Jetzt ist Frühling. Basta.

Ihr lieben Kastanienbeweger,

kann es eventuell sein, dass diese Zeilen ein kleines bisschen krumm sind? Ich habe nämlich einen kleinen Schwips, weil ich den Sekt eben ganz schön fix heruntergestürzt habe. Weil’s ja doch überrraschend frisch war, das war nicht so ganz vorgesehen, geb‘ ich ja zu. – Hat’s bei Euch gestern auch noch mal geschneit? Ich dachte ja schon, ich guck‘ nicht richtig! Also, in Hannover hätte ich das ja halbwegs normal gefunden, da ist man Winterwetter eher gewöhnt. aber im Ruhrgebiet schneit es eigentlich selten (und wenn, dann auch nicht viel). Jedenfalls im Vergleich. Aber wenn, dann rasten alle aus und steigen sofort in ihre Autos und Bahnen, um noch schnell nach Hause zu kommen, bevor der ganze Fahrbetrieb zusammenbricht. Das ist für mich als Zugewanderte ganz amüsant zu begucken. Letztes Jahr z.B. ist das ganze Kollegium mal zwei Stunden früher in den Feierabend gegangen, weil es wahnsinnige 7-8 cm Neuschnee gab, der sich natürlich sofort in Matsch verwandelt hat. Alle redeten aufgeregt durcheinander, zeigten aus dem Fenster, hatten Angst, nie mehr nach Hause zu kommen, und prompt gab’s Riesenstaus überall und so. Ich bin dann übrigens einfach mit’m Fahrrad nach Hause… (Hier ein kleines Grinsen einfügen.)

Gehen wir jedenfalls mal frech davon aus, dass das momentan hoffentlich nur ein letztes Aufbäumen des Winters ist, ne? Schließlich haben wir heute um 12:00 Uhr den Frühling gemacht! Und zwar unumstößlich. Finde ich. Beschlossene Sache und so. Reicht jetzt ja auch mit kalt, dunkel, nass und zugig. Gegen Mittag stapfen der Liebste und ich denn auch durch’s Wäldchen auf dem Duisburger Kaiserberg, mit Sektgläsern, Piccolo und Kastanien im Gepäck. (In diesem Wäldchen haben wir übrigens im vergangenen Sommer reichlich Beute an dicken, saftigen Brombeeren gemacht, aus denen ich direkt ein knappes Dutzend Gläser leckersten Gelees gebraut habe, das uns regelmäßig Frühstücke und Pfannkuchenschlachten versüßt. Oder heißt es „verfruchtet“?)


Der Beweis: Die Natur hat nicht etwa vergessen, wie’s geht und möchte demnächst mal expodieren.


Diesjährige Abwurfschanze auf dem Kaiserberg.


Alles parat. Nur der Liebste dreht noch eine Runde um die Wiese, damit die Füße weiterhin durchblutet werden. Deshalb erstmal nur eine Kastanie im Bild. Aaaber:


…da kommt die zweite dazu! Jetzt sind es nur noch wenige Minuten bis zum Startschuss.

Um kurz vor zwölf werden wir ganz still und die lieben Wintertaschenbegleitbollen noch einmal liebevoll betrachtet, bestreichelt, glatt gerieben und mit stillem/gemurmelten Dank für die letzten Monate bedacht. Unsere Kastanien sind ja diesmal aus Veere/Zeeland und bekommen daher zusätzlich ein inniges „Dank u well“ zugehaucht. Und dann ist es schon 12:00 Uhr, es gibt einen ordentlich kräftigen Schwung und sie verlassen uns in die Freiheit. Hurra! Frühling! Darauf einen dicken Schluck Sekt, natürlich nicht, ohne vorher in alle Himmelsrichtungen allen anderen Werfern zuzuprosten. Und dann halt gleich noch einen, wir wollen ja schnell wieder ins Warme.

Schwupps, sind die Gläser halbleer, der Winter aus und wir ganz herzgewärmt in dem Wissen, dass da jetzt an vielen Orten Kastanien geflogen sind und Ihr auch alle gerade so dasteht und Euch auf den Frühling freut. Mit dem letzten Schluck im Glas trotten wir schon den Weg zum Auto herab, denn zuhause warten heißer Tee und Bloggerät. – Frühling? Kannst kommen. Wir sind dann nämlich soweit.

Wie war’s denn bei Euch?

Bunt sprießende Grüße
Eure Theo

 

Eure Wurfberichte:

 

Ihr wollt Frühling? Dann machen wir Frühling!

Liebe Kastanienfreunde,

war das nicht kalt in den letzten Wochen? Brrrr! Ich meine, klar, ist Winter und so. Aber musste das sein, nach ein paar Monaten Wischwaschiwinter mit Matschetemperaturen und gelegentlichem, halbgaren Herumgeschneie jetzt noch mal so eisige Tage mit schneidigem Wind durch alle Klamottenlücken? – Nee, das hätte ich nicht mehr gebraucht. Und ihr vermutlich auch nicht, oder?

Immerhin wird es schon einigen Tagen freundlicher, am kommenden Wochenende soll es sogar regelrecht warm werden! Dann lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster und behaupte frech: Die Natur, die bisher nur schüchtern ein paar bunte Krokus- und Narzissensprossen zeigt, wird demnächst so richtig ausflippen.

Und wir mit!

Am Sonntag, 18.03. um 12:00 Uhr

fliegen deshalb die Kastanien. Ja. So.

Ihr habt jetzt noch ein paar Tage Zeit, Euch von Eurer treuen Taschenbegleitung zu verabschieden, Wurftechniken auszufeilen und womöglich Piccolos zu besorgen, und dann will ich Euch übernächsten Sonntag alle draußen wissen!

Wir „sehen“ uns dann. – Hach, ich freu mich.

Vorfreudige, sonnige, achwas: bunte! Grüße
Eure Theo

Nestwärmehaushalt.

(Heute kommt mal was, das so gar nichts mit irgendeiner Kastaniensache zu tun hat. Ich weiß, ich rühr‘ mich hier nur noch höchst selten, aber das liegt erstmal daran, dass ich aus dem Schreiben mittlerweile sowas von raus bin… – Und dann isses noch so, dass ich auch nicht immer nur klagen will, wenn ich mich denn mal herbequeme.)

Aber. Mir. Geht’s. Manchmal. Nicht.        So.        Gut.

