„Liebster Award“ (Es kommen übrigens NICHT vor: Glühbirnen, Waschbären und Installations-Tutorials.)

liebsteraward-300x271Das letzte Einhirn hat mich, es ist nun schon ein bisschen her, für diese Aktion nominiert. Ich wusst‘ allerdings erstmal gar nicht: Was hat es denn mit diesem Award überhaupt auf sich, der da im Netz offenbar so verbreitet ist? Die kurze Recherche ergibt: Es scheint sich um eine Art netten Kettenbrief zu handeln, den man an Blogs weitergibt, die einem gut gefallen. Die man also gern liest, und auf die man gern mal hinweisen möchte. Und so verlinkt sich alles miteinander hübsch kreuz und quer, was für mich sowieso immer ein wichtiger Aspekt im Bloggen überhaupt war: Stöbern gehen, gute Texte finden, innerlich bereichert werden, Kontakt herstellen. – Preisverleihungen im eigentlichen Sinne gibt’s übrigens keine, aber jeweils ein bisschen verdiente Aufmerksamkeit für Menschen, die sich gern mal etwas krummlegen für’s geschrieben Wort.

Es gilt also einen Fragebogen auszufüllen, dessen Fragen wohl ihren Ursprung im klassischen FAZ-Fragebogen haben. Der ausgewählte Blogger sollte wenigstens 11 Fragen daraus beantworten, darf sich aber auch gern eigene ausdenken, was die Sache noch ein wenig persönlicher/origineller/spannender/überrraschender machen kann. Anschließend wird der Award weiter gereicht, samt anständiger Verlinkung zur nächsten Station. – Das zu den Regeln, die ich so gefunden habe. Und nun Obacht. Hier kommt meine Bleiwüste…

Was ist für Sie das größte Unglück?
Na, das fängt ja sonnig an. Ich glaube, das größte Unglück ist, unter Zwängen zu stehen, die einen daran hindern, der zu sein, der man ist. Vermutlich macht nichts Menschen unglücklicher.

Wo möchten Sie leben?
An einem Ort, an dem gleichzeitig (oder abwechselnd) Leben und Ruhe stattfindet. Ich mag die vielen, anregenden Möglichkeiten einer Stadt, bestehe dort aber auf einer ruhigen Seitenstraße. Spazierfläche mit Wasser darf auch gern in der Nähe sein. – Und vor allem Bäume! Und sowieso: Ein anständiges Süßwarengeschäft. Diffuser Plan: Der Liebste sorgt irgendwann für angemessenen Wohnraum mitten in der Stadt, aber so-richtig-idyllisch, und ich mache an der nächsten Ecke eine ordentlich brummende Feinkostbude auf.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Mit mir selbst im Reinen zu sein. Von Lebensfreude gekitzelt zu werden, bis ich lachen muss. Die Umarmung des Liebsten.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Wenn jemand wirklich nicht anders konnte…

Ihre liebsten Romanhelden?
Pünktchen und Anton. Leo Hertzberg. Frau K. – Die fallen mir spontan ein.

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Hm. Möff… Geschichte, ja?

Ihr wichtigster Lehrmeister?
Ganz ehrlich? Ich selbst. In meiner Kindheit war ich mir meistens selbst überlassen und habe früh gelernt: Lies viel, hör‘ viel zu, guck‘ Dir ab, wie’s geht. Pick‘ Dir raus, was Du brauchst. Bis Mitte Zwanzig war ich dennoch ziemlich chaotisch, wurschtelte mich mehr oder weniger durch. Dann muss es plötzlich im Kopf irgendwo „Ping!“ gemacht haben, seither übe ich mich in Eigenverantwortung. – Klappt heute noch ganz gut.

Ihr Lieblingskomponist?
Miss A., always.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?
Na, die Zwei fasse ich direkt mal zusammen. Ich mag bei Beiden gleichermaßen: Wenn jemand zuhören kann und des Sehens fähig ist, Respekt und Interesse für Andere hat (die vielleicht sogar so richtig anders sind). Und ich mag Leute, die nicht nur selbst Humor haben, sondern ihn auch an anderen wertschätzen und ihm Platz einräumen.

Ihre Lieblingstugend?
Ehrlichkeit, bitte unbedingt gepaart mit freundlicher Diplomatie.
Ich verabscheue z.B. hingekübeltes Runterputzen, das mit einem nachgeschobenen „Ich bin wenigstens ehrlich!“ legitimiert werden soll. – Diplomatie und Empathie sind Königsdisziplinen. Hätte ich gern öfter in der Welt.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Gucken und Atmen. So ein bisschen Herum-Sein. Noch schöner mit Handhalten und/oder  Kuchen.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?
Im nächsten Leben: Mauersegler. Die sind immer in der Luft. (Wer’s nicht glaubt, sollte mal g**geln.)

Ihr Hauptcharakterzug?
Uff. Da behauptet jetzt wahrscheinlich eh‘ jeder was Anderes… – Helft mir mal!

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?
Siehe etwas weiter oben.

Ihre größte Schwäche?
Die Unfähigkeit, rauszukriegen, wie das mit dem dicken Fell geht. Immer noch, nach all‘ den Jahren… (Und: Sätze mit drei Pünktchen beenden.)

Ihr Traum vom Glück?
Ganz profan und doch so schwer: Zeit und Mittel zu haben, um den ganzen Tag zu tun, was ich möchte. Manchmal möchte ich schlichtweg stundenlang große Löcher in die Luft gucken, während mir alles Mögliche durch’s Hirn tollen darf, manchmal lieber in einer Werkstatt ganz praktisch mit irgendwas Schönem spontan loslegen können. – Also: Freiheit.

