Woran erkennt man eigentlich gute Schokolade?

Daran, woran man auch andere gute Sachen erkennt: Der Zutatenliste.

Es soll ja immer noch Leute geben, die sie so gut wie nie lesen, aber die dürfen sich dann auch nicht wundern, wenn man ihnen fiese Zusätze unterjubelt, finde ich. Also ruhig mal was Ausgeflipptes machen: Das Produkt umdrehen und den winzig gedruckten Fliegendreck lesen. Merke: Alles, was Vornerum steht, ist pure Werbung. Erst hintenrum steht dann die Wahrheit.

Am schönsten sind die kurzen Zutatenlisten. Da hat man nicht so viel zu lesen (das ist weniger anstrengend), und Kürze spricht dafür, dass auch nur das drin ist, was wirklich reingehört.

Bei Schokolade sind das: Kakaomasse, Kakaobutter, Zucker.

Meistens ist noch Sojalecithin als Emulgator dabei, es sorgt für eine gute Konsistenz bei der Verarbeitung, spart Conchierzeit, und zudem lässt sich hiermit ein Teil der recht teuren Kakaobutter einsparen. Grundsätzlich ist Sojalecithin nun nichts Schlimmes, aber ich bin immer erfreut, wenn es nicht in der Liste steht. Das ist zum Beispiel bei vielen BIO-Sorten der Fall, oder bei engagierten Herstellern wie z.B. Zotter, die viele schöne Sorten ohne machen. (Die Debatte um gentechnisch veränderte Sojaerzeugnisse in Schokoladen lasse ich hier mal aus. Darum geht’s dann vielleicht ein Andermal.) Für mich ist außerdem immer ganz wichtig, ob natürliche Vanille enthalten ist (anstelle von Vanillin, was mitnichten dasselbe ist).

Obiges gilt erstmal für eher dunkle Schokosorten. Bei Milchschokolade kommt dann noch Milchpulver hinzu und der Zuckeranteil ist meist höher, sodass sich die Reihenfolge der Zutaten in der Liste ändern kann. Mit den bereits genannten Komponenten kann man schon eine ungeheure Bandbreite an unterschiedlichen Schokoladen herstellen, denn der Geschmack hängt schließlich vom verwendeten Kakao ab!

Grob gesagt, gibt es drei Kakaosorten: Criollo, Trinitario und Forastero.

Forastero kann ich wohl guten Gewissens als Industriekakao bezeichnen. Er steckt in der Massenware, die in jedem Supermarkt zu finden ist. Die Forasteropflanzen tragen mehr Früchte, sind robuster im Anbau, weniger krankheitsanfällig und machen mehr als 80% des weltweit angebauten Kakaos aus. Wenn auf der Verpackung nichts weiter zum Kakao gesagt wird, dann kann man von Forastero ausgehen.

Criollo dagegen ist ein Edelkakao, dessen Geschmack deutlich feiner, würziger und nuancenreicher ist. Leider sind die Pflanzen empfindlich, weniger ertragreich und wachsen nicht überall, weswegen reiner Criollo total selten ist. Das merkt man schnell am Preis, da kann eine Tafel schnell mal zehn Euro und mehr kosten.

Trinitario wiederum ist eine Kreuzung aus Criollo und Forastero, die die Vorteile beider Sorten verbindet. Da wird weiterhin fleißig gezüchtet und ausprobiert. Alle drei Sorten sind noch in viele Untersorten mit klangvollen Namen unterteilt, aber das würde jetzt zu weit führen…

„Plantagenschokolade“ sagt meiner Meinung nach übrigens nicht sehr viel aus, wenn das nicht näher erläutert wird. Kakao wächst ja oft auf Plantagen, da könnte man Kartoffeln ja auch als „Feldkartoffeln“ verkaufen. Gemeint sind hier aber häufig sortenreine Schokoladen, die in einem bestimmten Gebiet (Ghana, Equador, Venezuela, Madagaskar, …) angebaut wurden. Man kann hier leicht deutliche regionale Unterschiede schmecken, ähnlich wie bei Weinen. Ich kann nur jedem ans Herz legen, sich da mal durchzuprobieren oder sogar mal mehrere Sorten/Regionen direkt miteinander zu vergleichen, das macht Spaß!