Ich fühle mich schwer, fremd und traurig. Ich möchte mich fragen: „Was mache ich eigentlich hier?“, traue mich aber nicht. Als ich aus dem geliebten Hannover schweren Herzens wegging, sah trotzdem erstmal alles ganz ansprechend aus: Hier in Duisburg erwarteten mich ja liebe Menschen und sogar ein neuer Job in einem netten Team! Ich würde mich schon eingewöhnen, schließlich war ich ja immer sehr anpassungsfähig. Was folgte, war erstmal wahnsinnig viel Arbeit und irgendwann die Erkenntnis, dass da zwar tatsächlich auch wirklich Nette in dem Team waren, es aber nach wie vor reicht, wenn eine Intrigenspinnerin im Hintergrund immer wieder dicht ihr Netz webt, durch das die Vorgesetzten irgendwann nichts mehr sehen. Und so wurde ich kontinuierlich an den Rand manövriert und letztlich rausgemobbt. Und das z.B. macht ganz schön was mit einem…

Hannover und alles was für mich dazu gehört, habe ich die ganze Zeit schmerzlich vermisst, aber ich war auch durch den täglichen Kampf im Job immer wieder abgelenkt. Nun aber habe ich zum ersten Mal viel Zeit, meine eigenen Gedanken wieder deutlicher zu hören. Und stelle fest: Ich fühl‘ mich hier oft ganz schön einsam.

Mir fehlt nicht nur meine Stadt und mein schönes Zuhause dort, sondern auch meine „persönliche Infrastruktur“. Meine Freunde. Menschen, die mich zum Teil seit Jahrzehnten kennen und sofort sehen, wenn mich etwas beschäftigt. Vor denen ich mich ohne Scheu ausbreiten kann, die mir geduldig zuhören, sich mir zeigen, selbst mal meinen Rat suchen, meine Unterstützung möchten, mit denen ich Nähe austausche. – Nestwärme, könnte man auch sagen.

Und natürlich, ja, hier sind ein paar liebe Menschen, die mich gut leiden können und mir das auch zeigen. Meistens Freunde des Liebsten, allesamt feine Leute. Aber irgendwie gelingt es mir nicht (mehr) so recht, aus den warmen Berührungsflächen richtige Verbindungen zu zaubern. Ich stelle an mir auch neuerdings so eine komische Verzagtheit fest, wegen der ich mich gar nicht mehr traue, mich auf jemanden zuzubewegen; das ist mir früher ganz klar leichter gefallen.

Ich krieg‘ mich selbst zudem irgendwie nicht verbunden und falle so wie in zwei Teile: Die D. in Hannover (die die Ruhrgebietler nicht kennen) und die D. In Duisburg (die die Hannoveraner nicht kennen). Der einzige, der beide ganz gut kennt, ist der Liebste. Der hört mir viel zu, tröstet und versucht, gute Ideen zu haben. Das und die Telefonate mit Freundin T. in Hannover halten mich ganz gut über Wasser.

Aber es gibt eben auch Tage wie heute…

Na, endlich! Kastanienbewegung 2017/18

Ihr Lieben,

mein Leben ist turbulent. Andauernd passiert was. Oder noch was. Und dann halt noch was.
Und zwar immer, wenn ich denke: Ach, so ’ne kleine, ruhige Phase wäre jetzt mal ganz schön… Ja, Pustekuchen. *seufz*

Aber, was auch passiert, besonders draußen, und nicht mehr zu übersehen ist: Es wird Herbst. Besonders den Duisburger Kastanienbäumen sieht man das an, und zwar schon seit Juli oder so, die haben nämlich ganz braune Blätter. Ich vermute, dass da wohl diese olle Miniermotte dran rumknabbert. Die will natürlich auch leben, aber: Die armen Blätter! Ich hoffe mal, dass die Bäume sich im nächsten Jahr vielleicht wieder berappeln können.

Den Kastanien in Veere/Zeeland (also in den Niederlanden) geht’s da noch etwas besser und deshalb sind wir letzte Woche Freitag auch extra da hingefahren, um eine besonders schöne Winterbegleiterin zu finden! Jetzt liest sich das natürlich so, als wären wir nur aus Kastaniengründen mal eben zweieinhalb Stunden herumgebrettert und dann wieder den ganzen Weg zurück, wir gemeinen, verantwortungslosen Umweltschweinchen! Deswegen will ich mal lieber gleich dazusagen, dass wir ja sowieso für eine Woche in Domburg waren, um u.a. ordentlich stürmische Herbstnächte in unserem geliebten Strandhäuschen zu verleben. (Wer sich jetzt auskennt, weiß, dass beide Orte nur ca. 20 min auseinander liegen.) Tagsüber konnte man sich übrigens prima sandstrahlen lassen, aber nur, wenn man wollte. Ich wollte oft lieber drinnen sitzen und die allerleckersten Pralinen naschen, die hatten wir noch schnell auf dem Hinweg in Antwerpen besorgt. Und wenn die Sonne rauskam, wurde es auch gleich so schön, dass man gar nicht wieder reinwollte. (Die Sonne hatten hauptsächlich A. und C. im Gepäck, liebe Freunde, die uns dort für 1-2 Tage kurzbesuchten. Wer also trotz schlechter Voraussage schönes Wetter im Urlaub brauchen kann, sollet die Beiden dazubuchen. Den Kontakt kann ich bei Bedarf übrigens gern herstellen.)

Und am letzten Urlaubstag fuhren wir halt nach dem Aufräumen und Verabschieden -wie immer- noch mal kurz nach Veere, zum Herumspazieren und Teetrinken und so. Und diesmal hatte dieser süße, kleine Fischerort eben auch noch zwei frisch geschlüpfte Kastanien für uns. Inzwischen ist das auch schon wieder eine gute Woche her, weshalb ist meine Bolle auch schon leichter und etwas schlanker geworden ist, aber sie schmeichelt der Hand in der Tasche wie sie soll und ist mir schon richtig ans Herz gewachsen.

Da nun eigentlich alle, die hier mitlesen, die Kastanienbewegung schon seit Jahren kennen, spare ich mir in diesem Jahr eine ausführliche Gebrauchsanweisung. Wer mag, kann sich unter dem tag Kastanienbewegung ein bisschen einlesen, da finden sich alle alten Beiträge aus den (immerhin 10!) Voraktionen der letzten Jahre. Nur so viel: Die Kastanienbewegung wird traditionell gemeinschaftlich angewendet gegen Herbst-/Winterblues. Dass Viele jedes Jahr mitmachen, hilft ungemein, und das gemeinsame „Freilassen“ der kleinen Taschenbewohnerin im Frühjahr macht jedes Mal gute Laune und warme Füße. (Also, das mit der guten Laune  kann ich zumindest garantieren!)

