Nestwärmehaushalt.

(Heute kommt mal was, das so gar nichts mit irgendeiner Kastaniensache zu tun hat. Ich weiß, ich rühr‘ mich hier nur noch höchst selten, aber das liegt erstmal daran, dass ich aus dem Schreiben mittlerweile sowas von raus bin… – Und dann isses noch so, dass ich auch nicht immer nur klagen will, wenn ich mich denn mal herbequeme.)

Aber. Mir. Geht’s. Manchmal. Nicht.        So.        Gut.

Ich fühle mich schwer, fremd und traurig. Ich möchte mich fragen: „Was mache ich eigentlich hier?“, traue mich aber nicht. Als ich aus dem geliebten Hannover schweren Herzens wegging, sah trotzdem erstmal alles ganz ansprechend aus: Hier in Duisburg erwarteten mich ja liebe Menschen und sogar ein neuer Job in einem netten Team! Ich würde mich schon eingewöhnen, schließlich war ich ja immer sehr anpassungsfähig. Was folgte, war erstmal wahnsinnig viel Arbeit und irgendwann die Erkenntnis, dass da zwar tatsächlich auch wirklich Nette in dem Team waren, es aber nach wie vor reicht, wenn eine Intrigenspinnerin im Hintergrund immer wieder dicht ihr Netz webt, durch das die Vorgesetzten irgendwann nichts mehr sehen. Und so wurde ich kontinuierlich an den Rand manövriert und letztlich rausgemobbt. Und das z.B. macht ganz schön was mit einem…

Hannover und alles was für mich dazu gehört, habe ich die ganze Zeit schmerzlich vermisst, aber ich war auch durch den täglichen Kampf im Job immer wieder abgelenkt. Nun aber habe ich zum ersten Mal viel Zeit, meine eigenen Gedanken wieder deutlicher zu hören. Und stelle fest: Ich fühl‘ mich hier oft ganz schön einsam.

Mir fehlt nicht nur meine Stadt und mein schönes Zuhause dort, sondern auch meine „persönliche Infrastruktur“. Meine Freunde. Menschen, die mich zum Teil seit Jahrzehnten kennen und sofort sehen, wenn mich etwas beschäftigt. Vor denen ich mich ohne Scheu ausbreiten kann, die mir geduldig zuhören, sich mir zeigen, selbst mal meinen Rat suchen, meine Unterstützung möchten, mit denen ich Nähe austausche. – Nestwärme, könnte man auch sagen.

Und natürlich, ja, hier sind ein paar liebe Menschen, die mich gut leiden können und mir das auch zeigen. Meistens Freunde des Liebsten, allesamt feine Leute. Aber irgendwie gelingt es mir nicht (mehr) so recht, aus den warmen Berührungsflächen richtige Verbindungen zu zaubern. Ich stelle an mir auch neuerdings so eine komische Verzagtheit fest, wegen der ich mich gar nicht mehr traue, mich auf jemanden zuzubewegen; das ist mir früher ganz klar leichter gefallen.

Ich krieg‘ mich selbst zudem irgendwie nicht verbunden und falle so wie in zwei Teile: Die D. in Hannover (die die Ruhrgebietler nicht kennen) und die D. In Duisburg (die die Hannoveraner nicht kennen). Der einzige, der beide ganz gut kennt, ist der Liebste. Der hört mir viel zu, tröstet und versucht, gute Ideen zu haben. Das und die Telefonate mit Freundin T. in Hannover halten mich ganz gut über Wasser.

Aber es gibt eben auch Tage wie heute…

15 thoughts on “Nestwärmehaushalt.

  1. Dein Blogeintrag funktioniert wie ein Regenschirm: Den spannt man auch nur auf, wenn es regnet.

    Bei dem Erörtern des Pro und Contra des Lebensmittelpunktes fiel mir der auf den ersten Blick vielleicht blöd wirkende Spruch ein: Man nimmt sich immer selbst mit. Da ist leider viel dran.

    • Ach Rupi, das ist es ja gerade: Ich hab‘ das manchmal Gefühl, mich eben nicht mitgenommen zu haben..!. Die Menschen um dich herum spiegeln dich ja auch. Und das, was ich hier sehe, ist mitunter so verschwommen, dass ich kaum was wiedererkenne.

