Saunier mir! (2)

(Das Mal davor.)

Das hab‘ ich ja noch gar nicht erzählt! Zwei Wochen ist das jetzt schon wieder her, da waren Freundin T. und ich erneut in der Sauna. Also, als wir rein gingen, waren wir eher renovierungsbedürftig, erneut waren wir erst beim Rauskommen.

Man kennt das ja: erst heiß, dann kalt, dann liegen. Dann Hunger. Wir gehen in den Bistrobereich. (Ich mag ja irgendwie das Wort „Bereich“. Während man sich da aufhält, müsste man doch eigentlich Kohle bis Dorthinaus kriegen, oder?) Freundin T. entdeckt auf dem Nachbarsteller Kartoffelknödel und will sofort auch welche, – egal was es dazu gibt! Mir ist das aber nicht egal, denn sie versucht mir den dazugehörigen Sauerbraten aufzuschwatzen, obwohl ich heute die Entenbrust will, die ich beim letzten Mal leider nicht bekommen habe, weil sie „aus“ war. Da will T. auch lieber Ente, mit Klösschen.

Die Servierkraft ist neu hier und kriegt nichts auf die Reihe. Wir bestellen zweimal Ente, einmal mit Klösschen-wenn-das-geht, einmal normal. („Normal“ ist mit Schupfnudeln, das sind übrigens Klösschen-in-längs.) Dazu wollen wir spontan beide ein schönes, perliges Malzbier. Die Kellnerin gibt alles in eine Art PS2-Controller ein und meint, sie müsste aber erstmal gucken, ob Malzbier überhaupt noch da sei.

„Och nee!“, sage ich, „Machen’se mich nicht schwach… Ich brauch‘ jetzt’n Malzbier!“
Also geht sie nachgucken und kehrt bald darauf zurück: „Malzbier haben wir!“ Dann steht sie kurz da, rollt die Augen und spricht: „Ich müsste auch mal fragen, ob wir noch Ente haben…“ – „Nicht ihr Ernst!!!“ Sie zuckt die Schultern, schiebt ab und kommt wieder: „Doch. Ist auch noch da.“

Kurz überlege ich, noch etwas Drittes zu bestellen, verkneife mir das aber dann doch. Wir müssen schließlich irgendwann auch mal wieder nach Hause, und wenn’s noch so lustig ist. Um den Hunger zu überbrücken, fange ich an, von einer ausgesprochen interessanten Begebenheit zu erzählen. Aber bloß kurz. Der Nachbartisch mischt sich ein und wünscht viel Glück mit der Ente. Wir bedanken uns artig und ich fahre fort: „Jedenfalls hat er…“ Da kommt ein Malzbier. Eins. Diskussion. Ich fahre fort: „Jedenfalls habe ich…“ Da kommt das zweite Malzbier. Ich fahre fort: „Wo war ich? Also…“ Nachfrage: Ob wir denn wirklich nur eine Ente möchten. Nein, wir möchten zwei. Zwei Enten! Eine mit Klösschen, eine normal. Diskussion. Ich lege die Stirn zum Kühlen auf die Tischplatte und seufze laut: „Ichkannimehr!“ Die Kellnerin guckt erschrocken. Freundin T. bekringelt sich. „Ich versu- che hier schon die ganze Zeit, was zu erzählen, stattdessen muss ich immerzu dieselbe Bestellung aufgeben!“ Nun schleichen sich erstmal alle. Unser Tisch ist vorübergehend Bannzone. „Jeeeedenfalls…“, – jetzt habe ich natürlich den Faden verloren, und das Malzbier ist auch noch total warm.

Das Essen kommt. Ohne Besteck. Dafür mit Kännchen. „Sie können sich ja schomma um die Sauce streiten!“ ruft die Serviermamsell schmissig. Mit nachgeliefertem Besteck stellen wir dann fest, dass die Ente in etwa die Temperatur des Malzbieres hat. Mittel- europäische Durchschnittstemperatur, wahrscheinlich. Ich überlege kurz, den Teller später mit in die Sauna…, aber ich hab‘ wirklich Hunger.

(Ach, und von dem Rentner, der die ganze Zeit, mindestens dreimal mit seinen Quietsche- latschen ganz nah am Tisch hin und her gelaufen ist, will ich hier mal lieber gar nicht erst anfangen…)

Später, in dem schon mal beschriebenen wunderschönen Ruheraum mit dem großzügig ausgestreuten „Spezial“granulat, überlegen wir kurz, womit wir denn so einen Raum aus- legen würden. Wir sind uns einig, dass edler Holzfußboden schick passen würde, auch Naturstein oder ein dicker luxuriöser Teppich. Lustiger wären aber noch Reisszwecken, gekochter Sushireis, Kirschtomaten, Luftpolsterfolie…

… und dann muss T. mal kurz weggenickert sein.

26 thoughts on “Saunier mir! (2)

  1. :)) Schön. Die Bedienung war übrigens eine Tierfreundin. Wer Ente isst, muss bestraft werden! Hab ich alles vorher mit ihr ausgemacht. Und die Kamera… also der Film, der kommt demnächst.:>

    • Ach ja? Wo denn? Der wäre sicher sehenswert: Frau Bromine und Freundin im Bademantel, die eine entnervt, die andere mit Kicherkrampf… Da will ich aber Tantiemen! ;D

      Ich weiß, wegen der Ente: Asche auf mein Haupt. Wohl ist mir dabei nicht.