Ihre Lieblingsfarbe?
Diese Frage ist schwerer zu beantworten als gedacht. Früher, in den 90ern, war es mal Blau. Je mehr, desto besser. Ich glaube aber, dass eine Lieblingsfarbe einem immer das geben soll, was gerade im Leben fehlt. Blau steht für Klarheit, aber auch für Distanz, Ferne, Kühle. Blau entfernt bzw. entzieht sich. Offenbar fehlte mir das mal. In den 2000ern hatte ich auch mal eine Pinkphase, die ich mir jedoch nicht richtig gestattete, weil Pink nun mal doof assoziiert ist. Ich wollte nicht, dass man das auch auf mich überträgt, also habe ich sparsam dosiert oder kombiniert. Grundsätzlich liebe ich Farbe, mag Weiß als Bühne für bunte Akzente, mag es wild, aber auch gern Ton in Ton. Schwarz aber gibt’s bei mir nur als Klamotte, in meiner Einrichtung kommt es nur aus Versehen einmal vor: Der Schreibtischstuhl, den gab’s nur in schwarz. Ich überlege seit Jahren, ihm mal einen Überzieher zu nähen. Aber ich hab‘ das Gefühl, er möchte eigentlich lieber bleiben, wie er ist. Braun lehne ich schon aus politischen Gründen ab. Aber z.B. als Baumstamm, zierliches Gezweig oder Schokolade ist es natürlich willkommen.

Ihre Lieblingsblume?
Pfingstrose. Und da ich immer um Pfingsten herum Geburtstag habe, bekomme ich manchmal sehr schöne Sträuße aus den Gärten der Freundinnen.

Ihr Lieblingstier?
Na, Mauersegler! Und der Hase. Und Eichhörnchen. Eigentlich alles. Außer Mücken.

Ihr Lieblingsschriftsteller?
Es gibt keine Nummer eins.
Kästner, S. Hustvedt, F. Müller, H. Miller, Capote, Fitzgerald, Willemsen, Borowiak, Juretzka, J. Zeh, (…)

Ihr Lieblingslyriker?
Rainer Maria Rilke. (Eignet sich auch hervorragend als Stoßseufzer, übrigens.)

Ihre Helden in der Wirklichkeit?
Tapfere Mädchen. Die halten irgendwie alles zusammen.

Was verabscheuen Sie am meisten?
Flauschiges Zeug im Kühlschrank? Ungerechtigkeit und Aggression kann ich aber auch nur schwer aushalten.

Welche Erfindung bewundern Sie am meisten?
Sprache und Schrift, vielleicht.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
*dicker Seufzer* Langmut.

Wie möchten Sie sterben?
Bewusst und friedlich. Wenn’s eventuell ginge, sogar fröhlich.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Wenn ich auch hier ganz ehrlich bin: Ich habe mich gerade ein bisschen verloren und hoffe, mich bald wiederzufinden. Ich vermisse mich mitunter nämlich ganz schön.

Ihr Motto?
„Wenn im Zweifel, – tu’s nicht.“
(Alternativ: „Männer weichen ein, Frauen waschen ab.“ – Danke dafür an Frau Müller.)

Eigene Frage: Wozu Bloggen? – Was ist Bloggen für Sie?
Eine Möglichkeit, mich in Texten auszuprobieren und das Ergebnis einer kleinen Öffentlichkeit hinzuhalten. Ist immer mal jemand dabei, der ahnt, was ich da sagen möchte. Wenn in Kommentaren dann noch gute Gespräche entstehen, ist es eine Erfüllung. Seit 2007 blogge ich, früher bei Blog.de, wo ich mit erstaunlich vielen herzensguten, klugen, witzigen Menschen und einigen absolut Bekloppten in Kontakt kam. Ein paar Jahre war der allgemeine Austausch sehr intensiv, ich war zeitweise ganz elektrisch, hatte erfreulich viele Leser, bloggte was das Zeug hielt, wurde später dann zunehmend ruhiger, auch vorsichtiger. So wie fast alle. Insgesamt hat Bloggen deutlich Einfluss auf mein Leben gehabt. Beispielsweise hat es mir, neben ordentlich Trubel, eine lange Fernbeziehung, eine spätere Eheschließung und schließlich einen Umzug nach Duisburg eingebracht. Mittlerweile, auf der eigenen Webseite, fehlt mir die Vernetzung von Früher doch ganz schön, weil man eher in einen weiten Raum spricht und zögerlicher Antwort bekommt. Ich versuche aber, nicht zu sehr mit Früher zu vergleichen und schreibe ab und zu, wenn ich merke, dass sich da wieder mal Webstaben im Kopf zusammenrotten und gern raus möchten.

Eigene Frage: Genusstyp oder nicht?
Ja. Jajaja. Ja! Ich genieße, wo und wann ich kann. Gutes Essen, Berührung, wohlige Stimmung, Ausblick, Geräusch, Nähe, Stille, Bewegung, Harmonie. Menschen, die es sich nicht ab und zu mal richtig nett machen können, irritieren mich. Ist ganz egal, ob Süßkram oder lieber Chips, Sofa oder Freeclimbing, Modellbau oder Kochen: Jeder sollte etwas haben, das er genießt, das ihn ab und zu aus dem Alltag rettet.

Gemopste Frage von „Das letzte Einhirn“: Welcher Geruch erinnert Dich sofort an früher?
Der Geruch, der aus manchen Kellern kommt. Diese feucht-dunkel-erdige. Ich bin dann wieder das kleine Mädchen, das vorsichtig die Kellertreppe im Reihenhäuschen der Großeltern in Springe heruntertappst, nachdem es mit dem Drehschalter Licht angeknipst hat, um für den Opa eine Flasche Bier zum Abendbrot hochzuholen, oder eine der Mettwürste, die am Regal hängen. Oder ein Glas von Omas eingekochten Kirschen oder so. Wenn ich bei meinen Großeltern war, durfte ich zum Abendbrot ein Schnapsglas voll Bier trinken. Das wurde vorher zum Anwärmen auf die Heizung gestellt und sollte wohl sicherstellen, dass das Kind bald müde wird und schön durchschläft. Das waren noch andere Zeiten! Heute müssen die Kinder mit Conny-Geschichten ins Bett.

So. Ja. Puh, das war’s soweit.

Nominieren fällt mir jetzt schwer, ich würde mich freuen, wenn die liebe Bellona vielleicht…? Wenn Zeit und Lust vorhanden…? Ansonsten betrachte sich bitte jeder als eingeladen, diesen Fragebogen weiterzutragen und nach Herzenslust zu verkürzen oder zu erweitern. (Gern auch in den Kommentaren, übrigens. Es hat ja nicht jeder einen Blog.) Hier sind auch noch mal die Fragen:

Was ist für Sie das größte Unglück?
Wo möchten Sie leben?
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Ihre liebsten Romanhelden?
Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Ihr wichtigster Lehrmeister?
Ihr Lieblingskomponist?
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?
Ihre Lieblingstugend?
Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Wer oder was hätten Sie sein mögen?
Ihr Hauptcharakterzug?
Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?
Ihre größte Schwäche?
Ihr Traum vom Glück?
Was möchten Sie sein?
Ihre Lieblingsfarbe?
Ihre Lieblingsblume?
Ihr Lieblingstier?
Ihr Lieblingsschriftsteller?
Ihr Lieblingslyriker?
Ihre Helden in der Wirklichkeit?
Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?
Was verabscheuen Sie am meisten?
Welche Erfindung bewundern Sie am meisten?
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Wie möchten Sie sterben?
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Ihr Motto?