Macht also einfach wieder mit und kommentiert mir auch bitte wieder fleißig, wo ich Eure Blogeinträge o.ä. finden kann, dann kann ich das alles schön verlinken. (Wer keinen Blog hat, lässt vielleicht wenigstens einen Kommentar da und macht mir damit eine kleine Freude.)

Also, ich freue mich auf Euch und eure Winterbegleiterinnen!

Blätterrauschende Grüße
Eure Theo

Teilnehmer (bis dato):

Da isser, der Frühling! (Man sieht’s heute noch nicht so richtig, aber…, doch…, – ganz bestimmt!)

Ihr lieben Kastanienfreunde,

– wie war’s?!?

Hier im Ruhrgebiet ist heute ein wenig unfreundlicher Himmel, alles ist ein bisschen zu grau, aber immerhin (vorübergehend) trocken. Wir sind vorhin gegen 11:00 Uhr losgezogen, Richtung Duisburger Stadtforst. Dort ist es gerade windig, matschig und durchnässt, aber das sollte uns nicht schrecken. Auch die Blättchen tun was sie sollen, nämlich das Licht suchen.

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Heimlich, still und leise bereitet sich die Natur darauf vor, demnächst mal so richtig zu explodieren. Feuerwerk und so.

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Auf dem Weg zur Abwurfstelle halte ich übrigens Ausschau nach kräftigen, herabgefallenen Ästen, die ich für meinen Balkon(!!!) gebrauchen kann. (Ich habe nämlich zum ersten Mal einen und bin ganz aufgeregt!) Was ich damit will? Ach, das zeige ich Euch bald, wenn es soweit ist… Erstmal muss ja der Frühling gestartet werden, sonst nützt einem auch der netteste Balkon nüscht. Als wir zur Wiese kommen, an deren Rand wir werfen werden, machen wir’s wie immer: Erstmal Sekt einschenken, Kastanie aus der Tasche befreien, sie ein letztes Mal gründlich befühlen und versonnen betrachten.

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Nebenbei immer der Blick auf die Uhr. Noch drei Minuten. Wir überlegen zusammen, wer jetzt wohl gerade ebenfalls irgendwo in der Budnik steht und auf den Moment wartet. Ich sage der kleinen, glattgestreichelten Bolle noch mal herzlich „Danke.“ und denke kurz zurück an die letzten Monate. Aber wirklich nur kurz, denn jetzt wird es gerade 12:00 Uhr und ich zähle: „Dreeeeiiii – zweeeiii – eiiiins – looos!!!“ – Und da fliegen sie, hurra! (Hab‘ ich da etwa zwei kleine, leise Juchzer gehört?) Frühling is‘! Wir haben’s geschafft. Weiter weg vom nächsten Winter könnten wir gerade nicht sein. Ein schöner Moment. Wir stoßen an, nehmen einen guten Schluck und Zufriedenheit breitet sich aus, dann proste ich noch in alle Richtungen allen Kastanienmitwerfern zu und nehme direkt zwei-drei Schlucke hinterher. Prost Frühling, Ihr Lieben!

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Da irgendwo liegen sie, die Beiden, und schmieden vielleicht Pläne für die neue Freiheit: Einmal um die um die ganze Welt rollen? Dann eine Baumschule in Norwegen gründen? Oder lieber ab nach Spanien, ’n paar feurige Castagnettos kennenlernen? Oder doch erstmal gemütlich liegen bleiben und den Rotkehlchen zuhören? Und vielleicht kommt ja doch noch die Sonne raus?

Der Liebste und ich jedenfalls sammeln still Sektgläser, Täschchen, Äste und Zeug ein und machen uns wieder auf den Weg, zurück ins Warme. Das hier draußen, das dauert noch ein bisschen, aber nicht mehr lange… Versprochen. Und damit war’s das mit:

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Danke & Wie schön, dass Ihr wieder mitgemacht habt! Das wärmt mein Herz.

Blattspitzengrüne Grüße
Eure Theo

Los geht’s! Wir machen den Frühling.

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Na, was meint Ihr, Ihr lieben Kastanienfreunde?

– So langsam wird’s doch, oder? Seid Ihr schon kribbelig?

Hier im Ruhrgebiet, wo ich ja jetzt bald seit einem Jahr lebe, sprießen die ersten zartgrünen Blättchen und zwinkern unübersehbar von den Zweigen. (Und wir wissen ja: Krokus und Narzisse gelten uns nicht, wir wollen echtes Blättchengrün!) In Berlin oder noch weiter östlich geht es wahrscheinlich etwas zaghafter zu, denn dort ist es meist deutlich kühler, doch auch dorthin wird’s das freundliche Grün bald wehen, bestimmt!

Und damit wird es allmählich Zeit für unseren kollektiven Kastanienwurf, der die diesjährige Bewegung krönend abschließt! YEAH! Als unseren „magischen Moment“ habe ich ausgewählt:

Sonntag, den 19.03./12:00 Uhr

Ihr wisst ja, wie es geht: Schnappt Euch den ollen Mantel mit der lieben Winterbegleitertaschenbolle und geht rechtzeitig nach draußen. Mit etwas Glück haben wir sogar schönes Spaziergangwetter… Mal gucken. Gegen kurz vor zwölf jedenfalls solltet Ihr einen guten Kastanienwurfort aufgesucht haben. Schaut Euch Eure Kastanie noch mal an und bedankt Euch artig für die reizende Begleitung durch manch olle, fisselige, graue, doofe, dunkle, kalte und windige Zeit der letzten Monate. Seid gewiss, es stehen zur selben Zeit alle Kastanienbeweger irgendwo draußen und tun dasselbe. (Wer mag, macht sich an dieser Stelle einen Piccolo auf. Also, ich mach’s. Und ich werde Euch in alle Richtungen zuprosten.) Und um punkt 12:00 Uhr holen wir kräftig aus und werfen die Kastanie fort, so weit es geht! Und mit Ihr den Winter, hurra! Die kleine Handschmeichlerin loszulassen fällt zwar nicht immer leicht, man kennt ja inzwischen jede ihrer kleinen Dellen und fürchtet, sie danach in der Tasche zu vermissen, aber: Früüühling! wird dann sein, allüberall. (Also, wenn das Geprassel der weltweit fallenden Kastanien verklungen ist.) Die Farben kommen bald zurück, das Licht, die Wärme… Hach, ich freu‘ mich auf diesen Moment mit Euch und werde hier natürlich direkt im Anschluss ein bisschen berichten. – Bis dann!

