Küchensofagedanken – Teil 3 – Vom möglicherweisen Mögen.

Seit Jahren versuche ich mich ein bisschen mit Lakritze anzufreunden, und es klappt zuweilen auch ganz gut. Der Geschmack von Süßholz & Salmiak wird es zwar nie auf die oberen Plätze meiner Geschmackshitliste schaffen, (schon allein, weil man hinterher erstmal eine Weile nix anderes mehr schmeckt), aber ich erkenne schon deutliche Unterschiede und stelle erste Neigungen fest. Mit schwelgerischer Liebe wird es bei uns Beiden wohl nie was, aber Freund- schaft könnte es schon werden, wenn wir uns ein bisschen bemühen. Allerdings bin ich ja nun vor langer Zeit eine feste Beziehung mit gefühlvoll conchierten Kakaoprodukten eingegangen und immer noch sehr verliebt.

Etwas, das man vorher immer abgelehnt hat, plötzlich allein durch Vorsatz zu mögen, ist schon interessant und mir auch schon öfter passiert. Der persönliche Geschmack ändert sich ja schließlich auch mit den Jahren. Wenn ich überlege, was ich als Kind alles nicht mochte… Spargel zum Beispiel. Paprika. Tomaten. Pilze.

Naja, Pilze mag ich noch immer nicht. Mir reicht die Konsistenz schon. Geh mir weck. Aber Paprika und Tomaten esse ich heutzutage, ohne mit der Wimper zu zucken. Spargel hingegen liebe ich inzwischen geradezu und fiebere momentan dem Wochenende entgegen, wenn’s bei uns den diesjährigen ersten gibt. – Immer her damit! Vielleicht sollte man sowieso alles, von dem man glaubt, es nicht zu mögen, alle paar Jahre mal neu probieren. Nachher mag man’s doch! Eventuell war es beim ersten Probieren auch nur lieblos oder schlecht zubereitet. Damit kann man schließlich noch jedes Lebensmittel versauen.

Oder man macht es so wie diese Restauranttester, die ans Schmecken ganz analytisch drangehen. Sie müssen ja gelegentlich Sachen probieren und bewerten, die sie persönlich eigentlich nicht mögen und trainieren sich dafür das Unvoreingenommene richtig an. (Es müssen ja nicht gleich frittierte Würmer oder karamellisierte Insekten sein. Da z.B. wäre meine Grenze auch längst erreicht.) Zunächst Fremdartiges kann sich jedoch durchaus zum Knüller entwickeln.

Ich probiere z.B. manchmal Merkwürdigkeiten der japanischen Küche, die meine Freundin M. mit aus der Heimat rübergeschickten Originalzutaten zubereitet. Sogar Nattō habe ich mal getestet. Das ist schon mächtig ungewohnt und hat es auch nicht in die Top 10 geschafft. Aber sehrsehr salzig eingelegte japanische Pflaumen –Umeboshi heißen die- die schmecken mir sehr gut. Von köstlichen, salzigen Knabbermischungen, die kleine getrocknete Fischlein enthalten, fange ich jetzt lieber gar nicht erst an. Ich mag sie ganz gern zum Bier, stehe damit aber relativ alleine da. Entdeckt habe ich diese Dinge nur, weil ich es inzwischen meistens hinkriege, meine Erwartungs- haltung und mein Misstrauen abzulegen und erstmal loszuschmecken.

Ich glaube, bei Lakritze war ich wohl auch deshalb etwas voreingenommen, weil ich beobachtet zu haben glaube, dass viele Menschen, die Lakritze heiß und innig lieben… na, wie sag‘ ich das jetzt… hm… allgemein und ansonsten eher nicht so anspruchsvoll sind in Essensdingen und den dazuge- hörigen Geschmacksfragen. Sie sind froh und zufrieden, wenn das Essen schmackhaft ist, reichlich und heiß. Gedrechselt Verfeinertes macht ihnen wenig Spaß, der ganze Aufwand ist ihnen völlig schleierhaft und auch zuviel. Sie fahren auch nicht unbedingt durch die halbe Stadt, weil es da diesen leckeren Balsamico gibt. Oder diese vorzüglichen, sahnigen Trüffelpralinchen.

Hoffentlich fühlt sich von dieser etwas gewagten These nun niemand abgefrühstückt; das würde mich durchaus betrüben. Ausnahmen bestätigen da sowieso mal wieder die Regel, dürfen sich hier gern empören, und auch der Umkehrschluss funktioniert übrigens nicht.

Mir wäre es übrigens manchmal lieber, wenn mir der Essgenuss nicht so wichtig wäre, denn dann bräuchte ich mich nie zu grämen, wenn das Geld gerade wieder nicht für die Feinkostbude reichen will. Wo ich doch so gerne Entdeckungen mache! Auch beim Einkaufen im Urlaub gucke ich stundenlang in den Geschäften, was es dort an Leckerem oder Speziellem gibt. Ein toller, neuer Geschmack interessiert mich mehr, als beispielsweise schicke Schuhe es jemals könnten…

Dass auch simples Wasser je nach Quelle und Region unterschiedlich schmeckt, ist sicher jedem schon aufgefallen, mir natürlich auch. Allerdings niemals, auch nicht mit dickstem Konto, würde ich mir ein Wasser kaufen, dessen 0,7l-Flasche mit Glitzerkristallen beklebt ist. Das verschwurbelt, gefiltert und mit Sauerstoff beschossen wird, und dann tatsächlich 75,- Euro kostet. ‚Tschuldigung, da bin ich voreingenommen. Das kann noch so sensationell schmecken, aber von dem Geld kann man in einem Dürregebiet wahrscheinlich ’nen ganzen Brunnen bohren. Ich glaube übrigens nicht, dass so ein Wasser jemals allein im Kämmerchen getrunken wird, sondern vermutlich nur vor Publikum. Es wundert mich noch etwas, dass es das nicht in einer 0,2l-Miniflasche gibt, aus der man dann auf Parties mit Silberstrohhälmchen trinkt. Oder noch kleinere, die man dann gleich als Ohrringe tragen kann. Das passt doch auch viel besser zu den Klamotten als eine Dreiviertel- literpulle, hätte aber mit gutem Geschmack immer noch wenig zu tun.