  2. Moin du liebe Dani.
    Erstmal eine fette Umarmung von hier nach dort.

    Alles nicht so schön. Ja. Aber: Jammern darf sein… und muss sein dürfen! Auch und gerade hier, oder? So.

    Außerdem:
    Du jammerst gar nicht.
    Du teilst dich uns mit. Und das ist schon mal der erste Schritt zur Nähe. Und damit auch zu SeelenWärme.

    Zum Inhaltlichen…. ja. Ich fühle mich erinnert. So ähnlich ging es mir, als ich von Göttingen nach Hamburg gezogen bin. Das war zwar in Einzelheiten etwas anders gelagert wie bei dir, aber… ich glaube, im Grunde doch auch ähnlich. Ich weiss nicht, wie lange du nun schon in Duisburg lebst und inwieweit du dir dort einen „Inner Circle“ aufbauen konntest und wolltest… mir bspw. gelang das zunächst gar nicht hier in Hamburg, aufgrund mehrerer Umstände war ich lange Jahre (!) „nur“ mehr oder weniger „Kontakt zweiten Grades“ meines (nunmehr Ex-) Mannes und den Müttern/Eltern der damaligen Kita- resp. Grundschulfreunde meiner Tochter… ich hatte weder Zeit noch Energie für anderes übrig, das hab ich mir erst viel später freigeschaufelt, aber auch meine dann daraus entstandenen „Kontakte ersten Grades“ haben sich aus unterschiedlichen Gründen teils wieder erledigt bzw. waren zwar episodisch hilfreich und beiderseits nährend, erreichten jedoch nie die Tiefe wie die teils seit Jahren quer über die Republik bestehenden, größtenteils nur virtuell gehaltenen langjährigen Kontakte sie aufweisen. Ich konnte dieses Phänomen auch nicht bspw. mit einem (angeblich) hanseatisch-unterkühlten Naturell oder dgl. begründen (über das weder ich noch die von mir gemeinten verfügen).

    Vielmehr sehe ich die (möglichen) Ursachen im Grunde von dir schon klar benannt:

    1. der geographische Zuzug
    2. deine derzeitige Lebenssituation (bzw. die ganz normalen Auswirkungen des Weges bis dorthin) und die Re-Aktivierung bzw. Übertragung des Gefühles des Ausgegrenztseins, Nicht-mehr-dazu-Gehörens von der Arbeits- in die Lebenswelt
    3. das fortgeschrittene Lebensalter und seine erfahrungsbedingten Auswirkungen.

    [Edit: Ich schicke das hier erstmal ab und führe 1-3 gleich näher aus.]

  3. – Fortsetzung –

    Mein 2. Teil ist irgendwie beim Absenden und wackelige WLAN in den virtuellen Weiten verloren gegangen; ich versuche, hier nochmal das Wesentliche dessen zusammen zu fassen.

    Also. Als ich damals nach Hamburg zog, rutschte ich quasi unbemerkt in nein automatisches Überlebensprogramm, das da lautete:
    Weil jeder Mensch gemocht/geliebt werden will und auf menschliche Kontakte angewiesen ist, entwickeln manche Menschen sehr feine Antennen dafür, was ihre Mitmenschen erwarten, und können sich sehr gut anpassen. Ein solcher Mensch bin ich. Leider war ich durch den Umzug in ein extrem statusbewusstes Unfeld geraten, dass mir und meinen Lebensmaximen so gar nicht entsprach. Ich setzte meine Tarnkappe auf (so nannte es meine Therapeutin mal) und spielte mit – zunächst ohne zu bemerken, wie ich mich damit täglich ein Stück weiter von mir selbst entfernte, mich mir selber „ent-fremdete“, in der Fremde.

    Daran fühlte ich mich beim Lesen deiner Beschreibung erinnert.

    Das führte mich geradewegs in eine depressive Phase. Und ich frage mich, ob dir dies eventuell auch widerfahren ist…?