Liebfeinste Grüße
Eure Theo

PS: Wie war Euer Winter eigentlich? Für mich war er nur dunkel und kalt, aber eigentlich nicht besonders winterlich. Ich war merkwürdig abwesend, vielleicht weil ich mich hier in der neuen Wohnung und so erst noch richtig einfinden muss. Es wird aber. Schnee habe ich übrigens nur einmal gesehen, ausgerechnet an dem Tag (11.02), als wir von Düsseldorf aus mal eine Woche nach Palma de Mallorca fliegen wollten. Natürlich haben die unfassbaren Schneemassen (3 cm *hüstel*) gleich mal Chaos ausgelöst und alles um eine gute Stunde verzögert wegen der nötigen Flugzeugenteisung. Später, als wir abends bei Tapas draußen saßen, war uns das aber schon wieder ganz egal.

Kleine Geste, große Wirkung.

In einem seiner Bücher („Guten Tach. Auf Wiedersehn“) hat Helge Schneider mal eine kleine Szene beschrieben, in der er während eines Auftritts quasi in Zeitlupe ziemlich lustig zu Boden geht. Ich weiß eigentlich gar nicht, wie ich da jetzt drauf komme, eigentlich wollte ich nur mal eben erzählen, wie bei mir dieses Jahr die Vorweihnachtszeit so läuft. Gestern z.B. wollte ich bloß ein bisschen Weihnachtspost erledigen. Schon die Voraussetzungen waren aber irgendwie ungünstig: Mich drückte die Zeit. Seit einigen Jahren schicke ich spätestens eine Woche vor Weihnachten ein paar Päckchen mit kleinen „Ich denk‘ an Dich“s an ein paar Leute, die fern von mir sind, sich aber nicht so anfühlen. Mein Väterchen bekommt eins, ein paar liebe Blogfreunde bekommen eins und die zauberhafte Freundin T. sollte diesmal ebenfalls was kriegen, denn durch meinen Umzug sehen wir uns leider nur noch sehr selten. Freundlichweise bekomme auch ich zu Weihnachten immer wieder sehr liebe Post und weiß daher, wie herzerwärmend das ist.

Eine Hauptzutat meiner Päckchen ist immer ein bisschen selbstgemachtes Genasche: Gebackenes, Marmeladiges und/oder Schokoliertes. Normalerweise kriege ich es auch in der ersten Dezemberhälfte hin, dass sich nach 2-3 mal Backen und Werkeln die Blechdosen allmählich füllen mit Kipferln, Zitronen-Marzipan-Plätzchen, Mandelbergen, „Karierten“ Keksen, Pralinchen, oder Toffees. Mir macht das ja auch total Spaß, aber es braucht eben Zeit. Und die hatte ich in diesem Jahr nicht. Im Job ist seit drei Wochen Land unter, weil die halbe Belegschaft krank ist und die andere Hälfte sich als Notbesetzung so durchschnorchelt. Ratet mal kurz, zu welcher Hälfte ich gehöre… Aber nicht schummeln! Der Liebste ist ebenfalls gerade mächtig ausgelastet mit bockiger Technik, überbordendem Auftragsaufkommen und sonstigen Katastophen. Abends schleppen wir uns also mal mehr, mal weniger gemeinsam vom Esstisch zur Couch zum Bett zur Arbeit. Da müssen wir durch. Das heißt aber u.a.: Für die Freunde des Hauses gibt’s in diesem Jahr leider keine selbstgestaltete Weihnachtskarte von uns! (Dabei hatten wir sogar ein-zwei ganz gute Ideen, die nun eben bis zur nächsten Gelegenheit warten müssen.) Ham’wa nich‘ geschafft… Wir sind betrübt, aber gefasst. – Nächstes Jahr wieder!

Doch wenigstens die Päckchen müssen sein!

Also habe ich Freitag extra etwas früher Schluss gemacht, bin in die Stadt gejagt, Kleinigkeiten und noch ein paar Zutaten besorgen, und habe dann bei der Post einen Schlag bekommen, als ich die Warteschlange sah: Also, wenn man bis auf die Straße und fast bis gegenüber ins Café Dobbelstein steht, nur um ein paar mittelkleine Packsets zu bezahlen, dann ist das vielleicht ganz toll, weil man sich gleich noch ein leckeres Stück Torte dazubestellen kann, aber ich hatte es ja eilig. „Bestimmt haste zuhause noch ausreichend Kartonage, das wird schon.“, dachte ich und drehte bei. Leider dachte ich nicht daran, dass ich diesmal ja gar auch keine Weihnachtskarten hatte (s.o.). Das sollte mir erst später wieder einfallen… Zuhause angekommen, suchte ich erstmal geeignete Kartons zusammen. Dass ich den jeweiligen Inhalt erstmal dafür im Arbeitszimmer ausleeren musste, machte ja nix. Wozu hat so ein Zimmer schließlich blickdichte Türen? Bald darauf glühte jedenfalls in der Küche der Backofen, rösteten obendrüber Mandelblättchen und schmolz Schokolade… -Wusstet Ihr übrigens, dass Hagelzucker auf dem Boden fast genauso schön knirscht wie verharschter Schnee, wenn man so drüber läuft? Also, falls jemand größere Mengen Puderzucker braucht…

Am späten Abend hatte ich dann ein bisschen was gebacken, eingewickelt, vertütet, foliert, erst in Grüppchen auf dem Teppich ausgebreitet und danach in den teilweise etwas übergroßen Kartons arrangiert, mithilfe von reichlich Füllpapier. Von der Anmutung wirkte das irgendwie ungewollt sparsamer als sonst, aber der Gedanke zählt. (Das Wohnzimmer sah vielleicht aus! Passte aber sehr gut zur Küche. Durchgängige Gestaltung.) Tja, aber jetzt kam: Und wo schreibe ich nun die Weihnachtsgrüße rein? Äh. Hmpf. Uff.

