Ein italienischer Schokoladensonntag: Amedei – „Blanco de Criollo“ und Sabadi – „Darino“ & „Giovinezza“

Wie hier letzte Woche angekündigt, will ich mich heute endlich mal den Schokoladen widmen, die man mir vor zwei Wochen freundlicherweise am einladenden ISM-Stand des Feinkostimporteurs Viani mitgegeben hat. In den letzten Tagen habe ich sie schon mehrfach begehrlich umschlichen, doch heute finde ich erst die Zeit.

Bei der ersten Köstlichkeit handelt sich’s um die 70%ige Blanco de Criollo von Amedei. Ich hatte schon erwähnt, dass der Name „Blanco“ daher stammt, dass die Kakaobohnen im Innern weiß sind (statt dunkel, wie sonst). Ebenso, dass diese neue Sorte in limitierter Auflage von nur 20.000 Tafeln produziert wurde (meine Tafel trägt die Nummer 00.057). Der edle Criollo-Kakao stammt hier aus Peru, die Erträge sind naturgemäß gering. (Nur mal so nebenbei: Lediglich schätzungsweise 5% des weltweit angebauten Kakaos ist überhaupt Edelkakao, den Rest bildet der sog. Konsumkakao (meistens „Forastero“), den wir hauptsächlich zu bunt eingewickelten Tafeln, Riegeln und Figürchen verarbeitet in den Supermärkten finden.)

Die toskanische Firma Amedei wird von den Geschwistern Cecilia und Alessio Tessieri geführt, und Signora Cecilia scheint unermüdlich in der Welt unterwegs zu sein, um neue Geschmacksentdeckungen zu machen, ihre Ideen dazu umzusetzen und sie anschließend denen zu präsentieren, die der Kakaobohne schlichtweg verfallen sind… – So wie ich.

Was -wie immer- als erstes ins Auge fällt, ist natürlich die schöne Verpackung, auf der das quadratische, goldumrahmte Amedei-Logo prangt. Ein hübsches Etui aus strukturiertem, festem Papier umgibt die 50g-Tafel. Klappt man es auf, finden sich im Innern ein paar Infos auf italienisch und englisch, sowie natürlich die luftdicht verpackte Tafel.

Amedei_Blanco_di_cacao

Los geht’s also:

Gleich beim Öffnen der Umhüllung steigt ein warmer, sehr kakaoiger Duft auf. Fruchtig auch, und etwas nussig, wie ich finde. Die Tafel glänzt schön und hat einen glatten, angenehmen Bruch. Der Geschmack ist tatsächlich -genau wie angegeben- wildpilzig, waldig, fast ungewöhnlich herzhaft, dazu pflaumenfruchtig, mit angenehmer Säure. Das Mundgefühl ist sehr seidig mit wunderbarem Schmelz, der sich bereitwillig auf die Zunge legt. – Mir bleibt nur übrig, zu seufzen: Gefällt mir sehr!

Diese Sorte werde ich mir bei Verfügbarkeit vermutlich noch ab und zu leisten (Erste Forschungen haben ergeben, dass der Preis pro 50g-Tafel bei ca. 11-12 Euro liegt. Da knirscht’s vernehmbar im Portemonnaie. Muss man eben kurz weghören…)

Fazit: Höchste Qualität. Wie schön, dass es sowas gibt!

Zutaten:  Kakaomasse, Rohrzucker, Kakaobutter, Vanille.

 

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Nun zu den beiden Sabadi-Schokoladen!

Als da sind: Die Darino mit Mandarine, sowie die Giovinezza mit Acaibeere, Wildrosen-(Hagebutten-)samen, roter Orange, Traubenkern- und Grünem-Tee-Extrakt. Ich bin ordentlich gespannt! Bei der Amedei war ich das auch, hatte aber eine ungefähre Ahnung, was mich erwarten könnte. Die Sabadi-Schokoladen hingegen zählen zu den Rohschokoladen, was bedeutet, die Kakaobohnen sind zwar fermentiert, aber nicht geröstet. Der Grundgedanke stammt sicherlich aus der Rohkostbewegung, die ja darauf abzielt, möglichst viele Inhaltsstoffe ursprünglich zu erhalten. Auch bei der Weiterverarbeitung wird darauf geachtet, dass die Bohnen beim Mahlen und Walzen nicht zu warm werden. Durch das Rösten verliert der Kakao normalerweise einiges von seiner Säure, deshalb erwarte ich kräftige Aromen (… und ich werde sie bekommen, aber erstmal bekommt Ihr ein Bildchen).

