dieser etwas gewagten These nun niemand abgefrühstückt; das würde mich durchaus betrüben. Ausnahmen bestätigen da sowieso mal wieder die Regel, dürfen sich hier gern empören, und auch der Umkehrschluss funktioniert übrigens nicht.

Mir wäre es übrigens manchmal lieber, wenn mir der Essgenuss nicht so wichtig wäre, denn dann bräuchte ich mich nie zu grämen, wenn das Geld gerade wieder nicht für die Feinkostbude reichen will. Wo ich doch so gerne Entdeckungen mache! Auch beim Einkaufen im Urlaub gucke ich stundenlang in den Geschäften, was es dort an Leckerem oder Speziellem gibt. Ein toller, neuer Geschmack interessiert mich mehr, als beispielsweise schicke Schuhe es jemals könnten…

Dass auch simples Wasser je nach Quelle und Region unterschiedlich schmeckt, ist sicher jedem schon aufgefallen, mir natürlich auch. Allerdings niemals, auch nicht mit dickstem Konto, würde ich mir ein Wasser kaufen, dessen 0,7l-Flasche mit Glitzerkristallen beklebt ist. Das verschwurbelt, gefiltert und mit Sauerstoff beschossen wird, und dann tatsächlich 75,- Euro kostet. ‚Tschuldigung, da bin ich voreingenommen. Das kann noch so sensationell schmecken, aber von dem Geld kann man in einem Dürregebiet wahrscheinlich ’nen ganzen Brunnen bohren. Ich glaube übrigens nicht, dass so ein Wasser jemals allein im Kämmerchen getrunken wird, sondern vermutlich nur vor Publikum. Es wundert mich noch etwas, dass es das nicht in einer 0,2l-Miniflasche gibt, aus der man dann auf Parties mit Silberstrohhälmchen trinkt. Oder noch kleinere, die man dann gleich als Ohrringe tragen kann. Das passt doch auch viel besser zu den Klamotten als eine Dreiviertel- literpulle, hätte aber mit gutem Geschmack immer noch wenig zu tun.

Zum Glück müssen weder mein Essen noch meine Getränke zu meinem „Outfit“ oder dieser Küchen-„Lokäischn“ passen. Denn dann gäb’s hier womöglich nur noch Barfußkürbis und gestreifte Radieschen. Und letztere mag ich ja nun überhaupt nicht. – Obwohl, im Salat…

I’m Delicious – Crunch Flipps – Caramel

Über diese -äh- Dinger bin ich ausgerechnet im Reformhaus gestolpert. Dort stand ein pappenes Probiertellerchen herum, auf dem die Sorte „Käse“ feilgeboten wurde. Im Regal  lümmelten sich weitere Sorten („Schoko“, „Caramel“, „Natur“, „Paprika“).

Da ich ja normalerweise fast jeden Probierspaß mitmache, kostete ich einen der Flipps (also einen Flipp), deren Riesenform mich bereits heftig an Verpackungs- bzw. Kartonauspolstermaterial denken ließ.  Die Konsistenz dann übrigens auch, was ich aber darauf zurückführte, dass das Tellerchen vielleicht schon eine ganze Weile herumgestanden hatte.

Anschließend soll ich jedenfalls nur noch gesagt haben: „Boh, war der salzig!“ – „Boh, watt salzig!“ – „Boh, … geh mir weck!“ Käsegeschmack war zwar auch auszumachen, aber eben ein sehr salziger. Na, vielleicht hatte ich bloß ein Exemplar erwischt, das besonders viel Würze abbekommen hatte, das kann ja mal vorkommen. Deswegen nahm ich, immer noch neugierig, grinsend eine Tüte Flipps „Caramel“-Geschmack mit zur Kasse, um zuhause weiter zu forschen.


Dafür, dass die Tüte auf dem Foto so zerknüllt aussieht, kann ich nix. Das liegt wohl am Material der Folie, die sah im Laden schon nicht so richtig adrett aus.

Wer jetzt übrigens selbst stöbern möchte: Biddeschön. Lest ruhig mal die Zutatenangaben! Hätte ich auch mal lieber machen sollen. Mach‘ ich sonst immer, bloß an dem Tag mal nicht. Jungejunge. Reformkost hatte ich mir bisher immer anders vorgestellt. Geschmacks- und Geruchsverstärker, bei den Sorten „Käse“ und „Paprika“! (Geruchs- wär‘ übrigens nicht nötig gewesen…) Aber toll: Der Mais fördert die Verdauung und regt das Immunsystem an! Ja, Wahnsinn. Außerdem hat er einen tollen glykämischen Index, was Schwankungen im Blutzuckerspiegel verhindert. Irre. – Ob das auch für den Zucker gilt, der gleich an zweiter Stelle steht? Offenbar ist das Reformhaus-Sortiments-Kriterium in diesem Fall: „Glutenfrei“ Wenn’s aber danach geht, müsste man dort auch Ziegelsteine, Kleintiere und meinetwegen Wischerblätter kaufen können.

Beim Öffnen der Tüte schlägt mir gleich ein dicker, zäher, quietschsüßer Karamellgeruch entgegen. Die Zutatenliste ergibt: Das ist ein Toffi-Aroma. Soso. Die Flipps sind bläßlich und sehen eher unlustig und wenig nach Party aus, die Konsistenz beim Reinbeißen ist eine schwierig zu beschreibende, ulkige Mischung aus knietschig-styroporig und knusprig, etwas besser als im Laden, das macht mir sogar irgendwie Spaß. Der Geschmack hingegen ist leicht als süß! zu bezeichnen. Joooh…, da ist auch was Maisiges dabei. Schon. Und auch was Karamelliges… Durchaus. Aber die Flipps essen sich eher wie sehr süße Luft mit Knirsch. Ich schaffe sogar ein kleines Schälchen, weil’s mal was Anderes ist. Aber so richtig begeistern möchte ich mich nun wirklich nicht. Nicht mein Geschmack, danke sehr. Deswegen habe ich jetzt auch noch eine dreiviertel gefüllte Tüte hier liegen.

Hmmmm, mal sehen, wer demnächst mal ein gut gepolstertes Päckchen von mir zu kriegen hat…

Zutaten: Maisgrieß, Zucker, Pflanzenöl, Salz, Magerkakao, Pulvermolke, Emulgator: Sojalecithin, Toffi-Aroma, Vanille-Aroma.