Eins noch: Was in (zumindest in ungefüllten) Schokoladen eigentlich gar nichts zu suchen hat, sind so Zutaten wie: Butterreinfett, Füllstoffe aus der Zuckerfamilie oder gar nicht näher spezifizierte Aromen. Das liest sich meistens schon so -ähem- kostengünstig, wie es gemeint ist.

Grundsätzlich ist eine „gute“ Schokolade aber eine, die man sich mit Genuss richtig gönnt.
Alles andere sind bloß schnöde Süßigkeiten.

16 thoughts on “Woran erkennt man eigentlich gute Schokolade?

  1. gute infos!

    [hab‘ noch nicht alles hier gelesen, schlage aber mal aberwitzig einen post/dauerempfehlungen zum thema ’schokolade für’s kleine, mittlere und große budget‘, angefangen bei ~1-2 euro bis hin zu unendlich 😉 vor… das fänd‘ ich toll, zu wissen, was du da so meinst. könnteste ja auch immer mal wieder mit’ner neuentdeckung aktualisieren!]

  2. Zotter ist so ein Hersteller, von dem ich immer mal wieder was kaufe, weil die Sachen so edel und gut aussehen, dann zweimal abbeiße, vielleicht noch ein drittes Mal aus Pflichtgefühl, und es dann schließlich wegwerfe, erfreut, mir die Kalorien gespart zu haben.

    • Wirklich? Warum denn? Das würde mich interessieren…

      Ich konnte mich anfangs für Zotter auch nicht recht begeistern, wohl weil ich mir sensationellere, feuerwerkigere Geschmackserlebnisse vorgestellt habe. Außerdem fand ich einige gefüllte Sorten von der Konsistenz eher zu trocken bis hin zu bröselig. Aber ich blieb dran und mittlerweile möchte ich einige nicht mehr missen, z.B. „Schwarze Vanillekirschen“, „Sesam-Sauerkirsch“, „Walnuss-Marzipan“ oder das „Labooko-Duo (eine 40%-Vollmilch, eine 70%-Prozent Zartbitter à 35g) mit Minze“. Da gibt’s ja so viele Sorten…

      Und Kalorien, die machen mir keine Angst; – das fehlte noch!

      • Es fällt mir immer schwer, zu erklären, warum mir was nicht schmeckt, aber es war in meinem Fall weniger die Enttäuschung, glaube ich.
        Die trockene bis bröselige Konsistenz war für mich ein Problem, und ich fand auch einfach die Schokolade selbst nicht halb so gelungen wie die von Lindt oder Ritter Sport oder sogar Milka. Ich glaube, die von dir genannten Sorten habe ich noch nicht probiert, insofern kann ich nicht behaupten zu wissen, dass ich die auch nicht mag.
        Ich kann auch nicht ganz ausschließen, dass es was mit dem vielen Öko- und Bio-Gehabe auf der Packung zu tun hat. Gerade bei Lebensmitteln kann ich mich da von meinen Vorurteilen nie ganz frei machen, fürchte ich.

        • Hmmm, die von Dir genannten Sorten nennt man gern „Industrieschokoladen“, das ist ungefähr wie der Unterschied zwischen IKEA und einem handgefertigten Tischlerstück. (Oder Mumm und Winzersekt. Oder… ) Sie sind anders gearbeitet und beinhalten eben Emulgatoren, dadurch werden sie u.a. auch cremiger. Ich kauf‘ durchaus gern mal beim Schweden, aus Budgetgründen. Aber wenn ich die Wahl hätte… Zudem hat das Ganze wirklich viel mit gewohntem Geschmack zu tun, da muss man sich erst rantasten und rauskriegen, was man denn nun mag. Aber natürlich nur, wenn man will, denn danach gibt’s eigentlich kein Zurück mehr. 😉

          Ritter finde ich auch ganz o.k., die ist mir allerdings von der Form zu klobig. Die anderen beiden umboge ich, besonders Lindt, (man unterstellt mir sogar „Lindt-Allergie“). Wenn man bei denen mal die Zutatenlisten liest, ist es mit der „feinen Confiserie“ schnell vorbei. Aber in Verpackungsdesign und Werbung sind sie super! Ich empfehle ganz gern Hachez oder Feodora, die haben jeweils ein paar leckere Sorten und sind in gut sortierten Supermärkten ebenfalls zu finden.