Viel Spaß damit!

Verheiratet mit zwei Klingelschildern.

Gestern habe ich mich was getraut. Etwas, wovon ich bis vor einem Jahr nicht gedacht hätte, dass es für mich mal was mit „sich trauen“ zu tun haben könnte. Ich hab‘ nämlich einigen Kollegen erzählt, dass ich bald schon wieder umziehen werde. Nicht, dass das nun was besonders Schlimmes wäre. (Mal abgesehen vom Umziehen an sich.) Allerdings bin ich ja gerade erst vor 3 Monaten nach Duisburg gezogen, zu meinem werten Herrn Ehegatten. Das hatte ich im Büro schon relativ freimütig erzählt, obwohl es ja eher ungewöhnlich ist, dass wir zwar verheiratet sind, jedoch vorher noch nie zusammen gewohnt haben. Aber dass wir jetzt nach bald sechs Jahren Fernbeziehung auch nur übergangshalber zusammen wohnen, weil der Plan immer klar war, dass wir auch in der selben Stadt wieder getrennte Wohnungen haben möchten, – das hatte ich bisher eher unter den Tisch fallen lassen.

Ich hatte schlichtweg keine Lust, mich zu erklären, womöglich zu rechtfertigen. Keine Lust auf Reaktionen wie: „Ahaaa… Das ist ja interessant… Naja, jeder wie er mag… Hm. – Aber ich könnte das nicht!“ Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich mittlerweile in einem Unternehmen beschäftigt bin, in dem man fast Beamtenstatus hat, also ist alles ziemlich konservativ. Ich wirke dort ja bereits ein wenig flippig, weil ich morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit komme und nicht mit dem regelmäßig frisch polierten Wagen. Und in der Pause esse ich Bio(!)joghurts oder auch schon mal Curry oder selbstgemachte thailändische Sommerrollen. Das ist fast hippiesk. Wenn die wüssten, das ich auch gar nicht CDU wähle! Und nun bin ich zwar verheiratet, will aber gar nicht mit meinem Mann zusammen sein! Und davor bloß Fernbeziehung, aber heiraten! Versteh‘ das einer! Was ist das denn für ’ne Beziehung!? Und was das auch kostet, so mit zwei Wohnungen!

Meine neuen Kollegen hier sind aber übrigens alle sehr nett und manche sind sogar deutlich witzig. Einige von denen habe ich mittlerweile richtig gern. Vielleicht habe ich mich deswegen gesorgt, dass sie mich erst recht „komisch“ finden, wenn ich ein anderes Lebensmodell habe als sie. Ich hatte es hier im Blog ja noch nicht richtig erzählt, aber in der letzten Stelle in Hannover (im selben Unternehmen *räusper*) hatte ich zwei sehr garstige Kolleginnen, die übel mit mir umgesprungen sind. Ich verwende in diesem Zusammenhang selbst nicht gern das Wort „Mobbing“ (jedoch allerdings einige, die es direkt mitbekommen haben oder denen ich davon erzählt habe), aber eine deutliche Vorstufe war’s ganz sicher. Diese Kolleginnen waren sehr gehässig, gern schadenfroh und jederzeit auf lustige Macht- bzw, Erniedrigungsspielchen aus. Wer da ein bisschen anders war und es auch bleiben wollte, kriegte den ganzen Tag auf’s Fell. Leider war meines bald dünn und an einigen Stellen sogar kahl. Hilfreich beigesprungen ist mir leider erstmal niemand, teils aus Angst, selbst zur Zielscheibe zu werden (Kollegen), teils wegen Nicht-mitgekriegt (Chefs). Da wird man natürlich ziemlich vorsichtig, traurig und wütend. Auch als Individuum möchte man doch ganz gern einer Gruppe zugehörig sein oder wenigstens nicht dauernd beharkt werden. Vor allem, wo man doch im Job so viel Lebenszeit miteinander verbringt!

Die Reaktion auf meine Erzählung gestern war denn auch erstmal genau wie oben erwähnt, erstaunt, verwundert und irritiert. Aber dann glücklicherweise trotzdem nett. Nach kurzer Erklärung, wieso und warum, waren wir dann schnell schon wieder bei Mietverträgen, Quadratmetern, Wohnvierteln, Umzugsorganisation und schlimmen Tapetenmustern. Vermutlich wird man demnächst trotzdem hinter meinem Rücken so ein bisschen rätseln, wie eine Beziehung denn überhaupt so funktionieren kann, aber nuja…

Aber jetzt mal meine Frage: Wieso denn eigentlich nicht??? Verdorrinochmal!

Bloß, weil es eben allgemeiner Standard ist, dass Paare auch zusammen wohnen? (Erst recht verheiratete?) Die Zimmer teilen, Tisch und Bett und Unterbuxe? Das hatte ich übrigens schon zweimal, beide Male über Jahre (bis auf die Sache mit der Unterbuxe). Und war beide Male froh, als ich hinterher wieder meine eigene Bleibe hatte. Erstens bin ich einfach unheimlich gern alleine in meiner Wohnung, mache die Tür von innen zu und bin „für mich“. Punkt. Das kennt vermutlich fast jeder. Zweitens ist es so, dass sobald da noch mehr Leute sind, ganz viel von mir eben „für Andere“ ist. Meine Aufmerksamkeit richtet sich offenbar rasch nach außen. Wenn nämlich außer mir noch jemand da ist, bekomme ich auch immer nebenbei mit, was er gerade tut, sebst wenn wir grad‘ gar nichts zusammen machen. Ich sitze vielleicht einfach im Wohnzimmer und kriege mit: Aha, er geht in die Küche und trinkt ein Glas Wasser. Jetzt geht er ins Bad. Er sucht im Flur in seiner Tasche herum… – Ich habe also quasi immer meine Antennen draußen. Ich weiß, dass viele Menschen es total beruhigend finden, wenn da jemand in der Nähe ist. Mich macht das irgendwann unruhig, es kann mich sogar stressen (dafür gibt’s allerdings auch handfeste, uralte Gründe). Ich komme nicht richtig in die Ruhe, die ich brauche, um mich vom „Draußen“ und den Anforderungen des Alltags zu erholen. Auch nicht, wenn mir der Mensch sehr, sehr lieb und vertraut ist.

