ISM 2015

Ein fester, immer wiederkehrender Termin in meinem Kalender ist Ende Januar/Anfang Februar die Internationale Süßwarenmesse ISM in Köln. Seit 2008 war ich bereits sieben Mal dort, und auch beim achten Mal freue ich mich wieder auf das knallbunte Wunderland.

ISM_2015_Presseticket

Mittenmal ging’s.

In diesem Jahr ist es mir tatsächlich endlich gelungen, ein Presseticket zu bekommen. In Köln ist man nämlich recht streng, was die Berechtigungserteilung zum Besuch dieser B2B-Messe angeht. Der mir liebste Kameramann musste allerdings wieder über andere, aber schon bewährte Umwege auf’s Gelände legitimiert werden… – Sei’s drum!

Beim Gang in die Hallen stellen wir schnell fest: Eigentlich alles beim Alten. Schon bei der Online-Recherche vorab auf der heimischen Couch war klar geworden: Es wird keine größeren Überraschungen geben. Die Platzhirsche sind wie immer da, wo sie eben -naja- immer sind, die Neuigkeiten-Datenbank löste keine rechte Euphorie aus, und ein Partnerland konnte ich diesmal übrigens auch nicht entdecken.

Schon in den letzten Jahren konnte man eigentlich immer ganz gut ausmachen, wohin der Trend gerade so will. Mal waren es Schokoladen mit ungewöhnlichen Zutaten/Gewürzen/Inhalten, mal wurd’s überall karamellig, dann war alles mit Stevia gesüßt. In diesem Jahr habe ich ab und zu sogenannte „Superfoods“, aber dafür überall Cupcakes gesehen. Wer was auf sich hält, gibt seinem Keksen, seinen Bonbons, seinen Fruchtgummis (und natürlich seinen Cupcakes) eine Cupcakeform. Oder bietet Streusel, Icings, Fondantmassen und diversen Zierrat an für Leute, die ihren Cupcakes selbst eine Form geben wollen. Die ihrer Haustiere zum Beispiel.

ISM_2015_Dogcakes

Wohl Trend: Minischnauzer-Cakes. Also quasi Hundekuchen…

Ach, wir lassen uns einfach ein bisschen durch die Gänge treiben und gucken mal, woran der Blick so hängenbleibt:

ISM_2015_Baerensarg

Dicke, verstorbene Bärchen, die eventuell in dünnen Schlössern wohnen.

 

ISM_2015_Delirium

Ganz ehrlich? Da hab‘ mich nicht rangetraut. Ich vertrag‘ ja nix…

 

ISM_2015_Glucose

Ein Favorit. An schlichter Schönheit nicht zu mehr übertreffen: Ein Keks, der einfach „Glucose“ heißt. Übrigens in unterschiedlichen Quadratmetergrößen erhältlich (wenn ich nicht doch falsch geguckt habe).

 Während ich in früheren Jahren ja gern ein bisschen gesammelt habe, was an Pröbchen und Proben so ausgelegt wurde, bin ich zuletzt doch eher zurückhaltend geworden. Schließlich muss man das ja dann auch alles herumtragen! Hier sieht man mal, wohin das führen kann:

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Bald mannshohe Beute. Und hier gibt’s schon wieder was.

 Aber wo wir hier schon mal bei den umlagerten Zwiebackspezialisten sind, werden wir auch ein bisschen neugierig und werfen einen Blick auf die angebotene Neuigkeit. Wir werden sehr nett angesprochen, und weil just alle Pröbchen verteilt sind, wird extra für uns ein neuer Karton „Knusperherzen“ geholt. (Zum Glück ist Knusperherz nix Kardiologisches, sondern eine Art zarter Zwiebackkeks mit Nougat- oder Kokoscreme.)

ISM_2015_Knusperherzen

Vielleicht ein bisschen zu süß für meinen persönlichen Geschmack, aber zarb-mürbe durch Spezialrezeptur. Lecker.

Zumindest farblich passt dazu diese arme Tier, das wir wenig später treffen: Ein Löwe mit Schmerzen. Also, entweder kneift der Plüsch, oder es liegt doch an den sehr sauren Streifen, die er da vor sich auf dem Tablett hat.

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„Rooooaaaaaarrrr-aua!“ Der König der Tiere hat ein bisschen Zungenbrand…

 

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…und trollt sich. (Ich hätte ihm ja irgendwie gerne mal in diese Frisur gefasst.)

Die ISM ist eigentlich wie immer, ich bin gern hier inmitten dieser ganzen schrill-bunten Dekorationen, Aufmerksamkeit heischenden Verpackungen, mit Farb- und Aromastoffen versetzten Verrücktheiten, dem Schokoladen- und Keksduft, Sprach- und Menschengewusel. Da ist es übrigens eine hübsche, kleine Erholung, mal eben die Nase in den frischen „Wer-hat’s-erfunden?!“-Kräutergarten der Fa. Ricola zu stecken.

ISM_2015_Krautpause

Melisse, Thymian, Minze… – Wann startet noch mal die Balkonsaison?

Gar nicht weit davon entfernt, finde ich noch etwas Interessantes: Unter dem Markennamen „iChoc“ stellt die Fa. EcoFinia (vielen sicher bekannt für ihr breites Sortiment an „Vivani“-Schokoladen, die sich in vielen Bioläden finden) mittlerweile vegane „Milch“-Schokoladen her; statt tierischer Milch wird Reismilch verwendet. Ich probiere auf die Schnelle zwei (Almond Orange und White Nougat Crisp) der vier Sorten, nehme mir aber gern ein Probeset mit, das ich hier demnächst dann mal in Ruhe verkosten und beschreiben möchte. Der erste Eindruck ist jedenfalls angenehm.

ISM_2015_Vivani_iChoc

Unaufgeregtes Ambiente, vegane Schokolade. Alles BIO, alles fair. Gefällt mir.

Weiter geht’s. Durch die Halle 4, die ja eigentlich immer meine Lieblingshalle ist, weil dort an ehesten die hochwertigen Edelschokoladen und Confiserie-Erzeugnisse aus aller Welt zu finden sind, sind wir merkwürdigerweise recht schnell durch. Irgendwie „zündet“ sie diesmal nicht bei mir. Ich sehe kaum Neues, vermisse dafür aber u.a. den Stand von Viani, die dieses Mal leider nicht dabei sind. Auch andere Aussteller aus den Vorjahren vermisse ich, gerade aus dem Bereich der wirklich spannenden Schokoladen aus Edel- und/oder Rohkakaos. Schöne Verpackungen sehe ich hingegen viele. Ich bin mir nicht sicher, ob ich da von einer Süßwarenmesse nicht mittlerweile zuviel erwarte, aber zumindest waren diese Tendenzen schon mal stärker. Wahrscheinlich ist die Käuferschicht für solche Produkte einfach zu klein und zu speziell, ich weiß es nicht. Eventuell ist das ja auch ganz gut so…

Trotzdem war’s wieder schön hier und ich komme bestimmt wieder.