Sabadi_Mandarino_e_Giovinez

 Auch diese Tafeln sind wunderschön in feste Papier“umschläge“ verpackt, deren gut gelaunte Illustrationsmotive mich sehr ansprechen. Ein Blick auf die Rückseiten verrät zudem, dass Sabadi nicht nur biologisch angebaute, sondern auch fair gehandelte Zutaten verwendet und außerdem der Slow-Food-Schutzorganisation angehört. Ihre Schokoladen basieren auf Nacional-Kakao aus Equador. Diese Sorte ist ein bisschen speziell, da man noch immer nicht genau weiß, ob sie nun botanisch dem edlen Criollo oder doch eher dem robusten Forastero zuzuordnen ist. Geschmacklich steht er aber wegen seiner feinen Aromen schon auf der Edelkakaoseite.

Die erste Tafel, die „Darino“ mit 50% Kakaoanteil gehört zu den wohl typischen Modica-Schokoladen und ist mit Zeste (Schale) von reifen Ciaculli-Mandarinen aromatisiert. Der Geruch beim Öffnen ist erstmal deutlich pfeffrig-dunkel, fast ein kleines bisschen muffig, dabei aber orangig-zitrusschalig-ätherisch-bitter. Sie hat wenig Glanz (ein bisschen, auch wenn’s komisch klingt: speckig) und einen rauen, bröseligen Bruch, – aber das soll ja so…

Die Konsistenz im Mund ist dann wirklich ungewöhnlich: körnig-sandig, fein zerfallend. Ich stelle prompt fest, dass ich das richtig toll finde! Die Zuckerkristalle sind spürbar und sorgen für Knusper, die Kakaoaromen kommen deutlich würzig, und dann erwischt einen plötzlich die Mandarine mit ihren Schalenstückchen, samt ihrer Bitterstoffe, und hallt ein ganzes Weilchen nach.

Fazit: – Lecker und rund! Würde ich aber gern auch mal ohne Mandarine probieren. (Vielleicht besorge ich mir mal die Sorte „Lo Scuro“ mit Muscovadezucker, der hat nämlich üblicherweise was malzig-karamelliges, das ich mir auch sehr schön dazu denken kann.)

Zutaten:  Bitterkakaomasse, Brauner Rohrzucker, Schale von Ciaculli-Mandarinen. Alles BIO und Fairtrade.

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Die zweite Tafel entstammt der Reihe „La Qualita‘ della vita“ – „Lebensqualität“, trägt den Namen „Giovinezza“ – „Jugendlichkeit“ und soll diese wohl mithilfe der beigefügten Zutaten erhalten oder verlängern. Oder gar zurückbringen? Na, mal sehen… Der Geruch ist erstmal leicht fruchtig und sogar etwas harzig (meine ich), dunkel, erdig-warm und leicht pfeffrig. Aber ich muss auch an Getreideflocken denken. Der Bruch ist hier etwas glatter, aber immer noch rau. Die Konsistenz ist auch nicht ganz so krümelig wie bei der Mandarinenschokolade.

Im Geschmack ist sie sofort stark, obwohl der Kakaoanteil „nur“ 62% beträgt. Da zeigt sich offenbar das Rohe: Zunächst adstringierend-herb (so ähnlich, als wenn man überraschend auf Traubenkerne beißt), dazu säurig-duftig, ein bisschen tabakig. Kräftige Aromen, dazwischen lugt aber auch Zartes hervor, denn ich meine auch noch, eine Zitrusnote und etwas Florales wahrzunehmen. Fällt mir ein bisschen schwer, die Komplexität zu beschreiben, das gebe ich zu. Acaibeere ist ohnehin nicht jedermanns Sache, denn der Geschmack ist etwas eigen, aber sie soll ja irre gesund sein und ist hier schön eingebunden. Das hatte ich auch schon anders.