    Die Hannöverschen Ressourcen fehlen als Stütze, ein neues Umfeld mit ähnlicher Stürzkraft ist (noch) nicht vorhanden, ein liebender Partner kann sehr viel auffangen, aber nicht alles… und Mobbing haut so richtig rein!
    Und dann… macht man quasi Kassensturz, schaut sich die Bilanz an und reflektiert, auch sich selber…

    Ich gehe heute zwar immer noch offen auf Menschen zu, aber nicht mehr so „unbedarft“ wie früher. Zwar erwarte ich nicht im Sinne einer „self-fulfilling prophecy“ eine negative Erfahrung, aber ich habe gelernt, dass man den Menschen nur vor die Stirn schauen kann und auch unerwartetes passieren kann, so dass ich im Gegensatz zu früher schon deutlich mehr abwäge, wie ich mich wem gegenüber wann wo öffne, um das Risiko kalkulierbar zu halten. Und vielleicht ist auch das mit ein Grund, weshalb Kontakte heute nicht mehr so intensiv-vertraut werden… auch habe ich den Eindruck, dass es insgesamt immer flacher und oberflächlicher wird, was sich natürlich auch in der Anbahnung von Neukontakten äußert; die gewachsenen, stabilen sind davon eher unberührt…

    [edit: 2b continued]

  4. – 2. Fortsetzung –

    Ich glaube, was da helfen kann, ist positive Spiegelung mit Menschen, denen du vertraust und die dich mögen. Das rückt das angeknackste Selbst wieder gerade, braucht aber etwas Zeit und Geduld.

    Die Frage ist zudem, wie das ganz praktisch gehen soll.
    1. virtuell, bspw. hier.
    2. analog: Evtl. mal einen WoE-Refresher-Besuch bei T in Hannover einlegen…?
    3. ganz profan: Profis aufsuchen. Beratungsstelle etc., und ein paar Sitzungen für gemeinsame Reflektionen, Impulse u.a. für ein persönliches Feedback nutzen. Why not

    Und sich dann an die Frage aller Fragen trauen: „Was mache ich eigentlich hier…?“ Ja, sie ruft. Und sie will beantwortet werden. Was hält dich…? Vielleicht im Moment nicht soviel. Dann gilt es erstmal, Halt zu suchen, bevor die Frage dran ist. Womit gebe ich meinem Leben, meinem Da-Sein und So-Sein (und wie bin ich überhaupt? S.o.
    Und darf ich so sein? usw.) einen Sinn?
    Sowas muss man auch erstmal aushalten…!
    Mir hat auch Lektüre unendlich geholfen. „Die Krise in der Lebensmitte“ hieß eins. Im Ernst! Ich hab mich geschämt. Heute nicht mehr, sonst würde ich es hier nicht schreiben.

    Ein blöder Spruch, und trotzdem hat er mir geholfen: „Nichts ist für immer. Genieße die guten Zeiten, denn sie bleiben nicht. Und fürchte dich nicht vor den schweren, denn auch diese wandeln sich.“ Nur Aussitzen allein verändert zwar auch manches, aber es fühlt sich deutlich besser an, wenn man sich seine Selbstwirksamkeit und Handlungsmacht wieder spürbar zurück erobern kann. Und das muss man nicht aus eigener Kraft schaffen – man darf sich auch mal fallen und aufhelfen lassen. Auch das schafft Nestwärme…

    4. Erfolgserlebnisse suchen. Im Sport? Mal ein Kreativ-, Foto- oder Kochkurs? Chorsingen (I love it! Mein Allheilmittel neben heiß duschen und schlafen). What else? Was macht dir Spaß und stärkt dich?
    Wichtig: Irgendwas mit anderen Menschen.
    (Auch – und gerade – wenn man am liebsten keinen sehen möchte.)

    • Erstmal, liebe Ani, danke ich dir herzlich, dass du dir die Zeit genommen hast, mir hier so ausführlich zu schreiben. Allein das hat mir schon gut getan. Aber auch, was du mir schreibst, hilft. Denn ich weiß ja, dass auch du dich „verpflanzt“ hast und somit die Gefühle und Auswirkungen auf die Seele kennst. Bist du denn jetzt in HH auch innerlich angekommen?