Zum Glück müssen weder mein Essen noch meine Getränke zu meinem „Outfit“ oder dieser Küchen-„Lokäischn“ passen. Denn dann gäb’s hier womöglich nur noch Barfußkürbis und gestreifte Radieschen. Und letztere mag ich ja nun überhaupt nicht. – Obwohl, im Salat…

8 thoughts on “Küchensofagedanken – Teil 3 – Vom möglicherweisen Mögen.

  1. Muß mal überlegen ob ich Lakritzeliebhaber kenne, und wie deren Essgewohnheiten so sind :)
    Ich muß sagen, ich weiß genau ich werde bis an mein Lebensende nicht mehr warm mit dem Zeug. Auch so Schaumgummizeugs, Gummibären, Zuckerwatte, und alles was praktisch nur aus Zucker besteht. Bäh!

    • Au ja, vielleicht kannst Du meine völlig aus der Luft gegriffene Theorie ja bestätigen. 😉 Dazu hab‘ ich übrigens noch eine zweite: Die meisten mögen Marzipan ODER Nougat. „Beidesmögende“ sind selten.

      Weingummi und Schaumspeckzeug ess‘ ich auch nicht oft und immer nur ein paar Happen, aber die dann ganz gern. Ich mag dieses Speckzeug mit Schokoüberzug, kennste das? Was mich aber auch schon als Kind überhaupt nicht gelockt hat, waren Lutscher. Besonders diese bunten Zuckerteile. Die fand ich immer zu anstrengend zu handhaben oder zu klobig im Mund.

    • Nee, lieber Dino, hatteste noch nicht gesagt (falls doch, ist es mein Alter…). Vielen Dank für den Tipp!

      Ich muss irgendwann mal eine ordentliche Blogroll mit ein paar hübschen Kategorien einrichten, das ist nämlich schon allein der zweite Lakritzebezugstipp, den ich hier bekomme. Der andere war der hier: http://www.baerendreck-apotheke.de/

      Allerdings kann man da momentan offenbar leider nicht bestellen, eine Übersicht der vielenvielenvielen Sorten gibt’s aber hier:
      http://www.baerendreck-apotheke.de/lakritz/lakritz.htm
      (Vielleicht geht’s ja auch bald wieder, nech…)

      Pechschwarze Grüße!

      • Ist ja wieder doof – ich habe vergessen, dass hier keine Benachrichtigung kommt, habe jetzt aber da unten Häkchen gesetzt, ha…

        Ich fühle mich bisschen verpflichtet – wieder nicht nur witzisch gemeint! -, weil es krass Probleme mit der Post gab, als ich zum letztem Mal was bestellt habe; die haben wohl für Porto mehr gezahlt als ich für die Probierpackung, (witzig: als ich noch in B gewohnt, habe ich den Shop nicht gefunden, ich muss mehrfach vorbei gelatscht sein)…

        Lohnt sich, am besten Nr. 3; ich habe seit vielen Monden nicht so was Leckeres weg geputzt (in so kurzer Zeit, chch).

        Häff fann, Frau Wirkstoffin!!!

        • Hmmmhmmm… sieht alles ziemlich lecker aus. Aber bei den Mengen, die ich hier umschlage (ca. 100g auf’s Jahr, höchstens), würde sich’s für mich kaum lohnen. Aber mein bester Freund, der steht auf salziges Lakritz, und der hat ja auch mal wieder Geburtstag. Doch, hatter bestimmt…

          Ein schickes Wochenende wünsch‘ ich, Herr Süßholzer! 😉

          • Ich glaube, dass das nicht schlecht wird, chch… und außerdem: was dachtest du denn, was ich geplant hatte, das war auch für länger, als Vorrat…. und dann war es nach paar Tagen weg… hihi…

            (… das klappt nicht mit den Benachrichtigungen – muss Oppa sich bisschen anstrengen…)

  2. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich durchaus zur Bestätigung der Theorie tauge: Ich liebe Lakritz, und es wäre sicherlich verfehlt, mich als Gourmet zu bezeichnen.
    Ich esse zwar auch gerne und meine Geschmacksnerven sind auch nicht komplett denaturiert, also ich merke schon, ob etwas gut oder schlecht schmeckt. Aber die letzten Nuancen sind mir dann doch eher verschlossen. Um bei deinen Beispielen zu bleiben: Nein, ich würde eher nicht unbedingt durch die halbe Stadtfahen , weil es da diesen leckeren Balsamico gibt. Oder diese vorzüglichen, sahnigen Trüffelpralinchen.
    Dann schon eher, weil es dort noch einen Metzger gibt, der eine ECHT gute Fleischwurst macht… 😉

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