Wir gehen übrigens auch nicht allein nach Hause, sondern nehmen einen Begleiter mit: Ein *räusper* Eichhörnchen, das uns Marzipan-Meister Anthony Lams aus Belgien am Stand der Fa. Lemke in nullkommanix! mal eben hergestellt hat, während er nebenher auch noch sehr sympathisch mit uns geplaudert und gescherzt hat. (Das Filmchen dazu ist leider etwas zu groß, ums hier hochzuladen.)

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Original belgisches Fuchshörnchen, liebe- und schwungvoll vor Ort modelliert.

– Irgendwelche Namensvorschläge für das putzige Tierchen? Hm?

  *  *  *  *  *  *  *

Nachtrag Hier kann man jetzt sehen, wie in Belgien die kleinen Eichhörnchen gemacht werden:

(Fotos & Filmchen: M. Reusch – Lieben Dank!)

Salon du chocolat 2014 in Köln

Ich hab‘ ja mittlerweile so meine Leute. Die geben mir brav Bescheid, wenn irgendwo irgendwas Interessantes mit Schokolade stattfindet. So auch diesmal: Ich hatte zwar vor Monaten schon mal mitbekommen, dass der „Salon du chocolat“ in diesem Jahr in Köln gastieren würde, aber der Termin (14. – 16. November) war zu diesem Zeitpunkt noch so weit weg, dass er sich in meinem Kopf nicht festsetzte. So ist das ja manchmal. Und wenn mich neulich nicht gleich zwei liebe Menschen kurz vorher nochmal darauf aufmerksam gemacht hätten, hätte ich ihn womöglich verpasst, wer weiß?

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Der ursprüngliche „Salon du chocolat“ ist übrigens seit 20 Jahren eine Pariser Veranstaltung, die sowohl von Profis als auch von privaten Genießern besucht wird, die sich verführen lassen und schauen möchten, was es im Schokohimmel Neues gibt. Ebenso existieren jedes Jahr ausgelagerte Zusatzveranstaltungen in der ganzen Welt, Deutschland war diesmal zum ersten Mal dabei, und ein bisschen merkte man das leider auch. Hm.

Angekündigt waren ca. 50 Aussteller: Hauptsächlich aus Deutschland, Frankreich, Belgien… Ein bisschen Schweiz, Italien und Skandinavien sind auch dabei. Große, aus Supermärkten bekannte Marken sucht man (bis auf eine) zum Glück vergebens. Es geht eher darum, feine Confiserien bzw. Manufakturen vorzustellen, deren Anspruch an die Rohstoffe, Zutaten und das fertige Produkt deutlich höher hängt. Zum großen Teil ist das auch gelungen, aber ein paar Ausreißer sind ja irgendwie immer dabei… (Damit meine ich solche, deren Augenmerk wohl mehr auf Originalität und bunter Verpackung ruht als auf guter Schokolade. – Ähm, nein, ich nenne hier keine Beispiele.) Dazu soll es ein abwechslungreiches Programm aus Vorträgen, Modenschauen, Ausstellung, Koch- und Backvorführungen und Verkostungen geben, das sich durchaus sehen lassen kann!

Als wir die Halle 9 des Kölner Messegländes betreten, sind wir pro Karte schon 14,- € und für’s Parken noch mal 5,- € losgeworden. Der Eingangsbereich ist ausgesprochen großzügig abgeteilt, man sieht gleich, dass die Halle noch viel Platz gehabt hätte. Bevor wir uns das genauer anschauen, geben wir erst noch schnell unsere Mäntel ab. (Noch mal 3,- € p.P., also sind zu zweit schon 39,- € investiert, ohne dass wir irgendetwas probiert haben.)

Gleich als Erstes fällt uns der knallpinkfarbene Teppich auf, der uns seeehr bekannt vorkommt:

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Irgendwie laute, aber über die Jahre liebgewonnene Auslegeware.

Mein Begleiter meint: „Na, der ist wohl noch von der ISM übrig geblieben!“ So wird’s gewesen sein, er passt aber auch hier ganz gut hin. Die Halle an sich ist nämlich nicht besonders schön und höchstens halbvoll, auch die gegenüberliegende Seite ist weiträumig abgesperrt.

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Weite Flur…

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…wohin der Blick auch fällt.

Unser erster Orientierungsrundgang dauert denn auch nur eine knappe halbe Stunde. Ungefähr die Hälfte der Aussteller ist für mich interessant, die meisten davon kenne ich aber auch schon von anderen Veranstaltungen oder einfach so. – Ach naja, und ein bisschen was Neues haben sie ja doch auch mitgebracht…

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Im -zum Glück- etwas belebteren Teil der Halle.

In der Chocosphere läuft übrigens gerade ein ansprechender Vortrag über Nachhaltigkeit im Kakaoanbau, wir bleiben ein bisschen stehen und hören zu. Wichtiges Thema! Es freut uns, dass es offenbar viele Besucher interessiert, denn es sind viele Stühle vor dem Podium besetzt. Wir gehen dann noch ein zweites Mal herum (schon allein damit sich der Weg nach Köln gelohnt hat) und schauen uns die vielversprechenderen Büdchen etwas genauer an. Probieren mögen wir gar nicht so viel, denn leider sehen wir an vielen Ständen einfach hingestellte Schälchen mit Kostproben, in die die Besucher mit bloßen Fingern hineingreifen. Und wenn in so ein Schälchen vor mir schon 23 Leutchen reingegriffen haben, versiegt mein Verlangen auf eine Kostprobe leider schlagartig. (In Einzelfällen liegt leider auch die zu verkaufende Ware recht offen herum, was ich wirklich schade finde! Wenn da nun einer mit Husten oder Niesattacke vor mir da war!? – Nee, nee…)

Zum Glück wird das bei den Ausstellern, die mich am stärksten interessieren, ganz anders gehandhabt. Dort trägt man entweder Handschuhe oder händigt die hochwertigen Appetithappen mittels einer kleinen Konfektzange aus. Am wohlsten fühle ich mich hier, wo ich dann auch zum Kurzplausch, einer gründlicheren Beäugung und/oder für einen kleinen Einkauf hängen bleibe:

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Eberhard Schell, seit langer Zeit u.a. spezialisiert auf die köstlichen Kombinationsmöglichkeiten von Schokolade und Wein.

 

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Confiserie Gmeiner habe ich mal beim hannöverschen Gartenfestival für mich entdeckt. Ihre karamellisierten Piemonthaselnüsse im Nougat-Kakaomantel sind im besten Sinne hochgefährlich!