      In Duisburg lebe ich erst knapp 2 Jahre, davor war ich an vielen, vielen Wochenende hier. Und: Es gab tatsächlich nur einen einzigen Grund für diese Stadt: Der Liebste ist von hier. Sicherlich gibt es hier auch ein paar ganz schöne Ecken und ab und an Liebenswertes, aber Duisburg ist eben nun mal Duisburg… (Klar, man kann schnell nach Essen, Düsseldorf und Co., aber dafür muss man sich schon in Bewegung setzen.) Die ganze Struktur ist anders und auch das geht im Alltag an meinen Bedürfnissen (oder nennen wir es Gewohnheiten?) manchmal sehr vorbei.

      Durch die Mobberei in der Jobwelt habe ich tatsächlich dieses „Man will mich nicht dabei haben“-Gefühl entwickelt, der Gedanke ist mir auch schon gekommen. Und auch, dass ich dieses Gefühl wohl in mich aufgenommen habe und deshalb überall mit hinnehme. Dazu das diffuse Gefühl von Entwertung, Verwirrung und Unverstandensein. Und das hat mir genau diese Euphoriebremse beschert, die du so gut beschreibst, und die ich früher nie hatte. Man wird vorsichtiger, dünnhäutiger. Ich glaube zudem, dass man, je älter man wird, umso schwieriger Kontakte knüpft, aus wahrscheinlich eben jenen Gründen. Und Menschen, die neu sind in meinem Leben können ja nichts dafür, dass sie mich erst ein paar Jahre kennen, aber sie wissen eben auch nicht, wie ich noch vor sagenwirmal 10-15 Jahren war. Ich glaube schon, dass sie dann ein deutlich anderes Bild von mir hätten. Manchmal erkenne ich mich ja selbst im Spiegel nicht wieder und hätte mich lieber in alter Form zurück. Mit Versuchen, diese alte Form durch Schreiben, Singen, andere Formen der Kreativität zu reaktivieren, bin ich allerdings bisher jedes Mal gescheitert, das frustet auch. Als hätte mir jemand einen schweren Gullydeckel auf die Energiequelle geschmissen. Und ich müh‘ mich ab, den wegzuschieben. Puh. (Über meine Depriphasen möchte ich hier lieber nicht so eingehend schreiben… Ich bin da aber dran.)

      Es gibt so Tage, die sind eben echt schwer zu stemmen, heute ist so einer. Aber zum Glück ist er auch bald rum, und morgen seh‘ ich weiter… Manchmal gelingt mir die Selbstaktivierung ganz gut, das ist eine meiner positiven Eigenschaften. Und vielleicht besorge ich mir mal das Büchlein, das du angesprochen hast (wofür habe ich schließlich einen Bilbliotheksausweis?). An einen Kurs habe ich übrigens auch schon öfter gedacht, da werd‘ ich mal gucken.

