Nougats de Provence von Yves-Robert Tolleron

Am 6. März bekam ich sehr nette Post von Karsten Ebert, den ich kurz auf der ISM kennengelernt hatte, als wir an seinem Stand (Der süße Regenbogen) klebenblieben, weil es dort ulkiges isländisches Lakritz gab; – das sieht man nun wirklich nicht überall. Einer kleinen schwungvollen Unterhaltung über Island folgte das neugierige Eintüten von ebenjenen Lakritzpröbchen (dazu aber ein andermal, versprochen), sowie der Austausch von Visitenkarten. Und genau diese meine hatte er nun wiederentdeckt und schrieb mir, er würde mir gern mal seine Nougats de Provence vorstellen bzw. probehalber zukommen lassen, um mal zu gucken, wie ich die denn so fände.

Da die Mail erstens freundlich und lustig war und ich zweitens französischen Nougat liebe, freute ich mich und bekam schon zwei Tage später ein Päckchen ins Haus. Seither habe ich die Proben umschlichen und begehrlich betastet, kam aber zu nix. – Bis heute!

Zunächst muss aber mal ein bisschen erklärt werden, was französischer Nougat denn überhaupt ist. Hier in Deutschland wird unter Nougat ja eine braune Haselnusspaste mit Kakaoanteil verstanden. Durchaus lecker. In Frankreich jedoch bezeichnet man so eine mittelweiche, helle Masse aus Zucker, Honig und Eiweiß, in die geröstete Nüsse -hauptsächlich Mandeln- gebettet sind. In Spanien und Italien gibt es etwas Ähnliches, dort heißt es Turron/Turrone und ist oft sehr fest bis splitterig. Auch der türkische Honig ist ähnlich in der Machart.

Mir ist der französische Nougat schon von der Konsistenz her am liebsten, denn die ist zartschmelzend und zergeht wunderbar im Mund. Ihm werden alle möglichen Beigaben zugedacht wie eben Mandeln, Pistazien, Haselnüsse, jede Menge getrockneter oder kandierter Früchte, Gewürze und Kräuter wie Zimt, Minze oder Rosmarin… Die Sortenvielfalt ist immens, wer da nichts für sich findet, hat nicht richtig geguckt.

Am Wichtigsten aber ist: Richtig guter Nougat wird mit provencalischem Lavendelhonig gemacht, und den sollte man auch schmecken. Jede Zutat für sich sollte erlesen sein, damit sie sich im Ergebnis ebenbürtig sind. Alle miteinander werden schonend in traditionellen Verfahren verarbeitet, oft von Hand. Darum ist dieser Nougat kostbar, und das sieht man auch am Preis, natürlich.

Ich bekam nun also netterweise zugeschickt folgende drei Sorten: Schokolade/Minze, Kaffee/Schokolade, dunkle/weiße Schokolade . Einzeln als handschnittene Scheibe in gutes Wachspapier gewickelt (das ideal zur Aufbewahrung ist), dann mit einer hübschen Banderole versehen, die ein bisschen Auskunft gibt über den Nougatier, die Tradition und Herkunft der feinen Süßigkeit und seiner Zutaten. (In diesem Fall besonders angenehm: Nahezu alle Zutaten sind BIO und fair gehandelt.) Das Ganze steckt noch mal in einem Cellophantütchen, das handbeschriftet die Sorte verrät.

Alle Sorten bestehen grundsätzlich aus der Nougatmasse und den gerösteten Mandeln. Als erstes koste ich die Sorte mit Minze. Sie ist sehr zart, hat Schokostücke eingearbeitet und duftet deutlich nach der zarten Feldminze. Da ich keine Kräuterchen entdecken kann, vermute ich, dass hier ein gutes Minzöl Verwendung gefunden hat. Und zwar genau in der richtigen Menge, denn man schmeckt den Honig, die Mandeln, die richtig gute, vollmundige Schokolade (wenn man gerade ein Bröckchen davon erwischt hat), und die Minze begleitet sie alle. – Schön!