 

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Neuentdeckung: Christophe Roussel. Erste Kostproben vor Ort überzeugen sofort.

Es dürfen mit: Schells neue Tafel „Arriba Amando“ und ein paar seiner Pralinen („…rund um die Weintraube“), dazu einige Tütchen Piemonteser Nüsse von Gmeiner und eine kleine Box mit 18 Pralinés von Ch. Roussel. (Mal sehen, was davon hier noch Erwähnung finden wird…)

Tja, und dann wenden wir uns auch schon wieder dem Gehen zu. Anderthalb Stunden (höchstens) haben wir hier verbracht, weil wir uns beim Bummeln ordentlich Zeit gelassen haben.

Fazit: Eigentlich toll, den „Salon du chocolat“ mal in Deutschland zu haben! Aber was der Besucher für ordentliches Geld dann bekam, war leider etwas halbgar. Das Thema „Hochwertige Schokolade“ mag in Deutschland noch immer etwas hinterm Berg sein, aber ich hätte mir da einfach mehr gewünscht, vor allem mehr (interessante) Aussteller. – Ich weiß, dass es die gibt! Sicherlich hat man unter den vorliegenden Bedingungen (nicht so schöne Messehalle als Kulisse, offenbar nicht so viele Anmeldungen wie erhofft) einiges rausgeholt, aber man ging als Besucher doch nicht so ganz glücklich wieder raus. Übrigens ging das nicht nur uns so: Wer sich an der Garderobenausgabe mal ein Weilchen in der Warteschlange aufhielt, bekam so einiges an Kommentaren zu hören.

Also: Sehr gern wieder, wenn möglich, aber dann vielleicht etwas üppiger, das wäre schön!

Quelle Bilder: 
Salon du chocolat-Logo: Veranstalter-Webseite
Alle anderen: Mike R. - Vielen Dank!

Moers im Schokoladenhimmel.

Dienstag war es endlich soweit:

Im (man kann es wirklich nicht anders sagen) ausgesprochen schnuckeligen Moerser Café heimelie fand unser erstes Schokoladenseminar statt. Ausgerüstet mit einer ganzen Kiste voll liebevoll ausgesuchter Schokoladen und etwas Zubehör war ich aus Hannover angereist, in der Hoffnung, auf interessiertes Publikum zu treffen. Und hatte Glück: Nach und nach füllte sich das bezaubernde Ladenlokal mit gut gelaunten Teilnehmern, die sich schon vorfreudig die Hände rieben. Sogar die regionale Presse hatte den Lockruf der Kakaobohne vernommen, also wuselte ich zwischen den letzten Vorbereitungen, der Lokalredakteurin und den Gästen hin und her, bis Amelie Fenger, eine der beiden „Heimelies“*, ein paar herzliche, einleitende Worte zu Begrüßung sprach und dann reizenderweise das Wort an mich weiterreichte.

Ich will jetzt natürlich nicht zuviel verraten, denn schließlich wird es am 27. Mai noch einen zweiten Abend dieser Art geben, aber so viel doch: Ein bisschen was gab’s zur Geschichte des Kakaos, etwas ausführlicher ging’s weiter zu den verschiedenen Kakaosorten, deren Anbau und Unterschiede, dann noch ein paar Tipps für den Alltag: Woran erkenne ich beim Einkauf gute Schokoladen und wie schließe ich nicht so gute Schokoladen gleich mal aus?

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Noch vor den ersten Kostproben: Gelöste Stimmung und Kakaoduft in der Luft.

Im Anschluss noch eine kleine Anleitung zur Verkostung, und dann machten wir uns endlich an die Praxis! Ganz feine Schokoladen von weiß bis dunkel, – neun Sorten hatte ich mitgebracht.

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Konzentrierte Vorfreude, Madagaskar-Kakao naht.

Jetzt wurde geschnuppert und geknabbert.
Mit geschlossenen Augen und gespitzten Mündern den Aromen nachgespürt.
Die Eindrücke miteinander geteilt.
„Ist das was Nussiges?“ – „Die schmilzt aber anders als die andere!“ – „Schön fruchtig! So wie rote Beeren, irgendwie…“ – „Hmmmm, lecker…!“ – „Ui, die ist aber kräftiger! Das gefällt mir…“ – „Wo war die her? Papua Neuguinea?“ – „Kann ich noch mal diese Helle haben?“

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„Ganz langsam zergehen lassen. Lassen Sie sich Zeit, da kommt noch was!“

Nach knapp zwei Stunden Information, gelöster Stimmung, konzentrierter Verkosterei, Genuss und interessierter Fragen hatten die Teilnehmer das Ziel erreicht: Einen gewissen Glanz in den Augen und die Gewissheit, dass es da noch ganz viel zu entdecken gibt…

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* Lieben Dank an die beiden Besitzerinnen des Cafés heimelie, Amelie Fenger und Heidi Hillen, für die nette Zusammenarbeit! Ich freu‘ mich schon auf den 27.! Danke auch an Steffi, die u.a. beizeiten den Kontakt hergestellt hat, und an Mike für die Bilder & sowieso überhaupt.

Da isse wieder. Und gleich mit einer Ankündigung.

Ach wie gut, dass eine Webseite so geduldig vor sich hin warten kann und nicht etwa anfängt, zu schrumpeln, zu stauben oder lose zu klappern, wenn man sie mal für ein paar Monate links liegen lassen muss. Sie mosert auch nicht rum: „Jaja, von wegen: Bald…! Kenn‘ ich, das sagst Du doch schon ewig. Und dann passiert wieder nix. – Pah!“

Nein, sie wartet stattdessen geduldig vor sich hin, lässt immer mal Besucher reinschauen, beschäftigt sich klammheimlich mit Statistiken, listet derweil brav nötige Aktualisierungen auf und hält aus, bis Frau Madame endlich wieder mehr Zeit für sie hat. Also bis jetzt. – Und warum musste sie so lange warten?

Weil ich in den letzten anderthalb Jahren in einem großen Weinhandel gearbeitet habe (nein, nicht der mit dem französischen Namen, es gibt ja auch noch andere, die hübsche Filialen in allen großen Städten haben), und da war war eben immer viel los, das kann ich Euch sagen! Zum Bloggen blieb da jedenfalls keine Zeit, leider. Jetzt geht das zum Glück wieder.

Aha, und was gibt’s inzwischen Neues?

Also, ich habe in der Zwischenzeit natürlich irre viel gelernt, hauptsächlich über tolle Weine, aber nicht nur, sondern z.B. auch über die dazugehörige Sensorik, also das ernsthafte Erschnuppern und Erschmecken. Oder wie man herausbekommt, was womit gut kombinierbar ist. Angewandte Sensorik ist ja längst nicht nur bei Weinen wichtig, sondern in quasi allem, was mit Essen & Trinken zu tun hat. Ihr glaubt gar nicht, wie spannend ich das sofort fand, – das war ja genau die Richtung, in die ich beruflich weiter wollte und wusste nur nicht: Wie! Schon vorher hatte ich zuhause Fachbücher gewälzt, aber da war eben alles noch recht theoretisch. Da kam jetzt eine Menge Alltagspraxis dazu.