      Sei erstmal ordentlich ferngedrückt, meine Liebe! :-*

      • Liebe Dani,
        danke für deine Zeilen. Ja – die alte Form zurück haben wollen… ich glaube, ich weiß, was du meinst. Es erinnert mich an die einstigen Worte meines Hamburger Ex-Chefs: „Wir wollen die alte Ani zurück.“, die ich mit den Worten parierte „Die alte Ani wird wohl niemals wiederkommen, weil es sie so nicht mehr gibt.“… Das war kurz vor meiner schwersten Krise.
        Tatsächlich glaube ich heute, dass diese „Gullydeckel-wegschieb-abmüh-Phasen“ zumeist durch einen aktuellen Trigger (bei dir: Mobbing; bei mir damals: Trennung/Scheidung) ausgelöst wurden – und an ein altes, verschüttetes Gefühl rühren, das dann lediglich aus dem Winterschlaf erwacht… und einen somit quasi an die „Quelle des Übels“ führen können.
        Um deine Frage zu beantworten: Ja, heute bin ich voll und ganz in Hamburg angekommen und mag die Stadt sehr. Damit dies möglich wurde, musste ich jedoch zunächst das tiefe dunkle Tal durchschreiten und mich frei kämpfen, um mir selber die Stadt erobern zu können – als ich dies auch wirklich wollte. Ich war davor einfach viel zu sehr gefangen im Mutterdasein – ohne soziales Netz, ohne berufliche Anerkennung, ohne persönliche Infrastruktur und Mobilität… all das hat mir gefehlt, und ich war damals bereits energetisch viel zu sehr runtergewirtschaftet, um dies kraftvoll im angemessenen Moment angehen zu können. Erst sehr viel später habe ich erkannt, dass der größte Kraftkiller meine damalige Ehe war (was bei dir glücklicherweise genau andersherum ist – und genau so sollte es ja auch sein! <3).
        Bei uns war der Umzug nach Hamburg im Grunde fast zu spät erfolgt, Details würden hier zu weit führen; ich war davor schon 1 Jahr faktisch alleinerziehend gewesen, mein damaliger Mann hatte zu 90% den Fokus auf seine berufliche Karriere gelegt und ich war – rückblickend trotz Mutter-Kind-Kur unerkannt geblieben – in einer schweren Depri gelandet, die ich nach HH mitgenommen habe, genau, wie Rupert es in seinem Kommentar oben sagte.
        Es gibt ja diese (auf alles und nichts passende) Diagnose "Anpassungsstörung" (ich erhielt diesen Stempel damals u.a. auch), und es stimmte: Ich bin mit dem Wechsel lange Zeit nicht klar gekommen.

        Im Grunde sind solche Krisen ja wirklich gut, weil sie einen dazu zwingen, sich zu fragen:
        – Was brauche ich, was ist essentiell für mich, und kann ich mir das irgendwie irgendwo holen? (Kontakte, tägliche kleine Rituale und Routinen, whatever…)
        – Was könnte sonst ein angemessener Ersatz für das Frühere sein, und wie kann ich mir den schaffen…?
        – Bin ich derzeit überhaupt in der Lage, aktiv etwas anzugehen, oder bin ich momentan zu erschöpft und muss erstmal auftanken (und was würde mich auftanken lassen…? Wohltuende Massagen, Bäder, Sport, Kunstausstellungen, Musik… was verschafft mir Wohlbehagen?)?
        – Welche Glaubenssätze begleiten mich? Und wäre es ggf. Zeit, diese einmal genauer zu beleuchten und für mich umzuschreiben…?

        Phasen, in denen man erstmal nur funktioniert, sind auch ok, vorausgesetzt, sie dauern nicht zu lange. Ich denke, auch und gerade nach Mobbing, ist nicht zu unterschätzen, dass es lange dauern kann.
        Nach meinem letzten Mobbing (eine einzige Person hatte mich auserkoren und schlussendlich das ganze Team gesprengt…, die Vorgesetzte glänzte konfliktscheu durch Nichthandlung und stellte selber einen Versetzungsantrag… so dass ich freiwillig vor Fristablauf mittels ärztlichem Attest ausgeschieden bin, und sie – Karma sei dank – nicht entfristet wurde…) habe ich 1,5 Jahre (in denen ich jedoch u.a. eine 5-monatige intensive Vollzeit-Weiterbildung absolvierte) gebraucht, bis ich wieder einen Job ausüben konnte. Bei meinem ersten Mobbing dauerte es genauso lange.
        Ich habe mich zwischenzeitlich intensiver mit dem Mobbing-Phänomen beschäftigt, sowohl formal als auch mit dem "Opfer-Ding", weil ich es nicht für Zufall hielt, dass mir das 2x widerfuhr. Dann habe ich ja – wie du es auch planst und was ich in solchen Fällen auch grundsätzlich als Erwägung sinnvoll finde – eine berufliche Selbstständigkeit versucht, bin jedoch an den Rahmenbedingungen (Versicherungsbeiträge, Augaben-Einnahmen-Verhältnis, schwankende Auftragslage etc.) insofern gescheitert, als es mir sämtliche Finanzpolster aufzehrte und mich zurück in ein Angestelltenverhältnis zwang, aber das habe ich dann ja auch nach einem Jahr "freiwillig" verlassen und mich oft gefragt, was hier eigentlich nicht stimmt:
        Habe ich wirklich derart unrealistische Ansprüche (nach diversem Feedback von anderen Menschen wage ich zu behaupten: nein), oder ist die Arbeitswelt mittlerweile zunehmend aus den Fugen und wir zudem in einem Lebensalter, indem man einfach nicht mehr alles mit sich machen lassen kann und will – oder ist es ein Konglomerat aus all dem…?
        Ich habe mich für Flickschusterei entscheiden, bis meine Tochter aus dem Gröbsten heraus ist und sich auf eigene Füße stellt.
        Vorgestellt habe ich mir mein Leben definitiv anders… aber wie heißt es so schön:
        "Wir müssen uns von der Vorstellung, die wir vom Leben haben, lösen, um das Leben leben zu können, das auf uns wartet."
        So gesehen habe ich wohl eine gewisse Demut entwickelt und auch nicht mehr soviel (existenzielle) )Angst vor vielem wie früher, und zudem einige Vorurteile und Maßstäbe revidiert.