Also nehme ich mir die Freiheit, den Liebsten dann um mich zu haben, wenn wir beide das gern wollen und uns danach ist. – Erfreulicherweise ist das erstaunlich oft der Fall! Und ebenso erfreulicherweise braucht und genießt er sein Alleinsein dazwischen ebenso wie ich. Es wurde natürlich auch von außen mal kritisch gemutmaßt, wir kennten so ja nur die Sonnenseiten miteinander; – zur Beruhigung kann ich aber versichern, dass dem nicht so ist. Auch wir haben ab und zu hohe Wellen und müssen uns dann wieder einkriegen. Übrigens: Nicht etwa, dass ich ein Fan von Jürgen von der Lippe wäre. Echt nicht. Aber er wurde in einem Interview mal gefragt, wie das denn käme, dass er nun schon soundso viele Jahre mit seiner Ehefrau glücklich sei. Das wäre doch gerade im Showbiz ziemlich selten… Seine gut gelaunte Antwort: „Getrennte Wohnungen.“ Und ich weiß genau, was er meint. Der Liebste sieht mich normalerweise nicht mit Lockenwicklern und halbleergefutterter Pralinenschachtel in einem Zeitschriftenhaufen liegen, und ich rege mich nicht über schlecht zugeschraubte Zahnpastatuben auf, über nicht runtergebrachten Müll, oder darüber, wer mit was „dran“ ist. Sind wir bei mir, ist er ein bisschen mein Gast, bin ich bei ihm, ist es andersherum. Der Gastgeber kauft jeweils ein und kocht und hat meistens sogar sauber gemacht. Man geht auch irgendwie anders miteinander um. Das ist schön (weniger kompliziert, als man meint) und für uns ganz normal. Außerdem hat jeder gleich zwei Zuhause. Und dazu teilen wir die gemeinsame Zukunftsidee, eines Tages wohl auch mal ein gemeinsames Häuschen zu bewohnen: Einer unten, einer oben.

Und wisst Ihr, was auch ganz witzig ist? Manche sind erst mal verwundert wegen unseres Wohnmodells, besonders Paare, aber oft kommt nach einer Weile einer von Beiden (häufiger die Frau…) und raunt: „Könnt‘ ich mir, ehrlich gesagt, auch mal ganz gut vorstellen, sowas.“, gern mit verstohlenem Augenrollen zum Partner hin.

Flammender Appell für vernünftig dargebotene Heißgetränke & noch was über sehr ruhige Sonntage….

Ich kann mich gerade nicht entscheiden: Schreibe ich etwas über Tee oder über’s Recht auf Faulenzen? Das klingt ja erstmal gar nicht sehr weit voneinander entfernt, wenn man sich so vorstellt, dass jemand in Ruhe eine schöne Tasse Tee genießt und sich dabei mal kurz ausklinkt. Oder? Genauer betrachtet sind es dann aber doch zwei ganz unterschiedliche Themen. Und zwar weil: Bei dem Einen geht’s um ein immer wieder kehrendes gastronomisches Ärgernis, bei dem Anderen um eine immer wieder kehrende Amüsiertheit meinerseits.

Wattauchimma! Wie’s aussieht, ist heute Beides dran. Also Tee zuerst. Meinetwegen.

Ich trinke Tee. (Vor langer Zeit -lass‘ es 9 Jahre her sein- bloggte ich bereits einmal ausführlich dazu. Ist jetzt aber lange genug her, finde ich.) Schwarzen Tee. So ungefähr wie viele Ostfriesen. Oder von mir aus auch Briten. Aber geh‘ mal hierzulande in ein Lokal und bestell‘ Dir einen! Schwarzen Tee haben manche Lokale gar nicht erst auf der Karte. Dafür aber lustige Früchtetees (gern wild aromatisierte) mit so Namen wie „Erdbeer-Rhabarber-Einhorngarten“, „Tropical-Schlachmichtot“ oder „Waldbeeren-Inferno“. Kräutertee gibt’s auch schon mal (nicht näher definiert, es existieren ja eigentlich auch nur zwei Kräuter. Vieleicht auch vier.), manchmal sogar ambitionierten Grüntee… Wenn es jedoch „Schwarzen Tee“ gibt und ich ihn bestelle („Einen schwarzen Tee mit Milch, bitte.“), bekomme ich sehr oft Darjeeling. Der ist sicher ganz lecker, hat seine Liebhaber, wird aber eigentlich ob seiner zarten Blumigkeit überhaupt nicht mit Milch getrunken. Eher mit einem Spritzer Zitrone. Nur mal so als Randnotiz für kleine Besserwisser. Und Servicepersonal. Wenn ich keinen Darjeeling bekomme, dann wird mir leider genauso oft Earl Grey serviert, den finden viele wohl schick, weil er so einen eleganten Namen hat. Earl Grey ist aber ein heftig mit Bergamotte aromatisiertes Zeug, das eigentlich mit Schwarztee nur noch so viel gemeinsam hat, wie ein Radler mit einem Bier. Er schmeckt deutlich nach Zitrusöl, das soll ja auch so. Das wissen die Lokalbetreiber bzw. Servicekräfte aber fast nie, weil sie selber sowas nie im Leben trinken möchten. Ebenso wenig wie ich übrigens, denn das muss man schon mögen. Ich mag’s nicht.

Ich mag Assam-Tee. Übrigens ist sowohl in „English Breakfast“- als auch in „Ostfriesen-Tee“-Mischungen der überwiegende Teil Assam. Und der ist so kräftig-malzig-erdig im Geschmack, dass man ihn hervorragend mit Milch oder Sahne trinken kann, so dass er ein rundes, stärkendes Gebräu ergibt. Besonders mit ordentlich Zucker.