Man kann das Gelernte übrigens ziemlich grob zusammenfassen in: Vor Allem muss man immer: Probieren, probieren, probieren! Aber eben mit wachen Sinnen. Und ein gewisses Zungenspitzengefühl gehört selbstverständlich auch dazu. (Das gilt  auch für den ganz normalen Alltag, wo das oft ein bisschen verloren gegangen ist.)   Schnell merkt man, dass die Verwirrung weniger wird und die Aromen sich immer besser unterscheiden und benennen lassen, man baut sich sogar so etwas eine innere Geschmacks- und Geruchsbibliothek auf. Seither rieche ich an allem, bevor ich es esse oder trinke und lasse mir dann mit dem Schmecken etwas Zeit… So einfach kann es tatsächlich erstmal sein.

Und weil wir dort, wo ich gearbeitet habe, auch Abendseminare veranstaltet haben und es von Oben hieß: Macht einfach mal!, habe ich mit einer lieben Kollegin sehr bald begonnen, Seminare auszutüfteln zu Themen, die wir für unsere Kunden spannend fanden: „Champagner“, „Weineinsteiger“, „Käse & Wein“ und natürlich besonders gern „Schokolade & Wein“. Das hat wunderbar funktioniert und eine Menge Spaß gemacht. Vor allem hat es mich darin bestärkt, dass das zu mir passt und ich auch in Zukunft ganz unabhängig und auf eigene Kappe Seminare zu Genussthemen halten möchte; – am liebsten natürlich zur Schokolade!

Tja, und jetzt kommt’s.

Deshalb mache ich das auch, und zwar hier*:

Schokoplakat_A4_kl

Mein erstes reines Schokladenseminar. (Also eigentlich sogar mein erstes und mein zweites.)
– Ich freue mich so!

* Auf unermüdliche Initiative einer gewissen Frau S.J. aus M. hin, die das quasi schon gemeinsam mit meinem Liebsten M. und dem Café heimelie ausbaldowert hatte, bevor ich selbst noch richtig daran denken konnte. – 1.000 Dank!

ISM 2013

Es ist wieder soweit: Ein Jahr ist vergangen, die ISM (Internationale Süßwarenmesse) ruft.

Da es leidenschaftlichen, dem Thema „Süßwaren & Feines“ verfallenen Bloggerinnen leider immer noch nicht möglich gemacht wird, ganz normal via Kölnmesse-Online Eintrittskarten zu bestellen, gehen wir erneut den kleinen Umweg über zwei liebreizende Damen, die glücklicherweise ein schnuckeliges Ladencafé in M. betreiben und somit in der Macht stehen, uns Tickets zu besorgen. Frollein S. hat alles fein organisiert und ist mit dabei, Kamerist Mike ebenso und ich ja ohnehin. Es ist inzwischen meine sechste ISM, trotzdem bin ich immer noch kribbelig. Jedes Jahr freue ich mich wieder auf Buntes, Quietschsüßes, Originelles, Köstliches, Neues, Verrücktes und kann mich kaum satt sehen. Dieser Bericht ist natürlich -wie immer- total subjektiv und erhebt keinesfalls den Anspruch der Vollständigkeit über die aktuellen Marktentwicklungen oder sowas. Das überlasse ich gern den grauen Herren, die mit ernsten Gesichtern überall beieinander sitzen und verhandeln.

Wir beginnen also mit den Hallen 2, 3 und 11.

Als erstes genehmige ich mir mal einen lütten Mojito am Stiel:

Exotische Getränke am Stöckchen.

Ich komme jedoch nicht dazu, ihn auszupacken, denn bald umweht uns frischer Waffelduft. Dieser nette Herr ist wie jedes Jahr angereist, um die Passanten am Stand von De Banketgroep mit frisch gebackenen holländischen Stroopwafels zu beglücken:

Just-in-time-Bäckerei

Und wir stellen fest: Die Waffeln sind immer noch süß, mit Karamell gefüllt und selbstverständlich so lekker wie eh und je. Bestimmt deshalb ist das Tablett vor ihm auch schon wieder leer…

Was hier ein bisschen wie das Drehen einer Zigarette aussieht, ist der Versuch, den Karamellsirup in Zaum zu halten.

Ein paar Gänge weiter begegnen wir einer kleinen „Tiere-die-wo-sich-ganz-doll-erschreckt-haben-müssen“-Kollektion, vermuten aber, dass das ursprünglich nicht der Arbeitstitel gewesen sein wird. Vielleicht starren sie auch einfach bloß zurück.

Schreckhäschen, …

… Schreckhühnchen, …

… und entgeisterte Eulen.

Kurz darauf wird aber klar, worüber die Tierchen so außer sich sind. Gleich nebenan parkt nämlich eine Gruppe Kleinkinder, die alle Plastiktüten überm Kopf tragen.

Luftnot in rosa.

Ich frage mich lieber nicht, ob und welcher Lerneffekt hier womöglich angestrebt wird, ein bisschen unglücklich finde ich’s aber schon. – Schnell weiter in die nächste Halle!

Dort, in Halle 11 werden wir auf eine Spezialität aufmerksam, von der ich bisher noch nie gehört habe; – Elefanteneis:

Voll integriertes Elefanteneis.

Zum Glück sind aber gar keine Elefanten drin, nicht mal ganz kleine, und sie schmeckt auch nicht etwa danach, sondern mithilfe dieser Sorte wurde kürzlich ein Naturschutzprojekt zugunsten von Elefanten unterstützt. Übrigens schmeckt die Eiscreme wunderbar nach frischer Mango. Während wir auch noch die Sorten Schoko und Lakritz(!) probieren, erfahren wir, dass zum Süßen Birkensirup verwendet wird, was sich sowohl auf den Geschmack als auch auf den Zuckergehalt ausgesprochen positiv auswirkt. Gefällt uns sehr. Wer auch mal probieren mag: Angeblich soll dieser gute Stoff (Is fra Skarø) in Deutschland bisher zumindest in Flensburg zu bekommen sein.

Wir schlendern weiter, noch immer den intensiven Nachhall von Lakritz auf der Zunge, und bleiben bei einem Hersteller für Kuchenverzierungen hängen. Während ich die Häschenohren für Muffins noch ausgesprochen putzig finde…

Lauschige Muffins.

… bin ich bei solchem Helloweendekor wieder unschlüssig:

Killing the cake.