      • Das verrate ich nicht. Nur soviel: Der Doc ist mit dem Film gerade tingeln gegangen. :))

        ach was. wenn ich lust auf currywurst habe, kann ich auch nicht anders. allerdings ente habe ich bisher nur einmal gegessen und die war höchstpersönlich mir und hieß „dicker“. *schluchz*

        • Glaub‘ ich nicht! 😛 Das hätte er mir bestimmt erzählt!! (Und sei’s nur, um mich zu trietzen…)

          Ohjeh… Da käm‘ ich aber auch in Konflikt. Ich esse möglichst wenig Fleisch, habe aber immer mal das Gefühl, ich brauch‘ das jetzt. Zur Vegetarierin werd‘ ich’s nie schaffen, bewundere aber die, die das können.

          • Er hatte ja auch ein schlechtes Gewissen wegen Deiner Schokoladen-Chutney-Sauce. :>>

            ich schaffe es auch nicht ganz und gar. gerade heute abend einen vegetarischen lahmacun gegessen. vegetarischen lahmacun! HA! ich lach mich tooot. aber beim dicken wusste ich wenigstens noch was er für ein leben hatte. vorher. weil dann war er ja tot. aber er war wirklich ein macho-rambo hoch zehn – dat musste bestraft werden.

          • Das war Mango-Paprika-Chutney, und das hatte ich nicht mal selbst gemacht, nur was abgegeben. Ist der Film denn wenigstens auch 3D?

            Machos zu dezimieren, indem man sie einfach in die Pfanne haut, ist auch ’ne Lösung! :))

          • Ich weiß auch gar nicht mehr wie wir darauf gekommen sind. Auf jeden Fall hat ihm das Chutney geschmeckt, aber irgendwie fehlte die Schokolade oder so… :)). 3D in der Sauna? Oh ha…

            :))

  2. Wenn es eines gibt, das mich meine Entspannung verlieren lässt, dann ist es so ein Kuddelmuddel beim Auswärtsessen. Kalte Plörre aufm Teller, Essen kommt nicht oder nincht gleichzeitig, falsche Leckereien werden gebracht (und sind dann oft gar nicht lecker) *grusel*
    Wie ein Freund mal sagte. „Haste dir eigentlich mal überlegt, warum es heißt, eine Bestellung „aufgeben“?

    Luftpolsterfolie als Bodenbelag wäre aber der Hit finde ich.

    • Nächstes mal schreib‘ ich’s ihr vielleicht besser auf, in ganz großen Buchstaben… Dabei kann Essen gehen so schön sein, – ich liebe das! Einfach mal sitzen und sich bekochen und betüdeln lassen. Und kein Abwasch! :>>

      Und das Tolle: während es unter den Füßen knallt, stehen einem oben die Haare schick zu Berge!

      • „Kein Abwasch“ rockt!
        Wenn dann noch was auf dem Teller landet, das so richtig mit Liebe gemacht wurde…hach!

        Ich könnte mir auch einen mit Luftblasenfolie komplett ausgekleideten Raum vorstellen. Darin kann man dann gepflegt Amok laufen 😉

        • Abwaschen hasse ich von allen Hausarbeiten am meisten und bin immer froh, wenn ich den geschafft habe. Komischwerweise finde immer, dass die ganze Wohnung viel ordentlicher aussieht, wenn in der Küche keine Drecksgeschirr mehr rumsteht. Und ein mit Liebe und Sorgfalt gekochtes Essen hält mich wirklich tagelang warm…

          Yeah! Und brüllen! Und total elektrisch werden! (Das dürfen dann aber auch gern diese großen viereckigen sein, die oft in Pakate mit reinkommen!) :))

          • ROTFL
            „Total elektrisch werden“ – das will ich auch.
            *bizzzzl*

            Ich bin außerdem der festen Überzeugung, dass die Erfindung der Spülmaschine den Menschen vom Tier unterscheidet…und vielleicht der Akkuschrauber…aber nur vielleicht.

          • Sowas liegt hier wie Blei im Regal. Also, wirklich und tatsächlich. Ich hab‘ hier noch so’n geschenkten Riegel davon rumliegen…

            Dann gestehe ich Dir auch was: Ich esse Joghurtschokolade aus rosa Schachteln. *schäm*

  3. so cool

    theobromina, super geschrieben,
    habe mir :)) hier köstlichst amüsiert,
    konnte die latschen hören und den belag aufm fussboden spüren *schüttel*
    es lässt sich eben aus unangenehmen
    und befremdlichen immer noch `ne story machen.

    liebe grüße an dich,

    Anabell

    • Ja, das ist dann auch immer mein Trost: Dass ich’s ja hinterher aufschreiben kann. Unter diesem Aspekt sieht man fast alles ein bisschen gutmütiger… 😉

      Liebe Grüße nach Berlin!
      Theo

  4. auf Noppenfolie bin ich letztens rumgetrampelt. Bringt’s nicht. Knallt nicht so, wie wenn man sie einfach knispelt… also lieber als Handreiche hinlegen und den Boden mit was weniger spannendem bedecken…

    • Ja, es müsste natürlich eine Spezialfolie entwickelt werden, die leichter knallt und sich mittendrin auch wieder aufpümpt. Schade, dass ich so wenig Zeit für mein unterirdisches Labor habe! Das wäre in der Bodenbelagszene quasi die Krönung!!!

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