In Konditoreien und klassischen Caféhäusern hat man oft noch Glück und bekommt auf Nachfrage Assam-Tee. (Beutel oder lose ist mir im Übrigen schnurz. Auch loser kann von loser Qualität sein, während Beutel durchaus öfter angenehm lecker daherkommen. Also: – Pffft!) Wer jetzt oben beim Lesen aufgepasst hat, weiß nun, dass ich Tee immer mit Milch bestelle. Und was bekomme ich in 95% der Fälle hingestellt?

Kaffeesahne. *örks*

Kaffeesahne ist eine schlimme Erfindung sadistischer Lebensmittellaboranten, die sich die Welt mittels eines perfiden Plans irgendwie unterwerfen wollen. Ich weiß noch nicht, wie das genau vonstatten gehen soll, aber mit Kaffesahne fängt es an, und sie ist überall. – Kaffeesahne will man ja nicht mal im Kaffee haben! Und so gucke ich immer wieder neidisch auf den Milchkaffee des Liebsten, der mit fluffig aufgeschäumter Haube daherkommt, und kippe mir grummelnd das gelblich-ölige angebliche Molkereiprodukt in den Tee. Ich weiß schon, wie das schmeckt, bevor ich nur dran genippt habe. Ich könnte jetzt einen Aufstand machen und noch mal nach Frischmilch fragen, aber glaubt mir, ich habe schon alles gehört: „Die ist doch frisch!“ – „Haben wir nicht!“ (???) – „Weiß nicht, wie ich das bonieren soll…“ – „Wir haben haben leider nicht diese kleinen Kännchen, wissense?“ Ich trink’s und leide (mehr oder weniger) still. Jedesmal denke ich, ich frage nächstes Mal vorher, ob es richtige Frischmilch gibt, aber wenn sie dann „Leider nein.“ sagen, schleppe ich dann meine Begleitung wieder raus und woanders hin?

Es geht auch anders: In Hannover gibt’s beispielsweise ein zauberhaftes Eiscafé am Lindener Markt. Dort stehen nicht nur verschiedene Schwarztees auf der Karte (in einem Eiscafé!), man bekommt dann auch noch das Kännchen auf einem kleinen Stövchen serviert mit (und jetzt kommt’s!) einem Timer, der drei Minuten runterzählt. So weiß man zum Beispiel, dass der Tee nicht schon 20 Minuten ziehend am Tresen herumstand. Das Ding piepst also, man nimmt den Beutel raus, schüttet etwas frische Milch(!) aus einem possierlichen Kännchen dazu und hat den perfekten Teegenuss. Klar ist das ein bisschen Brimborium, das weiß ich. Aber ich nehme sonst auch gern einen schlichten, frisch aufgebrühten Beuteltee im einfachen Becher. Kandis, Keks* und Schickimicki muss übrigens auch überhaupt nicht sein, nur eben etwas frische Milch, büddebüdde…! Macht doch sogar weniger Arbeit als ein Cappuchino, oder? – Danke.

* Ach so. Extrathema: Diese ewigen Karamellspekulatiuskekse, die offenbar billig in der M*tro wachsen. Bäh!

*           *          *

Und nun zum Faulenzen. Dazu erstmal eine kurze Erläuterung. Ich habe stressige, kraftraubende Zeiten hinter mir und stecke dennoch schon wieder mittendrin. So, als ob sich mein Energiehaushalt stetig bei einem Kontostand von 30-50% bewegt. Das macht mir Sorgen. Und wenn ich deswegen wieder mal besonders durchhänge, macht’s auch dem Liebsten Sorgen. Und so verhänge ich in gewissen Abständen, und wenn es passt, mal Tage an denen ich „Nix!“ mache. Diese Tage kündige ich lange vorher an, mitunter 2 Wochen im Voraus, und sage deutlich, dass ich dann wirklich mal „Nix!“ machen werde. Nur das, worauf ich Lust habe und was mich entspannt, z.B, Lesen, Fernsehen, Nickerchen einlegen, im Netz rumgurken… Und keine Hausarbeit, keine Verabredungen, keine „Sachen-die-gemacht-werden-müssen“. Die erledige ich meistens vorher, damit’s mit der Entspannung auch wirklich klappt. Klare Sache, eigentlich. Oder? Der Liebste fragt mich dann trotzdem regelmäßig, ob ich vielleicht wenigstens mit ins Café gehe oder auf einen kleinen Spaziergang…? „Und was machste dann am Sonntag?“ – „Ja, nix! Hab‘ ich doch gesagt!“ – „Ich geh‘ mit Schwesterchen Eis essen, möchtest Du da vielleicht mit?“ – „Nee, ich will einfach nur rumliegen und entspannen.“ – „Hm.“ Er kennt das irgendwie nicht und kriegt es darum wohl auch schwer in den Kopf. Und da wir bis vor Kurzem nicht zusammenlebten, hat er’s bisher auch nie mit mir erlebt. Mich amüsiert das ja, aber ich verstehe wiederum nicht, was daran so schwer… Naja.

Heute ist übrigens so ein Tag. Nachdem wir auf dem Balkon gefrühstückt haben (obwohl ich an solchen Tagen sogar meistens das klassische Frühstück ausfallen lasse), saß ich erst noch eine Weile lesend in der Sonne, während er wohl spontan noch eine Maschine Wäsche anwarf. Später, als ich dann schon in meinem Zimmerchen gemütlich auf dem Diwan herumlag, kam er, um sich kurz zum Schwesterchentreff zu verabschieden. Und um mich zu fragen, ob ich denn dann später die Wäsche aufhänge…?

– Den Rest der Konversation könnt Ihr Euch bestimmt denken, nehme ich an.
*freundlich abwink’*

Alles neu macht angeblich der Mai. – Stimmt aber!