Ja, muss das denn…? Ich versteh’s nicht, aber das liegt wohl an mir. Dieser ganze amerikanische Budenzauber mit Hackebeilchen und Blutströmen bleibt mir einfach fremd. Wir machen ein kleines Päuschen, um nachzusinnen (und herzhafte Brötchen auszuwickeln). Danach haben wir uns erstmal Halle 10  + 5 vorgenommen, bevor wir in die schönste Halle, die 4, gehen.

In Halle 10 begrüßt uns diese kleine, charmante Präsentation:

Allein auf weiter Flur…

Ähnlich in der Form, jedoch von ganz anderer Konsistenz (wie eine vorsichtige Prüfung zweier Spezialistinnen ergibt), stellt sich übrigens dieses Mangohäppchen für Kurzsichtige dar:

(Was das Ausgelaufene angeht, – das waren wir nicht!)

In Halle 10 residieren einige große, bekannte Aussteller mit riesigen Ständen, wie z.B. Katjes. Hier sind die Pröbchen-Hostessen jedes Jahr anders kostümiert, ich habe sowohl bereits Lack- und Lederladys gesehen (2011), wie auch Fußballerinnen und puschelige Häschen (2012). In diesem Jahr wird nun Matrosenlook getragen:

„Ahoi! – Brausebonbon?“

Das macht offensichtlich nicht nur den Besuchern Spaß.

Ein paar Meter weiter hört der Spaß auch schon wieder auf und der Bollo möchte quer im Hals kleben bleiben, denn „Herr Super“ grüßt Vorbeigehende höchst inkorrekt (und meines Erachtens ist diese Armhaltung auch seit über 60 Jahren verboten):

Immerhin ohne Bärtchen: Herr Super hebt ab.

Da verziehen wir uns mal lieber in Halle 5, wo uns u.a. eine (scheinbar schon etwas ältere) Innovation erwartet: Das Bonbon für die gepflegte Frau:

„Ist das Zunge oder Blatt?“ – „Blatt… Glaub‘ ich.“

Frollein S. möchte wissen, ob man sich das vielleicht unter die Arme kleben soll. Ich bin mir nicht sicher und stecke mal eins ein, um es demnächst an unauffälliger Stelle zu testen. (Mein Vermutung geht momentan aber eher dahin, dass man beim Lutschen dieser Spezialität wie ein ganzes Bett voller künstlicher Rosen riecht, so dass eh‘ niemand Lust hat, näher zu kommen. Aber so ein Bonbon lutscht sich ja wenigstens immer noch unauffälliger als eine Dose Raumspray.) Ich finde, dass die Idee auch noch ausbaufähig ist. Wie wär’s z.B. mit einem „Neuwagen-Geruch“-Bonbon für Autofahrer? Hm?

Doch nun wird’s mal ernst und es geht in Halle 4!

Wir flanieren an Ständen französischer, belgischer, italienischer, spanischer Hersteller und Importeure entlang. Vieles ist aus den Vorjahren bekannt und immer noch schön anzusehen. Leider ist mein Lieblingsmaître Frédéric Blondeel in diesem Jahr nicht dabei, auch Coppeneur scheint übrigens aus der ISM ausgestiegen. Doppelschade!

Aber Viani, ein Importeur der feinsten Dinge (hauptsächlich aus Italien, aber beileibe nicht nur) ist wieder da. Der Stand ist groß, einladend und magnetisch. Also auch wie gehabt, aber ich habe im Vorfeld geforscht und weiß, dass es hier manches Neues geben soll.

Hell und einladend. Hier zöge ich ein. Wieder mal.

Als wir vor diesem Neuheitenregal stehenbleiben…

Linolschnitt und Tusche für die Bebilderung gehobener Lebensqualität.

… um die hübschen 50/60er-Jahre-ähnlichen Illustrationen auf den Verpackungen zu bestaunen, werde ich von Herrn Grams, einem der Teamleiter des Verkaufs, angesprochen. Er erläutert uns, dass es sich hierbei um Produkte der noch relativ neuen italienische Firma Sabadi handelt, die Bio-Nacional-Kakao aus Ecuador roh verarbeitet und den Tafeln dann durch Zugabe von Gewürzen, Früchten & Co passende Themen zuordnet, wie z.B. „Jugendlichkeit“, „Sex“, „Gesundheit“ usw. Die Serie läuft unter der Überschrift „La qualitá della vita“ – Lebensqualität. Roher (d.h. ungerösteter) Kakao ist ja seit einiger Zeit ein aufstrebendes Thema, denn er soll nicht nur ursprünglicher und würzig-herber im Geschmack sein, sondern auch gleich noch gesundheitsfördernd wirken. Ich meine ja sowieso immer, dass der schlichte Genuss der guten Dinge die Gesundheit erfreut (küchenpsychologisch erprobt und erwiesen!), bin natürlich sehr neugierig und kurz darauf hoch erfreut, als mir Herr Grams gleich mal zwei Proben überreicht, die ich hier natürlich demnächst noch gesondert besprechen werde.

Er lädt uns freundlicherweise außerdem spontan ein, doch gern nach 18 Uhr wieder zu kommen, wenn Cecilia Tessieri, die Gründerin und Maître Chocolatier von Amedei, ihre neue Sorte, die 70%ige „Blanco de Criollo“ vorstellt. – Spannend! Amedei macht wohl die besten italienischen Schokoladen und ist weltweit sicher unter den Top10. Die neue Sorte ist so speziell und edel, dass sie auf 20.000 Tafeln limitiert wurde, Viani verfügt über 1.500 davon. Die Kakaobohnen stammen aus Peru und sind im Innern weiß, was den Namen erklärt. Sicher wäre es hochinteressant, den Ausführungen Signora Tessieris zu lauschen, doch leiderleiderleider können wir dieser Einladung nicht folgen, da wir gegen Abend schon wieder zuhause sein müssen. Zu meinem Glück bekomme ich aber eine der kostbaren Tafeln mit auf den Weg! Sie trägt die Nummer 00.057 und wird demnächst gebührend behandelt, nämlich feierlich entwickelt, in Ruhe verkostet, genossen und dann hier besprochen.

Wir verabschieden uns und trudeln noch durch ein paar Gänge, bevor wir uns eingestehen, dass wir in vergangenen sechs Stunden tatsächlich alles Sehenswerte gesehen haben, und seufzend den Heimweg antreten…

(Fotos: M. Reusch. – Lieben Dank!)

Von Theobrominenhand gedreht: Mandel-Honig-Pralinchen.

Manchmal krieg‘ ich’s im ja Kopp, und dann muss ich sofort einen Kuchen backen, frisches Himbeereis zusammenrühren oder Pralinchen rollen.