        Aber all dies hilft dir vermutlich nicht konkret für dein Leben weiter… ich bin ein wenig ins Plaudern gekommen… und sende das nun erstmal ab. 🙂

        • Ach, liebe Ani,
          alles was du hier skizzierst, beschäftigt mich auch. – Das ist fast gespenstisch! 😉 (Es gibt ja auch nette Gespenster.)

          Auch mir ist die Mobbingsache zweimal (hintereinander) passiert, und man macht sich dann doch seeehr viele Gedanken darüber, was mit einem denn nicht stimmt?!? An guten Tagen denke ich: Ich passe eben nicht gut in Schablonen, und das irritiert manche so sehr, dass sie sowas „weghaben“ wollen. Und ich lege den Finger darauf, wenn ich finde, dass man sich als Mensch nicht alles reindrücken lassen muss, nur um erwerbstätig sein zu „dürfen“. An schlechten Tagen fürchte ich, ich sei vielleicht arrogant aufgetreten, wo ich mich eigentlich nur selbstbewusst fand. Und ich frage mich, kann es sein, dass ich so furchtbar und nervig bin, dass man’s mit mir nicht aushält? Und wieso sagt mir das denn keiner mal so, dass ich es erkennen kann? Denn gemobbt wird man ja immer als Person, eher selten aufgrund der Leistung.

          Und ich finde aber auch, dass sich die Arbeitswelt in den letzten Jahren stark verändert hat. Die Verdichtung von Arbeit stresst die Leute, die Vorgesetzten sind oft keine Führungspersönlichkeiten mehr und müssen sich mehr um Zahlen als um Menschen kümmern usw., der Umgang miteinander ist gleichgültiger und zugleich ruppiger geworden. Die Hemmschwelle, jemanden an den Rand zu schieben und sich darüber der eigenen Belastung zu entladen, ist gesunken. Und wenn man dann um Hilfe bittet und keine bekommt… Meine Vorgesetzten (die Teamleitung und der Regionalleiter oben drüber) waren für (nicht nur) mich keine Führungskräfte. – Da war nämlich weder von Führung noch von Kraft was zu spüren! Ich weiß übrigens, dass es da immer noch so zugeht und schon neue Zielscheiben aufgehängt sind. Furchtbar…

          Energetisch heruntergewirtschaftet fühle ich mich auch, und zwar seit Jahren. Nach einem satten Burn-out 2011 bin ich nicht mehr richtig auf die Beine gekommen und schlage mich seither am untersten Level meiner Reserven durch. Mein Gefühl sagt mir: ich könnte erstmal ein komplettes Jahr damit verbringen, mich wieder einzufangen, aber es ist ja immer irgendwas! Immer muss man wieder weiter. Voran! Voran! Keine Atempause.

          Und wenn ich momentan nicht richtig weiß, wer ich eigentlich noch bin, fällt es mir schwer, zu sagen, was ich überhaupt will. Mir fehlen hier Menschen, die mich spiegeln. Was mir, ehrlich gesagt, am meisten hier fehlt, ist eine gute Freundin zum quatschen. Im Moment wüsste ich nicht, wen ich hier anrufen würde, wenn ich mal voll daneben bin. Und: Mir fehlt auch sehr, eine Vertraute von jemandem zu sein. Ich verlerne es irgendwie ganz, für andere da zu sein.