Ach, erstmal schlafen…

Gestern morgen stand ich schon wieder gegen halb sieben vorm Schreibtisch. Ich wollte so kleine Weihnachtsbriefe am Rechner gestalten und schreiben. Die Idee! Schnell ausgedruckt und fertig! (Man ahnt schon: Von wegen. Aus meiner Zeit in der Grafik weiß ich nämlich noch: Schnell-mal-eben-Ausdrucken dauert mindestens zwei Stunden!) Und was was soll ich sagen? Ich hatte rasch ein schönes Motiv für einen Brief, schrieb den ersten für meinen Vater (was dann ein bisschen dauerte, weil der Arme schon wieder länger nichts von mir gehört hat), wollte ihn drucken, und…

>ping!<

Der Drucker legt sich hin und will nicht mehr. Er kann mittenmal nur noch Photoschwarz, die anderen vier Patronen  sind mal eben Milch holen. Meine Nerven liegen blank. Schwarz-weiße Weihnachtsbriefe aus dem Drucker erfüllen gleich mal alle Qualitätskriterien nicht! Es ist schon acht Uhr durch, ich bin ungeduscht, habe noch mindestens drei Briefe zu schreiben, um zehn machen die Postschalter auf, und ich will nicht die sein, die weit weg davon vorm Kuchentresen stehen muss! Da sind doch noch diese Auffülldinger und Spritzen… Wo hab‘ ich die hin…? Ach, da… – Keine halbe Stunde später bin ich von oben bis unten mit schwarzer Tinte vollgesaut, fluche wie ein Buntspecht, bebe vor Wut und ziehe meterweise Küchenkrepp hinter mir her. Die Tischplatte und alles, was darauf ist, verschwindet fast unter Sprenkeln. – Wenn mich heute jemand fragt sollte, ob ich Punkte sammel‘, raste ich aber aus! Ich beiße in meinen Unteram, um nicht einfach loszubrüllen, denn ich wohne hier erst sieben Wochen, und was sollen schließlich die Nachbarn denken, wen sie sich da ins Haus geholt haben? (Immerhin habe ich selbst auf einem „ruhigen Haus“ als Grundbedingung bestanden.) Statt jetzt den Drucker und alles Umstehende aus dem Fenster zu werfen, versuche ich, ruhig zu bleiben und die aufgefüllten Patronen wieder einzusetzen. Drucktest. Drucktest. Langsam wird auch das Papier knapp. Der Drucker druckt jetzt immerhin nicht mehr schwarz. Er druckt gar nichts mehr. Die 14. Intensivreinigung aktiviert irgendwann cyan und gelb, aber das reicht mir nicht. Ich bin ein verwöhntes Biest und möchte anständige Weihnachtsgrüße oder gar keine! Es ist kurz vor zehn. Eine Entscheidung muss her. Mit letzter Kraft und kilometerweise Klebeband versiegele ich die Päckchen, schreibe zitternd darauf „Weihnachtskarte kommt separat!“, packe sie in große Tragetaschen und rufe meinen Mann an. Eigentlich wollten wir uns gleich entspannt in der Stadt treffen, jetzt muss er mich erstmal beruhigen und trösten, ich fühle mich nahezu reif für die Station. Wir beschließen, dass ich jetzt erstmal heiß duschen gehe, dann später beim Losgehen eine Nachricht schicke, und er mir bei der Post beisteht. Wir treffen uns dort. Nicht, dass ich noch aus Versehen zur Axtmörderin werde.

Die Dusche funktioniert immerhin, doch die Tintenflecken wollen nicht ganz abgehen. Wenigstens hat das Gesicht nix abgekriegt. Echt Glück im Unglück, haha. Ich ziehe mich an, ignoriere das  Chaos um mich herum, packe mein Zeug und marschiere zur Post. Und die Post ist voll. Sehr voll. Vor mir in der Schlange ein junger Mann in Lederblouson und Jogginghose, dazwischen jede Menge bloßer, haariger unterer Rücken. Ich konzentriere mich auf seine Schultern. Hinter mir ein älterer Herr, der erstaunlich viele Knietschgeräusche aus seinem Kaugummi rauszuholen versteht. Ich schaff‘ das. Mein Mann kommt gleich. Ich schaff‘ das. Mein Mann kommt gleich. Die Schalterjungs sind zu Plauereien aufgelegt. Meine Taschen schiebe ich mit dem Fuß zentimeterweise voran. Schon 20 Minuten. Der Blouson vor mir ist dran und beugt sich zutraulich über den Tresen. Gleich werde ich erblinden. Auch schon egal. Ich schaff‘ das. Mein Mann… Der Kaugummimann wird immer nervöser, schiebt sich näher an mich, neben mein Ohr. Ich möchte jetzt gern eine Ohnmacht vortäuschen.

– Ach, bin ich dran? Der Schaltermann fragt, ob der Inhalt meiner Päckchenlawine denn wertvoll sei. Grimmig antworte ich: „Sie können nicht ermessen, wie!“ – „Dann behalte ich die lieber gleich hier, höhö!“ Er zwinkert mich voll, donnert gut gelaunt alle möglichen Sticker drauf, nimmt mir eine Menge Geld ab und schenkt mir dafür einen schäbigen Zettel. Das wars.

Plötzlich bin ich frei.

Als ich mit halb zugekniffenen Augen wieder an die süße, frische Luft trete, kommt da gerade mein besorgt blickender Mann angelaufen.
Wir gehen frühstücken. Im Dobbelstein.
Und später auch noch Weihnachtskarten kaufen. Die kommen separat.

Kastanienbewegung 2016/17 – Von jetzt auf gleich: Abrupte Herbsthereinbrechung.

Ihr Lieben,

gerade eben waren’s noch über 30°C, ich lag japsend auf’m Diwan und murmelte ermattet: „Also, raus gehste aber erst, wenn das Wetter wieder zur Vernunft gekommen ist!“ Sommer ist ja wirklich ganz schön – Aber muss das denn immer alles so ruckartig sein?!? Uff.

Und als sich am Freitag dann die vielen kleinen Grad Celsiusse urplötzlich über Nacht schon wieder irgendwohin verzogen hatten, wo es jetzt vielleicht noch bunter zugeht, radelte ich in frühster Morgenkühle frisch zur Arbeit und fand dort beim Parkplatz prompt meine erste Kastanie des Jahres auf mich warten. Sowas!

Sie war offensichtlich gerade erst absichtlich vom Baum gefallen (bestimmt, weil sie mich schon gegenüber an der Ampel hatte stehen sehen), schimmerte fein und roch nach ganz frischem Herbst. Eine passende Manteltasche hatte ich nu‘ noch nicht dabei, also Hosentasche. Dafür zeigte ich ihr abends erstmal den Balkon (der ja auch gleich ’nen viel hübscheren Bildhintergrund ergibt als so ein oller Parkplatz):

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Gestatten: Brominenwinterbegleitung und persönliche Bluesabwehrbeauftragte.