Gestern stand ich z.B. einfach gerade so vor der Küchenspüle und -zack!- erwischte es mich wieder. Schon fünf Minuten später rührte ich in einem Topf mit leise aufkochender Sahne herum und röstete parallel nebendran Mandelblättchen.

Hier das Ergebnis:

Mandel_Honig_Pralinen
Feine Mandel-Honig-Pralinen zum Tee.

 

– Wie ich die gemacht habe? Ganz einfach:

2 EL (Lavendel-)Honig in

ca. 100-120 ml Sahne auflösen und vorsichtig aufwallen lassen. Dann vom Feuer nehmen.

1-2 walnussgroße Stücke Marzipanrohmasse darin auflösen (hier muss man leider etwas länger rühren… Schneebesen!),

anschließend in der noch warmen Flüssigkeit ca. 150g Schokolade (ich habe 60%ige Valrhona-Kuvertüre-Chips da gehabt, eine gute Vollmilch würde aber sicher auch toll passen) auflösen. Immer schön rühren!

Das Ganze habe ich nun für ein Weilchen in den Kühlschrank gestellt, damit es fest werden kann. In der Zwischenzeit 100g Mandelblättchen in der Pfanne (ohne Fett) zarthellbraun rösten. Anschließend in einem Mixer kleiner schreddern und die Brösel dann in eine Tasse oder ein Schälchen geben.

Wenn die Schokomasse fest genug ist, mit dem Teelöffel mundgerechte Portiönchen abstechen, diese zwischen den Handflächen fix zu Kugeln rollen (ich hatte Einweghandschuhe, das hilft), und diese dann jeweils in den Mandelbröseln wälzen. – Fertig!

Ich mag nämlich die Kombination von Honig und Mandeln in Schokolade richtig, richtig gern, aber außer in dreieckiger Form (die mir jedoch nicht so besonders zusagt) bekommt man sie selten.

Wenn aber Selbstversorgung sooo einfach ist…

„Kawaaaiiiii!!!“*

Heute gibt’s mal was zum Fiepen und Piepen…

Denn wer -wie ich- in der glücklichen Lage ist, eine sehrsehrsehr liebe, japanische Freundin zu haben, der kriegt von ihr manchmal die dollsten Sachen aus dem Urlaub mitgebracht:

O.k., die Pfingstrosen nicht. Die sind wiederum von Freundin Tina.
Aber alles andere hat eine weite Reise von Tokyo bis nach Hannover-Linden gemacht.
Im Uhrzeigersinn, oben beginnend:

  • Süßkartoffelstäbchen
  • Silikonförmchen, um hasen-, bärchen-, sternchen-, kätzchenförmige Pralinen bzw. Lollies zu gießen.
  • Morinaga’s Kaubonbons mit Azuki-Bohnen- und Milch-Karamell-Geschmack. Diese Bonbons sind in Japan sehr bekannt und weitverbreitet. Ich vermute, so ähnlich wie unsere Storck-Riesen hier in Deutschland.
  • Erdbeerhütchen.
  • Fruchtjelly, das wie Sushi aussieht, man muss die Einzelteile selbst übereinanderschichten.
  • Darunter bunte Sticker mit witzigen Häschen, Blümchen und anderen Figuren.
  • Klappförmchen (Hase und Bär). – Dazu komme ich gleich…
  • Maskingtape mit Häschen, Cupcakes, Donuts…
  • Bunte Piekserchen, die an der Oberseite niedliche Gesichtchen haben.
  • Kleine Lunchbox mit Hase und der Aufschrift „Chocoholic“.
  • (Nicht mehr auf dem Bild: Erdnussbaisers und zarte Karamellkrispelwaffeln, ein bisschen ähnlich den geliebten „Crêpes Dentelle“, und doch wieder ganz anders, japanisch eben. Sie sind bereits selig verknuspert worden.)

Beim Auspacken dieses ganzen verrückten Zeugs jubelte ich ununterbrochen vor mich hin und kriegte rote Bäckchen, währen Mayumi sich still amüsierte und ihren Tee trank. Nun sollte wohl auch den Besuchern dieser Seite klar geworden sein, dass ich nicht nur schwer kakaoabhängig bin, sondern auch eine mittlerweile ausgereifte Hasenmacke habe und dazu gelegentlich eine ausgeprägte Affinität zu unnützem, aber sind-wir-doch-mal-ehrlich, superniedlichem Kitschkram. Der Ausruf *“Kawaii! bedeutet übrigens auch nichts andres als: „Oh, sooo niedlich!“.

Ich weiß nicht, ob es hinkriege, zu den Süßigkeiten mal einen eigenen Eintrag zu machen, ich will mal lieber nichts versprechen. Doch jetzt, wie versprochen, zu den Klappförmchen:

Etwas Ähnliches hatte ich mal als Kind aus einem YPS-Heft, nur dass es damals eine Würfelform hatte. Es handelt sich um Eierformer! In Japan ist es nämlich Sitte, den Kindern in den Kindergarten oder zur Schule liebevoll gefüllte, oft sehr phantasievoll ausgarnierte Lunchboxen mitzugeben. Es gibt sogar Hochglanzzeitschriften, die sich fast ausschließlich mit Garniturvorschlägen befassen! Warum überrascht uns das nicht? So lernen Kinder schon sehr früh, dass Essen etwas Schönes ist, das gute Laune macht und man mit der Mühe und Sorgfalt der Zubereitung auch seinen Respekt, seine  Zuneigung oder gar Liebe ausdrücken kann. Eier zu formen ist natürlich eher die putzige Variante, aber wer die gute japanische Küche kennt, weiß, wie sorgfältig dort mit Zutaten und Zubereitung verfahren wird, und dass nahezu alles eine Bedeutung hat, einen tieferen Sinn.

Wie funktioniert nun aber dieser Eiergag?

Also, man kocht ein Hühnerei hart, pellt es, solange es noch heiß ist, drückt es sanft ins Förmchen, verschließt das Ganze und wartet, bis es abgekühlt ist.
Das Ergebnis sieht dann so aus:

Mal ehrlich: Wer da nicht prompt gute Laune in der Mittagspause bekommt, dem ist wohl auch sonst kaum zu helfen, oder?

Dōmo, dōmo arigatō, liebe Mayumi!

Küchensofagedanken – Teil 3 – Vom möglicherweisen Mögen.

Seit Jahren versuche ich mich ein bisschen mit Lakritze anzufreunden, und es klappt zuweilen auch ganz gut. Der Geschmack von Süßholz & Salmiak wird es zwar nie auf die oberen Plätze meiner Geschmackshitliste schaffen, (schon allein, weil man hinterher erstmal eine Weile nix anderes mehr schmeckt), aber ich erkenne schon deutliche Unterschiede und stelle erste Neigungen fest. Mit schwelgerischer Liebe wird es bei uns Beiden wohl nie was, aber Freund- schaft könnte es schon werden, wenn wir uns ein bisschen bemühen. Allerdings bin ich ja nun vor langer Zeit eine feste Beziehung mit gefühlvoll conchierten Kakaoprodukten eingegangen und immer noch sehr verliebt.