Seit heute Morgen halb zehn bin ich nun auch offiziell Neu-Duisburgerin. So steht’s jetzt jedenfalls auf meinem Ausweis. – Ist das nicht eine verrückte Welt? Vergangenen Samstag habe ich all‘ mein fragiles Gescherbel auf einen dicken LKW verladen lassen (ich habe die besten Freunde der Welt), mich dazu, und los ging’s. Aber nicht ohne vorher noch einen kleinen, heftigen Tränenanfall beim Zuziehen der hannöverschen Wohnungstür zu haben. War schon schwer…

Bis ich das alles so richtig begreife, wird’s noch dauern, soviel ist klar. Im Moment befinde ich mich in einem merkwürdigen Zwischenzustand, in dem ich abwechselnd ein bisschen heule, mich ablenke (neues, bierdeckelflaches Netbook!) oder von außen betrachte, während ich organisatorischen Listenkrempel abhake. Das Gefühl zur Situation ist eventuell auch noch auf Höhe Hamm unterwegs, vermutlich zu Fuß. Egal. Trotzdem. Lange genug über alles nachgedacht hab‘ ich ja nun wirklich. Vielleicht kommt die innere Verarbeiterei ja auch häppchenweise, mal gucken. Kurz vorm Umzug wurde zur Bekräftigung aber noch deutlich, dass es mit ’nem feinen Jopp in der neuen Heimat auch wunderbar hingehauen hat. Und ich bin ja so eine, die dann sofort meint: Dann soll das sowieso auch so! Am Mittwoch geht’s da jedenfalls schon los mit neuen Kollegen, neuen Aufgaben, neuem Alles.

Jetzt bin ich erstmal froh, dass die letzten Wochen überstanden sind. – Ach, ’ne kleine OP hatte ich ja auch noch mittendrin! Nix Schlimmes, aber watt mutt, datt mutt eben. Und so kam ich nun auch endlich mal in den Genuss einer richtigen Vollnarkose, sowas war mir bisher ja auch noch nicht untergekommen. Meine Meinung: Einmal reicht. Die ganze Aufregung! Und man darf 6 Stunden vorher zuletzt was essen. Meine OP sollte vormittags sein, also habe ich mir tatsächlich -nicht lachen!- einen Wecker für 4:00 Uhr nachts gestellt, um dann im Dunkeln ein vorgeschmiertes Marmeladenbrot zu verzehren. Ein freudloseres Frühstück im Bett gibt es nicht. Das schlimm trockene Schinkenbrot nach der OP habe ich jedenfalls mit deutlich größerem Vergnügen gemümmelt. Und nachmittags konnte ich schon wieder Kuchen. Da lag ich bereits fein auf’s heimische Küchensofa drapiert und wurde vom treusorgenden Gatten -naja- eben treu umsorgt. Das berühmte Möbelstück lagert derzeit übrigens in Essen in einer Lagerbox, zusammen mit meinem restlichen Hausrat, bis sich hier neue Einsatzmöglichkeiten auftun. Dann wird’s bestimmt schon wieder aufregend!

Von mir aus kann der Rest des Jahres dann übrigens gern stinklangweilig werden…

Achtung: Kastanienwurf naht!

Na, Ihr Bollenherumträger?

Juckt’s Euch schon in der Wurfhand? Ich glaub‘, so langsam wird’s, oder?

Dieser Winter war zwar schmuddelig, wir haben selten den Himmel oder gar Sonne gesehen, aber böse, sibirische Fröste blieben zum Glück, naja, in Sibirien oder so. Und neulich hatten wir ja sogar schon mal deutliche Plusgrade, die sich sehr frühlingshaft anfühlten. Und prompt hat die Eine oder der Andere spontan mit verfrühtem Kastanienrauswurf reagiert, wie man so liest. *grins* Hier macht ja anscheinend jeder, was er will. – Recht so! Überschwang ist Überschwang, da muss das manchmal eben sein.

Aber ich muss mich natürlich an die Regeln halten, – schließlich habe ich sie erfunden.
Und die Regeln besagen: Frühling ist nicht, wenn Schneeglöckchen blühen (das merkt man ja schon am Namen, eigentlich). Nicht mal, wenn die Krokusse loslegen (auch, wenn sie natürlich bildhübsch sind). Und auch nicht, wenn die Sträucher und Bäume dicke Knospen haben.
Nein, richtig Frühling ist erst dann, wenn sich aus diesen Knospen auch wirklich die ersten grünen Blättchen schieben. Man muss natürlich regelmäßige Kontrollgänge unternehmen und auch schon mal Zweige vorsichtig befühlen und beäugen. Das habe ich immer wieder getan, und meine Recherchen haben nun Folgendes ergeben: Sowohl in Hannover als auch in Duisburg finden sich schon deutlich sichtbare grüne Blattspitzen, die leise wispern: „Raus! Raus! Nix wie raus!“ In Süddeutschland werden sie wohl schon viel besser zu erkennen sein, in Berlin hingegen braucht man eventuell noch die gute, alte Lupe, denn da herrscht öfter mal pfiffiger Ostwind.

Insgesamt sollte es aber am nächsten Wochenende gut passen, denke ich.
Und deshalb rufe ich den gemeinsamen Kastanienwurf in dieses Jahr für
Sonntag, den 22. März um 12:00 Uhr aus.

Kastanienbewegung-2014_15

Schnappt Euch die ollen Winterjacken, ein Likörchen oder vielleicht auch ein Heißgetränk, sucht Euch ein hübsches Plätzchen, prostet vielleicht mal in die unsichtbare, aber fühlbar anwesende Bloggerrunde, herzt und küsst die kleine Verschrumpelte noch mal, sagt artig „Danke schön!“ und schenkt ihr anschließend einen aufregenden Flug in die Freiheit!

Freu‘ mich auf Euch,
Eure Theo

Kastanienbewegung 2014/15

Ihr lieben Kastanienbeweger,

seit heute ist’s hier in der Gegend spürbar zugig-kühler geworden, Vogelbeeren leuchten orangerot, Schatten fallen schräger, die Gedanken wollen sich so langsam wieder nach innen wenden und auch der Kalender hat dieser Tage schon sowas in der Richtung angezeigt: Herbst. Da ist er wieder. Und mit ihm die freundliche Aufforderung, für den Winter gut vorzusorgen. Also, an alle, denen es vor der nasskalten Dunkelschwiemeligheit graust, welche uns für die nächsten Monate womöglich ins (vielmehr ums) Haus steht, und die etwas Trost, Handschmeichelei und etwas Wärmeliges zum Festhalten gebrauchen können, bis es wieder Frühling wird: Geht raus und findet Eure diesjährige Winterfreundin!

Kastanienbewegung-2014_15
(Das Banner könnt Ihr -wie immer- gern in Euren Einträgen verwenden, Ihr findet es in meinen Medien.)

Überall liegen sie zurzeit hübsch herum und bewerben sich um ein kuscheliges Quartier. (Ich habe heimlich die Vermutung, manche rollen sich sogar extra in besonders gutes Septemberlicht und würden vielleicht sogar winzige Daumen raushalten; – wenn sie denn welche hätten…) – Oder habt Ihr Eure Kastanie womöglich schon?