Dann folgt Kaffee-Schokolade. Ich bin keine große Kaffeefreundin und trinke nur selten selber welchen. Doch ich liebe den Duft, der sich ausbreitet, wenn ich für lieben Besuch eine Kanne aufsetze. Dieser Duft kommt mir auch hier entgegen, als ich das Wachspapier auffalte. Auch hier sind wieder dicke Schokostücke im hellen Nougat zu sehen, sowie das eingearbeitete Kaffeepulver. Ich probiere, und kann prompt sagen: Auch das ist wieder fein. Die Bitterstoffe und leichten Säuren des Kaffees gleichen die Süße des Honigs ein bisschen aus, wodurch diese Sorte ein wenig „herzhafter“ ist. Mir fallen sofort ein paar Leutchen aus dem Freundeskreis ein, denen das riesig gefallen dürfte und merke mir das mal zu Geschenkzwecken vor. Diese Stück aber nasche ich selbst zuende!

Zuletzt geht es an die weiße/dunkle Schokolade.  Dieser Nougat ist dunkler, offenbar hat man dort bereits in die weiche Teigmasse Schokolade eingearbeitet und dann noch zusätzlich helle und dunkle, sehr aromatische Bruchstücke bester Schokolade zugegeben. Die Kakaoaromen sind deutlich spürbar. Ebenfalls eine tolle Sorte. Schlichtweg.

Alle drei sind wunderbar, mit hohem Suchtpotenzial, und von Monsieur Tolleron mit Liebe und Erfahrung gemacht, das vermittelt sich. Sie sind ausgewogen, duften herrlich und schmecken deutlich erkennbar nach ihren guten Zutaten. Am besten hat mir jedoch die Minzsorte gefallen, zumindest von den Dreien, die ich nun kenne. Und wie ich mich kenne, bleibt es nicht bei diesen Dreien, denn die weitere Auswahl ist spannend, und sobald ich hier wieder etwas Luft habe und meine Vorräte (hier stapelt sich noch Einiges!) wieder überschaubar werden, werde ich mir mal auf eigene Faust ein paar Sorten mit Früchten und Kräutern ordern. Und ich bin jetzt schon sicher, dass ich die genauso himmlisch finden werde. Wer nun neugierig geworden ist, wer sich jetzt die Lippen leckt, wessen Hand sich suchend um die Maus krallt, der kann hier ja mal selbst stöbern gehen…

Edit: Leider sind beim“ Süssen Regenbogen“ inzwischen keine Nougats von Monsieur Tolleron mehr im Sortiment, was ich furchtbar schade finde! Und bisher habe ich auch noch keinen anderen Online-Shop gefunden, der sie führt. Tipps sind also hochwillkommen!

Zutaten:
Nougat Schokolade/Minze: Rohrohrzucker aus biologischem Anbau und fairem Handel, 100% naturreiner Lavendelhonig, Mandeln, Eiweiß, Butterkaramell, Glukosesirup, Puderzucker, Meersalz aus Isigny.

Nougat Kaffee/Schokolade: Rohrohrzucker aus biologischem Anbau und fairem Handel, 100% naturreiner Lavendelhonig, Guayaquil-Schokolade 64%, Mandeln, Eiweiß, Glukosesirup, Kakaopulver, Kaffeepulver, Pistazien, Puderzucker.

Nougat dunkle/weiße Schokolade: Rohrohrzucker aus biologischem Anbau und fairem Handel, 100% naturreiner Lavendelhonig, Mandeln, Eiweiß, Butterkaramell, Glukosesirup, Puderzucker und … (hier endet leider die Angabe auf der Webseite. Ich vermute, da fehlen noch die beiden Schokoladensorten.)

7 thoughts on “Nougats de Provence von Yves-Robert Tolleron

  1. Liebe Theobromina!
    Herzlichen Dank für dein Lob für den auch von uns heißgeliebten Mandel-Honig-Nougat von Yves, das ich gerne weiterleite. Und herzlichen Dank auch für deine großzügige Erwähnung unserer website! Leider hat sich in deinen Beitrag der Fehlerteufel eingeschlichen! Die Zutatenliste beim ersten Nougat ist die vom ebenfalls köstlichen Nougat Caramel Beurre Salé (ich hoffe, wir haben es nicht selbst falsch im Shop)! Ansonsten bleibt mir nur zu sagen, dass wir uns hier riesig freuen über deine Lobe!! Weiter so engagiert! Geniesser braucht das Land! (Um mal einen alten Hit von Ina Deter leicht abzuwandeln.)