Etwas, das man vorher immer abgelehnt hat, plötzlich allein durch Vorsatz zu mögen, ist schon interessant und mir auch schon öfter passiert. Der persönliche Geschmack ändert sich ja schließlich auch mit den Jahren. Wenn ich überlege, was ich als Kind alles nicht mochte… Spargel zum Beispiel. Paprika. Tomaten. Pilze.

Naja, Pilze mag ich noch immer nicht. Mir reicht die Konsistenz schon. Geh mir weck. Aber Paprika und Tomaten esse ich heutzutage, ohne mit der Wimper zu zucken. Spargel hingegen liebe ich inzwischen geradezu und fiebere momentan dem Wochenende entgegen, wenn’s bei uns den diesjährigen ersten gibt. – Immer her damit! Vielleicht sollte man sowieso alles, von dem man glaubt, es nicht zu mögen, alle paar Jahre mal neu probieren. Nachher mag man’s doch! Eventuell war es beim ersten Probieren auch nur lieblos oder schlecht zubereitet. Damit kann man schließlich noch jedes Lebensmittel versauen.

Oder man macht es so wie diese Restauranttester, die ans Schmecken ganz analytisch drangehen. Sie müssen ja gelegentlich Sachen probieren und bewerten, die sie persönlich eigentlich nicht mögen und trainieren sich dafür das Unvoreingenommene richtig an. (Es müssen ja nicht gleich frittierte Würmer oder karamellisierte Insekten sein. Da z.B. wäre meine Grenze auch längst erreicht.) Zunächst Fremdartiges kann sich jedoch durchaus zum Knüller entwickeln.

Ich probiere z.B. manchmal Merkwürdigkeiten der japanischen Küche, die meine Freundin M. mit aus der Heimat rübergeschickten Originalzutaten zubereitet. Sogar Nattō habe ich mal getestet. Das ist schon mächtig ungewohnt und hat es auch nicht in die Top 10 geschafft. Aber sehrsehr salzig eingelegte japanische Pflaumen –Umeboshi heißen die- die schmecken mir sehr gut. Von köstlichen, salzigen Knabbermischungen, die kleine getrocknete Fischlein enthalten, fange ich jetzt lieber gar nicht erst an. Ich mag sie ganz gern zum Bier, stehe damit aber relativ alleine da. Entdeckt habe ich diese Dinge nur, weil ich es inzwischen meistens hinkriege, meine Erwartungs- haltung und mein Misstrauen abzulegen und erstmal loszuschmecken.

Ich glaube, bei Lakritze war ich wohl auch deshalb etwas voreingenommen, weil ich beobachtet zu haben glaube, dass viele Menschen, die Lakritze heiß und innig lieben… na, wie sag‘ ich das jetzt… hm… allgemein und ansonsten eher nicht so anspruchsvoll sind in Essensdingen und den dazuge- hörigen Geschmacksfragen. Sie sind froh und zufrieden, wenn das Essen schmackhaft ist, reichlich und heiß. Gedrechselt Verfeinertes macht ihnen wenig Spaß, der ganze Aufwand ist ihnen völlig schleierhaft und auch zuviel. Sie fahren auch nicht unbedingt durch die halbe Stadt, weil es da diesen leckeren Balsamico gibt. Oder diese vorzüglichen, sahnigen Trüffelpralinchen.

Hoffentlich fühlt sich von dieser etwas gewagten These nun niemand abgefrühstückt; das würde mich durchaus betrüben. Ausnahmen bestätigen da sowieso mal wieder die Regel, dürfen sich hier gern empören, und auch der Umkehrschluss funktioniert übrigens nicht.

Mir wäre es übrigens manchmal lieber, wenn mir der Essgenuss nicht so wichtig wäre, denn dann bräuchte ich mich nie zu grämen, wenn das Geld gerade wieder nicht für die Feinkostbude reichen will. Wo ich doch so gerne Entdeckungen mache! Auch beim Einkaufen im Urlaub gucke ich stundenlang in den Geschäften, was es dort an Leckerem oder Speziellem gibt. Ein toller, neuer Geschmack interessiert mich mehr, als beispielsweise schicke Schuhe es jemals könnten…

Dass auch simples Wasser je nach Quelle und Region unterschiedlich schmeckt, ist sicher jedem schon aufgefallen, mir natürlich auch. Allerdings niemals, auch nicht mit dickstem Konto, würde ich mir ein Wasser kaufen, dessen 0,7l-Flasche mit Glitzerkristallen beklebt ist. Das verschwurbelt, gefiltert und mit Sauerstoff beschossen wird, und dann tatsächlich 75,- Euro kostet. ‚Tschuldigung, da bin ich voreingenommen. Das kann noch so sensationell schmecken, aber von dem Geld kann man in einem Dürregebiet wahrscheinlich ’nen ganzen Brunnen bohren. Ich glaube übrigens nicht, dass so ein Wasser jemals allein im Kämmerchen getrunken wird, sondern vermutlich nur vor Publikum. Es wundert mich noch etwas, dass es das nicht in einer 0,2l-Miniflasche gibt, aus der man dann auf Parties mit Silberstrohhälmchen trinkt. Oder noch kleinere, die man dann gleich als Ohrringe tragen kann. Das passt doch auch viel besser zu den Klamotten als eine Dreiviertel- literpulle, hätte aber mit gutem Geschmack immer noch wenig zu tun.

Zum Glück müssen weder mein Essen noch meine Getränke zu meinem „Outfit“ oder dieser Küchen-„Lokäischn“ passen. Denn dann gäb’s hier womöglich nur noch Barfußkürbis und gestreifte Radieschen. Und letztere mag ich ja nun überhaupt nicht. – Obwohl, im Salat…

Nougats de Provence von Yves-Robert Tolleron

Am 6. März bekam ich sehr nette Post von Karsten Ebert, den ich kurz auf der ISM kennengelernt hatte, als wir an seinem Stand (Der süße Regenbogen) klebenblieben, weil es dort ulkiges isländisches Lakritz gab; – das sieht man nun wirklich nicht überall. Einer kleinen schwungvollen Unterhaltung über Island folgte das neugierige Eintüten von ebenjenen Lakritzpröbchen (dazu aber ein andermal, versprochen), sowie der Austausch von Visitenkarten. Und genau diese meine hatte er nun wiederentdeckt und schrieb mir, er würde mir gern mal seine Nougats de Provence vorstellen bzw. probehalber zukommen lassen, um mal zu gucken, wie ich die denn so fände.