Besonders gut gefällt mir aber, wenn an einer Stelle auf der Zunge ein Zuckerkristall langsam „schmilzt“, während drumherum die säuerlichen und bitteren Aromen toben… Und, dass sich die Schokolade im Mund tatsächlich richtig auflöst (lediglich die Pflanzensamen und winzige Fruchtstückchen bleiben zurück). Ich hatte eher die Vorstellung, dass man womöglich so eine Art Kakaobohnen“sand“ zurückbehält, aber das ist nicht der Fall.

Fazit: Eine ungewöhnliche Schokolade für Liebhaber kräftigster Noten. Ich weiß nicht, ob ich mir diese Sorte selbst kaufen würde, auch wenn ich das Probieren natürlich spannend fand. Ohne Zweifel jedoch sind beide Tafeln liebevoll gemachte Produkte von hoher Qualität, die sich mal interessant von Normalschokoladen abheben. – Sabadi werd‘ ich jedenfalls unbedingt mal im Auge behalten…

Zutaten: Bitterkakaomasse, Rohrzucker, Acaibeere (2%), Hagebutten-(Wildrosen-)samen (2%), rote Orange (0,8%), natürliche Aromastoffe: Traubenkernextrakt (0,3%), Extrakt aus Grünem Tee (0,1%).

6 thoughts on “Ein italienischer Schokoladensonntag: Amedei – „Blanco de Criollo“ und Sabadi – „Darino“ & „Giovinezza“

  1. Durchweg schöne und vor allem aussagekräftige Besprechungen der Schokoladen. Auch wenn bei mir noch Kostproben ausstehen, gefällt mir besonders, dass im Gegensatz zu anderen Herstellern (industrieller Schokolade) keine Diskrepanz zwischen edler Verpackung und schnödem Inhalt besteht. Besonders die Gestaltung der Sabadi-Schokoladen hat mich begeistert. Schöne, leichtfüßige Illustrationen im Stil der 50er / 60er Jahre, schöne Typografie und dann auch noch gute Zutaten. Alles sehr vielversprechend.

    • Danke.
      Und ja, das ist auch so ein Aspekt: Dass sich sonst in so vielen vielen aufwändig gestalteten Verpackungen nur öd Flaches verbirgt, besonders gern im Supermarkt. Da wird mehr Geld für’s Marketing rausgehauen als für die Zutaten. Schreibt man eben „Edel“ oder „erlesen“ drauf…! Das macht mich auch immer wieder mutlos, weil’s leider funktioniert.

      In diesem Fall aber passen Erscheinungsbild und Inhalt mal richtig schön zusammen. – Wirst Du auch merken, wenn ich am Wochenende die angeknabberten Reste mitbringe. 😉

  2. Also, hier meine 1. Schokoladenrezension (sagt man so?): Durch die Großzügigkeit von Theobromina (und/oder die Überredungskunst von Mike?) wurden mir heute morgen 2 Stückchen Amedei überreicht. Sorgfältig nach Hause getragen, habe ich mich in meinen Lieblingssessel gefläzt mit in einem Glas Mineralwasser ohne Kohlensäure zur Geschmacksneutralisation und das Päckchen sorgfältig ausgepackt. Erst mal unter die Nase gehalten und … Überraschung! Sie riecht richtig lecker schokoladig, voll „fruchtig“ (?) nach Kakao. Anders als meine Ritter Sport – besser! Viel besser! Also auf die Zunge damit: Mmmmh, der Geschmack hält, was die Nase versprochen hat. Lecker nach Schokolade, nicht nach Zucker, nicht zu süß, nicht zu herb, einfach nur pure, leckere Schokolade. Zergeht sehr fein auf der Zunge … Pilze und Pflaumen schmecke ich zwar nicht, stört mich aber nicht, ich will ja schließlich Schokolade. Noch ein Stück hinterher und der Wunsch nach einer ganzen Tafel steigt in mir auf. Wirklich lecker! Aber würde ich dafür 30x so viel Geld ausgeben, wie für eine Ritter Sport? Hmmm, ich bin unschlüssig. Aber eins ist schon mal klar: Weitere Tests von Edelschokoladen werden folgen!