          BIO schmeckt übrigens kein bisschen anders, das ist wohl tatsächlich eine Kopfsache. Den Aromen ist ganz egal, ob sie in einer BIO-Kakaobohne wohnen oder in einer konventionellen.

          • Ja, insofern bin ich vielleicht eh nicht der richtige Adressat dieses Beitrags… Zutatenlisten sind mir egal.
            Und geschmacklich scheinen wir uns bei Schokolade doch auffällig weit entfernt voneinander zu bewegen. Hachez oder Feodora kann ich nämlich auch nicht leiden. Ich finde, die schmecken furchtbar uninteressant, um nicht zu sagen: billig.
            Aber ist ja schön, dass jeder die kaufen kann, die er gerne isst.

  3. dann muß ich jetzt nochmal, nachdem hier so lebhaft diskutiert wurde… 😉 ich fange auch nicht mit lindt an, keine sorge – obwohl ich die von den nicht ganz so super-teuren schon ganz gern mag. feodora und hachez aber nicht.

    meine lieblingsschokolade ist callier und zwar besonders chocmel [milch, honig, knusprige mandelsplitter], frigor dunkel oder rayon milch [honignougatsplitter]. aus deutschland mag ich heilemann sehr, davon besonders die gefüllten; obwohl ich auf fülle eigentlich so gar nicht stehe ;). himbeer-balsamico ist z.b. sehr zu empfehlen! ach, und leysieffer…. [und kakao von coppeneur!! …aber ich höre jetzt mal auf. weiß ja doch mehr, als ich dachte ^^.]

      • Von Leysieffer mag ich einige Trüffelsorten ebenfalls sehr: Rum-, Kokos-, Karamell/Cointreau- und Vanilletrüffel z.B.

        Wie heißt es so schön: „Geschmäcker sind unterschiedlich“ und „Über Geschmack lässt sich streiten“. Das tu‘ ich gern und mit Leidenschaft! Aber immer freundlich und möglichst ungarstig, es geht ja um was Schönes. Letztlich mag jeder das was er mag, und das ist prima so. Ich versuch‘ zwar ganz gern ab & zu leise zu missionieren, aber nur da, wo es auch gewünscht wird.

    • Siehste! 😉
      Die genannten von Cailler mag ich auch ziemlich gern, besonders die Luftige.
      Die Himbeer-Balsamico von Heilemann hatte ich neulich auch, die fand ich so mittel. Irgendwo zwischen lecker und Erfrischungsstäbchen. War mir auch zuwenig Balsamicogeschmack. Ich glaub‘, ich muss wirklich mal eine schöne Auflistung machen… So viele Ideen, so wenig Zeit! Dieses Wochenende geht’s erstmal zur ISM, – aber danach!

      Dass ich Coppeneur liebe, weißt Du ja sicher. Also, das meiste. Nicht alles. Aber darüber kommt auch bald noch ein Eintrag.

      Von Leysieffer mag ich die Tafeln nicht so doll, aber die Trüffel: Rum-, Kokos-, Karamell/Cointreau- und Vanilletrüffel.

      • dieses WE ist ISM?? :) da hast du ja gerade noch rechtzeitig wieder mit dem bloggen angefangen… :)! ich muckel‘ mich jetzt auch wieder rein, hatte dieses jahr bisher die große blog-unlust. war auch mal schön.

        @Muriel
        *hihihi
        ich würde so einen nicht schriftlichen echten ausraster à la Muriel ja gern mal erleben!

        • Ja, das Eine hat durchaus mit dem Anderen zu tun! 😉

          – Ausraster? Öhm. Das muss aber wirklich nicht hier sein. Diese Seite ist doch noch so jung, und kann sich noch gar nicht wehren…

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