Da standen wir nun. Und obwohl man gar nicht viel mehr hörte als ein bisschen Vogelzwitschern und etwas Stadtgebrumm, war das natürlich der Startschuss für

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Das Banner ist neu, wie jedes Jahr. Aber den Rest kennt Ihr ja schon. Trotzdem zur Erinnerung und für Neueinsteiger hier noch mal die Regeln:

  • Finde eine Kastanie. Die erste, die Dir vor die Füße rollt, ist Deine Winterkastanie. Deine Taschenbewohnerin. Deine Bollenfreundin für die nächsten Wochen und Monate.
  • Kommentiere unter diesem Eintrag, dass Du auch mit dabei bist! Ich nehme Dich dann gern (ggf. verlinkt) in die unten stehende Liste der Teilnehmer auf.
  • Die Kastanie wandert nun in Deine Mantel- oder Jackentasche. Dort bleibt sie bis zum Frühjahr. Wenn Du die Jacke wechselst, wandert die Kastanie natürlich immer mit, denn sie soll ja bei Dir sein, wenn Du draußen unterwegs bist und es dort mal ungemütlich wird. Dann seid Ihr schon mal zu zweit. Und außerdem sind da ja noch all die anderen Kastanienbeweger, denen es womöglich gerade ebenso geht. Es hat sich herausgestellt, dass das gegen feucht-kalten Trübsinn ausgezeichnet hilft.
  • Wenn es in einigen Monaten dann ganz langsam wieder heller, wärmer und zartgrün wird, dann rufe ich hier rechtzeitig einen bestimmten Tag, eine bestimmte Stunde aus, zu der jeder von uns (an seinem Ort), die Kastanie hervorholt, sich freundlich bei ihr bedankt, und dann werfen wir die liebe Bolle alle gleichzeitig mitsamt dem Winter weit, weit, weit fort. – So werden wir den Frühling einläuten! Wirst sehen, bis dahin wird sie Dir ans Herz gewachsen sein, und sie dann wieder „frei“ zu lassen, wird ein besonderer und auch feierlicher Moment sein. Das ist jedes Mal so, und je mehr von Euch mitmachen, umso schöner wird’s.
  • Und welchen Sinn soll das jetzt haben?
    Naja, also, ich mache das schon seit bestimmt 20 Jahren so, dass ich die erste Kastanie, die ich finde, jeweils in die Tasche stecke. Dort dient sie über den Herbst/Winter als Handschmeichlerin und erinnert mich vor Allem daran, dass auch die ungemütlichen, grauen Zeiten wieder vergehen und es dann wieder heller wird. Mit anderen Worten: Eine kleine Selbstmedikation gegen Stimmungsdurchhänger in funzligen, usseligen Jahreszeiten, für die ich ziemlich anfällig bin. Andere offenbar auch, denn nachdem ich mal darüber gebloggt hatte, machten spontan ganz viele mit, seither heißt die Sache „Kastanienbewegung“. Das gemeinsame Ritual des Winter-Wegschmeißens im Frühling hilft wohl nicht nur meinen Lebensgeistern. Aber auch ohne Winterblues ist so ein kleines Ritual ganz hüsch. (Übrigens ist das dann in diesem Jahr schon die 10. Kastanienbewegung!)

Jedenfalls: Wenn Du ebenfalls Blogger bist, freue ich mich natürlich besonders über einen Eintrag, der Deine Kastanie beschreibt und/oder zeigt, am liebsten getaggt mit „kastanienbewegung“ und einer Verlinkung hier herüber. Das obige Banner kannst Du natürlich gern einfügen. Gib‘ mir in Deinem Kommentar einen Wink, wo ich Deinen Eintrag finden kann, damit ich Deinen Namen in der Teilnehmerliste auch vernünftig zurückverlinken kann. Ich weiß, dass es Teilnehmer und Leser gibt, die sich da sehr gern durchstöbern und dabei auch schon mal neue Blogs für sich entdecken. (Außerdem mag ich es, wenn sich Kreise schließen.)

Auch falls Du keinen Blog betreibst, bist Du natürlich hier willkommen. Einfach mal in den Kommentaren zwinkern oder „Piep!“ machen oder so. Manche von Euch sind vielleicht auch bei faceb**k, auch da kannst Du vielleicht ein Bildchen posten… – Ich freue mich, Dich zu sehen. So oder so oder so… – Los geht’s!

Viel Spaß bei der Kastanienfindung & Liebe Grüße!

Euro Theo

Teilnehmer:

(…)

„Liebster Award“ (Es kommen übrigens NICHT vor: Glühbirnen, Waschbären und Installations-Tutorials.)

liebsteraward-300x271Das letzte Einhirn hat mich, es ist nun schon ein bisschen her, für diese Aktion nominiert. Ich wusst‘ allerdings erstmal gar nicht: Was hat es denn mit diesem Award überhaupt auf sich, der da im Netz offenbar so verbreitet ist? Die kurze Recherche ergibt: Es scheint sich um eine Art netten Kettenbrief zu handeln, den man an Blogs weitergibt, die einem gut gefallen. Die man also gern liest, und auf die man gern mal hinweisen möchte. Und so verlinkt sich alles miteinander hübsch kreuz und quer, was für mich sowieso immer ein wichtiger Aspekt im Bloggen überhaupt war: Stöbern gehen, gute Texte finden, innerlich bereichert werden, Kontakt herstellen. – Preisverleihungen im eigentlichen Sinne gibt’s übrigens keine, aber jeweils ein bisschen verdiente Aufmerksamkeit für Menschen, die sich gern mal etwas krummlegen für’s geschrieben Wort.

Es gilt also einen Fragebogen auszufüllen, dessen Fragen wohl ihren Ursprung im klassischen FAZ-Fragebogen haben. Der ausgewählte Blogger sollte wenigstens 11 Fragen daraus beantworten, darf sich aber auch gern eigene ausdenken, was die Sache noch ein wenig persönlicher/origineller/spannender/überrraschender machen kann. Anschließend wird der Award weiter gereicht, samt anständiger Verlinkung zur nächsten Station. – Das zu den Regeln, die ich so gefunden habe. Und nun Obacht. Hier kommt meine Bleiwüste…

Was ist für Sie das größte Unglück?
Na, das fängt ja sonnig an. Ich glaube, das größte Unglück ist, unter Zwängen zu stehen, die einen daran hindern, der zu sein, der man ist. Vermutlich macht nichts Menschen unglücklicher.

Wo möchten Sie leben?
An einem Ort, an dem gleichzeitig (oder abwechselnd) Leben und Ruhe stattfindet. Ich mag die vielen, anregenden Möglichkeiten einer Stadt, bestehe dort aber auf einer ruhigen Seitenstraße. Spazierfläche mit Wasser darf auch gern in der Nähe sein. – Und vor allem Bäume! Und sowieso: Ein anständiges Süßwarengeschäft. Diffuser Plan: Der Liebste sorgt irgendwann für angemessenen Wohnraum mitten in der Stadt, aber so-richtig-idyllisch, und ich mache an der nächsten Ecke eine ordentlich brummende Feinkostbude auf.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Mit mir selbst im Reinen zu sein. Von Lebensfreude gekitzelt zu werden, bis ich lachen muss. Die Umarmung des Liebsten.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Wenn jemand wirklich nicht anders konnte…

Ihre liebsten Romanhelden?
Pünktchen und Anton. Leo Hertzberg. Frau K. – Die fallen mir spontan ein.