    • Lieber Jürgen,

      da bist Du jetzt natürlich auch gleich mal von der Straßenbahn aufs Maseratifahren umgestiegen… 😉 Sowas wie diese Amedei habe auch ich nicht täglich auf dem Tisch, freut mich sehr, dass Dir die Kostprobe behagt hat! Dein Kommentar hat mir ein glückliches Grinsen auf mein Morgengesicht gemalt.

      Um sich im Thema mal vor zu tasten, muss es ja nicht sofort die Königsklasse sein. Gut zum Ranpirschen wäre vielleicht erstmal z.B. die „Maracaibo“ von Hachez, die gibt’s schon in gut sortierten Supermärkten. (Die mag Mike übrigens auch ganz gern.) Genauso die Schokoladen von Rausch. Da merkt man schon deutliche Unterschiede zu Ritter & Co. Nett ist auch, wenn man einfach mal mehrere Sorten parallel anknabbert und die Unterschiede deutlich wahrnimmt. Manche sind säuerlich-fruchtiger, andere erdiger oder blumiger.

      Und wenn Du mal an einem Schokofachgeschäft vorbei kommst: Alles von Valrhona ist uneingeschränkt zu empfehlen. Oder Bonnat. Oder…

      Ich vergleiche das Schokoladegenießen übrigens gern mit Kaffeetrinken (da gibt’s billige Plörre aus „Robusta“bohnen oder feinen Espresso aus „Arabica“) oder Wein (eine 2,99-Pulle vom Rewe macht auch schön duselig, aber ein gut gemachter Winzerwein hat eben ’ne ganz andere Tiefe). Wichtig ist immer die Zutatenliste, die muss möglichst kurz sein. Vanillin (anstelle echter Vanille) und andere Aromen sind „Bäh!“. da steckt keine Liebe drin.

      Hoffe, Dich jetzt ein bisschen infiziert zu haben und schicke die kakaohaltigsten Grüße!
      Theo

      • Liebe Theobromina,
        perfekt! Genauso habe ich es mir gewünscht: Ein paar nette Tipps womit ich anfangen könnte bei meiner zukünftigen Schokoladenrundreise. Eigentlich ist es so wie bei jedem Lebensmittel, egal ob Gemüse, Kaffee, Tee, Fleisch … Man muss Alternativen zu den normalen Supermarktprodukten suchen. Es gibt sie. Sie sind teurer, aber es lohnt sich in jeder Hinsicht: geschmacklich und gesundheitlich. Und wenn die Sachen teurer sind, geht man auch sorgfältiger damit um und schmeißt nicht so viel weg. Auch wieder gut! (Ich habe übrigens mal 2 Jahre neben Ritter Sport in Waldenbuch gewohnt. Wenn man morgens zur Arbeit aus dem Haus geht, wird man mit Schokoladengeruch auf der Straße begrüßt. Das wäre wahrscheinlich die richtige Wohnung für Dich gewesen. Leider haben die aber meines Wissens keine Premium-Schokoladen.)

        Jürgen

        • Lieber Jürgen,

          Schokoduft am Morgen wäre ziemlich genau das Richtige für mich. (Bisher habe ich den immer erzeugt, indem ich auf dem Nachttischchen einzwei angeknabberte Köstlichkeiten liegen habe. ) 😉

          Und es ist genau wie Du sagst: Wer sich selbst was wert ist, der kauft nicht nur über den Preis ein, sondern informiert sich ein bisschen über die Herstellung und die Inhalte eines Produkts. – Und greift dann mit einem gewissen Bewusstsein ins Regal. Und wer mal damit anfängt, kann auch meistens nicht mehr aufhören…

          Ich freu‘ mich, Dich im Bezug auf Schokolade ein bisschen angesteckt zu haben! Es ist auch da wie bei allen guten Dingen: Man tastet sich vor und merkt bald, was einem schmeckt und wo man es findet. Schokolade kaufe ich inzwischen auch viel über’s Internet, da gibt’s ’ne irre Auswahl!

          Viel Spaß dann mal weiterhin beim genussvollen Schokoladieren!
          Theo

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