Da die Mail erstens freundlich und lustig war und ich zweitens französischen Nougat liebe, freute ich mich und bekam schon zwei Tage später ein Päckchen ins Haus. Seither habe ich die Proben umschlichen und begehrlich betastet, kam aber zu nix. – Bis heute!

Zunächst muss aber mal ein bisschen erklärt werden, was französischer Nougat denn überhaupt ist. Hier in Deutschland wird unter Nougat ja eine braune Haselnusspaste mit Kakaoanteil verstanden. Durchaus lecker. In Frankreich jedoch bezeichnet man so eine mittelweiche, helle Masse aus Zucker, Honig und Eiweiß, in die geröstete Nüsse -hauptsächlich Mandeln- gebettet sind. In Spanien und Italien gibt es etwas Ähnliches, dort heißt es Turron/Turrone und ist oft sehr fest bis splitterig. Auch der türkische Honig ist ähnlich in der Machart.

Mir ist der französische Nougat schon von der Konsistenz her am liebsten, denn die ist zartschmelzend und zergeht wunderbar im Mund. Ihm werden alle möglichen Beigaben zugedacht wie eben Mandeln, Pistazien, Haselnüsse, jede Menge getrockneter oder kandierter Früchte, Gewürze und Kräuter wie Zimt, Minze oder Rosmarin… Die Sortenvielfalt ist immens, wer da nichts für sich findet, hat nicht richtig geguckt.

Am Wichtigsten aber ist: Richtig guter Nougat wird mit provencalischem Lavendelhonig gemacht, und den sollte man auch schmecken. Jede Zutat für sich sollte erlesen sein, damit sie sich im Ergebnis ebenbürtig sind. Alle miteinander werden schonend in traditionellen Verfahren verarbeitet, oft von Hand. Darum ist dieser Nougat kostbar, und das sieht man auch am Preis, natürlich.

Ich bekam nun also netterweise zugeschickt folgende drei Sorten: Schokolade/Minze, Kaffee/Schokolade, dunkle/weiße Schokolade . Einzeln als handschnittene Scheibe in gutes Wachspapier gewickelt (das ideal zur Aufbewahrung ist), dann mit einer hübschen Banderole versehen, die ein bisschen Auskunft gibt über den Nougatier, die Tradition und Herkunft der feinen Süßigkeit und seiner Zutaten. (In diesem Fall besonders angenehm: Nahezu alle Zutaten sind BIO und fair gehandelt.) Das Ganze steckt noch mal in einem Cellophantütchen, das handbeschriftet die Sorte verrät.

Alle Sorten bestehen grundsätzlich aus der Nougatmasse und den gerösteten Mandeln. Als erstes koste ich die Sorte mit Minze. Sie ist sehr zart, hat Schokostücke eingearbeitet und duftet deutlich nach der zarten Feldminze. Da ich keine Kräuterchen entdecken kann, vermute ich, dass hier ein gutes Minzöl Verwendung gefunden hat. Und zwar genau in der richtigen Menge, denn man schmeckt den Honig, die Mandeln, die richtig gute, vollmundige Schokolade (wenn man gerade ein Bröckchen davon erwischt hat), und die Minze begleitet sie alle. – Schön!

Dann folgt Kaffee-Schokolade. Ich bin keine große Kaffeefreundin und trinke nur selten selber welchen. Doch ich liebe den Duft, der sich ausbreitet, wenn ich für lieben Besuch eine Kanne aufsetze. Dieser Duft kommt mir auch hier entgegen, als ich das Wachspapier auffalte. Auch hier sind wieder dicke Schokostücke im hellen Nougat zu sehen, sowie das eingearbeitete Kaffeepulver. Ich probiere, und kann prompt sagen: Auch das ist wieder fein. Die Bitterstoffe und leichten Säuren des Kaffees gleichen die Süße des Honigs ein bisschen aus, wodurch diese Sorte ein wenig „herzhafter“ ist. Mir fallen sofort ein paar Leutchen aus dem Freundeskreis ein, denen das riesig gefallen dürfte und merke mir das mal zu Geschenkzwecken vor. Diese Stück aber nasche ich selbst zuende!

Zuletzt geht es an die weiße/dunkle Schokolade.  Dieser Nougat ist dunkler, offenbar hat man dort bereits in die weiche Teigmasse Schokolade eingearbeitet und dann noch zusätzlich helle und dunkle, sehr aromatische Bruchstücke bester Schokolade zugegeben. Die Kakaoaromen sind deutlich spürbar. Ebenfalls eine tolle Sorte. Schlichtweg.

Alle drei sind wunderbar, mit hohem Suchtpotenzial, und von Monsieur Tolleron mit Liebe und Erfahrung gemacht, das vermittelt sich. Sie sind ausgewogen, duften herrlich und schmecken deutlich erkennbar nach ihren guten Zutaten. Am besten hat mir jedoch die Minzsorte gefallen, zumindest von den Dreien, die ich nun kenne. Und wie ich mich kenne, bleibt es nicht bei diesen Dreien, denn die weitere Auswahl ist spannend, und sobald ich hier wieder etwas Luft habe und meine Vorräte (hier stapelt sich noch Einiges!) wieder überschaubar werden, werde ich mir mal auf eigene Faust ein paar Sorten mit Früchten und Kräutern ordern. Und ich bin jetzt schon sicher, dass ich die genauso himmlisch finden werde. Wer nun neugierig geworden ist, wer sich jetzt die Lippen leckt, wessen Hand sich suchend um die Maus krallt, der kann hier ja mal selbst stöbern gehen…

Edit: Leider sind beim“ Süssen Regenbogen“ inzwischen keine Nougats von Monsieur Tolleron mehr im Sortiment, was ich furchtbar schade finde! Und bisher habe ich auch noch keinen anderen Online-Shop gefunden, der sie führt. Tipps sind also hochwillkommen!

Zutaten:
Nougat Schokolade/Minze: Rohrohrzucker aus biologischem Anbau und fairem Handel, 100% naturreiner Lavendelhonig, Mandeln, Eiweiß, Butterkaramell, Glukosesirup, Puderzucker, Meersalz aus Isigny.

Nougat Kaffee/Schokolade: Rohrohrzucker aus biologischem Anbau und fairem Handel, 100% naturreiner Lavendelhonig, Guayaquil-Schokolade 64%, Mandeln, Eiweiß, Glukosesirup, Kakaopulver, Kaffeepulver, Pistazien, Puderzucker.

Nougat dunkle/weiße Schokolade: Rohrohrzucker aus biologischem Anbau und fairem Handel, 100% naturreiner Lavendelhonig, Mandeln, Eiweiß, Butterkaramell, Glukosesirup, Puderzucker und … (hier endet leider die Angabe auf der Webseite. Ich vermute, da fehlen noch die beiden Schokoladensorten.)