          So in etwa.

          Natürlich horche ich darauf, was mir guttut. Im Moment ist es viel Stille und Raum. Selbstbestimmt zu sein. In die Welt gucken und sehen, dass es immer noch Dinge gibt außerhalb der Bürowelt, die mich in den letzten Jahren verschluckt gehalten hat. Was ich alleine tun kann, tue ich soweit wohl auch ganz gut. Aber zuviel alleine ist schwer…

          Hapuh. Ich wünsche uns Beiden leichtere Zeiten!
          Sei noch mal ferngedrückt. :-*

  5. Hallo Danni

    kein warum
    kein warum jetzt
    nur ein Gefühl, Dir geht es nicht gut und vielleicht eine kleine Aufmunterung.

    Du bist auf der guten Seite.
    Du kannst jeden Morgen in den Spiegel schauen ohne ein schlechtes Gewissen.
    Du hast anderen geholfen ohne Eigeninteresse.
    Du bist gut, so wie du bist.
    Du tust anderen Gut.
    Du bist kreativ, intelligent und ein Gewinn für die Welt.
    Du würdest vielen fehlen, wenn es dich nicht geben würde.
    Mehr darf und will man sich nicht wünschen.

    Ich hoffe ein kleines lächeln.

    Dies war auch persönlich aber vor ALLEM , auf deinen Freundes und Bekannten Kreis gemünzt.

    Also mach dich Grade, lächle und sei Froh, es könnte schlimmer kommen.

    Und wenn du nicht über den Inhalt, dann lächle wenigstens über die Grammatik und Rechtschreibung.

    Und kauf dir endlich eine Schimansky Jacke und hohl dir deine Dose an der Bude um die Ecke.
    Vielleicht fühlst du dich dann besser, wahrscheinlich nicht.

    Keine Tips zur Arbeitswelt oder zum Leben von mir, da bin ich der Falsche.
    Ich bin ein Masochist und darum habe ich in beidem oft viel Spas.
    Und ich lüge immer, denn warum die Wahrheit sagen, wenn es eine gute Lüge auch tut.
    Vor allem wenn es persönlich wird.

    Ich wünsche dir alles Gute

    Gruß Jens

    P.S,

    ich stalke dich nicht
    habe vor ein paar Jahren deine Namen gegoogelt und dann eigentlich alles gelesen.
    Nicht täglich sondern ein zwei Mal im Jahr, nicht extensiv sondern intensiv.
    Ich halte mich im Leben an eine Devise:
    Umgib dich mit Menschen die schlauer, schneller, besser sind, als du.
    Das mache ich nicht bewusst, es war schon immer so.
    Von ihnen kannst du lernen.
    Um Menschen die sich immer mit dem Gegenteil umgeben, um zu beweisen wie gut sie sind, sollte man einen großen bogen machen.Sind oft Narzisten oder sogar Faschisten.
    Sei nicht böse mit mir, von Dir konnte ich eine Menge lernen und auch von den Freunden mit denen Du auf deiner Seite schreibst.
    Oft ein lächeln bei mir, bei so viel Intelligenz und Eloquenz.

    Danke

    • Hi Jens,

      dich hier zu lesen ist in der Tat ein bisschen merkwürdig und überraschend… Aber schließlich habe ich ein Impressum und bin so einfach zu finden.

      Ich nehme deine guten Wünsche mit und danke dir.

      Und vielleicht schaffe ich mir irgendwann wirklich ’ne Schimmi-Jacke an und marodiere mal „Scheiße!“-motzend durch Duisburg, wenn keiner guckt. (Das mit dem Schnurrbart wird allerdings schwierig werden. Egal.)

      Ich wünsch‘ dir auch Gutes und Lichtes.