 
Meine ist mir tatsächlich schon im August zugerollt, auf dem Lindener Bergfriedhof. Da gehen wir (der Liebste und ich) öfter mal spazieren, Eichhörnchen besuchen, die gern besucht werden wollen. Meine neue Taschenfreundin ist eventuell ganz froh, dass ich den flitzigen Hörnchen knapp zuvor gekommen bin. Sie ist ein bisschen zierlich geraten und nach vier Wochen in der Jacke auch schon ein zartes Leichtgewicht:

Brominenbolle_2014
Immerhin war sie in der kurzen Zeit schon mehrfach im Ruhrgebiet und sogar eine wunderbare Woche in Holland! Momentan begleitet sich mich allerdings täglich in einen Schulungsraum, wo ich versuche, nicht über Buchhaltung (man weiß nie, wofür’s gut ist!) zu verzweifeln.

Diese Schulung ist übrigens auch der Grund, warum ich in diesem Jahr keine Mailwelle losjage, um alle Kastanienbeweger mühsam einzeln einzusammeln wie in den letzten Jahren. Aber wer teilnehmen mag, wird den Weg hierher bestimmt auch so finden, oder? Und weil ich so ungeheuer pfiffig bin, mache ich’s mir auch mit den Regeln zum ersten Mal leichter: Ich tippe sie nicht zum x-ten Mal ab, sondern verlinke (vorletzten verlinken, oder zu dem davor, oder noch davor… Denn tatsächlich sind wir mittlerweile bei der 8. Kastanienbewegung angekommen; – ist das nicht irre? Also, mir ist es es die reine Freude! (Wer kann schon von sich sagen, mal aus Versehen eine solch dauerhafte Melancholie-Selbsthilfegruppe gegründet zu haben?)

Wer mitmachen möchte, kommentiert also (wie gehabt), möglichst samt link, unter diesem Eintrag, gelle? Alte Hasen & Neugierige Erstmitmacher rennen (auch: wie gehabt) gleichermaßen weit offene Türen ein!

Liebste Herbstraschelgrüße

Eure Theo

Teilnehmerliste:

– Schauzeit

– lilith1508 (zzt. noch ohne Bolle)

– Alex O.

Wildschoen

– vonB-lang & Ihr Ruhebewahrer

– carolahaze

– andheu (dieses Jahr mit Karl-stanie)

– Sansibar

– breakpoint

– KaterMurr

– Bellona

– Die lieben Bellona-Eltern

– petramarkgraf

– heavensent87

– Freundin T. und ihr Mann A.

Und überhaupt.

Vorhin im Discounter:

Eine Frau hat schon bezahlt und räumt ihren Kram zusammen. Plötzlich steht sie mit einer Tüte Knabberkram und dem Bon wieder bei der Kassiererin.

„Da stand doch: Wenn man 3 Tüten nimmt, kosten die Zwiebelringe nur 1,19€!“

Die Kassiererin erklärt ihr, dass man dafür einen Coupon aus der Zeitung oder aus dem Internet braucht.

„Aber da stand: Wenn man 3 Tüten nimmt, kosten die Zwiebelringe nur 1,19€!“

Die Kassiererin ruft eine Kollegin, die der Kundin auch noch mal erklärt, dass man dafür einen Coupon aus der Zeitung oder dem Internet braucht.

„Internet! Da HAB‘ ich doch nichts mit! Dieser neumodische Kram immer! Wie soll ich denn die Zwiebelringe im Internet kaufen, das geht doch gar nicht… Und überhaupt: Wir sind hier doch nicht in AMERIKA!“

Ärmelriegelpest und der Himbeerhund.

Seit ein paar Jahren (ungefähr) bekommt man keine schlichten Hemden und Blusen mehr. Solche, die einfach Ärmel haben. Es gibt fast nur noch welche, die merkwürdige Ärmelhochkrempelhilfen mit Haltelasche zum Festknöpfen haben. Weil ich die Fach- bezeichnung für diese Dinger nicht kenne, heißen sie bei mir Ärmelriegel, man könnte sie aber auch Krempelpest oder Deppenlaschen nennen (…weitere Vorschläge?). Ich weiß nicht, ob man die braucht. Meiner Erinnerung nach hat das Hochkrempeln von Ärmeln früher ohne Weiteres auch ohne Hilfslaschen funktioniert. – Ich kann es heute noch! Aber vielleicht ist der Anteil derer in der Bevölkerung gewachsen, die Unterstützung und ein Gefühl von Sicherheit (vor dem unerwartet plötzlichen Herabrollen des frischgekrempelten Ärmels) brauchen, – wer weiß es denn. Allerdings werden nachfolgende Generationen die Kunst des freien Krempelns so kaum noch erlernen und zu hilflosen Krempeldoofies erzogen. Schlimme Aussichten!

Und jetzt kommts: An Hosen sind die Dinger ebenfalls dran! (Vielleicht, damit man die Hosenbeine an dem Ärmeln festknöpfen kann.) Beim Einkaufen versuche ich jedenfalls, diese Riegelpest zu vermeiden, so gut es geht. Manchmal gehts aber nicht und kaufe ich doch mal ein Kleidungsstück mit, dann schneide ich die bescheuerten Laschen einfach ab, weil sie mich beim Bügeln jedesmal – naja – enervieren. Inzwischen habe ich bereits eine beachtliche, ansehnliche Sammlung alberner Stoffstreifen mit Knopfloch. Die schmeiße ich nämlich nicht weg, sondern in ein Nähkörbchen, weil ich immer denke, vielleicht kann man sie doch eines Tages mal in etwas Nützliches umwandeln. Ärmelriegelprotestarmbändchen oder so.

Vielleicht sind aber auch gar nicht so viele Leute krempeleingeschränkt, wie ich glaube, sondern wollen bloß so genannte „modische Details“, kann auch sein. Was für ein Detail, egal, hauptsache eins dran! Baumeln, riegeln, glitzern muss es! Zusatznutzen, Zusatznutzen! Mehrwert! Mehrwert! Hoffentlich hört das irgendwann mal wieder auf…

Und was hat das jetzt mit einem Himbeerhund zu tun?
Och, eigentlich gar nichts.