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Hm. Möff… Geschichte, ja?

Ihr wichtigster Lehrmeister?
Ganz ehrlich? Ich selbst. In meiner Kindheit war ich mir meistens selbst überlassen und habe früh gelernt: Lies viel, hör‘ viel zu, guck‘ Dir ab, wie’s geht. Pick‘ Dir raus, was Du brauchst. Bis Mitte Zwanzig war ich dennoch ziemlich chaotisch, wurschtelte mich mehr oder weniger durch. Dann muss es plötzlich im Kopf irgendwo „Ping!“ gemacht haben, seither übe ich mich in Eigenverantwortung. – Klappt heute noch ganz gut.

Ihr Lieblingskomponist?
Miss A., always.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?
Na, die Zwei fasse ich direkt mal zusammen. Ich mag bei Beiden gleichermaßen: Wenn jemand zuhören kann und des Sehens fähig ist, Respekt und Interesse für Andere hat (die vielleicht sogar so richtig anders sind). Und ich mag Leute, die nicht nur selbst Humor haben, sondern ihn auch an anderen wertschätzen und ihm Platz einräumen.

Ihre Lieblingstugend?
Ehrlichkeit, bitte unbedingt gepaart mit freundlicher Diplomatie.
Ich verabscheue z.B. hingekübeltes Runterputzen, das mit einem nachgeschobenen „Ich bin wenigstens ehrlich!“ legitimiert werden soll. – Diplomatie und Empathie sind Königsdisziplinen. Hätte ich gern öfter in der Welt.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Gucken und Atmen. So ein bisschen Herum-Sein. Noch schöner mit Handhalten und/oder  Kuchen.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?
Im nächsten Leben: Mauersegler. Die sind immer in der Luft. (Wer’s nicht glaubt, sollte mal g**geln.)

Ihr Hauptcharakterzug?
Uff. Da behauptet jetzt wahrscheinlich eh‘ jeder was Anderes… – Helft mir mal!

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?
Siehe etwas weiter oben.

Ihre größte Schwäche?
Die Unfähigkeit, rauszukriegen, wie das mit dem dicken Fell geht. Immer noch, nach all‘ den Jahren… (Und: Sätze mit drei Pünktchen beenden.)

Ihr Traum vom Glück?
Ganz profan und doch so schwer: Zeit und Mittel zu haben, um den ganzen Tag zu tun, was ich möchte. Manchmal möchte ich schlichtweg stundenlang große Löcher in die Luft gucken, während mir alles Mögliche durch’s Hirn tollen darf, manchmal lieber in einer Werkstatt ganz praktisch mit irgendwas Schönem spontan loslegen können. – Also: Freiheit.

Ihre Lieblingsfarbe?
Diese Frage ist schwerer zu beantworten als gedacht. Früher, in den 90ern, war es mal Blau. Je mehr, desto besser. Ich glaube aber, dass eine Lieblingsfarbe einem immer das geben soll, was gerade im Leben fehlt. Blau steht für Klarheit, aber auch für Distanz, Ferne, Kühle. Blau entfernt bzw. entzieht sich. Offenbar fehlte mir das mal. In den 2000ern hatte ich auch mal eine Pinkphase, die ich mir jedoch nicht richtig gestattete, weil Pink nun mal doof assoziiert ist. Ich wollte nicht, dass man das auch auf mich überträgt, also habe ich sparsam dosiert oder kombiniert. Grundsätzlich liebe ich Farbe, mag Weiß als Bühne für bunte Akzente, mag es wild, aber auch gern Ton in Ton. Schwarz aber gibt’s bei mir nur als Klamotte, in meiner Einrichtung kommt es nur aus Versehen einmal vor: Der Schreibtischstuhl, den gab’s nur in schwarz. Ich überlege seit Jahren, ihm mal einen Überzieher zu nähen. Aber ich hab‘ das Gefühl, er möchte eigentlich lieber bleiben, wie er ist. Braun lehne ich schon aus politischen Gründen ab. Aber z.B. als Baumstamm, zierliches Gezweig oder Schokolade ist es natürlich willkommen.

Ihre Lieblingsblume?
Pfingstrose. Und da ich immer um Pfingsten herum Geburtstag habe, bekomme ich manchmal sehr schöne Sträuße aus den Gärten der Freundinnen.

Ihr Lieblingstier?
Na, Mauersegler! Und der Hase. Und Eichhörnchen. Eigentlich alles. Außer Mücken.

Ihr Lieblingsschriftsteller?
Es gibt keine Nummer eins.
Kästner, S. Hustvedt, F. Müller, H. Miller, Capote, Fitzgerald, Willemsen, Borowiak, Juretzka, J. Zeh, (…)

Ihr Lieblingslyriker?
Rainer Maria Rilke. (Eignet sich auch hervorragend als Stoßseufzer, übrigens.)

Ihre Helden in der Wirklichkeit?
Tapfere Mädchen. Die halten irgendwie alles zusammen.

Was verabscheuen Sie am meisten?
Flauschiges Zeug im Kühlschrank? Ungerechtigkeit und Aggression kann ich aber auch nur schwer aushalten.

Welche Erfindung bewundern Sie am meisten?
Sprache und Schrift, vielleicht.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
*dicker Seufzer* Langmut.

Wie möchten Sie sterben?
Bewusst und friedlich. Wenn’s eventuell ginge, sogar fröhlich.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Wenn ich auch hier ganz ehrlich bin: Ich habe mich gerade ein bisschen verloren und hoffe, mich bald wiederzufinden. Ich vermisse mich mitunter nämlich ganz schön.

Ihr Motto?
„Wenn im Zweifel, – tu’s nicht.“
(Alternativ: „Männer weichen ein, Frauen waschen ab.“ – Danke dafür an Frau Müller.)