    • Lieber Karsten,
      ich hab‘ eben noch mal nachgeschaut und muss sagen: Ich hab’s tatsächlich von Eurer Seite so übernommen. Da solltet Ihr wohl noch mal was tauscheln. 😉 (Ich hatte mich auch bereits über das Salz als Zutat gewundert, denn geschmeckt hatte ich es nicht und dachte: Na, dann ist es wohl nur ein Hauch…) Auch bei der dritten Sorte ist die Zutatenangabe nicht ganz vollständig.

      Aber ansonsten: Daumen hoch! Tolles Produkt, das ich gern gekostet habe. Ich konnte es ja nur loben, weils eben gut ist. – Vielen Dank noch mal für’s Zukommenlassen.

      LG, Theo

  2. Das klingt mal gut. Obwohl ich „eigentlich“ gar keinen Nougat mag, also eben diese Haselnussmasse, die man hier unter der Bezeichnung kennt. Aber diese weiße Masse kannte ich als weißen, holländischen oder türkischen Nougat. Dass französischer Nougar auch sowas ist, wusste ich bisher nicht.

    Was ich nicht bräuchte, sind kandierte und/oder getrocknete Früchte, aber die sind in den getesteten Sorten ja offenbar auch nicht enthalten. Und eine Frage hätte ich zum Lavendelhonig: Ist das „normaler“ Honig, bei dem die Bienen halt auf Lavendelfeldern unterwegs waren oder ist das Honig, der mit Lavendel aromatisiert o.ä. ist. Sprich: Schmeckt das ganze dadurch nach Lavendel? Das könnte mir nämlich den ganzen Geschack versauen…

    • Also, erstens gibt es auch viele Nougats ohne Früchte, dafür gern mit allen möglichen Nüssen, meistens eben mit Mandeln. Die drei oben beschriebenen Sorten sind alle ohne Früchte gewesen. (Zumal man bei den gemeinten Früchten auf keinen Fall an so Böses wie dieses schlimme Orangeat-/Zitronatzeug denken darf, das man uns regelmäßig im Billigstollen unterjubelt. Das hat der Teufel erfunden. Gut kandierte Früchte schmecken auch gut. Nach Früchten.)

      Und zweitens ist Lavendelhonig tatsächlich von Bienen in den Lavendelfeldern gesammelt. Und nun sorgst Du Dich, dass der Honig nach Seife schmeckt, richtig? 😉 Ich kann Dir versichern, dass das nicht der Fall ist. Lavendelhonig ist zwar geschmacklich etwas kräftiger, hat auch was leicht Blumiges, aber er schmeckt nicht wirklich „lavendelig“, sondern ist das reinste Ambrosia! Versuch den ruhig mal, – wird Dir gefallen, versprochen. Macht sich übrigens auch toll in Dressings… Und im Nougat harmoniert er einfach super mit den gerösteten Mandeln.

      Kannst Dich also ruhig mal rantrauen… 😉

      • OK, dann werde ich mich bei Gelegenheit (wo und wann auch immer die sich ergeben mag…) mal rantrauen. Vielen Dank für die Infos!

  3. ich muß mal ein bißchen OTen: ich bin ja auf das island-zeugs gespannt. ich kenne bereits isländisches lakritz mit schokolade, das hab‘ ich in ~3 varianten probiert und finde es großartig! <3

    • Ich habe hier zwei Sorten liegen: Djúpur und Draumur. Dann kennst Du die bestimmt… 😉 Mal sehen, wann ich dazu komme. Eigentlich sind erstmal die besten belgischen Pralinen der Welt dran und ein paar Trinkschokoladen. (Und noch ungefähr 2.000 andere Sachen, die ich z. T. auch schon fotografiert und probiert hab‘.)

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