      Gruß zurück
      Theo/Danni

  6. Moin Dani,

    sorry dass ich erst so spaet reinlese, habe mich seit September 2017 in derart massive Aktivitäten rund um einen (vorübergehenden) Radio-Umzug eingemauert, dass ich keine Antennen mehr für was anderes hatte… nun sind wir langsam in einer Phase, in der der Rück-Umzug ins sanierte Gebäude am Horizont droht.
    Und mein Gehirn (inklusive der verdrängten Existenzfragen) schmilzt nun nicht nur in der Sommerhitze vor sich hin, sondern ist auch „out of Ablenkmanöver“ geraten.
    Es gibt nix mehr zu tun, alles mögliche ist gewuppt und gedübelt und lackiert und aufgehängt und eingestielt und eigentlich sollte ich stolz sein, aber ich seh nur, dass ich gar keine anderen Hobbies mehr habe. Jetzt wo die Möglichkeit, mich sinnhaft zu betätigen, langsam mangels klar eingrenzbarer Aufgaben an ihrem Ende angekommen ist, setzt so’n diffuses Unzulänglichkeitsding ein, so ’ne Unruhe, nicht genug getan zu haben.
    Toi Toi behauptet mein telefonierender Fotoapparat das Gegenteil und gibt mir über’s Dateidatum eine Art „objektive“ Außenschau auf mein Gerödel, aber weg ist dieses alarmige Nervenendenbrummen trotzdem nicht. Ich verbinde das aus früherer Erfahrung mit dem Herannahen eines Loches, und ich ranze dann auch Leute an, die nix dafür können, einfach weil für mich nix mehr zu tun ist und ich doch dringend diese Ablenkung / dieses Gefühl von Kontrolle über die Situation brauche… oder…

    … die Quelle zumindest meiner Kreativität ist nur einen Millimeter entfernt vom Absturz, das wird mir immer wieder klar. Wer glücklich ist, hat in dem Moment keinen Zwang zur kreativen Auseinandersetzung mit der Welt. Es braucht sich keine andere Welt zu schaffen, wer gerade komplett in der passenden Schublade sitzt.

    Wenn die Leute mich fragen warum ich so viele Sachen mach, dann liegt es daran, dass sie nicht wahrnehmen, wie real die Absturzkante für mich ist und wie dicht an mir dran der Abgrund ist. Das soll jetzt allerdings keine Klage darstellen, denn die Kreativität ist ein Seil, und Seile kann man am Abgrund immer gut gebrauchen. Paradoxerweise ist das Stehen am Abgrund denn auch der Ort, wo ich merke, dass ich lebe.

    Es gibt immer so eine Kippgrenze, wo ein Zustand in einen anderen kippt. Wo eine Sache nicht mehr passt und wir bis zu dem Abgrund dieser Sache latschen, schlittern, skaten, radeln, what auch ever, und dann stehn wir auch schon mal da wie Hühnchen mit Senf.

    Manche dieser Hühnchen fangen dann an, andere zu mobben, andere Hühnchen verfallen in Lethargie, wieder andere in Aktionismus, noch ganz andere in Selbsterkenntnis, und so weiter. Es gibt viele verschiedene Reaktionen auf die persönliche Kippgrenze einer Sache.

    Die meisten Hühnchen wollen, dass andere Hühnchen auf dem gleichen Niveau oder drunter sind. Die Welt soll ordentlich und kontrolliert sein. Wer rausragt, wird gepickt. Rausragen ist ja für einige Hühnchen bereits deren Persönlicher Abgrund. Und zwar sowohl für die rausragenden wie für die kleineren Hühnchen.

    Wichtig ist nur, dass man sich von solchen Sachen wie Kippgrenze, Abgrund und anderen Hühnchen nicht weghühnern lässt, sondern seinen Senf auf die Wurst tut wo der draufgehört. Oder wodrauf auch immer man seinen Senf gern haben möchte.

    Ich hoff, Dir geht’s mittlerweile deutlich besser, wir könn uns ja mal wieder mailen wenn Du magst!

    • hey hike,
      ich habe deinen Kommi erst gestern „gefunden“… Manchmal bin ich monatelang nicht hier, entschuldige. Ich antworte dir noch, wenn ich besser zurande bin. Erstmal feinste Grüße! (Und meine e-mail-Adresse ist immer noch die Alte *zwinker*)

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