Eigene Frage: Wozu Bloggen? – Was ist Bloggen für Sie?
Eine Möglichkeit, mich in Texten auszuprobieren und das Ergebnis einer kleinen Öffentlichkeit hinzuhalten. Ist immer mal jemand dabei, der ahnt, was ich da sagen möchte. Wenn in Kommentaren dann noch gute Gespräche entstehen, ist es eine Erfüllung. Seit 2007 blogge ich, früher bei Blog.de, wo ich mit erstaunlich vielen herzensguten, klugen, witzigen Menschen und einigen absolut Bekloppten in Kontakt kam. Ein paar Jahre war der allgemeine Austausch sehr intensiv, ich war zeitweise ganz elektrisch, hatte erfreulich viele Leser, bloggte was das Zeug hielt, wurde später dann zunehmend ruhiger, auch vorsichtiger. So wie fast alle. Insgesamt hat Bloggen deutlich Einfluss auf mein Leben gehabt. Beispielsweise hat es mir, neben ordentlich Trubel, eine lange Fernbeziehung, eine spätere Eheschließung und schließlich einen Umzug nach Duisburg eingebracht. Mittlerweile, auf der eigenen Webseite, fehlt mir die Vernetzung von Früher doch ganz schön, weil man eher in einen weiten Raum spricht und zögerlicher Antwort bekommt. Ich versuche aber, nicht zu sehr mit Früher zu vergleichen und schreibe ab und zu, wenn ich merke, dass sich da wieder mal Webstaben im Kopf zusammenrotten und gern raus möchten.

Eigene Frage: Genusstyp oder nicht?
Ja. Jajaja. Ja! Ich genieße, wo und wann ich kann. Gutes Essen, Berührung, wohlige Stimmung, Ausblick, Geräusch, Nähe, Stille, Bewegung, Harmonie. Menschen, die es sich nicht ab und zu mal richtig nett machen können, irritieren mich. Ist ganz egal, ob Süßkram oder lieber Chips, Sofa oder Freeclimbing, Modellbau oder Kochen: Jeder sollte etwas haben, das er genießt, das ihn ab und zu aus dem Alltag rettet.

Gemopste Frage von „Das letzte Einhirn“: Welcher Geruch erinnert Dich sofort an früher?
Der Geruch, der aus manchen Kellern kommt. Diese feucht-dunkel-erdige. Ich bin dann wieder das kleine Mädchen, das vorsichtig die Kellertreppe im Reihenhäuschen der Großeltern in Springe heruntertappst, nachdem es mit dem Drehschalter Licht angeknipst hat, um für den Opa eine Flasche Bier zum Abendbrot hochzuholen, oder eine der Mettwürste, die am Regal hängen. Oder ein Glas von Omas eingekochten Kirschen oder so. Wenn ich bei meinen Großeltern war, durfte ich zum Abendbrot ein Schnapsglas voll Bier trinken. Das wurde vorher zum Anwärmen auf die Heizung gestellt und sollte wohl sicherstellen, dass das Kind bald müde wird und schön durchschläft. Das waren noch andere Zeiten! Heute müssen die Kinder mit Conny-Geschichten ins Bett.

So. Ja. Puh, das war’s soweit.

Nominieren fällt mir jetzt schwer, ich würde mich freuen, wenn die liebe Bellona vielleicht…? Wenn Zeit und Lust vorhanden…? Ansonsten betrachte sich bitte jeder als eingeladen, diesen Fragebogen weiterzutragen und nach Herzenslust zu verkürzen oder zu erweitern. (Gern auch in den Kommentaren, übrigens. Es hat ja nicht jeder einen Blog.) Hier sind auch noch mal die Fragen:

Was ist für Sie das größte Unglück?
Wo möchten Sie leben?
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Ihre liebsten Romanhelden?
Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Ihr wichtigster Lehrmeister?
Ihr Lieblingskomponist?
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?
Ihre Lieblingstugend?
Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Wer oder was hätten Sie sein mögen?
Ihr Hauptcharakterzug?
Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?
Ihre größte Schwäche?
Ihr Traum vom Glück?
Was möchten Sie sein?
Ihre Lieblingsfarbe?
Ihre Lieblingsblume?
Ihr Lieblingstier?
Ihr Lieblingsschriftsteller?
Ihr Lieblingslyriker?
Ihre Helden in der Wirklichkeit?
Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?
Was verabscheuen Sie am meisten?
Welche Erfindung bewundern Sie am meisten?
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Wie möchten Sie sterben?
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Ihr Motto?

Viel Spaß damit!

Achtung: Kastanienwurf naht!

Na, Ihr Bollenherumträger?

Juckt’s Euch schon in der Wurfhand? Ich glaub‘, so langsam wird’s, oder?

Dieser Winter war zwar schmuddelig, wir haben selten den Himmel oder gar Sonne gesehen, aber böse, sibirische Fröste blieben zum Glück, naja, in Sibirien oder so. Und neulich hatten wir ja sogar schon mal deutliche Plusgrade, die sich sehr frühlingshaft anfühlten. Und prompt hat die Eine oder der Andere spontan mit verfrühtem Kastanienrauswurf reagiert, wie man so liest. *grins* Hier macht ja anscheinend jeder, was er will. – Recht so! Überschwang ist Überschwang, da muss das manchmal eben sein.

Aber ich muss mich natürlich an die Regeln halten, – schließlich habe ich sie erfunden.
Und die Regeln besagen: Frühling ist nicht, wenn Schneeglöckchen blühen (das merkt man ja schon am Namen, eigentlich). Nicht mal, wenn die Krokusse loslegen (auch, wenn sie natürlich bildhübsch sind). Und auch nicht, wenn die Sträucher und Bäume dicke Knospen haben.
Nein, richtig Frühling ist erst dann, wenn sich aus diesen Knospen auch wirklich die ersten grünen Blättchen schieben. Man muss natürlich regelmäßige Kontrollgänge unternehmen und auch schon mal Zweige vorsichtig befühlen und beäugen. Das habe ich immer wieder getan, und meine Recherchen haben nun Folgendes ergeben: Sowohl in Hannover als auch in Duisburg finden sich schon deutlich sichtbare grüne Blattspitzen, die leise wispern: „Raus! Raus! Nix wie raus!“ In Süddeutschland werden sie wohl schon viel besser zu erkennen sein, in Berlin hingegen braucht man eventuell noch die gute, alte Lupe, denn da herrscht öfter mal pfiffiger Ostwind.

Insgesamt sollte es aber am nächsten Wochenende gut passen, denke ich.
Und deshalb rufe ich den gemeinsamen Kastanienwurf in dieses Jahr für
Sonntag, den 22. März um 12:00 Uhr aus.

Kastanienbewegung-2014_15

Schnappt Euch die ollen Winterjacken, ein Likörchen oder vielleicht auch ein Heißgetränk, sucht Euch ein hübsches Plätzchen, prostet vielleicht mal in die unsichtbare, aber fühlbar anwesende Bloggerrunde, herzt und küsst die kleine Verschrumpelte noch mal, sagt artig „Danke schön!“ und schenkt ihr anschließend einen aufregenden Flug in die Freiheit!

Freu‘ mich auf Euch,
Eure Theo