Polaroid – Das bin ich?

Das einzige Kind einer narzisstisch gestörten, allein erziehenden Mutter. Vermutlich notwendigerweise hochsensibel von früh auf. Aufgewachsen in einer Atmosphäre von körperlicher und seelischer Gewalt und gleichzeitig darauf gedrillt, mir nichts anmerken zu lassen. Zur Komplizin in Lüge und Täuschung gemacht. Später, nach der Flucht in ein verfrühtes Erwachsenenleben, die Suche nach Orientierung und Halt. Irrwege, Irrbeziehungen, Sackgassen, Fluchtwege. Ab Mitte 20 in Begleitung: Panikstörung. Nur, dass das da noch niemand benennen kann.

Und immer wieder Hoffnung, Sonnenaufgang, denn das bin ich auch: Offen, lebenshungrig, phantasievoll, witzig, zugewandt, verbindlich, verständnisvoll, neugierig, tatkräftig, liebevoll. Es kann alles gut werden.

Aber wie ein rausgestelltes Möbel am Straßenrand nimmt mich immer wieder und immer noch alles mit: Depression, Burnout, Mobbing, Resilienzmangel, Verlorenheit. Manchmal bin ich schneller weggetragen, als ich gucken kann.

Entschuldigung? Wissen Sie vielleicht, wo’s langgeht? Ich seh‘ grad nichts.

4 thoughts on “Polaroid – Das bin ich?

  1. Warten

    Sie sitzt auf gepackten Koffern
    im großen Wartesaal des Lebens. –

    Schaffner, wohin geht der nächste Zug? –
    Er hört sie nicht, bleibt unbeeindruckt.

    Ihre Frage erstirbt im Gemurmel
    der anderen Fahrgäste, die wie sie warten.

  2. Ach Süße, fühl dich umarmt. Harte Erkenntnisse, wie immer voll auf die zwölf, ääääh…. auf den Punkt!

    Mit einer solchen Hypothek im Rucksack fällt der Weg nachvollziehbarerweise schwer. Zwei-vor-eins-zurück. Und unsere (kranke) Gesellschaft vereinfscht den ohnehin schweren Weg leider nicht (im Gegenteil).

    Deine Richtung – behaupte ich vollmundig-optimistisch (und ja, ich weiß, wovon du sprichst) – ist richtig.

    Es geht – grob gesagt – um Autonomie, Selbst-Wert und stärkende Gemeinschaft.

    Mehr kann ich auf die Schnelle nicht sagen. Trotz allem wiederkehrenden Frust und Rückschlägen: Glaub an dich!

    • Ach, liebe Ani,
      ich hab‘ grade ein schlimmes Tief… Wie lange nicht.
      Gestern habe ich es gerade mal geschafft, aufzustehen, zu duschen und dann war’s vorbei. Ich hab‘ mich wieder hingelegt, eigentlich den ganzen Tag an die Decke und aus dem Fenster in den Himmel geguckt und mich tonnenschwer gefühlt. Diese ganze Last zieht mich immer wieder zu Boden, es reicht ein unerwarteter Auslöser. Da geht’s einem eben noch ganz gut und plötzlich macht einer das Licht aus…
      Heute war ich immerhin einkaufen und kann kleine Dinge tun, aber dazu muss ich viel Kraft aufwenden. Wenn ich diesen „Biss“ nicht hätte, würde ich wohl einfach versumpfen.
      Sei auch gedrückt, meine Liebe

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