In der Nacht zu Freitag habe ich bloß von einem Pudel geträumt, dessen Fell aus Himbeeren und Tortenguss bestand. Er roch sehr gut und erzählte mir, dass neulich eine ältere Dame etwas kompliziert mit dem Ellenbogen in seinem Ohr stecken geblieben war, nachdem sie sich ein Weilchen zum Klönen auf ihn gestützt hatte. Es dauerte dann wohl etwas, und es mussten mehrere Leute mit anfassen und ziehen, bis Hundeohr und Ellenbogen wieder frei waren. Der Hund erzählte diese Begebenheit nicht ohne ein gewisses Amüsemang und schmunzelte vor sich hin…

Ich finde immer noch, das ist ein sehr hübscher Traum, und es wäre doch eigentlich schade gewesen, wenn ich ihn nicht noch schnell hätte erzählen können.

Wiederentdeckung der Langsamkeit.

Immer mit der Ruhe… Das lerne ich gerade wieder.
Laaaangsam.
Langsam gehen, langsam essen, einfach mal so aus der Wäsche gucken. Minutenlang.

Seit ich nämlich nicht mehr im Weinhandel bin, kann ich alles wieder ohne Atembe- raubung tun, und auch mal was von Anfang bis Ende, ohne dabei vier. zehn. mal. un. ter. bro. chen. zu. wer. den. – Was für ein Genuss!

Nee, war das eine anstrengende, auslaugende Zeit… Eigentlich war immer viel zu viel los, und eigentlich war das alles nie zu schaffen. (Ein „Stress-Protect-Deo“ verbesserte die Situation übrigens um keinen Deut. Ich hab’s ausprobiert.) Nach ca. einem Jahr bin ich zusammengeklappt (Einmal „mit Alles!“, bitte!), und mein Arzt hat mich tatsächlich dreimal gefragt, ob ich nicht lieber kündigen möchte, er würde mir sofort alle Bescheinigungen ausstellen, die nötig wären, um das durchzuziehen. Überlegt habe ich schon und nicht wenige haben mir auch dazu geraten, aber nach knapp sechs Wochen war ich wieder mittendrin. Weihnachtsgeschäft. Man will doch die Kollegen nicht…, sonst gibt’s bald den Dominoeffekt… Man kennt das.

Der Vertrag war aber befristet, also hat mich seit ein paar Wochen das normale Leben wieder. Als erstes ist mir aufgefallen, dass ich seit Oktober 2012 eigentlich kaum noch draußen war. Wirklich. Im Grunde habe ich das Jahr 2013 völlig verpasst. – Wie war denn das Wetter? Ich bin immer nur zur Arbeit galoppiert, habe gerackert, bin wieder nach Hause, zwischendrin huschhusch einkaufen & Zeug. Das Wochenende sah oft so aus, dass ich am Samstagnachmittag völlig geplättet auf den Diwan sank, um da rumzudämmern, bis die Woche wieder von vorne losging. Schön ist das nicht. Und auch für eine Fernbeziehung, wie wir sie haben, manchmal schwierig. Zum Glück ziehen wir da am selben Strang.

Jetzt genieße ich wieder Spaziergänge, auch mal durch die Stadt zu bummeln (also zu Flanieren und nicht im Stechschritt irgendwo durchzupflügen), frische Luft zu haben, Jahreszeit, Vogelgetue, Blümchengerecke, Sonne, Marmelade zu kochen, zukünftige Dinge auszubaldowern. Sowas.

Neulich z.B. fand ich es einfach toll, mal wieder hier im Lindener „r*al“-Markt einzukaufen. Hach. Erstens komme ich unterwegs mit dem Rad durch den schönen Von-Alten-Garten, zweitens hat der Markt eine vernünftige Auswahl (vegetarische Frotteeschnitzel gibt’s z.B. nur da! Und verflixt leckere Oliven!), drittens versammeln sich alle total Beklopften der ganzen Umgebung dort, um doof in den Gängen herumzustehen und mit den stoisch-ungerührten Erbsendosen zu reden, viertens… ach, viertens… viertens gibt es da Sachen…

Seht einfach selbst:
1A_Salamihasen
Selten hat man die Auferstehung des Herrn liebervoller gefeiert. – Und auch so günstig!

Mein nächster Jopp wird übrigens möglichst etwas ruhiger, das habe ich mir selbst versprochen. Ich dachte vielleicht an sowas:

Moderberaterin

Flugkastanien über Duisburg gesichtet!

Heute mittag, punkt 12 Uhr, wurden zwei ungefähr fast genau parallel fliegende Rundbollen in großer Höhe über Duisburgs Wasserviertel beobachtet. Zeugen wollen aber eigentlich nichts so richtig gesehen haben, und viel mehr als „Huiiii!“ war auch nicht aus ihnen herauszubekommen. Die mittlerweile von Flugobstspezialisten nachträglich erstellte Berechnung der Flugbahn ergab als wahrscheinlichsten Startpunkt einen ordentlich großen Balkon (ach was, Dachterrasse!) in der dritten Etage eines Wohnhauses, auf dem gerade fleißig gearbeitet (offenbar geflanzt/geschraubt/gewässert) wurde. Es standen außerdem zwei Sektgläser ziemlich verdächtig in der Gegend herum.

Kastanienwurf_2014_vorher
(War es womöglich so? Von der Redaktion nachgestellte Szenerie.)

Das Endreiseziel der Kastanien hingegen ließ sich leider bisher nicht ermitteln, jedoch wird davon ausgegangen, dass sie irgendwann im ausgedehnten, baumbestandenen Innenhof gelandet sein müssen.

Kastanienwurf_Zielrichtung
(Himmel über Duisburg. Irgendwo hier müssen sie sein!)

Wahrscheinlich. Höchstvermutlich. Falls nicht, fliegen sie noch immer.

Aus ihrem Wochende rasch herbeitelefonierte Experten (einige Baumschulenrektoren, sowie eine pensionierte Flugplatzverwaltungssekretärin) waren sich jedoch spontan erstaunlich einig: „Also, wenn die Kastanien fliegen, kann das ja nur eins bedeuten: Der Frühling ist da!“ Und da bisher keine anderslautende logische Erklärung für dieses sonntägliche Ereignis abgegeben wurde, wird allgemein davon ausgegangen, dass das dann wohl schon stimmen wird. Zumal anschließend direkt mal die Sonne kurz herausblitzte.

Na, dann Prost.